Gottesliebe
Die Gottesliebe ist die allein freie, selbst lebendige Liebe,[1] die wahre Kost für den Geist[2], die innigste Verbindung unseres gesamten Lebens mit dem Leben allen Lebens in Gott.[3] Sie ist vom Grund aus die Liebe Gottes im Liebenden und macht diesen zum Kind der Liebe Gottes durch die Liebe Gottes in ihm.[4]
Der bloße Glaube an einen weit entfernten, allmächtigen, allgegenwärtigen, alles sehenden, alles hörenden, alles durchdringenden und alles erschaffenden Gott ist nur eine dumpfe Ahnung von Gott und keine Gotteserkenntnis und erst recht keine Gottesliebe (denn die kann ja erst dann entstehen, nachdem man Gott zumindest als Person erkennt).[5]
Inhaltsverzeichnis |
Wesen
Die Liebe zu Gott ist zwar ähnlich der Liebe zwischen Verliebten, aber nicht völlig gleich. Sie ist mehr wie die reinere Liebe zwischen Kindern und Eltern, d.h. sie ist kein leidenschaftlicher Brand, sondern wie ein sanftes Wehen, ein hochachtendes Gefühl voller erhaben zarten Nachklanges, welches den Menschen in seiner Freiheitssphäre ebensowenig beirrt, wie die Kinderliebe die Kinder in ihrer Tätigkeit nicht im geringsten beirrt. Die guten Kinder lieben ihre Eltern so außerordentlich stark, daß sie selbst oft gar nicht wissen, wie stark sie ihre Eltern lieben. Das zeigt sich oft erst beim Verlust eines Elternteiles. Die Gottesliebe drückt das Herz des Gottliebenden nicht mit Leidenschaft, sondern erfüllt es mit großer Freude und genügend lebendiger Speise, die fortwährend Geist, Herz und Leib des Menschen sättigt.[6]
Die Liebe zu Gott ist der Inbegriff aller göttlichen Ordnung, weswegen man sich immer an sie lebendig halten soll, um nicht wieder in ein Gericht zurückzusinken.[7]
Die Liebe zu Gott ist heilig in sich, wie es der Herr Selbst in seinem Göttlichen ist. Daher betrachtet der Herr auch jemanden, der Ihn liebt, nicht als einen Sünder.[8]
Gott lieben heißt völlig leben in Ihm, in Gott Selbst ein neues, ewiges Leben beginnen; dies ist nicht dasselbe wie Gotteserkenntnis.[9] Ohne die Liebe Gottes im Herzen kann niemand etwas Wirksames zum ewigen Leben wirken, weil die Liebe Gottes das eigentlich unzerstörbare Leben sowohl in Gott Selbst, wie in jedem aus Gott hervorgegangenen Wesen ist.[10]
Der Mensch wird soweit vom Herrn geliebt - und liebt seinerseits soweit den Herrn - wie sein Wille vom Guten und sein Verstand vom Wahren gebildet wird. Vom Herrn geliebt werden, heißt auch den Herrn lieben, da die Liebe auf demselben Weg zurückkehrt, denn der Herr verleiht dem, der geliebt wird, daß er wiederlieben kann.[11]
Die Liebe Gottes besteht darin, alle retten zu wollen,[12] das vollkommene Heil und die im Innersten empfundene Seligkeit für alle zu wollen, daher das Ihrige mit allen teilen zu wollen. Eine ähnliche Liebe findet sich daher auch bei in allen einzelnen Menschen, die den Herrn lieben, weil Er in ihnen ist, d.h. die Gottesliebe will alles mit anderen teilen, denn das ist ihre Freude.[13]
Der Gegensatz zur Liebe zu Gott ist die Selbstliebe.[14]
Werktätigkeit
