Armut

Aus Prophetia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Straßenkinder in New York (1890)
Die wahre Armut ist gleich den "Hungrigen" und "Durstigen", die mit dem Wort Gottes gesättigt werden. In der wahren Armut liegt ein großer Schatz; sie wird ewig gespeist mit dem Wort Gottes, daher heißt es, daß das Evangelium den Armen gepredigt werden soll Lk 7.22. Wer im Herzen versteht, was die wahre Armut ist, der wäre schon auf Erden reicher als mancher Fürst des Himmels.[1] Die Armen bezeichnen im Wort die, denen die Kenntnisse der Angehörigen der Kirche, denen das Wort bekannt ist, fehlen, aber doch danach verlangen, weswegen sie auch "Hungrige" genannt werden, z.B. sind unter dem Armen, der vor der Tür des Reichen lag und sich von Brosamen sättigen wollte, die von dessen Tisch fielen, und der von den Engeln in den Himmel emporgetragen wurde Luk 16.19-31, die Heiden zu verstehen. Weitere Bibelstellen: Mt 11.5, Luk 6.20, Luk 14.21, Jes 14.30, Jes 29.19, Jes 41.17 [2]

Armut ist ein Hauptanteil des Geistes des Herrn, daher hat wer arm ist in seiner Armut Ähnlichkeit mit dem Herrn. Der Arme ist dadurch schon mehr und mehr vom Geist Gottes erfüllt, weil er ein Armer ist.[3] Die Armut ist die wahre Weisheit. Wer Gott ähnlich werden will, um Ihn zu schauen, der muß selbst arm sein; erst in seiner größten Armut wird er erkennen, daß Gott nur, als selbst arm, an der Armut sein größtes Wohlgefallen hat, weil in der Armut des Lebens nur die größte Freiheit waltet.[4]

Wer von Herzen ein Freund der Armen sein wird, dem wird auch Gott ein Freund und ein wahrer Bruder sein zeitlich und ewig. Er wird nicht nötig haben, die innere Weisheit von anderen Weisen zu erlernen, sondern Gott wird sie ihm geben in aller Fülle in sein Herz. Wer seinen armen Nächsten lieben wird wie sich selbst, und ihn nicht abweist, welchen Stammes und welchen Alters er oder sie auch sei, zu dem wird Gott allzeit Selbst kommen und Sich seinem Geist, der die Liebe ist, getreu offenbaren. Was so jemand dann reden oder schreiben wird, das wird von Gott geredet und geschrieben sein für alle Zeit.[5][6] Die Seele des Hartherzigen wird ergriffen werden von argen Geistern und diese werden sie verderben und einer Tierseele gleichmachen, als die sie dann auch jenseits offenbar werden wird.[7] Man soll gerne und reichlich geben, denn wie man austeilt, so wird einem wieder zurückerteilt werden. Der Hartherzige wird vom Gnadenlicht Gottes nicht durchbrochen werden und in ihm wird die Finsternis und der Tod mit all seinen Schrecken wohnen.[8]

Inhaltsverzeichnis

Weltliche Armut

Die (weltliche) Armut ist eine große Plage für die Menschen, aber sie trägt den edlen Keim der Demut und wahren Bescheidenheit in sich und wird darum auch stets unter den Menschen verbleiben. Dennoch sollen die Reichen sie nicht mächtig werden lassen, weil sie sonst hier und dereinst auch jenseits sehr gefährdet werden.[9]

Der Mensch wird durch Armut ebenso verführt und vom Himmel abgewendet wie durch Reichtum. Unter den Armen gibt es sehr viele, die mit ihrem Schicksal unzufrieden, voller Begehrlichkeit sind und Reichtum für einen Segen halten. Erlangen sie ihn nicht, werden sie zornig, denken schlecht von der göttlichen Vorsehung und beneiden andere um ihre Güter. Außerdem betrügen sie ebenso, wenn sich Gelegenheit bietet, wie die anderen und leben auch genau wie sie in schmutzigen Wollüsten. Anders die Armen, die nicht mit ihrem Geschick hadern, sorgsam und fleißig in ihrem Geschäft sind, Arbeit über Müßiggang stellen, gewissenhaft und treu handeln und dabei zugleich ein christliches Leben führen.[10]

