Reich Gottes
Das Reich Gottes oder der Himmel im Menschen ist die Liebe zu Gott und die freiwillige, vollkommene Befolgung des erkannten Willens Gottes, bzw. die himmlische und geistige Liebe, weil dieser Liebe alles Himmlische eingeschrieben ist.[1] Liebe zum Herrn und Liebe zum Nächsten herrschen in den Himmeln, ja sind die Himmel.[2] Das Himmelreich im Größten wie im Kleinsten besteht darin, daß unter den Seligen nirgends Feindschaft, Neid oder Haß besteht, sondern eine größte Harmonie, die größte Eintracht und die größte gegenseitige Liebe.[3] Im Himmel wächst jede Vollkommenheit mit der größeren Zahl (der Engel oder Engelsgesellschaften), weil dort alle dasselbe Endziel haben und einmütig darauf blicken. Diese Endziel besteht im allgemeinen Wohl. Dies geschieht, weil der Herr alle im Himmel zu Sich hinwendet und dadurch bewirkt, daß sie in Ihm eine Einheit bilden, wodurch Vollkommenheit hervorgebracht wird.[4]
Der Himmel heißt ein Paradies, weil dort das Wahre mit dem Guten oder die Liebe mit dem Glauben verbunden ist, wie zur Frühlingszeit auf Erden das Licht mit der Wärme.[5] Der Zustand des Himmels beim Menschen ist die Verbindung des Guten und Wahren, d.h. soweit das Wahre seines Verstandes sich mit dem Guten seines Willens verbindet, der Mensch die Wahrheiten will und auch tut, hat er den Himmel in sich.[6] Aufgrund der Verbindung des Guten und Wahren wird im Wort der Himmel mit einer Ehe verglichen und auch so genannt. Vom Herrn heißt es, er sei der Bräutigam und Gatte, vom Himmel und der Kirche, sie sei die Braut oder auch das Weib.[7] Alles im Himmel ist der ehelichen Liebe eingeschrieben und zugleich damit unzählbare Seligkeiten und Freuden.[8]
Wesen
Der Himmel oder das Reich Gottes ist das Reich des Lichtes, der Wahrheit und der Liebe. Es ist und entwickelt sich innerhalb und nicht außerhalb eines Menschen, bzw. Engels. Lk 17.20-21 [9] Da jeder in den Himmel kommt, den er nach der Art seiner Liebe in sich trägt, ist es eitel, danach zu fragen, wie der Himmel aussehe.[10] Der Himmel geht aus dem menschlichen Geschlecht hervor und stammt nicht von Engeln, die von Anbeginn als solche erschaffen worden seien, wie allgemein geglaubt wird. Wer in der Welt in himmlischer Liebe und im Glauben gelebt hat, findet sich im Himmel, und zwar nicht bloß der Teil, der innerhalb der Kirche, sonder auch jener, der außerhalb der Kirche geboren ist. Er besteht aus allen, die von der ersten Entstehung der Welt an im Guten gelebt haben.[11] Ein Beweis für die Tatsache, daß der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht hervorgeht, liegt auch darin, daß die Gemüter der Engel und Menschen einander ähnlich sind. Beide sind fähig zu verstehen, wahrzunehmen und zu wollen, beide sind zur Aufnahme des Himmels geschaffen; das Innere des Menschen, sein Geist, ist dem Wesen nach ein Engel; nach der Ablösung vom irdischen Körper hat er ebenso eine Menschliche Gestalt wie der Engel, vorausgesetzt der Mensch hat sein Inneres nicht verschlossen.[12]
Aus dem Himmel geht die Sphäre des Guten und Wahren hervor. Diese Strömung scheint von den Engeln zu kommen, doch stammt sie vom Herrn allein, denn jeder Engel des Himmels erkennt an, daß von ihm selbst nichts Gutes und Wahres kommt, sondern allein vom Herrn.[13] Im Himmel verfügt jeder über die aus dem Guten hervorgehenden Wahrheiten.[14] Wer nach dem irdischen Leben in das Reich Gottes kommen wird geistig, dem wird alles im Licht gezeigt.[15]