Wer Gott nicht mit dem Herzen und auch den Händen durch gute, Gott wohlgefällige Liebeswerke an Seinen Geschwistern ergriffen hat, dessen Liebe gleicht noch einer unreifen Frucht, die noch leicht durch irgendeinen Windstoß vom Baum des Lebens geworfen werden kann, bevor sie reif wird und in ihr den Keim des Lebens zeitigt. Wer aber die werktätige Liebe hat, der ist schon reif und zeitig zum ewigen Leben, denn der hat wahrhaft den lebendigen Sinn der Absicht Gottes in sich gefunden, der Sein ewig lebendiges Wort ist, das der Keim des ewigen Lebens in ihm ist. Ein lauer oder untätiger Liebhaber wird von Gott nicht angenommen, Er behält nur die tätigen. Wer Ihn ergreift mit Herz und Hand, den wird auch Er ergreifen mit aller Macht Seiner Liebe und wird ihn sicher ewig nicht mehr auslassen.[15]
Beinhaltet die heilige Weisheit
Die Liebe an und für sich ist blind und finster und dadurch einerseits frei und unabhängig, andererseits aber auch in großer Gefahr sich zu verlieren und zugrunde zu gehen. Daher gibt Gott aller Liebe zu Ihm entsprechend ihrer Größe auch den gerechten Anteil Licht (Erkenntnis, Weisheit) als ein Gnadengeschenk hinzu. Daher, so jemand die Liebe hat, da er das Gesetz Gottes in sich lebendig macht, welches die höchste Liebe ist, über den werden Ströme des Lichtes ausgegossen werden, und sein Auge wird die Erde durchdringen und die Tiefen der Himmel schauen.[16] Die Liebe (zu Gott) ist daher nicht blind, wie die Weltweisheit meint, sondern sieht um vieles schärfer als der schärfste Weltverstand mit seinem ängstlichen Gewissen.[17]
Wer die reine Liebe zu Gott und daraus zu allen Mitmenschen hat, der hat das ewige Leben und alle anschaulich klare, heilige Weisheit. Letztere ist nicht eine finstere Gedankenweisheit der Welt, die zu gar nichts taugt, außer den lebendigen Menschen nach und nach zum Tod zu reifen und schließlich zu töten.[18]
So wie bei jemand die Liebe zu Gott ist, so wird auch dessen Licht und Weisheit sein,[19] denn das Licht des Wahren aus der Liebe zum Herrn ist Weisheit.[20]
Grundfeste der Gerechtigkeit
Die reine Liebe und alle Tat aus ihr ist die allerwahrhaftigste Grundfeste aller Gerechtigkeit. Wer die reine Liebe aus Gott im Herzen hat, dem wird jede Art von Ungerechtigkeit ewig fremd bleiben. Die Liebe ist das vornehmste Gebot, welches in sich alles Leben und alle Wahrheit enthält.[21]
Kann alles tun
Die wahre Liebe zu Gott ist an keine Regel gebunden, sondern ganz vollkommen frei (nach Henoch).[22]
Wenn jemand Gott über alles liebt, und sein Herz sagt, in solcher großen Liebe zu Gott erbrennend, zu ihm "Tue das!" oder "Tue jenes!", und er macht es, so wird Gott alles mit Wohlgefallen ansehen, was die reine Liebe zu Ihm tun wird.[23]
Beständigkeit
Ist der Herr einem ein köstlicher Schatz im Herzen geworden, dann wird man Seiner ewig nicht mehr ledig; denn da Er in der Liebe wohnt, da ist er eigentlichst zu Hause und zieht ewig nimmer aus - aus solcher Wohnstätte. Man soll Ihn daher fortwährend in seinem Herzen wohnen lassen, und Er wird für einen in keiner Verborgenheit wohnen.[24]
Bedingt durch die Nächstenliebe
Gottesliebe von Seiten des Menschen ist bedingt durch die Liebe zum Nächsten. Gott allein über alles zu lieben, dabei aber vor seinem armen Nächsten Herz und Tür zu verschließen, genügt nicht zur Seligkeit. Denn die Liebe zu Gott ist ohne die Liebe zum Nächsten ewig nicht denkbar und auch nicht möglich. Wer seine Nächsten liebt, weil sie gleich einem selbst (potentielle) Kinder Gottes sind, der wird dadurch auch Gott über alles lieben.[25]
