Sehen

Aus Prophetia
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Anatomie des menschlichen Auges
Die Augen bezeichnen im Wort den Verstand,[1] welcher der innere Gesichtssinn ist.[2] Sie entsprechen auch den Wahrheiten aus dem Guten,[3] oder der Einsicht.[4]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Sehen gibt es eine leibliches, seelisches und geistiges. Die leiblichen Augen können erst dann etwas schauen, wenn es gerade eben innerhalb ihres Wahrnehmungskreises geschieht, der sich bis zur Sonne und den Sternen erstreckt. Die seelische Sehe kann etwas schon wesentlich früher erkennen, oder erst als ein Nachhall danach und auch über weite Distanzen. Das geistige Schauen ist ganz verschieden von dem der Seele; es kann alles Vergangene und Zukünftige erkennen (es ist nicht begrenzt). Das innere Schauen - das des Denkens - geht über das leibliche hinaus und wird vom göttlichen Sehen, dem allerinnersten und höchsten, weit übertroffen.[5]

Die Geistigen sehen die Dinge aus geistigem Ursprung, die Natürlichen (Menschen, Tiere usw.) die Dinge aus natürlichem Ursprung. Deshalb kann der Mensch mit seinen Augen nichts von der geistigen Welt wahrnehmen, es sei denn, daß es ihm gegeben werde, im Geist zu sein, oder dann nach dem Tod, wenn er ein Geist wird. Umgekehrt können aber auch die Engel und der Geist nichts von der natürlichen Welt sehen, es sei denn daß sie bei einem Menschen sind, dem es gewährt wird, mit ihnen zu reden. Die Augen des Mensch sind zur Aufnahme des Lichtes der natürlichen Welt eingerichtet, die der Engel und Geister zur Aufnahme des Lichtes der geistigen Welt. Dennoch haben sie auf beiden Seiten dem Anschein nach genau die gleichen Augen.[6]

Verstärkung:

Wer ein starkes Gesicht hat, der leite die Brennpunkte seiner Sehe in sein Herz.[8] Das Schauen (von Gott) bringt niemand das ewige Leben, wohl aber das Hören und das Leben nach dem gehörten Wort. (nach Henoch)[9]

Tätigkeit ist das Licht und der Glanz aller Wesen und Dinge. Die Sehkraft des Auges besteht darin, diese Tätigkeit wahrzunehmen. Die unvollkommene Sehe sieht nur Licht und Glanz, die vollkommene sieht die wesenhafte Tätigkeit selbst.[10]

Die Freude der Augen sind die Schönheit und ihre Formen. Dem Gesichtssinn zugeordnete Freuden sind die Dienste, die er dem Verstand leistet.[11]

Nach oben blicken (im Entsprechungssinn) heißt auf den Himmel und zugleich zum Herrn aufblicken, weil Er der der allgemeine Mittelpunkt ist, auf den alle Dinge des Himmels ausgerichtet sind. Nach unten blicken heißt auf die Hölle blicken, vom Herrn weg auf den entgegengesetzten Mittelpunkt, auf den alle Dinge der Hölle bezogen sind.[12]

Leibliches Sehen

Das leibliche Auge ist so grob, daß es nicht einmal kleinere Gegenstände der Natur ohne Hilfe optischer Instrumente erkennen kann. Desto weniger vermag es die Dinge der geistigen Welt, die sich über der Sphäre der Natur befinden, auszumachen. Gleiches sieht Gleiches, weil es Gleichem entstammt. Der Mensch kann dennoch diese Dinge sehen, wenn er dem Auge des Körpers entrückt und ihm das Gesicht seines Geistes geöffnet wird. Dies geschieht auch augenblicklich, wenn es dem Herrn gefällt, wobei der Mensch dann nur meint, daß er sie mit den Augen seines Körpers erblickt. Auf diese Weise wurden z.B. die Engel von Abraham, Lot, Manoach und den Propheten gesehen, ebenso auch der Herr nach der Auferstehung und die Engel von den Jüngern. Auch Swedenborg sah so die Engel. Daher nannte man die Propheten auch Seher, wie z.B. in 1Sam 9.9. Sie so sehen zu machen, hieß "die Augen öffnen", wie dies dem Gehilfen Elischas geschah 2Kön 6.17.[13]

Geistiges Sehen

Was beim Naturmenschen das Auge ist, das ist beim Geist das Schauvermögen in göttlichen und himmlischen Dingen, die allein dem Wesen des Geistes für seine glückseligste ewige Existenz zusagen. (nach Nathanael)[14] Die innerste Geistessehe ist das eigentlichste Bewußtsein des eigenen und fremden Seins und das Vermögen, Gott zu schauen und zu erkennen.[15] Dem Geist ist ein Sandkorn mehr als dem fleischlichen Auge das ganze Weltall, wenn es dieses in aller seiner äußerlichen Pracht ersehen könnte. Er sieht darin kein Stäubchen, sondern eine unermeßlich große und herrliche Welt in deren weiten Räumen Licht und Leben wallt. (nach Jorias)[16]

Sehen in der Geisterwelt

Das Auge ist in der geistigen Welt stets nur der Zeuge von dem was für das Herz geschieht und was aus dem Herz kommt. (d.h. man sieht mit dem Herzen) (nach Borem)[17]

Geister sehen das, von dem sie noch keine Kenntnis haben, wie in einer großen Ferne. Sie nähern sich in dem Verhältnis, wie ihre Weisheit über das vorliegende Objekt zunimmt.[18]

Alle Geister aus dem obersten Himmel des Herrn sehen auch jeden naturmäßigen (materiellen) Körper aus- und inwendig, wie er beschaffen ist. Da sie bei Gott sind, sehen sie durch Ihn alles, was in der Geisterwelt und Körperwelt ist genau so, wie Gott es sieht. (Anm.: Andere Geister sehen die materielle Welt nur in Entsprechungsformen.)[19]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 97
  2. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 402
  3. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 232
  4. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 271
  5. Jakob Lorber, Der Mittelpunkt der Erde 10.31-43; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 85
  6. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 582
  7. Jakob Lorber, Der Mittelpunkt der Erde 10.46-47
  8. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.25.49
  9. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.269.5
  10. Jakob Lorber, Bischof Martin 47.11
  11. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 402
  12. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 430
  13. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 76
  14. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.7
  15. Jakob Lorber, Bischof Martin 43.8
  16. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.87.12-14
  17. Jakob Lorber, Bischof Martin 125.23-24
  18. Jakob Lorber, Bischof Martin 131.2
  19. Jakob Lorber, Bischof Martin 128.7; Jakob Lorber, Bischof Martin 134.5
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