Ausbildung
In der Welt kann man wissen, wie das Gute und Wahre auf der bürgerlichen Ebene aussieht, die sogenannte Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, denn hier gibt es bürgerliche Gesetze, die lehren, was gerecht ist. Auch lernt der Mensch in der Gemeinschaft, nach sittlichen Gesetzen zu leben, die sich alle auf das beziehen, was ehrlich und recht ist. Was aber auf der geistigen Ebene gut und wahr ist, lernt man nicht auf Erden, sondern im Himmel. Man kann diese Gesetzmäßigkeiten zwar aus dem Wort und der dem Wort entnommenen Lehre der Kirche wissen, sie können aber nicht ins Leben des Menschen eindringen, wenn er nicht hinsichtlich seiner inneren Gemütsbereiche dem Himmel angehört.[2]
Schläge sind nicht die Art, Menschen zu lehren und zu bilden.[3]
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Weltliche Bildung
Der Geist des Menschen soll auch die Welt schauen und weltkundig werden, aber kein Wohlgefallen an ihr finden. Sobald man Gefallen an der Welt findet, soll man sich sofort von ihr abwenden, weil da dem Geist schon Gefahr droht. Das Gleichnis vom Augenausreißen Mt 5.29 bedeutet dieses sich abwenden.[4] Alle weltliche Bildung, wenn sie nicht als Grundlage die Anerkennung des Göttlichen himmlisches Licht in sich aufgenommen hat, verwandelt sich im anderen Leben in ein Höllenfeuer, das in der Gier nach Ruhm und einem großen Namen besteht. Aus diese Gier wirft sich der eine auf den andern und quält mit infernalischer Glut alle, die ihn nicht wie einen Gott verehren wollen. (siehe Rationalisten im Jenseits)[5] Wer hingegen Einsicht und Weisheit durch Kenntnisse und Wissenschaften erworben hat, dienen diese als Mittel, um weise zu werden und alles zu stärken, was mit dem Glauben zusammenhängt.[6]
Die vielen Wunder des Kosmos hat jeder Mensch in seinem Geist ruhend verborgen. Darum soll man vor allem danach trachten, den Geist völlig zu erwecken, wodurch man sogar noch viel mehr als alles was die Sinne schauen und empfinden, in größter Klarheit schauen und empfinden kann. Ein vollkommener Mensch kann in seinem Geist Gott schauen von Angesicht zu Angesicht.[7]
Menschen, die in den Weltdingen klug und scharfsinnig sind, die werden es auch bald und leicht in den Dingen des Geistes und seiner Weisheits- und Lebenstiefen; es kommt nur darauf an, wie man sie behandelt.[8]
Weltliche Ausbildung in geistigen Dingen
Von weltlichen Schulen (z.B. theologische Seminare) läßt sich nichts Geistiges lernen. Wer nicht im Herzen von Gott gelehrt wird, der bleibt in der Nacht der Welt, und das Licht des Lebens wird ihm ewig fern bleiben. Auch wenn man von der Welt alle Weisheit der Engel erlernt, ist (bzw. bleibt oder wird) man (geistig) tot, wenn einem nicht das von Gott ausgehende wahre Licht des Lebens leuchtet.[9]
Durch die weltliche Ausbildung (in geistigen Dingen) bleibt der Schüler leiblich und geistig stets abhängig von seinem Meister und kann nur das lernen, was dieser selber kann und weiß. Sie verdirbt den Geist, anstatt ihn zu fördern. (nach Ebal)[10]
Die falschen Propheten lernen und lehren mittels der weltlichen Ausbildung. Die wahren Propheten sind von Gott gelehrt, der ihnen Seine Lehre und Seinen Willen in Herz und Mund legt.[11]
Geistige Bildung
Geistig denken kann ein Mensch nur, wenn er über die Existenz Gottes, über Himmel und Hölle, das Leben nach dem Tod, sowie darüber, daß man Gott über alles, den Nächsten aber wie sich selbst lieben und glauben soll, was im Wort geschrieben steht, weil das Wort göttlich ist, unterrichtet wurde und diese Dinge anerkennt. Ohne Nachdenken darüber, kann er diese Dinge auch nicht wollen, denn was der Mensch nicht weiß, darüber kann er auch nicht nachdenken, und was er nicht denkt, das kann er nicht wollen. Will er die genannten Dinge, so fließt der Himmel, das heißt der Herr durch den Himmel in das Leben des betreffenden Menschen ein; denn Er fließt zunächst in den Willen, dann durch den Willen ins Denken und schließlich durch beide ins Leben ein. Daher lernt man das geistig Gute und Wahre nicht aus der Welt, sondern aus dem Himmel und daher kann jeder nur durch entsprechenden Unterricht auf den Himmel vorbereitet werden. Der Herr lehrt den Menschen, soweit Er in sein Leben einfließt, denn dann entzündet Er im Willen die Liebe zu wissen, was wahr ist, und erleuchtet das Denken, daß es das Wahre erkennt. Im selben Maße werden auch die innerlichen Bereiche des Menschen aufgeschlossen und ihm der Himmel eingepflanzt, ebenso vermag das Göttliche und Himmlische in all das einzuströmen, was in seinem sittlichen Leben aufrichtig und in seinem bürgerlichen Leben gerecht war und so werden diese Bereiche geistig, da der Mensch dann aus dem Göttlichen, das heißt um des Göttlichen willen handelt.[12]
Die geistige Wissensvermittlung bedarf einer himmlischen Art zu lehren. Diese regt zum Selbstdenken und Selbstbestimmen an, das den Geist belebt und ihn für tiefere Wahrheiten und für die Weisheit des Himmels fähig macht.[13] Aller Unterricht muß gewisserart an Kinder (Nachfolger) ergehen und ein mehr freier denn ein zwingender sein.[14]