Bedingt durch sichtbare Gegenwart Gottes
Da die sichtbare Gegenwart Gottes eine Nötigung darstellt, kann die Liebe erst dann fürs Leben angerechnet werden, wenn der Herr nicht sichtbar ist. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Joh 20.29 Man kann nicht umhin, an den Sichtbaren zu glauben und den Tastbaren zu lieben, da man durch Seine allmächtige Gegenwart getrieben ist und unwiderstehlich zu Ihm hingezogen wird.[26]
Der durch die sichtbare Gegenwart Gottes genötigte Glaube und die genötigte Liebe sind nicht im geringsten ein Eigentum und gereichen somit nicht zum Leben, sondern sind ein Gericht. Um von diesem Gericht frei zu werden, bedarf es der wahren, großen Demut des Herzens. Diese besteht darin, sich dieser Gnade für höchst unwürdig zu halten. Dann werden der genötigte Glaube und die genötigte Liebe erst nützlich. (nach Henoch)[27]
Erst wenn jemand frei zu Gott kommt, nachdem er Ihn im seinem Herzen gesucht hat und so gefestet und stark geworden ist, kann er zur ewigen Anschauung Gottes Unendlichkeit und des ewigen Gottes unendlicher Liebe und Gnade gelangen. Gottes sehr oftmalige Sichtbarkeit wird ihm nicht schädlich.[28]
Reinheit
Die wahre Liebe schaut nicht auf Vorteil und Nutzen, z.B. indem man Gott für Seine unendliche Macht liebt, da man sich dadurch einen Vorteil verspricht. Das tut vielmehr der inwendig verborgene Eigennutz.[29] Die reine Liebe ist von solchen Dingen frei und durch nichts als durch die Liebe selbst genötigt, Gott über alles in sich selbst und auch in jedem Gotteswerk treulich und unbestochen zu lieben. Wer nicht in der reinen Liebe seines Herzens glaubt, dessen Glaube hat vor Gott keinen Wert und Er wird so jemanden weder anhören, noch ansehen und alle Himmel werden ihm verschlossen bleiben so lange, bis der letzte eigennützige Tropfen in was immer für einer Hinsicht aus seinem Herzen verschwunden sein wird. Die Gottesliebe ist rein, wenn man den Herrn liebt, ohne Ihn zu kennen, wie es Jonatha tat. Vollends im Gemach des Herrn sollen dereinst nur jene wohnen, die Ihn pur lieben.[30]
Die Liebe muß rein sein, damit sie, durch nichts genötigt, sich frei erhebt und mit vereinter Kraft aus sich den frei gewählten Gegenstand erwählt, ihn umschlingt und ewig nimmer ausläßt.[31] Man muß Gott mehr lieben als alle Herrlichkeiten der Welt. (nach Joseph)[32] Wer da was immer in der Welt mehr liebt als Gott, wer aus Liebe zum Herrn nicht alles verlieren kann, der ist des Herrn nicht wert. [33] Wer auf der Welt seine Frau, seine Kinder, seine Brüder und seine Eltern sogar mehr liebt als den Herrn, der ist des Herrn auch nicht wert, denn der Herr ist mehr das durch Seine Macht Geschaffene.[34]
Gott über alles lieben, heißt in Gott ganz auf- und eingehen, und den Nächsten lieben, heißt ebenfalls in den Nächsten ganz eingehen, ansonsten man ihn nie ganz lieben kann. Eine halbe Liebe nützt weder dem Liebenden noch dem Geliebten.[35]
Erlangung und Vertiefung