Wären alle Menschen reich, dann würden die Schätze ihren Wert und damit die Menschen allen Tätigkeitseifer verlieren und am Ende gleich den Tieren in aller Trägheit fortleben. Nur Hunger und Durst würde sie zur erforderlichen Tätigkeit antreiben; alles andere hätte für sie keinen Reiz.[11]

Ursachen

Schuld an der vielfachen Verarmung der Menschen sind die (ungerecht) Reichen, die durch eigennützige Spekulation viele Schätze an sich ziehen, die dann anderen Menschen zum gerechten Unterhalt fehlen.[12]

Folgen

Verbrechen

Die (weltliche) Armut ist eine Gefahr für die Seele, denn ihre Begriffe von Mein und Dein werden desto schwächer, je mehr ein Mensch von der Armut gedrückt wird. Deswegen soll man unter den Menschen die Armut nie zu groß werden lassen, wenn man sicher sein will.[13]

Eigenliebe und Neid

Die (weltliche) Armut hat häufig die fast notwendige Eigenliebe unzertrennlich bei sich; weswegen ein Armer nur für sich um Unterstützung bittet. Hat er sich etwas erbettelt, reicht dies kaum für seinen Bedarf, und die eigene Not läßt beinahe gar nicht zu, seine Almosen mit einem anderen armen Bruder zu teilen. Aus diesem Grund findet man unter der armen Klasse der Menschen nicht selten einen verheerenden Neid.[14]

Bekämpfung

Wer arm ist, der soll die wohlhabenderen Brüder um eine nötige Gabe bitten. Stößt er an harte Herzen, soll er sich zu Gott wenden, und es soll ihm geholfen werden. Armut und Not entschuldigen Diebstahl und Raub nicht, und noch weniger den Totschlag eines Beraubten.[15]

Die Armen sollen nicht vor der Türe des (ungerecht) Reichen betteln, wo sie nur verjagt werden und ihr Herz in Trauer und Bitterkeit verkehrt wird, sondern sie sollen mit festem Vertrauens zu Gott kommen, der sie versorgen und heilen will. Der Arme ist der nächste Bruder des Herrn, der für ihn sorge, daher soll er sich nicht von den Hunden entheiligen lassen; denn die Reichen der Welt sind Brüder des Satans und Kinder des Teufels aus der Hölle.[16]

Man braucht den Armen nicht soviel geben, daß auch sie reich würden; aber Not soll man sie nicht leiden lassen. Die man sieht und kennt, denen soll man angemessen helfen. Es gibt auf der weiten Erde noch viele, die entsetzlich arm sind und eine übergroße Not leiden, die man aber nicht kennt und auch ihr Jammern nicht hört. Diese werden einem von Gott aus nicht ans Herz gelegt (keine Verpflichtung zu helfen), sondern nur jene, die man kennt und die zu einem kommen.[17]

Die Armut des Herrn

Ein Gott und Herr ist nicht arm und das ist Gott auch nicht. Aber der Herr hat Sich der Menschen erbarmt und sie frei gemacht, damit Er ihnen ein lieber Vater würde; der Vater aber hat aus großer Liebe alles hergegeben, um die Menschen als Kinder zu gewinnen.[18]

Der Vater hat als die ewig unendlich große Liebe in Gott oder in Seiner Auswirkung alles von Sich gegeben, d.h. Er hat mit Seiner unendlichen Macht alle Unendlichkeit mit allen Seinen endlos großen Gedanken ewighin erfüllt und behielt nichts für sich. Daher ist der Vater in Sich arm und die Armut ist nun Seine Liebe; Sein Reichtum ist nun die freie Liebe und Sein alleiniges ewiges Leben, in dem allein alle Macht daheim ist. Diese Armut ist aber nun des Vaters größte Seligkeit, indem Er nun wieder alles zu Sich zurückkehren sieht und Er alles wieder, endlos vervollkommnet, in Seiner Liebe ergreifen kann.[19] Die Weltkörper und alles was da sicht- und ergreifbar ist entspricht der Gottheit oder Macht des göttlichen Vaters, Sein Muß bindet es. Aber es kann nicht so bleiben, wie es ist; denn alles ist da des Vaters wegen, damit Er Sich bereichere ewig, da Er aus Sich arm sein wollte auf eine Zeit.[20]