Der Mensch jeden Weltkörpers hat einen unendlichen Weisheitsschatz schon in sich und dieser braucht nur durch ein taugliches Mittel geweckt werden, worauf er sofort von selbst die herrlichsten Früchte trägt. Für ein solches Weckmittel sorgt der erhabene Gottesgeist. Das Wachsen in der Weisheit bedarf keines Unterrichts von außen her, sondern lediglich von innen heraus. Alles was von außen her zum Menschen gelangt, ist und bleibt ewig ein Fremdes und kann dem Empfangenden keine wahre, bleibende, eigene Weisheit geben, sondern eine Weisheit nur gleich einer Schmarotzerpflanze, die dem Leben nie hilft, sondern dasselbe nur verkümmert und am Ende ganz verdirbt, weil es als ein Äußeres stets nach außen sich wendet statt nach innen, dem Sitz des eigentlichen, wahren, ewigen Lebens aus Gott.[15]
Der innere Unterricht erteilt der Seele allein der Geist. Die äußere Sprache (eine Predigt oder auch der Text einer Offenbarung) ist nur, um das Äußere zu bemessen und es dann mit dem Inneren zu vermählen. Dadurch wird eine Ehe zwischen Außen und Innen bewerkstelligt, und durch diese Ehe die volle Erkenntnis der göttlichen Ordnung. Diese Erkenntnis ist dann die eigentliche Weisheit. Der Geist Gottes unterrichtet die Menschen nie durch äußere Offenbarungen, sondern immer lediglich von innen heraus durch den Geist. Ein äußerer Unterricht kann so lange von keiner inneren Wirkung sein, bis er nicht durch die weckende Kraft des Gottesgeistes in den inwendigen Geist des Menschen geführt wurde. Das von Außen vernommene ist so lange von keiner Wirkung, bis man es nicht aus sich selbst vernimmt, sogar dann nicht, wenn einen Gott Selbst äußerlich in aller Weisheit unterweisen würde (z.B. bei Judas der Fall). Der äußere Unterricht dient nur zum Gericht, solange man ihn nicht aus sich selbst empfängt, denn was nicht sein eigenes ist, das ist ein Gericht und macht nicht frei. (nach einem Mondmenschen)[16] Jeder Mensch muß von Gott gelehrt sein 1Kor 2.11. Wer es nicht von Gott lernt, der hat es nicht und weiß es nicht.[17]
Obwohl die wahre Weisheit von innen kommt, wird dadurch das Lernen nicht unnötig. Durch ein rechtes und demütiges Lernen wird der Acker für die Weisheit gedüngt, und das ist auch in der Ordnung Gottes. Man darf aber nicht das Lernen als den Zweck oder für die Weisheit selbst ansehen, sondern nur als Mittel. Ist der Acker gedüngt, dann streut der Herr den Samen aus, woraus dann erst die rechte Weisheit sprießt.[18]
Überlieferung
Alle Lehre von Mund zu Mund (allein) ist nichts nütze und ebenso nicht die von Herz zu Herz, solange ihre Satzungen nicht durch das lebendige Zeugnis Gottes im Herzen jedes Menschen bestätigt werden. Eine Lehre mag noch so wahr, gut und schön sein, aber wenn sie allein auf den (toten) Glauben angewiesen ist, der nichts als eine alleinige schale Überlieferung zum Grund und die Blindheit des Herzens zum Zeugnis für die Echtheit der Lehre hat, so ist die Lehre trotz allem zu nichts nütze. Man soll die Kinder (oder Schüler) den Namen Gottes und Seine urewige Gnade, Heiligkeit und liebevollste Wesenheit mündlich lehren, darf es aber nicht bei dieser Lehre belassen, sondern soll eifrig dafür sorgen, daß die Lehre bei ihnen bald zur vollen lebendigen Tat übergeht, wodurch dann jeder bald das große, lebendige, heilige Zeugnis des Herrn erlangt, das dann die Echtheit der Lehre stark leuchtend bezeugt Joh 7.16-17 und der Lohn ist, daß sie die Worte tätig beherzigt haben. Wer dieses Zeugnis in sich findet, der hat auch das ewige Leben schon aus Gott empfangen und es wird ihm ewig nicht mehr genommen werden.[19]
siehe auch Predigen
Richtlinien
Wer über Gott und Seine Werke reden will und seinen Bruder darin unterrichten, der muß zuvor selbst von Gott gelernt haben, weil Gott und Seine Werke niemand kennt als nur Gott allein. Man soll nicht seinem Bruder etwas lehren wollen, was man nicht selbst versteht, denn der Herr spricht da und sagt: "Da will Ich den Meister und den Jünger züchtigen und will ehedem weder den einen noch den anderen ansehen!" (nach Henoch)[20]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.191.9-10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 512
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 295.23
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 354
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 356
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.10; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.144.11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.146.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.168.3-4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.191.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.4-5
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 512
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.185.15; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.191.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.90.7
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 50.3-6; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.117.5
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 50.20-23
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 2.269.10
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 218.20-25
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.74.22-26; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.74.30-31
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.243.8-11