Der Himmel stellt aufgrund des Göttlich-Menschlichen des Herrn, das den Ursprung des Himmels und seiner Form bildet, in seinem Gesamtunmfang einen einzigen Menschen dar (siehe Großer Mensch) und entspricht auch allen Einzelheiten beim Menschen. Das Ganze, jede einzelne Gesellschaft, und jeder Engel weist menschliche Gestalt auf, ebenso das Gute und Wahre, das vom Herrn ausgeht, und auch die Einzelheiten der Gedanken, wie sie aus der himmlischen Liebe bei den Engeln hervorgehen. Dieses Geheimnis faßt der menschliche Verstand nur dunkel, deutlich aber der der Engel.[16]
Der Himmel und die ganze geistige Welt stellen sich nirgends örtlich zur Erscheinlichkeit dar, sondern sie sind, wie alle geistige Welt, in den Geistern selbst.[17] Der Himmel ist überall da, wo man den Herrn (Jesus Christus) anerkennt, an Ihn glaubt und Ihn liebt.[18] Der Himmel ist in niemandem, ehe in ihm nicht Wahres mit Gutem verbunden ist, denn diese Verbindung ist der Himmel und wird als himmlische Ehe bezeichnet.[19]
Der Himmel ist nicht in jedem Menschen (oder Engel) der gleiche, vielmehr ist er in jedem verschieden, je nach seiner Neigung zum Guten und dem dazugehörenden Wahren, d.h. es gibt eine unendliche Mannigfaltigkeit.[20] Jeder ist eins mit seiner Liebe und von derselben Art wie seine herrschende Liebe. Die herrschende Liebe in den Himmeln ist die Liebe zum Herrn, weil dort der Herr über alles geliebt wird. Er ist daher dort alles in allem, fließt in jeden einzelnen ein, bringt allesamt in die Ordnung und in Sein Ebenbild, so daß der Himmel dort ist, wo der Herr ist.[21]
Dereinst wird im Geiste jeder nach seiner Liebe und der daraus hervorgehenden Weisheit der Schöpfer seiner eigenen für ihn bewohnbaren Welt sein und diese Welt ist das eigentliche Reich Gottes im Menschen.[22] Des Menschen ganzer Wille ist sein Himmel oder seine Hölle.[23] Jeder findet die geistige Welt und den Himmel so, wie er sich all dies durch seinen Glauben im Geiste begründlich geschaffen hat.[24] Das Reich Gottes ist für die wahren Freunde Gottes überall, für die Feinde Gottes aber nirgends; denn für die ist alles Hölle.[25]
Die Weisen im Himmel sind jene, denen Kenntnisse und Wissenschaften als Mittel dienten, um weise zu werden, natürlich nur jene, die das Göttliche in ihrem Glauben und Leben anerkannt haben. Sie sind jene, die sich dort in der Mitte befinden (d.h. die besten sind), weil sie mehr als andere im Licht stehen. Die Einfältigen im Himmel bestehen aus denen, die zwar das Göttliche anerkannt, das Wort Gottes geliebt und ein geistig-sittliches Leben geführt, die inneren Bereiche ihres Gemüts jedoch nicht weiter durch Kenntnisse und Wissenschaften ausgebildet hatten.[26]
Das Wesenhafte des Reich Gottes ist alles was man wahrnehmen kann; das Reich Gottes befindet sich überall in der ganzen ewigen Unendlichkeit. Der Mensch, der dessen inne wird aus dem Geist des Herrn, der hat das Reich Gottes auch in sich und befindet sich, wo er auch immer sein mag - ob noch im Leib oder als Geistmensch in seiner puren Seele -, überall im Reiche Gottes und dessen vollster Wesenhaftigkeit.[27]
Das Geistige, das im Himmel herrscht, steht über der Natur und ist völlig vom Natürlichen unterschieden. Die Verbindung des Himmels mit der natürlichen Welt wird durch Entsprechungen bewirkt und durch Nutzwirkungen hervorgerufen.[28] Alles, was der göttlichen Ordnung gemäß ist, entspricht dem Himmel und bezieht sich samt und sonders auf das Gute und Wahre.[29] Es gibt keinen Einfluß von der natürlichen in die geistige Welt, sondern nur von der geistigen Welt in die natürliche.[30]
