Wiedergeburt
Die Geistige Wiedergeburt ist ein Neugeborenwerden des geistigen Menschen[1], die Auferstehung zum ewigen Leben, der jüngste Tag,[2] eine wahre Lebenstaufe, durch die man mit dem Geist von Gott erfüllt und dadurch in alle Weisheit eingeführt wird. Die Wiedergeburt geschieht durch die göttlichen Wahrheiten aus dem Wort und kommt vom Herrn.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Wesen
Die geistige Wiedergeburt bezeichnet nicht die erste Geburt aus dem Fleisch, sondern die zweiten Geburt aus dem Geist der Liebe zu Gott und aus der Wahrheit des lebendigen Glaubens an den lebendigen Namen Gottes. Es ist 'die Wiedergeburt des Geistes durch die Taufe aus den Himmeln'. Die 'Taufe aus den Himmeln' ist der volle Übergang des Geistes und der Seele samt allen ihren Begierden in den lebendigen Geist der Liebe zu Gott und der Liebe in Gott Selbst. Ist solcher Übergang einmal aus des Menschen freiem Willen geschehen und befindet sich nun alle Liebe des Menschen in Gott, so befindet sich durch solche heilige Liebe auch der ganze Mensch in Gott und wird allda zu einem neuen Wesen ausgezeitigt, gekräftet und gestärkt und nach Erlangung der gerechten Vollreife von Gott wiedergeboren. Dann erst ist der Mensch ein wahres Gotteskind, das er geworden ist durch die Gnade, die eine freie Macht der Gottesliebe im Herzen des Menschen ist. Diese Gnade aber ist auch eben der mächtige Zug Gottes im Geiste des Menschen, durch den er, als vom Vater gezogen zum Sohne, das heißt zum göttlichen Urlicht, oder, was eines ist, zu der rechten und lebendig mächtigen Weisheit Gottes gelangt.[4]
Geistige Wiedergeburt bedeutet nicht allein das Vermögen, Geister zu schauen (Hellsichtigkeit), sondern vielmehr die Bestimmtheit in jeder Handlung, d.h. daß diese so gestaltet ist, wie sie von Uranbeginn begründet wurde in aller göttlichen Ordnung und Weisheit. Wurde ein Mensch geistig wiedergeboren, dann beginnt in seinem ganzen Wesen eine andere Tätigkeit zu wirken. Sein Schauen, Hören, Fühlen und Empfinden wird ein anderes. Alle seine Gedanken werden zu Formen, die er schaut, und sein Wille wird zur vollbrachten Tat. Seine Worte werden bestimmt und einen sich mit dem Gedanken und mit dem Willen. Er befindet sich jenseits von Raum und Zeit, für ihn gibt es nur eine Gegenwart, in welcher sich eine ewige Vergangenheit und eine ewige Zukunft freundlich die Hände bieten und sein Auge sieht endlos ferne Dinge so nahe wie sein eigener Gedanke.[5]
Die Einheit mit Gott kann schon in dieser Welt erlangt werden. Ein geistig (vollständig) Wiedergeborener hat das ewige Leben erlangt und kann das vollbringen, was Jesus Christus Selbst tun und schaffen kann.[6] Er ist dann ein Herr aller der von Gott ausfließenden Kräfte und durch diese auch ein Meister aller Kreatur geistig und materiell und für sich durch gar keine Kraft mehr zerstörbar und befindet sich im ewigen Leben. Dies ist der Inbegriff der gesamten Lehre des Herrn.[7]
Über einen geistig Wiedergeborenen hat der Satan alle Macht für ewig verloren; der Wiedergeborene wird sein Richter sein wie auch aller jener, die der Satan an sich gerissen hat, und die ihm wieder entrissen werden für ewig.[8]
Ein geistig Wiedergeborener ist nicht untätig, sondern wird sogar noch tätiger. Er ist vergleichbar einem Studenten, der erst studierte, und nachdem er sich die nötigen Erkenntnisse angeeignet hatte, ein Amt überkommt, und erst richtig tätig wird.[9]
Die aus den Gewässern der erbarmenden Liebe geistig Neugeborenen sollen gleich der Sonne sein. Ihr Licht soll überall leuchten und ihre Wärme die Schwachen beleben und die Starken befruchten zur Nahrung der Schwachen, damit eine Gemeinschaft sei unter den Kindern eines und desselben Vaters.[10]