Die Liebe des Gottmenschen ist so groß, daß Er, der ewige alleinige Herr und Schöpfer der Unendlichkeit, Selbst völlig arm sein will, damit alle Seine Kinder desto reicher würden.[21] Der Ärmste unter den Menschen ist immer Christus, die eigentliche Lebenskraft des Herzens.[22]

Die Armut der Gottgeweihten

Der Herr hält Seine wahrhaftigen Bekenner und Nachfolger so kurz als möglich. Der Mensch muß die Wege des Lebens werktätig studieren, um sich auf diesen Wegen das ewige Leben eigen zu machen, da gehört kein voller Magen dazu, denn ein voller Bauch studiert nicht gern.[23]

Die Kinder Gottes sollen aus sich heraus getreue Ebenbilder des Herrn sein. Sie sollen, gleich Ihm, alles hergeben und ihre Liebe und ihr Leben aus dem Herrn frei machen, wodurch sie gleich Ihm reich werden ewig. Sie werden arm, um reich zu werden.[24] Die Armen in dieser Welt sind wahrhaft die Kinder Gottes; die Reichen aber sind zumeist Kinder dieser Welt. Damit sich die Kinder Gottes nicht überheben, läßt Gott sie in der harten, aber dennoch für sie höchst heilsamen Lebensschule dieser Welt auch Not leiden und in ihrer Not vor die Reichen der Welt kommen; was diese dann den Kindern Gottes tun, das wird auch Gott ihnen tun und sie vielfach schon im diesseits und endlosfach im Reich Gottes belohnen. Wer demnach die Liebe der Kinder hat durch seine Liebe zu ihnen, der hat auch die Liebe des Vaters sicher erworben.[25]

Es ist besser, wenn man aus Liebe zu seinen Brüdern der Ärmste unter ihnen ist als der reichste; weil wenn man mit ihnen seine Gaben geteilt hat, und einem ein Teil geblieben ist, dann hat man noch für sich selbst gesorgt, ohne auf die Sorge seines Vaters im Himmel zu achten. Hat man aber aus wahrer brüderlicher Nächstenliebe alles seinen Brüdern gegeben und nichts für sich behalten, dann hat man sich ganz frei gemacht und alle Sorge für sich dem Vater im Himmel überlassen. Dieser mächtige, übergute und heilige Vater wird ein solches Kind nicht darben lassen, sondern es soll für eins hundert und hundertmal hundert für zehn und unendlich haben für alles.[26]

Jenseits

Die Armen kommen nicht ihrer Armut, sondern ihres Lebens wegen in den Himmel. Aufgenommen wird, wer einen guten, zurückgewiesen, wer einen schlechten Lebenswandel geführt hat.[27] Die Meinung, die Armen hätten es leichter, in den Himmel zu kommen, beruht auf einem mangelhaften (ungeistigen) Verständnis der Stellen, in denen das Wort Gottes von den Reichen und Armen spricht.[28]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Lorber, Himmelsgaben 1.326.5
  2. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 365; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 420
  3. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.104.15-16
  4. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.55.21
  5. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.5
  6. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.8
  7. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.6
  8. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.7
  9. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.3
  10. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 364
  11. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.212.9
  12. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.80.7
  13. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.1
  14. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.23.15
  15. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.2
  16. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.1.3
  17. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.79.4
  18. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.257.19
  19. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.250.22-25
  20. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.250.26-27
  21. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.60.22
  22. Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 30.15
  23. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.3.7
  24. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.250.28
  25. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.140.12-14
  26. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.154.5-6
  27. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 364
  28. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 365
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge