Gotteserkenntnis
Gotteserkenntnis bezeichnet das Wachwerden in der Liebe, aber nicht Gott lieben selbst.[1] Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis ist die erste Pflicht für den Menschen (siehe Lebenssinn), da sie der Grund der Gottesliebe und damit des ewigen Lebens ist. Wenn jemand Gott stets mehr erkennen wird durch sein emsiges Forschen nach Ihm in den Werken, dann wird er Ihn auch stets mehr lieben müssen, weil er stets heller erkennen wird, daß Gott in Sich die allerhöchste reinste und selbstlose Liebe und Weisheit Selbst ist.[2]
Wenn Gott jemandem oder einem ganzen Volk ein Zeichen Seiner Gegenwart gibt (z.B durch Sein persönliches Erscheinen), dann ist ein Gericht über sie ergangen, das in sich den Tod hat, da solche Menschen zum Glauben genötigt sind. Solcher genötigte Glaube hält sich nicht, und wird nach zehn Generationen kaum mehr beachtet. Wer Gott aber im Herzen erkennt, der hat Ihn frei erkannt und dadurch in sich das wahre, ewige Leben und der Tod wird ihm ewig fern sein. Daher müssen auch Personen, die Gott selbst geschaut haben und Zeugen Seiner Wundertaten wurden, in ihrer Materie vergessen, was sie gesehen haben und das Vergessene durch die mächtige Liebe zu Gott neu wiederfinden in ihrem Geist.[3]
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Wesen
Nur eine freigewordene Seele, die den Geist Gottes in sich hat, ist in der Lage, Gott zu erkennen. Von Wesen, die der urgerichteten Seelenmaterie angehören, wie etwa einem Stein, kann das nicht verlangt werden.[4] Der nur anscheinend begrenzte und vergängliche Mensch kann den unendlichen Gott begreifen, weil das Unendliche und Ewige in ihm ist.[5]
Gott läßt sich nicht so leicht finden, wie das manche Menschen gerne hätten, weil dann das Gefundene bald keinen Wert mehr für die Menschen haben würde und diese in Trägheit übergingen. Daher ist das andauernde ängstliche Suchen besser. Gott wird in dieser Welt nur selten und schwer völlig gefunden. Es gibt nur selten große Offenbarungen, damit die Menschen selbst mit allem Eifer suchen. Die Irrwege bei dieser Suche nach Gott oder der höchsten Wahrheit entstehen nicht durch den tätigen Ernst des Suchens, sondern aus der Trägheit im Suchen, die eine Frucht zu großer Welt- und Eigenliebe ist, nach der es sich die Menschen im Streben nach dem geistigen Reich so bequem als möglich machen möchten, wodurch allerlei Arten von Aberglauben, Lügen, Betrug entstehen. Dennoch ist es jenen Menschen, die zum ernsthaften Suchen zu träge sind, besser, sie glauben etwas und fügen sich durch diesen Glauben in eine Ordnung, anstatt in ihrer Trägheit zu sterben; sobald der Betrug und die Bedrückung zu weit gehen, zwingt die Not den Leichtgläubigen zum ernsthaften Selbstforschen nach der Wahrheit und die von Gott neu erteilte Offenbarung ist dann desto willkommener für die Vertreibung des alten Aberglaubens.[6]
Das sicherste Zeichen der schon erlangten Lebensselbständigkeit einer Menschenseele besteht darin, daß sie Gott erkennt und Ihn sogar aus allen ihren Kräften liebt. Solange eine Seele Gott nicht erkennt als ein Wesen wie außer sich seiend, ist sie noch blind und stumm von der Gewalt der göttlichen Allmacht gefesselt; da muß sie noch gewaltig kämpfen, um sich aus solchen Fesseln loszumachen. Sowie eine Seele anfängt, den wahren Gott wie außer ihr seiend zu erkennen und durch das Gefühl ihrer Liebe zu Ihm Ihn ordentlich wesenhaft wahrzunehmen, dann ist sie schon frei und gehört dann auch schon zunehmend sich selbst an und ist Selbstschöpferin ihres eigenen Seins und Lebens und dadurch eine selbständige Freundin Gottes für alle Ewigkeit.[7]
Wer das Allerhöchste (Gott) erkennen will, der muß nicht in Unkenntnis des Alleruntersten (Satan) verbleiben.[8]
Was nicht Gotteserkenntnis ist
Bloßer Glaube
Der bloße Glaube an einen weit entfernten, allmächtigen, allgegenwärtigen, alles sehenden, alles hörenden, alles durchdringenden und alles erschaffenden Gott ist keine Gotteserkenntnis, sondern nur eine dumpfe Ahnung von Gott.[9]
Auf Kirche, Konfession oder Religion begrenzt
Gott ist nicht als exklusiver Besitz einer alleinseligmachenden Kirche, Sekte, Religion oder Konfession zu finden.[10]
Wie Gott erkannt werden kann
Gott kann ewig nicht in Seiner Erhabenheit, Macht und Kraft erkannt werden, wohl aber in Seiner Erbarmung und wahrhaftigsten Vaterliebe. Die Liebe zieht alles an sich und will alles im engsten Kreis um sich versammeln und genau das macht der heilige Vater. Wer alles nach der Göttlichkeit Gottes bemessen will, der liebt den Vater nicht, sondern will sich nur der unendlichen Gottheit nahen. Dadurch aber zerstreut und tötet er sich.[11]