Wenn der Mensch durch Gotteserkenntnis und Innewerdungen wächst, dann nimmt er auch in der Liebe zu Gott zu und nähert sich Ihm zunehmend. Je mehr sich der Mensch Gott nähert, desto mehr Geist Gottes sammelt sich in seinem Herzen, in dem dadurch der eigene Geist genährt und zunehmend erweckt wird zur wahren Erkenntnis des eigenen inneren Lebens und seiner Kraft, vereint mit der Kraft des göttlichen Geistes in ihm. Ist ein Mensch einmal soweit, dann befindet er sich schon in der Lebensmeisterschaft (Einswerdung der Seele mit dem Geist), und es geht ihm da nur noch die völlige Einung mit dem göttlichen Liebe- und Willensgeist ab. Bewerkstelligt er auch das, dann ist er ein vollkommener Lebensmeister und kann alles das bewirken, was Jesus gewirkt hat und sogar noch Größeres.[11]
Jesus Christus nimmt den Geist des Menschen, dieser die Seele, und die Seele den Leib, davon aber nur den Nervengeist.[12]
Obwohl ein geistig vollkommen wiedergeborener Mensch nur ein vollkommener Mensch ist, so besteht seine Wesenheit aber dennoch ewig in einer in sich unterscheidbaren Dreiheit (Leib, Seele, Geist).[13]
Die Hochzeit zu Kana ist ein Sinnbild der geistigen Wiedergeburt, ebenso die Erweckung des Lazarus.[14]
Individuelle Persönlichkeit
Die Einheit mit Gott ist eine Einheit in gesonderter Persönlichkeit (die Persönlichkeit bleibt erhalten). Nur Jesus und der Vater, der Seine Liebe ist, sind in ewig ungesonderter Persönlichkeit vollkommen eins.[15]
Der sonderheitliche Geist des Menschen verliert seine Individualität bei der Einswerdung mit dem Allgeist (Gott) deswegen nicht, weil er als Lebensbrennpunkt in der Menschenform der Seele auch dieselbe Form besitzt und dadurch mit seiner Seele, die eigentlich sein Leib ist, als gleich alles sehender und fühlender Geist auch notwendig das fühlen und höchst klar wahrnehmen kann, was alles als besonders individuell in seiner ihn umfassenden Seele vorhanden ist.[16]
Die Erfahrung des Plato und anderer Weiser der Vorzeit über ein Lichtmeer (brahman, brahmajyoti), in dem sie sich zwar denken, aber sich nicht sehen konnten und daher das selige Gefühl hatten, sie wären völlig eins mit dem Urlicht, das sie die eigentliche Gottheit nannten, beruht auf einer unvollkommen eingerichteten Sehkraft der Seele. (Anm.: Der Irrtum ist vergleichbar dem eines grünen Vogels, der in einen grünen Baum fliegt, sich dort nicht mehr sehen kann und daher irrtümlich meint, er sei eins mit dem Baum geworden; die Neuoffenbarung gibt dazu ein etwas komplizierteres Beispiel die Funktion des Auges betreffend.) Diese Irrtum beruhte auf einer zwar strengen, aber dennoch verkehrten Erziehung, denn wo immer man mit der Verstandesbildung der Gemütsbildung vorangeht, ist die Bildung verkehrt.[17]
Echtheit
Ein geistig Wiedergeborener weiß, daß man mit den Gaben des Heiligen Geistes keinen Taschenspieler machen darf, daher wendet er diese nur an, wenn sie nötig sind und gewöhnlich im geheimen nur. Ein Wundervorführer ist garantiert kein geistig Wiedergeborener, da dieser nicht die Perlen vor die Schweine wirft. Liebe zu Gott, große Herzensgüte, Liebe zu allen Menschen sind die Zeichen der geistigen Wiedergeburt; wo diese fehlen, und wo die Demut noch nicht für jeden Stoß stark genug ist, da nützen auch nicht Heiligenschein, Kutte und Geistervisionen. Solche Theatergurus sind dem Reich Gottes sehr fern, denn dieses kommt nie mit äußerlichem Schaugepränge, sondern nur inwendig, in aller Stille und Unbeachtetheit, in das Herz des Menschen. Wer großartig sagt: "Ich sage es, und dies ist mein Werk!", dem soll man nicht glauben. Und wenn jemand so spricht, als spräche er im Namen des Herrn, tut es aber eigentlich doch nur seiner Ehre und seines Vorteils wegen, dem soll man auch nicht glauben. Wer aber ohne Eigennutz und eigene Ehrsucht sagt: "Der Herr spricht es!", dem soll man glauben, vor allem wenn dabei nicht auf das Ansehen der Person geachtet wird, denn ein Wiedergeborener kennt nur das Ansehen des Herrn, alle Menschen aber sind seine Brüder.[18]
Erlangung