Es gibt zwei innerste himmlische Zustände, nämlich die Unschuld und den Frieden. Sie werden deswegen als die innersten bezeichnet, weil sie unmittelbar aus dem Herrn entspringen und die Engel anregen. Aus der Unschuld stammt alles Gute des Himmels und aus dem Frieden alles Angenehme des Guten. Gutes und Angenehmes gehören der Liebe an.[31]
Der Himmel ist dermaßen mit Freuden angefüllt, daß er nur daraus besteht, denn die göttliche Liebe besteht darin, daß sie das vollkommene Heil und die im Innersten empfundene Seligkeit für alle will. Die Freuden des Himmels, die im Inneren der Engel wohnen, können weder gezählt noch beschrieben werden. Sie sind zahllos und unvergleichlich größer als die körperlichen oder fleischlichen Freuden. Wer nur die körperliche oder fleischliche Lust kennt, ist nicht imstande, auch nur eine davon zu erfassen oder daran zu glauben. (siehe Seligkeit der Engel)[32]
Das Reich des Herrn ist ein Reich der Nutzwirkungen.[33] Alle Nutzwirkungen des Himmels beziehen sich auf den allgemeinen Nutzen, der auf das Reich des Herrn abzielt, das dort Vaterland ist. Die besonderen und die einzelnen Nutzwirkungen sind desto höher eingestuft, je tiefer und vollständiger sie sich in den allgemeinen Nutzen einfügen; darum sind alle die unzähligen besonderen und einzelnen Nutzwirkungen gut und himmlisch. Aus diesem Grund ist in jedem die Neigung zum Wahren mit der Neigung zu nützlichem Tun so verbunden, daß sie einheitlich zusammenwirken.[34]
Zwischen Himmel und Hölle besteht ein beständiges Gleichgewicht. Aus der Hölle steigt wie ein Dunst fortwährend der Anreiz auf, Böses zu tun, dagegen läßt der Himmel immerzu den Anreiz aushauchen und herabsteigen, Gutes zu tun. In diesem Gleichgewicht befindet sich die Geisterwelt, die Mitte zwischen Himmel und Hölle. siehe Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle[35]
Aufteilung
Der Himmel ist in Gesellschaften unterteilt und jeder einzelne Geist gehört zu einer Gesellschaft, durch deren Einfluß er auch besteht und mit der er folglich auch als eins zusammenwirkt. Alle Gesellschaften des Himmels sind genauestens nach ihrer Neigung zum Guten und Wahren abgeteilt. Jeder Geist, der in den Himmel erhoben und zu einem Engel wird, wird der Gesellschaft zugeführt, in der seine Liebe herrscht. Dort fühlt er sich wie zu Hause, wo er geboren wurde. Geht er fort und kommt anderswohin, widerstrebt es ihm fortwährend, und er sehnt sich, zu dem ihm Ähnlichen, mithin zu seiner herrschenden Liebe zurückzukehren. Die Ähnlichen werden zusammengestellt, die Verschiedenen voneinander getrennt, weswegen jede Gesellschaft des Himmels aus einander Ähnlichen besteht. Nicht die Engel selbst, sondern der Herr führt sie zusammen, ebenso die Gatten, deren Gemüter zu einem verbunden werden können. (siehe Ehe der Engel)[36]Im Himmel herrscht eine unendliche Mannigfaltigkeit Joh 14.2 und nicht eine Gesellschaft gleicht der anderen, nicht einmal ein Engel ist dem anderen völlig gleich. Diese Vielfalt ist die Vollkommenheit des Himmels, denn die vollkommene Einheit entsteht aus Vielfalt. Jede Gesellschaft ist ein Himmel in kleinerer Gestalt, und jeder Engel ist es in der kleinsten. Diese größeren und kleinere Gesellschaften unterscheiden sich je nach dem Guten der Liebe und des Glaubens im