Liebe ist nicht ums Geld, sondern nur wieder um Liebe zu haben. Gott ist die Liebe Selbst und ist durchwegs um keinen anderen Preis als nur wieder um Liebe zu haben. Gott hat alle durch Liebe erkauft; daher fordert Er von allen wieder Liebe. Wer Gott daher dienen will, der diene Ihm in der Liebe, in der Er für ihn am Kreuz gestorben ist; und wer zu Ihm kommen will, der komme in der Liebe zu Ihm, die am Kreuz für ihn blutete.[36]
Es ist von größter Wichtigkeit, wie man Gott liebt. Mit einer ungerechten und somit Gott unwürdigen Liebe kann und soll sich niemand Gott nahen.[37] Gott kann man nicht für Sich (als Gott) lieben; aber den Vater kann man lieben und Gott als der Vater wird einen dann auch mit aller Macht Seiner Liebe ergreifen und einen als ein wahres Ihn über alles teures Kind auf Seinen Schoß setzen.[38]
Wenn man in der Liebe zu Gott steht und ruht in seinem Herzen, dann soll man nicht der Frauen gedenken und die Liebe zu Gott mit der Liebe der Frauen trüben. Ausgenommen ist nur die Mutterliebe und die kindliche Liebe, welche die Liebe zu Gott nicht trüben, sondern nur einen Maßstab geben, wie man Gott lieben soll. (nach Henoch)[39]
Erkenntnis
Die wahre Erkenntnis Gottes ist der Grund der Liebe zu Ihm. Wer Gott lieben will, der muß nicht nur glauben und wissen, daß Er sei, sondern er muß Gott wahrhaftig erkennen in sich. Wenn jemand Gott stets mehr erkennen wird durch sein emsiges Forschen nach Ihm in den Werken, dann wird er Ihn auch stets mehr lieben müssen, weil er stets heller erkennen wird, daß Gott in Sich die allerhöchste reinste und selbstlose Liebe und Weisheit Selbst ist. (nach Kisehel)[40]
Die Gotteserkenntnis - die möglichst klare Vorstellung Gottes, der mit der Fülle der Liebe erfaßt werden soll - ist die mächtige Triebfeder, durch die man zur Gottesliebe gelangt. Wer Gott stets mehr und mehr erkennt, der wird Ihn auch stets mehr und mehr lieben. Dazu braucht es kein Bildnis, sondern nur die Erkenntnis im Herzen.[41]
Gott kann nur als Mensch geliebt werden und nicht als unendlicher Gott.[42] Wer Gott recht lieben will, der muß Ihn als einfachen Taglöhner und Zimmermannsgesellen zu lieben anfangen und so emporsteigen zum Herrn, zum Vater und dann zum Gott. So lernt man Gott bald und leicht über alles lieben, sonst geht es schwer oder gar nicht.[43] Wer Gott aus allen seinen ihm verliehenen Kräften liebt, der tut genug, denn er hat das ihm zugeteilte Maß erfüllt. Man soll nicht danach trachten, Gott endlos zufrieden stellen zu wollen, was selbst dem höchsten geschaffenen Geist unmöglich ist, und vergleichsweise so wäre, als wollte man einen Obstbaum dazu bestimmen, er solle die ganze Erde mit seinen Früchten versehen. Daher soll man Gott entsprechend seinen endlichen Kräften über alles lieben, damit das Maß voll sei. Für das Unendliche soll man den göttlichen Vater sorgen lassen.[44]
Reinheit
Wer ein unreines Herz hat, muß den Herrn in der reuigen Schulderkenntnis lieben. Nur solche (reuige oder zerknirschte) Liebe allein reinigt das Herz vor dem Heiligen aller Heiligkeit. (nach Maria)[45]
Weitergabe