Kein Mensch kann durch Ausbildung seines Verstandes mithilfe von Studium, Bibliotheken und hochtrabenden Universitätsprofessoren zur Wiedergeburt und zur Taufe des Heiligen Geistes gelangen, sondern lediglich nur durch die Demut und große Liebe seines Herzens. Er muß der Welt alles bis auf den letzten Heller zurückgeben, auch die hochmütig machenden Wissenschaften seines Kopfes.[19] Indem man freiwillig den eigenen Willen dem Willen Gottes durch die Tat untertan macht und sich sorgfältig darin übt, damit der erkannte Wille Gottes vollkommen die Oberherrschaft in einem erlangt, dann wird der Geist Gottes in einem lebendig in der Fülle und wird bald das ganze Wesen durchdringen.[20]
Niemand wird auf einen Schlag wiedergeboren, sondern nur nach und nach. Die geistige Wiedergeburt fängt mit der Erkenntnis der göttliche Wahrheit an. Erst wer zur vollkommenen inneren Anschauung und Anhörung des lebendigen Wortes gelangt ist und die Welt - die Sünde - freiwillig aus sich verbannt hat, wird vollständig wiedergeboren.[21]
Die geistige Wiedergeburt kann nur stattfinden, wenn der Geist durch die genaue Befolgung der vorgeschriebenen Wege Gottes sich zuerst aus der Materie rektifiziert (trennt), dann in einem Brennpunkt sich selbst wiedergefunden und endlich als ein solches nun in sich selbst bestehendes vollkommenes Ganzes oder als eine vollkommene Einheit hinausgetreten ist aus aller Sinnlichkeit der Materie und da seine neuen geistigen Sinne ganz entschieden und vollkommen geöffnet hat für die Eindrücke und Verhältnisse derjenige Welt, von welcher er selbst ein ureigentümlicher Bewohner ist. (Geisterwelt).[22]
Die geistige Wiedergeburt kennt drei Stufen:
- die Überwindung des Fleisches (Selbstbeherrschung und Demut)
- die Reinigung der Seele durch den lebendigen Glauben; dies ist erst durch Berücksichtigung der erste Stufe möglich, da die unreine Seele den Geist der Wahrheit nicht fassen kann, weil sie gleich der Nacht ist, während die Wahrheit eine Sonne voll Licht ist, die überall Tag um sich verbreitet
- Erweckung des Geistes aus dem Grab des Gerichtes; die Wahrheit macht im Geist frei und diese Freiheit des Geistes ist dann die Wiedergeburt oder das Eingehen in das Reich Gottes.[23]
Wer nach der Lehre Christi eine baldige und volle Wiedergeburt im Geiste seiner Seele möchte, der sollte ein möglichst keusches Leben führen und sich nicht und vom weiblichen Fleisch bezaubern lassen, denn dieses zieht den Lebenssinn der Seele nach außen und verhindert dadurch am stärksten das Erwachen des Geistes in der Seele. Eine gute, mit Vernunft, Weisheit und Selbstverleugnung gepaarte Ehe verhindert die geistige Wiedergeburt nicht, aber die Unzucht macht sie unmöglich, weswegen man sie wie die Pest fliehen soll.[24]
Niemand wird über Nacht ein Meister und die noch so umfassenden Kenntnisse der Mittel und Wege zur Erlangung der größten Lebenskunst (der geistigen Wiedergeburt oder dem Reich Gottes) allein nützen nichts, wenn sie nicht praktisch ins Leben aufgenommen werden. Nur zum Meister zu gehen, um sich von ihm die Regeln und Wege beibringen zu lassen, nützt gar nichts, wenn man nicht fleißig nach den bekannten Regeln übt, und sich so mühsam die Fähigkeit zur Lebenskünstlerschaft erwirbt und durch sie selbst ein Meister wird. Der erlangte Grad der Meisterschaft hängt von der Übung der erkannten Regeln ab.[25]
Um die vollständige Wiedergeburt schnellstmöglich zu erreichen, wurden Jakob Lorber und seinem Freundeskreis (Katholiken des 19. Jhdts.) folgende Regeln gegeben:
- Alle politischen Gesetze sollen genau befolgt werden. Dabei soll man sich jeden prüfenden Druck gefallen lassen, denn es besteht nirgends eine Macht als nur in Gott und durch Gott.[26]
- Man soll seine irdische Glaubensmutter (äußerliche Kirche) nicht verlassen. Sie ist der Seele (für diese Welt) so notwendig wie der Leib.[27]
