Gnadensonne
Als Gnadensonne wird das Auswirkende der Liebe und Weisheit Gottes bezeichnet. Die Sonne des Himmels ist der Herr - genauer gesagt: der Herr ist in ihr. Wie die irdische Sonne wirkt die Gnadensonne durch ihre Kraft als ein aus ihr strömendes Licht alle Wesen schaffend und belebend.[1] Das göttliche Gute und das göttliche Wahre, die vom Herrn als der Sonne in den Himmeln gegenwärtig sind, sind nicht im Herrn, sondern vom Herrn. Im Herrn ist nur die göttliche Liebe, das eigentliche Sein, aus dem jene hervortreten.[2]
Daß der Herr im Himmel als die Sonne erscheint, zeigt sich auch bei Seiner Verklärung vor Petrus, Jakobus und Johannes, wo es heißt, "daß Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne". Mt 17.2 Ebenso ist es ersichtlicht aus Joh 8.12, Joh 9.5, Joh 12.35, Joh 12.46, Joh 3.19, Joh 1.9, Mt 4.16, Jes 9.1, Jes 42.6, Jes 49.6, Off 21.23-24, Psalm 43.3. Aus diesem Grund wandten auch die Alten, bei denen sich eine vorbildende Kirche befand, beim Gottesdienst ihr Antlitz der Sonne im Osten zu, und aus demselben Grund richtete man die Tempel auch nach Osten aus.[3]
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Wesen
Im Reich der reinen Geister (dem Himmel) gibt es eine Geistige Sonne, in der der Herr mit den Seinen persönlich wohnt. Diese Sonne ist räumlich all jenen Engeln und Geistern sichtbar, die Gott durch die Liebe in ihrem Herzen besitzen. Für die anderen ist sie aber nirgends ersichtlich und auffindbar, denn bei denen das Herz blind ist, ist auch ihre geistige Sehe blind.[4] Der Herr erscheint im Himmel als Sonne, weil Er die göttliche Liebe ist, aus der alles Geistige und - mit Hilfe der natürlichen Sonne - alles Natürliche entsteht.[5]
Selbst die im Reich des ewigen Licht Gottes leben im Geiste, missen meist die sichtbare Gegenwart des Herrn. Sie sehen Sein Licht, in dem Er wohnt, aber Ihn sehen sie nicht. Dies zeugt von den endlosen Güte und Liebe des Herrn, der mit all Seiner endlosen Weisheit und Allmacht bemüht ist, Seine Kinder so zu gestalten und frei zu festen, daß sie dereinst Seine sichtbare Gegenwart für ewig ertragen sollen ohne die geringste Beeinträchtigung ihrer Freiheit. (siehe dazu Persönliche Form von Gott) (nach Waltar)[6]
Weil der Herr infolge der göttlichen Liebe, die in Ihm und von Ihm ist, im Himmel als Sonne erscheint, darum wenden sich auch alle Bewohner des Himmels unausgesetzt Ihm zu. Die Bewohner des himmlischen Reiches wenden sich Ihm als der Sonne zu, die des geistigen Reiches als dem Mond. Die Bewohner der Hölle wenden sich vom Herrn ab und der entgegengesetzten Finsternis und Verfinsterung zu, weil ja alle Bewohner in der Selbst- und Weltliebe, folglich dem Herrn entgegengesetzt sind. Aus diesem Grund wird von den Höllischen gesagt, sei seien in der Finsternis, von den Himmlischen aber, sie seien im Licht.[7]
Erscheinung
Da die göttliche Liebe noch weit stärker ist als die Glut der irdischen Sonne, wirkt der Herr als Sonne nicht unmittelbar in die Himmel ein, sondern vermindert auf dem Weg die Glut Seiner Liebe stufenweise. Diese Herabminderungen erscheinen als Strahlengürtel rings um die Sonne. Zudem werden die Engel mit einer ihnen angemessenen dünnen Wolke umhüllt, damit sie von dem Einfluß nicht verletzt werden. Die Entfernung der Himmel vom Herrn richtet sich daher nach ihrer Aufnahmefähigkeit. Die oberen Himmel sind dem Herrn als der Sonne näher, die unteren entfernter. Die Höllischen (Höllen) sind sehr entfernt, je nach dem Grad ihres Gegensatzes zum Guten.[8]