Gott ist in Sich die reinste und höchst endlos mächtigste Liebe und kann darum nur durch die reinste Liebe, an der keine noch so geringe Weltliebe klebt, gefunden werden.[12][13] Wer das Wort Gottes hört und danach lebt, der ist es, der Gott liebt; zu dem wird Er kommen und Sich Ihm offenbaren.[14]
Um zu Gott zu gelangen, bedarf es keiner großartigen Umstände, Aufwendungen oder Ehrenbezeugungen, wie es bei den Weltherrschern üblich ist. Alles was Gott liebend verlangt, ist ein treues, Ihm zugewendetes, liebevolles und demütiges, durch Reue geläutertes Herz, mit dem man ohne irgendeinen Umweg direkt zu Ihm kommen soll, da Er, als der Erhalter des Lebens, allzeit der Allernächste ist.[15]
Gott können nur jene Menschen finden, die sich bemühen Ihm in ihrer Seele ähnlich zu werden, oder die Ihm schon zunehmend ähnlich sind. Gottähnlich werden bedeutet seine Mitmenschen zu lieben und ein Herz voll Demut, Sanftmut, Geduld und Erbarmung gegen jeden zu haben. Dann wird sich Gott finden lassen im Geiste Seiner Liebe und der ewigen Wahrheit. Wer Gott nur in der absoluten Wahrheit sucht, der wird Ihm nahekommen, aber Sein eigentliches Wesen noch nicht erschauen und noch weniger je begreifen. Wer Gott aber in der reinen Liebe, Demut, Sanftmut, Geduld und Erbarmung sucht, der wird Ihn finden, erkennen und das ewige Leben für seine Seele ernten.[16]
Gott muß aus einem selbst hervorgehen, damit Er irgend für einen selbst dasein soll; ist solches nicht der Fall, dann nützen einem selbst tausend für sich irgend bestehende Götter so wenig wie einem Stein das sich selbst bewußte Dasein eines Menschen. Erst wenn es dem Stein möglich wäre, in sich selbst ins Bewußtsein überzugehen und ein sich frei bewegendes Wesen zu werden, dann wäre der Mensch auch etwas für ihn, ansonsten nur ein Nichts. Genauso verhält es sich mit Gott und dem Menschen. Gott muß zuerst im Menschen zum höchsten vollständigen Selbstbewußtsein gelangen durch dessen lebendiges Wollen, bevor Er ihm ein wirkender Gott wird. Dies muß durch die entsprechenden Werke geschehen; geschieht aber solches nicht, dann gibt es für das Leben des Menschen für alle Zeiten nirgends einen Gott, so wenig wie es für Steine irgendwelche Menschen gibt.[17][18]
Die zwei Wege: Liebe und Erkenntnis
Es sind zwei Wege, die zum Vater führen: der eine heißt die wahre, eifrige Erkenntnis Gottes, der andere aber heißt die Liebe. Wer Gott schon vor der Erkenntnis - d.h. solange man nur vor Ihm gehört hat und Ihn nicht kennengelernt hat - liebt, der wird das (ewige) Leben in Fülle überkommen; wer aber Gott nach der Erkenntnis liebt - d.h. obwohl er von Ihm gehört hat, Ihn aber erst liebt, nachdem er Ihn kennengelernt hat - der wird auch leben, aber nicht im Herzen, sondern im Reich der Gnade als ein wohlbelohnter Diener. Das ist fürs Leben von größter Wichtigkeit. (nach Kisehel)[19]
Gott kann nicht per Verstand gefunden werden
Das Wesen Gottes in aller Wahrheit kann nur mit dem Herzen, aber nie mit dem Verstand begriffen werden.[20] Jeder Mensch hat ein doppeltes Erkenntnisvermögen: Ein äußerliches (Verstand) und ein innerliches (Gemüt). Mit dem Verstand allein läßt sich Gott nie erfassen und begreifen, weil dieser der Seele gerade deswegen gegeben war, um den Geist in ihr von der Gottheit zu trennen. So der Mensch nur mit dem Verstand Gott suchen und finden will, dann entfernt er sich nur umso mehr. Die Seele verfügt über ein inneres Gemüt, das aus einem ganz eigenen Willen, der Liebe und einer diesen beiden Gemütselementen entsprechenden Vorstellungskraft. Hat diese einmal den Begriff vom Dasein Gottes in sich aufgenommen, dann wird dieser Begriff von der Liebe umfaßt und durch den Willen festgehalten, was dann erst "glauben" heißt. Durch diesen lebendigen Glauben wird dann der wahre Geist erweckt und durchdringt dann die Seele und wandelt in ihr alles ins Licht.[21] Nur durch den göttlichen Geist im Herzen kann man Gott erkennen; er muß daher schon von früh an geübt werden.[22]
Wer Gott anderswo sucht als im liebenden Vater, der wird Gott, sich und sein Leben verlieren. Denn die menschliche Weisheit, die Ihn sucht, ist Gott nichts als Torheit.[23] Wer vermöchte je Gott zu zwingen, daß Er Sich einem zeigen und enthüllen möchte? Und täte Er's, wer möchte es fassen und am Leben bleiben? Wie auch die Menschen verbirgt Gott die Geheimnisse Seines Herzens vor einem Schnüffler, der diese erforschen will, und rügt diesen, seine törichte Begierde im Zaum zu halten und sich nicht um Seine Geheimnisse zu kümmern, sonder um Seine Liebe nur. Dann erst macht Er die Türe zu Seinem Herzen auf und belehrt einen über alles, was einem entweder nützt oder erfreut oder zumindest voll Vertrauen machen kann. (nach Henoch)[24]