Um fähig zu sein, alle Wärme der göttlichen Liebe aufzunehmen, muß die eigene Liebe gewisserart reflektierend sein. Wer die Wärme aufnimmt, welche die Liebe Gottes ist, und sie in sich behält und nicht weiterströmt, der ist ein Geiziger und wird aufgelöst wie das Eis am Feuer. Wer sie aber empfängt und sie an alle nah und fern gibt, bei dem ist die göttliche Liebe am rechten Platz und entspricht ganz dem Willen des großen und heiligen Gebers.[46]
Entsagung
Es muß zuvor alles durchs Feuer der Liebe zu Gott gehen, das alles noch anhaftende Welttum verzehrt, bis es sich Gott nahen kann im Herzen und im Geist. Erst dann kann man sich Gott nahen und alle Sünde wird dadurch von einem genommen werden. (nach Kisehel)[47]
Um Gott über alles zu lieben gehört vor allem ein nach den Gesetzen Moses vollkommen reiner Lebenswandel. Wo dieser durch allerlei unordentliche Lebensfehler (Sünden) zerstört wurde, da litten notwendig alle zum Leben erforderlichen (seelischen) Kräfte, die dadurch materiell und wie völlig totgemacht wurden. So wie ein Gichtkranker keinen hohen Berg ersteigen kann, kann ein auf solche Weise lebensverkrüppelter Mensch dann Gott unmöglich aus allen Lebenskräften über alles lieben. Er muß erst seine erstorbenen Lebenskräfte durch eine oft mehrere Jahre lange eifrigste Selbstverleugnung aller seiner alten Leidenschaften und Gewohnheiten in sich neu beleben und so erst nach und nach in die höchstmögliche Liebe zu Gott übergehen. Vollkommene Demut und gänzliche Selbstverleugnung sind für einen schon sehr verweltlichten Menschen keine leichte Aufgabe, aber dank der Vorsehung Gottes dennoch schaffbar.[48]
Furchtlosigkeit
Wer Gott lieben will, der darf die Welt nicht fürchten, denn Gott ist mehr als alle Welt.[49] Niemand kann Gott und dem Mammon dieser Welt zugleich dienen; denn wer den Mammon sucht und liebt, der kann Gott nicht lieben. Wer aber Gott nicht liebt, der hat kein wahres Leben aus Gott in sich, sondern nur ein Scheinleben aus dem Fürsten dieser Welt, der in sich selbst tot ist und niemandem je etwas anderes als nur den Tod geben kann, der seine Wesenheit ist für immerdar.[50]
Weisheit
Selbst die größtmögliche Liebe (zu Gott) darf nicht ohne Weisheit einhergehen, wenn sie die Seligkeit aller Seligkeiten bewirken soll. Die reine Liebe ist ein verzehrendes Feuer und kann als ein Grundfeuer durch nichts gesteuert werden als allein durch einen entsprechenden Grad von Weisheit.[51]
Ewigkeit
Die Liebe darf sich nicht zeitlich gestalten und nur von heute auf morgen anhalten. Damit ist nicht einmal ein Frau zufrieden, geschweige denn erst der ewige Gott. Das Leben wird beschaffen sein, wie die Liebe beschaffen ist. Ist sie zeitlich, dann wird auch das Leben vergänglich sein; in solcher Liebe ist kein Licht. Ich die Liebe für ewig gestaltet, dann ist auch das Leben gleich ihr und diese Liebe ist erst das lichte Erwachen des ewigen Geistes, der selbst nichts als pur Liebe ist. (nach Henoch)[52]
Praxis
Die Praxis der Gottesliebe wird von Joseph folgendermaßen zusammengefaßt:
- Man soll Gott lieben, wie man seinen Bruder oder seine Braut liebt.
- Man soll seine Mitmenschen als lauter Brüder und Schwestern in Gott lieben, denn dadurch wird man auch Gott lieben.
- Allzeit und allenthalben Gutes tun, wodurch man die Gnade Gottes haben wird.
- Barmherzig gegen jedermann sein, wodurch man auch bei Gott die wahre Barmherzigkeit finden wird.
