Entsprechung
Die Entsprechungswissenschaft ist eine Engelswissenschaft[1], die innere Schrift und Sprache der Seele und des Geistes in der Seele. Wer diese Sprache verloren hat, der versteht die Schrift unmöglich, sie kommt ihm dem Weltverstand nach als Torheit vor, da die Lebensverhältnisse des Geistes und der Seele ganz anderer Art sind als die des Leibes.[2] Ganz allgemein lehrt diese Wissenschaft, daß es nichts Natürliches (Materielles) gibt, dem nicht etwas Geistiges entspräche, und im besonderen, wie und was es ist, das damit in Entsprechung steht.[3]
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Wesen
Wie die Dinge der Natur, so haben auch die Dinge des Geistes ihre Ordnung. Die Dinge des Geistes können nur innerhalb einer höchste eigentümlichen Ordnung bestehen, gedacht und ausgesprochen werden. (nach Nathanael)[4] Was ein Geist tut und spricht, kann nur per Entsprechung dem Naturmenschen begreiflich gemacht werden.[5]
Entsprechung besteht zwischen allem, was sich in der Welt (der Natur), im Geisterreich, im Himmel und in Gott vorfindet. In allem Naturmäßigen steckt Geistiges, Himmlisches und Göttliches.[6] Die ganze natürliche Welt entspricht der geistigen genau, und zwar nicht nur im allgemeinen, sondern auch im einzelnen, weil die natürliche Welt aus der geistigen hervorgegangen ist. Deshalb heißt alles, was in der natürlichen Welt aus der geistigen heraus entsteht, Entsprechendes.[7] Der geistige Sinn ist im Natürlichen in ähnlicher Weise verborgen wie die Seele im Menschen oder wie alle Voraussetzungen zum Entstehen eines Kükens innerhalb der Schale eines Eies.[8]
Das Wesen der Entsprechung kann man beim Menschen an seinem Angesicht erkennen. In einem Gesicht, das nicht gelernt hat, sich zu verstellen, zeigen sich alle Gemütsbewegungen in natürlicher Form wie in einem Abdruck. Daher wird auch das Antlitz der "Spiegel der Seele" genannt, in dem sich des Menschen geistige Welt in seiner natürlichen Welt darstellt. Ebenso drücken sich die Überlegungen des Verstandes in der Rede und die Regungen des Willens in den Bewegungen des Körpers aus. Was immer also im Körper vorgeht, sei es im Gesicht, in der Rede, in den Gebärden, heißt "Entsprechendes".[9]
Auch Redewendungen kommen von Entsprechungen, die aus der geistigen Welt stammen: Von einem einsichtsvollen Menschen sagt man, er sei ein "Kopf"; einen liebevollen nennt man einen "Busenfreund", wer sich durch seine Wahrnehmung auszeichnet, der habe eine "gute Nase", ein besonders Einsichtiger "ein scharfes Auge" usw.[10]
Rein-Geistiges kann nicht ganz natürlich dargestellt werden, sondern nur mithilfe natürlicher Bilder, in denen sich Geistiges und Himmlisches ebenso befindet, wie innerhalb eines natürlichen Leibs. Ein rein materielles Wort hätte keinen Nutzen für den Geist. (nach Johannes)[11] Wenn Gott uns rein Geistiges verkündet, die wir uns noch alle in der starren Ordnung der Naturmäßigkeit befinden, so kann Er solches nur auf dem Weg der Entsprechungsbilder (Gleichnisse) geschehen lassen.[12]
Die reinen Geister können sich gegenüber den irdischen Menschen in Entsprechungen kundgeben und sagen dann auch nicht selten etwas ganz anderes, als was der innere Sinn ihrer Rede darstellt. Aber das heißt nicht lügen, sondern die geistige Wahrheit in irdische Bilder legen, welche dieser Wahrheit genau entsprechen.[13]
Die Entsprechungswissenschaft ist zugleich auch die Wissenschaft von den Vorbildungen. Die Kirchen (Religionen) vor Jesus Christus hatten alle vorbildenden Charakter.[14]
Nutzen
Die geistige Welt ist mit der natürlichen durch Entsprechungen verbunden. Die Entsprechungen verleihen dem Menschen eine Gemeinschaft mit dem Himmel, denn die Engel des Himmels denken nicht wie der Mensch aus dem Natürlichen heraus. Lebt der Mensch in der Kenntnis der Entsprechungen, kann er hinsichtlich der Gedanken seines Gemüts mit den Engeln im Himmel zusammensein und so seinem inneren oder geistigen Menschen nach mit ihnen verbunden werden.[15]
Ohne Kenntnis der Entsprechung kann nichts von der geistigen Welt und ihrem Einfluß in die natürliche klar erkannt werden, nicht einmal, was das Geistige gegenüber dem Natürlichen darstellt. Ohne sie wird nichts von allem deutlich, was den Geist des Menschen, die sogenannte Seele, die Einwirkung des Geistes auf den Körper und den Zustand des Menschen nach dem Tod betrifft.[16] Wer sich in der Entsprechungswissenschaft auskennt, kann seinen Zustand nach dem Tod kennenlernen und verstehen, sofern er nur seine Liebe und ihre Beschaffenheit hinsichtlich der universellen Liebe versteht, auf die alle Arten der Liebe zurückgehen.[17]
Qualifikation
Die Entsprechungswissenschaft ist nur jenen Menschen zugänglich und eigen, die im wahren Glauben und Vertrauen an den einen, wahren Gott niemals wankend und schwach geworden sind, Ihn stets als Vater über alles liebten und ihren Nächsten wie sich selbst.[18] Der geistige Sinn wird nur dann vom Herrn gegeben, wenn man von Ihm aus in den göttlichen Wahrheiten ist. Wer den geistigen Sinn aus sich und nicht aus dem Herrn aufdecken möchte, dem wird der Himmel verschlossen und er sieht überhaupt nichts Wahres oder verfällt in Bezug auf die geistigen Dinge einem Wahndenken.[19]
Um die Entsprechungsbilder (Gleichnisse) richtig verstehen zu können, muß man danach trachten, den Geist durch die Beachtung der Gottesgebote zu wecken.[20] Um den tiefen, geistigen Sinn des Wort Gottes überkommen zu können, ist es nötig dessen Buchstabensinn zuvor vollkommen im rechten und zweckmäßigen Verstand zu beachten.[21]
Verlust und Neuoffenbarung der Entsprechungswissenschaft
