Gottesfurcht
Wo keine Gottesfurcht ist, da ist auch keine Gottesliebe. Ohne Gottesfurcht kann niemand den göttlichen Vater lieben. Daher sind Gottesfurcht und Gottesliebe gleich. Dennoch ist die Liebe (herrscht bei den Himmelsgeistern) höher als die Furcht (herrscht bei den Höllengeistern[1]), denn nur in der Liebe ist Leben, aber nicht in der Furcht, in der der Tod liegt.[2]
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Himmlische Gottesfurcht
Die Furcht ist der Same der Liebe; wie ohne Samen keine Frucht zum Vorschein kommen wird, so wenig wird auch ohne die gerechte Gottesfurcht je eine wahre Liebe zum Vorschein kommen. Wie aber der Same in der Erde verfault und den lebendigen Keim der Liebe hervorbringt und dann wächst und lebendige Früchte bringt, so wird auch die Liebe aus der Furcht hervorbrechen.[3]
Gott fürchten bedeutet Gott als die ewige, höchste und reinste Liebe über alles lieben und, weil Gott die höchste Wahrheit ist, in der göttlichen Wahrheit verharren und nicht der Lüge der Welt des materiellen Eigennutzes wegen huldigen. Wer in allem wahrhaft ist, der hat die wahre Gottesfurcht im Herzen; und wer diese hat, der betet Gott auch allzeit und vollgültig an.[4]
Man soll und muß Gott fürchten, aber nicht der Erhaltung wegen, sondern man soll fürchten, Gott nicht zu lieben; denn wer einen Augenblick in der Liebe zu Gott versäumt, der war tot, solange er außer der Liebe zu Gott war, denn Leben und Lieben ist ein und dasselbe. (nach Henoch)[5][6]
Die Furcht ist die größte Lehrerin der Kinder und der getreueste Wächter der Kleinen; in der Furcht der Schwachen waltet die höchste Liebe Gottes. Hätte die väterliche Güte Gottes der Schwäche des Kindes nicht den liebweisegerechten Anteil von Furcht hinzugesellt, was würde aus dem schwachen, aber doch sich fälschlich stark wähnenden Kind werden? Wer könnte es leiten und erziehen? Der Gottgeweihte oder das Kind Gottes weiß und fühlt zwar, daß ihm durch Gottes Fürsorge und Liebesgnade nichts zuleide geschehen kann und darf, fürchtet aber dennoch außerordentliche Begebnisse, weil er Gott über alles liebt. Wo Liebe ist, da ist auch Furcht; wo keine Furcht ist, da ist auch keine Liebe.[7]
Wer vollkommen sein will, in dem müssen stets drei Teile Furcht und sieben Teile Liebe sein. Des Menschen erste Pflicht gegen Gott ist ein freiwilliger Gehorsam, der eine Frucht der gerechten Gottesfurcht ist. Erst in diesem Gehorsam werden dann die Menschen von neuem ausgeboren werden zu Kindern Gottes.[8]
Höllische Gottesfurcht
Alle Höllengeister leben und bestehen in der größten Furcht vor Gott. Ihn auch nur von ferne zu erschauen oder Seinen Namen zu vernehmen, ist für sie das Schrecklichste.[9]
Gottesfurcht ist immer noch besser als böse Taten tun, obwohl aus einer solchen Gottesfurcht für niemanden ein ewiges Leben erwächst, weil ein furchtsames Gemüt ein gerichtetes und kein freies ist. In der Furcht vor Gott ist keines Menschen Geist einer Beseligung fähig. Daher hat jemand, der das Schlechte nur aus Furcht vor Gott unterlassen hat, eine harte Probe zu bestehen, indem ihm die Furcht genommen wird und es dann fragwürdig ist, ob er sich auch dann in Freiheit bewährt, so wie etliche Sträflinge zehnmal ärger sind als früher, nachdem sie sich im Gefängnis aus Furcht vor Strafe in der gesetzlichen Ordnung erhalten haben.[10]
Wer Gott liebt, der wird es nie nötig haben, Ihn zu fürchten (im höllischen Sinn).[11]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 27.21
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.158.26-29
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.158.40-41
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.86.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.43.19
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.43.25
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.158.22-26
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.158.38-39
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 27.21
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 27.18-20
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.264.26