Alle Weisheit, die ein Werk des eigenen Nachdenkens oder auch ein Werk des Unterrichts ist, ist völlig unnütz in Sachen Gotteserkenntnis. Damit solche Weisheit zum lebendigen Nutzen wird, muß sie entweder zu einem lebendigen, klaren Gefühl im Herzen werden, oder - was das Vorzüglichste ist - aus der Lebendigkeit des Herzens hervorgehen. Ist das eine oder andere der Fall, dann erst wird die dadurch geweckte Lebenskraft als ein stetiger Zeuge auftreten und wird jedem laut verkündigen, daß Gott die reinste und heiligste Liebe Selbst ist. Wer Gott nicht auf diese Weise gefunden hat, für den ist Gott so gut wie kein Gott, da Er kein Gott des Lebens, sondern nur ein Gott einer menschlichen Vernunftspekulation ist, welche so lange steht, bis sie nicht von einer anderen verdrängt wird. Wer aber Gott in und aus seinem Herzensgrund gefunden hat, der hat Ihn wesenhaft gefunden, und keine Macht wird Ihn je mehr zu verdrängen imstande sein.[25]
Hindernisse
Ein weltverliebter und selbstverliebter Mensch kann Gott unmöglich erschauen.[26] Wer Gott nicht in aller Liebe, Sanftmut, Demut, Geduld und vollster Selbstverleugnung sucht, der findet Ihn nicht.[27]
Wer sucht, der wird finden; wer bittet, dem wird gegeben; wer klopft, dem wird aufgetan. Mt 7.8 Lk 11.10 Wenn man dies nicht macht, dann wird einem Gott nie zu einem Objekt. Und wenn man etwa anderes als Gott sucht, dann findet man Gott nicht.[28]
Wirkung
Wer in aller Demut sein Herz zum Herzen Gottes erhebt, dessen Leben erleuchtet der Herr mit der hellen Flamme seiner Liebe zu Gott, und es wird licht werden sein ganzes Wesen, daß er in diesem Licht ewig nicht mehr den Tod sehen soll.[29]
Weltverstandeskritik an der Gotteserkenntnis
Der Rationalist kritisiert, daß es leichter wäre, einen Berg auf einmal zu verschlingen, als den unendlich großen Gott zu erkennen. Wie soll das endlose Alles im völligen Nichts des Menschen Platz haben? Und wenn Sich Gott nur durch einen winzigsten Kraftstrahl aus Sich dem Menschen beschaulich darstellt, wie hätte der Mensch dann den ganzen Gott gesehen? Daher: Wer behauptet, Gott erkannt zu haben, der ist ein hochmütigster und größter Dummkopf.[30]
Richtig ist: Gott hat die Herzen der Menschen so eingerichtet wie das Auge, das zwar auch sehr viel kleiner ist als die sichtbare große Schöpfung, aber dennoch dieselbe in sich aufnehmen und betrachten kann. Daher kommt es nicht auf das Volumen an, sondern nur auf den Willen des lebenden Wesens. (nach den zehn Feuerboten)[31]
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.134.20
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.228.18; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.215.2-5; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.215.10-12
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.264.17-18; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.47.4-7; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.48.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.2.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.211.11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.19.8-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.133.6
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 112.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.233.5
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 14.6-10
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.250.7-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.110.11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.98.4
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 21.13
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.124.9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.100.3-5
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.161.13-18
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.56.11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.215.13-28
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.139.22
- ↑ Jakob Lorber, Robert Blum 1.35.2-4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.182.22
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.167.12
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.90.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.164.15-19
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 21.6-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.97.6
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 21.15-18
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.257.6
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.175.3-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.176.10