Den Alten galt die Wissenschaft der Entsprechungen als die vornehmste aller Wissenschaften. Durch sie gelangten sie auch zur Einsicht und Weisheit; durch sie hatten die Angehörigen der Kirche (Urkirche) Gemeinschaft mit dem Himmel.[22]
Die Angehörigen der Ältesten Kirche auf unserer Erde, welche himmlische Menschen waren, dachten aus den Entsprechungen selbst, und die natürlichen Dinge, die sie vor Augen hatten, dienten ihnen als Mittel, in dieser Weise zu denken. Der ganze Gottesdienst bestand damals aus Entsprechungen, weshalb die Kirchen dieser Zeit vorbildende Kirchen genannt werden. Damals wußte man man, daß alles auf Erden den geistigen Dingen im Himmel und in der Kirchen entspricht. Die natürlichen Dinge, die das Äußere ihres Gottesdienstes bildeten, dienten ihnen als Mittel, geistig zu denken, also gemeinsam mit den Engeln. So wurden sie den Engeln zugesellt und konnten auch mit ihnen sprechen. Daher wurde jene Zeit auch das Goldenen Weltalter, die Zeit des himmlischen Guten, bezeichnet, als die Himmlischen mit den Menschen zusammenwohnten und wie Freunde mit Freunden verkehrten. Danach kamen Zeiten, in denen man nicht mehr aus den Entsprechungen selbst, sondern nur aus der Kenntnis der Entsprechung heraus dachte. Doch auch damals noch bestand eine Verbindung des Himmels mit den Menschen, wenn auch nicht mehr so innig. Diese Zeit wurde das Silberne Weltalter, die Zeit des geistigen Guten, genannt. Dann kamen Menschen, die zwar die Entsprechungen noch kannten, aber nicht mehr aus deren Kenntnis heraus dachten, weil sie sich nicht mehr wie die früheren im geistigen, sondern nur noch im natürlichen Guten befanden. Ihre Zeit wurde das Kupferne Weltalter, die Zeit des natürlichen Guten, genannt. Danach wurde der Mensch allmählich immer äußerlicher und schließlich ganz materiell, wodurch sich dann auch die Kenntnis der Entsprechungen und des Himmels und vieler den Himmel betreffenden Dinge gänzlich verlor. Diese letzte Weltart wurde das Eiserne Zeitalter, die Zeit des harten Wahren ohne das Gute, genannt.[23]
Der Hauptgrund, weswegen die Entsprechungswissenschaft verloren ging, liegt darin, weil sich der Mensch infolge seiner Selbst- und Weltliebe von Himmel entfernt hat. Wer sich und die Welt über alles liebt, trachtet nur nach weltlichen Dingen, weil diese den äußeren Sinnen schmeicheln und die Genußsucht befriedigen, nicht aber nach den geistigen Dingen, die die inneren Sinne ansprechen und das Gemüt erfreuen. Diese weist man zurück und sagt, sie stünden zu hoch, um als Denkobjekte in Frage zu kommen.[24]
Haben die Menschen die Entsprechungswissenschaft durch ihre eigene Schuld verloren, so haben sie sich selbst außer Verkehr mit den Geistern aller Regionen und aller Himmel gestellt und können darum das Geistige in der Schrift nicht mehr fassen und begreifen. Sie lesen das Wort dem Buchstaben nach und können nicht einmal begreifen, daß der Buchstabe tot ist und niemanden beleben kann, sondern daß nur der innerlich verborgene Sinn alles lebendig macht.[25] Dies war bei den Juden infolge einer Fügung der Göttlichen Vorsehung schon vor der babylonischen Gefangenschaft der Fall[26], blieb aber bei vielen Angehörigen der orientalischen Völker bis zur Ankunft des Herrn erhalten.[27]. Den Urchristen wurde die Entsprechungswissenschaft nicht enthüllt, weil sie allzu einfache Menschen waren.[28] Sie war zu Zeiten Swedenborgs so gänzlich verloren gegangen, daß man nicht einmal mehr wußte, was Entsprechung überhaupt ist.[29] Emanuel Swedenborg hat sie neu geoffenbart, damit die Göttlichen Wahrheiten der Kirche ans Licht gebracht werden.[30]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 87
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.93.3; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 114
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 487
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.93.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.272.8; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.272.13; Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.15.2
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 89; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.5
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 193
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 91
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 97
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 181.21-22
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.6
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.85.7
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 833b
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 114
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 88
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 487
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.93.2
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 208
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.42.6
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.40.14
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 87
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 115; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 306
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 87
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.93.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.93.2; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 204
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 205
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 206
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 87; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 109
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 207