- In allen Dingen gelassen sein, sanft und voll Geduld; Stolz, Hochmut, Neid wie die Pest fliehen.[53]
Wirkung
Gott ist unendlich gut denen, die Ihn lieben über alles und alle ihre Hoffnung auf Ihn allein richten. Der Herr erweckt bei den Ihn Liebenden eine mächtige Flamme im Herzen und das gewaltige Licht dieser geistigen Flamme (die göttliche Weisheit) wird alle Finsternisse des Todes aus ihnen verscheuchen, und sie werden dann in sich selbst eine Offenbarung finden, in der alle Fragen auf das glänzendste lebendig beantwortet werden.(nach Joseph)[54] Wer Gott über alles lieben wird und sich aus großer Liebe zu Ihm in all dem Weltlichen verleugnen wird, der soll das ewige Leben haben, und wird den Tod nicht sehen, fühlen oder schmecken.[55]
Wenn das Herz voll Liebe zu Gott ist, dann zieht diese Liebe einen zu Gott hin.[56] Fromme Menschen, die Gott über alles lieben und nach Seinen Geboten leben, bekommen schon in dieser Welt die Stimme des Vaters zu hören und Sein Angesicht zu sehen.[57]
Einsicht und Weisheit
Wer in der Liebe zum Herrn steht und sich liebevoll um den Nächsten kümmert, hat schon im irdischen Leben Engelseinsicht und -weisheit in und um sich, jedoch verborgen im Innersten seines inwendigen Gedächtnisses. Diese Einsicht und Weisheit kann ihm jedoch nie erscheinen, bevor er das Körperliche ablegt. Dann erst wird das natürliche Gedächtnis eingeschläfert und das inwendige erweckt und nach und nach zu dem eigentlich engelmäßigen Gedächtnis.[58] Die wahren Liebhaber werden dereinst alle Schöpfung zu sehen bekommen, denn sie werden Gottes Angesicht schauen. Das Angesicht Gottes ist das, was Er erschaffen hat durch Seine Weisheit und ewige Allmacht.</ref>Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 174.15-16</ref>
Durch die Gottes- und Nächstenliebe erst erkennt man in aller Fülle, wo man ist, wer man ist und woher man kam.[59]
Sündenfreiheit
Solange das Herz mit der Liebe zu Gott erfüllt sein wird, so lange wird man auch völlig unfähig sein, in irgendeine Sünde zu verfallen. (nach Kisehel)[60]
Einung von Seele und Geist
Je mehr Liebe ein Mensch zu Gott und zum Nächsten lebendig in sich fühlt, je barmherziger er in seinem Gemüt wird, desto größer und stärker ist auch schon der Geist Gottes in seiner Seele geworden. Ist am Ende der ganze Mensch zur reinen Liebe geworden, so ist auch schon die völlige Einung der Seele mit dem Geist aus Gott erfolgt, und der Mensch hat für ewig das von Gott ihm gestellte allerhöchste Ziel des Lebens erreicht.[61]
Geistige Wiedergeburt
Jeder Mensch wird durch die Liebe zu Gott geheiligt und neu geboren in seinem Herzen.[62]
Seligkeit
Die Gottesliebe wird viele Früchte bringen und sich aufschwingen zum Licht der Gnade und mit unverwandtem Blick die unermeßlichen Tiefen der Gottheit schauen. Sie wird sich vor Entzückung und Wonne in ihrer Liebe zur Liebe und für die Liebe entzünden und gleich einer Sonne selbstleuchtend werden.[63] Kein äußerer Sinn der Seele kann je erfassen und keines Menschen Zunge beschreiben, was Gott denen vorbereitet hat, die Ihn allein über alles lieben und ihre Herzen nie mehr von Ihm abwenden. 1Kor 2.9 Jes 64.3 [64]
Viel Liebe im Herzen zu Gott und seinen Brüdern macht das Erdenleben angenehm und nimmt alle Todesfurcht. Denn diese Liebe ist in sich selbst das ewige Leben.[65]
Beurteilung
Alle, die der Lehre Gottes tätig anhängen, lieben Gott wahrhaft. Da sie Ihn wahrhaft lieben, wird Er entweder sichtbar oder vernehmbar stets unter ihnen sein und sie Selbst lehren und ziehen zu Seinen Kindern.[66]
Gott über alles lieben heißt Gott über alles Gesetz hinaus lieben.[67] Das Gesetz ist im Grunde nichts anderes als der trockene Weg zur eigentlichen Liebe Gottes. Wer Gott in seinem Herzen zu lieben anfängt, der hat den Weg schon zurückgelegt. Wer aber Gott nur durch die Haltung des Gesetzes liebt, der ist mit seiner Liebe noch immer ein Reisender auf dem Weg. Wer Gott über das Gesetz hinaus liebt, der liebt Ihn auch über alle weltlichen Dinge hinaus, weil durch das Gesetz die Verwendung der weltlichen Dinge und das Verhalten zu denselben nach der göttlichen Ordnung dargestellt wird. (n. dem seligen Johannes)[68]
Versagen
Wer Gott lieben will, aber dessen Herz nicht stark genug ist, Ihn mit flammender Liebe zu erfassen, und er sich daher nur allein mit den trockenen Gedanken von Gott begnügen muß, dann fehlt es an der wahren Demut, denn sie ist das Grundfundament alles Lebens.[69]
Weltverstandeskritik an der Gottesliebe
Die Liebe ist gleich der Lebenskraft des Menschen und dieser kann mit ihr daher verwandte und gleich große Wesen ergreifen. Ein Mann mag mit ein bis zehn Frauen zurechtkommen, aber mit hunderten oder tausenden in vereinter Kraft nicht auch nur eine Stunde, sondern er wird ermatten und dahinsinken. Der Mensch kann nur soviel lieben, wie sein Volumen ausmacht. Wie also soll er den unendlichen Gott lieben, und das noch über alles? Wer auch nur den geringsten Funken Verstand hat, muß auf den ersten Blick begreifen, wie dumm es ist, Gott lieben zu wollen.[70]
Richtig ist: Gott hat die Herzen der Menschen so eingerichtet wie das Auge, das zwar auch sehr viel kleiner ist als die sichtbare große Schöpfung, aber dennoch dieselbe in sich aufnehmen und betrachten kann. Daher kommt es nicht auf das Volumen an, sondern nur auf den Willen des lebenden Wesens. (nach den zehn Feuerboten)[71]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 220.21