Das Himmelslicht bringt solche Dinge zur Erscheinung, die Göttliches in sich bergen. Indem es in die durch himmlische Liebe aufgeschlossenen Gemüter der Engel einfließt, bringt es im Äußeren Formen zur Erscheinung, die den Freuden ihrer Liebe entsprechen,[9] d.h. die Engel sehen Dinge, die außerhalb von ihnen sind, entsprechend ihrem inneren Zustand.[10] Wie die irdische Sonne, verändert sich auch die Gnadensonne nicht wirklich. Je nach dem inneren Zustand erscheint sie jedoch rötlich und unbeschreiblich strahlend, wenn ein Engel in inbrünstiger Liebe ist, bis hin zu nur mehr weiß schimmernd und zunehmend verfinstert durch einen um sie erscheinenden Gürtel, wenn die Liebe abnimmt. Diese Veränderungen geschehen nicht im Ganzen, sondern in einer Engelsgesellschaft nach der anderen, ebenso nicht zu regelmäßigen Zeiten.[11]
Der Herr erscheint als Sonne, aber eigentlich nicht im Himmel, sondern hoch über den Himmeln, doch nicht über dem Haupt oder im Zenith, sondern vor dem Angesicht der Engel, in mittlerer Höhe. Er erscheint an zwei verschiedenen Orten, in weiter Entfernung, an dem einen vor dem rechten, an dem anderen vor dem linken Auge. Der Herr erscheint den Engeln vor den Augen, weil das dem Gemüt angehörende Inwendige durch die Augen sieht, aus dem Guten der Liebe das rechte und aus dem Guten des Glaubens das linke Auge. Vor dem rechten Auge erscheint er ganz als Sonne, ungefähr in gleichem Feuer und gleicher Größe wie die Sonne der Welt (Erde). Vor dem linken Auge erscheint er nicht als Sonne, sondern als Mond, in ähnlichem, doch strahlenderem Glanz und in gleicher Größe wie der Erdmond, darum herum jedoch etwas, das aussieht wie mehrere kleine Monde, von denen jeder in ähnlicher Weise glänzt und schimmert. Der Herr ist an zwei Orten derart unterschiedlich sichtbar, weil Er einem jeden so erscheint, wie Er von ihm aufgenommen wird. Die Ihn im Guten der Liebe aufnehmen, die in Seinem himmlischen Reich sind, erscheint er als Sonne, feurig und flammend je nach ihrer Aufnahmefähigkeit. Die in Seinem geistigen Reich sind, die im Guten des Glaubens sind, denen erscheint Er als Mond, weiß glänzend und schimmernd je nach ihrem Aufnahmevermögen. Der Grund dafür liegt darin, daß das Gute der Liebe dem Feuer entspricht, während das Gute des Glaubens dem Licht entspricht. Aus diesem Grund wird der Herr im Wort in allem, was die Liebe betrifft, mit der Sonne, in allem, was den Glauben angeht aber, mit dem Mond verglichen. Ebenso wird die aus dem Herrn stammende Liebe zum Herrn durch die Sonne und der aus dem Herrn stammende Glaube an den Herrn durch den Mond bezeichnet, z.B. in Jes 30.26, Ez 32.7, Jes 13.10, Joel 2.10, Joel 3.4, Joel 4.15, Off 6.12, Mt 24.29[12]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.88.3-4; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 117
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 139
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 119
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.379.18
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 117
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.341.7-8
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 123
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 120; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 170
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 489
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 156
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 159
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 118-119; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 333