- An den Zeremonien soll man sich nicht stoßen, sich aber auch nicht in ihnen verlieren.[28]
- Verbotene Bücher (Index Librorum Prohibitorum der röm.kath. Kirche, seit 1966 außer Kraft) sollen am besten gar nicht gelesen werden, insofern sie Werke des stolzen Menschenverstandes sind.[29] Man soll solche Bücher wenig lesen, aber desto mehr beten, da der Herr in einer Minute mehr geben kann, als alle Bibliotheken der ganzen Welt.[30]
- In der Heiligen Schrift und mystischen Schriften soll nicht aus Neugier oder um zu grübeln und forschen gelesen werden, sondern als Wegweiser zum lebendigen Wort, wonach man handeln und leben soll und in der Liebe zu Gott wachsen, wodurch dann die wahre Erkenntnis enthüllt wird.[31][32]
- Über Priester und Bischöfe nicht rechten und noch weniger tratschen, sondern willig und gehorsam sein und sich von dem Schlechten nicht ärgern oder verführen lassen[33]
- Sich an der Ohrenbeichte und den sieben Sakramenten nicht stoßen, sondern sie im gerechten und lebendigen Sinn gebrauchen.[34]
Jedes Wesen ist bis aufs Auge schon im Mutterleib seiner Sinne mächtig. Es fühlt, schmeckt, riecht und auch das Ohr ist nicht geschlossen. Das Auge wird erst nach der Geburt geöffnet. Ebenso ist bei der geistigen Wiedergeburt das Öffnen des geistigen Auges das Letzte. Bevor jemand schauen will, muß er dafür wohl vorbereitet sein.[35] Vor dem Empfang des Lichtes geht jede Tätigkeit nur darauf hin, das Licht zu empfangen. Erst wenn das Licht da ist, dann fängt die große (eigentliche) Tätigkeit des wiedergeborenen Geistes an.[36]
siehe auch Erlangung des Himmels
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 279
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.64.15
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 329; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.43.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.2.13-16
- ↑ Jakob Lorber, Der Saturn 44.16-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.43.10-11; Lorber, Himmelsgaben 3.375.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.215.6-7
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.226.4
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 127.7-8
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.5.34
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.87.12-13
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.16.22
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.24.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.10.14-17
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.163.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.256.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.219.8-10
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 70.23-30
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 30.12-13, Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 17.15
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.121.9
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 21.18
- ↑ Jakob Lorber, Der Saturn 44.17
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.10.17; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.18.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.41.7-8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.86.3-4
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.49.7
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.50.5-6
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.51.8
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.53.14-15
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.54.16
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.54.18
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.55.19
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.59.34
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.60.38
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 127.3
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 127.7