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.44.1
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.25.67
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.71.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.233.5
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.50.14-17
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.13.12
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 220.7-10
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.134.20; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.25.68
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.226.11
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 350
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 318
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 397; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 399-400
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 596
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.77.5-16
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.7-8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.129.12
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.174.10
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.86.5
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 148
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.28.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.171.9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.229.17
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 247.16-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.140.4; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.207.13; Jakob Lorber, Bischof Martin 21.21
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.40; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.241.4
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.241.13-18
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.142.15-17; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.42-44
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.134.10
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.134.14-15; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 219.17-22
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.134.19
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 64.2
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.37.12; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.125.7
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.37.13; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.125.8; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 188.29
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.1.6
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.2.11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.232.9-10
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.232.23
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.2.22
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.215.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.50.6; Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.50.12-13; Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.50.18
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.24.16
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 2.341.8
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.24.19-22
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 205.18-20
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.5.35
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.197.12; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.197.18
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.83.4-11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.2.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.206.11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 121.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.56.13-15
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 146.13-17
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 31.7; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 146.18-19
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.240.16
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 220.21
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.219.20
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 467
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 44.7-8
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.215.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.223.10
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 220.11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.5.36
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.87.2
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 174.14-15
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 184.12
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.101.26-27
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.102.1-6
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.12.15
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.176.12-19
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.176.10