Entsagung
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Wesen
Man soll seine Sinne und vor allem sein Herz von der Welt zurückziehen, denn diese ist nichtig und nur eine fixierte Erscheinlichkeit (vergänglich), um den unsterblichen Geist für kurze Zeit (Lebensdauer des Menschen auf der Erde) zu prüfen.[1]
Die Welt in sich zu besiegen bedeutet nicht, den Kopf hängen zu lassen oder ein Verflucher der Welt zu werden, sondern sie weise zu benützen, da sie ein gut brauchbares Werkzeug ist, mit dem man sich, so man es zweckdienlich anwendet, nämlich als ein Jünger des Herrn, viel Gutes und Herrliches schaffen kann, wodurch es das ewige Leben bereiten und festigen wird. Wer es jedoch anders verwendet, dem wird es allzu leicht eine tödliche Wunde versetzen, da die Welt gleich einem sehr scharfen Messer ist.[2]
Gründe
Stärkung
Ohne Christus könnte niemand etwas Verdienstliches zum ewige Leben wirken, aber dennoch muß zuvor jeder aus seinem freien Willen heraus selbst so viel tun als er kann. Es ist nötig, seine Sinne von den Reizen der Welt abzuwenden und Meister seiner weltlichen Begierden zu werden. Wer gegen die ihn bestürmenden Leidenschaften mit den ihm verliehenen Waffen zu kämpfen beginnt, der erhält nach dem Maß seiner Siege die Hilfe von Gott für weitere und ernstere Kämpfe und Siege verliehen. Wenn man seine Sinne einmal zur Hälfte meistert, dann erfüllt der Herr den Rest.[3]
Erlangung wahrer Gottes- und Nächstenliebe
Das Handeln nach dem Willen Gottes verlangt eine starke Selbstverleugnung, ohne die niemand Gott über alles und seinen Nächsten wie sich selbst lieben kann.[4]
Um Gott über alles zu lieben gehört vor allem ein nach den Gesetzen Moses vollkommen reiner Lebenswandel. Wo dieser durch allerlei unordentliche Lebensfehler (Sünden) zerstört wurde, da litten notwendig alle zum Leben erforderlichen (seelischen) Kräfte, die dadurch materiell und wie völlig totgemacht wurden. So wie ein Gichtkranker keinen hohen Berg ersteigen kann, kann ein auf solche Weise lebensverkrüppelter Mensch dann Gott unmöglich aus allen Lebenskräften über alles lieben. Er muß erst seine erstorbenen Lebenskräfte durch eine oft mehrere Jahre lange eifrigste Selbstverleugnung aller seiner alten Leidenschaften und Gewohnheiten in sich neu beleben und so erst nach und nach in die höchstmögliche Liebe zu Gott übergehen. Vollkommene Demut und gänzliche Selbstverleugnung sind für einen schon sehr verweltlichten Menschen keine leichte Aufgabe, aber dank der Vorsehung Gottes dennoch schaffbar.[5]
Erlangung des geistigen Lebens
Wer im Geist lebt, der vollbringt die Begierden des Fleisches nicht. Die Werke des Fleisches sind Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltung, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erlangen. Die Jesus Christus angehören, haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.[6]
Erlangung des Reich Gottes
Das Reich Gottes ist nirgends zu finden als allein bei Gott durch Glaube und Liebe und gänzliche Selbstverleugnung. Erst wenn man im Herzen von der Welt ganz losgetrennt und sie einem zum Ekel geworden ist kann man getreu sagen, Gott allein sei einem alles geworden.[7]
Erlangung der Kindschaft Gottes
Ohne die Welt in einem selbst vollends besiegt zu haben, kann man nicht ein Kind des Vaters im Himmel werden.[8]
Folgen
Durch Entsagung wird das Fleisch (Sinnlichkeit) geschwächt und der Mensch vergeistigt.[9] Wenn sich die mit dem Fleisch vermengte Seele durch die gerechte Selbstverleugnung gestärkt hat, ist sie fest genug geworden, den freien Geist zu fassen und zu halten. Verleugnet sich der Mensch selbst, dann löst er dadurch dem Geist die Fesseln, der dann ganz natürlich in die starke Seele übergeht, worauf diese in alle himmlische Machtvollkommenheit des Geistes gelangt und für ewig vollkommen eins wird mit ihm. (Wiedergeburt)[10]
Falsche Entsagung
Entsagung durch Überdruß
Wer seine Leidenschaft durch ein Übermaß zu überwinden versucht, der kann dadurch von der Sünde tatsächlich loskommen, indem die Leidenschaft und die lebendige Fähigkeit des Fleisches dadurch abgetötet werden. Er hat aber einen Sieg des Todes über sich erfochten und nicht einen Sieg des Lebens, denn mit den Werkzeugen des Todes (der Sünde) kämpft man niemals gegen den Tod, sondern allzeit nur gegen das Leben. So jemand hat dann das Leben getötet und auf diese Art dem Tod den Sieg über sich eingeräumt. Die Sünde verläßt so jemanden, weil er sogar zu schlecht für die Sünde ist, und der Tod die Toten nicht gefangenzunehmen braucht, da sie schon seine Beute sind. Wer das Leben erhalten will, der muß lebendig mit den Waffen des Lebens gegen die Sünde - welche die vernichtende Waffe des Todes ist - kämpfen. Wer das (irdische) Leben für das (ewige) Leben gibt (d.h. Entsagung übt), der tut wohl und ist einer, der voll Weisheit und Liebe und voll Lebens ist. Wer aber das Leben für den Tod gibt, der ist ein großer Narr.[11]
Scheitern
Wer bei dem Kampf gegen seine sinnlichen Begierden trotz ernstem Vorsatz immer wieder zu Fall kommt, dessen Liebe schwankt noch zwischen den Reizen der Welt und Gott. Er kommt nicht voran und der Herr kann ihm noch nicht helfen, da der Mensch selbst aus seinem eigenen freien Willen den guten Anfang machen muß; erst die Vollendung obliegt dem Herrn.[12]
Sexuelle Enthaltsamkeit
Sexuelle Enthaltsamkeit bewirkt in Kürze ein leichteres teilhaftig werden an höheren geistigen Gnaden des inneren Lebens.[13]
Weltflucht
Jesus verlangt von Seinen Nachfolgern im allgemeinen keine Weltflucht; man soll bleiben was man ist, aber nicht zugunsten des eigenen Ansehens, sondern zum vielseitigen Nutzen der Menschen. (siehe Lebensunterhalt). Auch Jesus hat in der Welt gearbeitet und ihr viele und gute Dienste mit Seinen eigenen Händen getan. Man soll sich nicht untätig machen dadurch, daß die Menschen nicht so weise und mächtig werden können, wie es Gott ist. Wie Noah in der Arche (= Demut, Nächstenliebe, Gottesliebe) vor der Flut (=der sündhaften Welt) bewahrt blieb, soll man sein Inneres bewahren, d.h. man soll nach der Ordnung Gottes der Welt geben, was der Welt ist und vor allem aber Gott geben, was Gottes ist.[14]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 2.47.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.83.6-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.151.3-4; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.152.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.195.13
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.83.4-11
- ↑ Gal 5.16-23
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 1.413.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.83.5
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.79.19
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 299.9-13
- ↑ Jakob Lorber, Heilung und Gesundheitspflege 410207.3-4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.151.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.66.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.13.3-10; Lorber, Himmelsgaben 1.387.1; Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 16.9