allgemeinen und im besonderen, sowie nach ihrer Nutzwirkung, denn das Gute bei allen im Himmel ist ein Gutes der Tat. Das Gute in den Himmeln ist von unendlicher Vielfalt, und jeder Engel ist so wie sein Gutes. Es spielt keine Rolle, daß dieses Gute überall anders und verschieden ist, es ist dennoch das Gute des Himmels. Die vollkommeneren Mitglieder einer Gesellschaft, d.h. die im Guten, der Liebe, Weisheit und Einsicht hervorragenden, befinden sich in der Mitte, die weniger vollkommenen bilden den Umkreis. Einander Ähnliche werden wie von selbst zu Ähnlichen geführt, wo sie wie unter sich und zu Hause sind, bei anderen aber wie unter Fremden und wie in der Fremde. Es sind nicht die Engel, die sich in dieser Weise zusammenfinden, sondern der Herr ist es, von dem das Gute kommt. Er führt sie, verbindet sie, scheidet sie voneinander und erhält sie in Freiheit, insoweit sie im Guten sind. Der Himmel wird im allgemeinen in zwei Reiche, im besonderen in drei Himmel und im einzelnen in unzählige Gesellschaften geteilt.[37]
Die Gesellschaften im Himmel werden je nach ihrer Nutzleistung für das Ganze (den Himmel) miteinander verbunden. Die keinen Nutzen für das Ganze schaffen, werden deswegen als etwas Fremdartiges aus dem Himmel ausgestoßen.[38] Die größten Gesellschaften bestehen aus zehntausenden, die kleineren aus tausend Engeln, die kleinsten aus einigen hundert. Es gibt auch Engel, die abgesondert wohnen, gewissermaßen Haus für Haus, Familie für Familie. Diese sind jedoch geordnet wie jene in den Gesellschaften. Sie stehen unmittelbar unter der göttlichen Obhut und sind unter den Engeln die besten.[39] Jede himmlische Gesellschaft nimmt von Tag zu Tag zu und wird im selben Maße vielfältiger und damit vollkommener, wodurch nicht nur die betreffende Gesellschaft gewinnt, sondern auch der Himmel im allgemeinen. Der Engel größte Sehnsucht ist es darum, neue Engelsgäste bei sich zu empfangen.[40]
Zwei Reiche
Manche Engel nehmen das vom Herrn ausgehende Göttliche innerlicher, andere weniger innerlich auf. Erstere heißen himmlische, letztere geistige Engel. Daher unterscheidet man im Himmel (im allgemeinen) zwei Reiche:
- das höhere, himmlische Reich, wo die Liebe der Angehörigen als "himmlische Liebe" bezeichnet wird und die Liebe zum Herrn ist
- das niedrigere, geistige Reich, wo die Liebe der Angehörigen als "geistige Liebe" bezeichnet wird und die tätige Liebe zum Nächsten ist[41]
Im innersten oder dritten Himmel herrscht die Liebe zum Herrn, im zweiten oder mittleren die Liebe zum Nächsten. Beide gehen vom Herrn aus und beide bilden den Himmel. Im Himmel versteht man unter "den Herrn lieben" nicht, ihn als Person lieben, sondern das Gute, das aus ihm stammt. Das Gute lieben heißt aber, das Gute aus Liebe wollen und tun. Unter Nächstenliebe versteht man im Himmel auch nicht, den Gefährten als Person lieben, sondern das Wahre, wie es aus dem Wort hervorgeht. Das Wahre lieben heißt aber, das Wahre wollen und tun. Diese beiden Arten der Liebe unterschieden sich wie das Gute und Wahre und verbinden sich auch wie das Gute und Wahre. Dies kann sich eine Mensch schwer vorstellen, weil er nicht weiß, was Liebe, was Gutes und was der Nächste ist.[42]
Diese beiden Reiche unterscheiden sich in derselben Weise wie das Gute der Liebe zum Herrn und das Gute der Liebe zum Nächsten.[43] Die Engel im himmlischen Reich übertreffen an Weisheit und Herrlichkeit die Engel im geistigen Reich bei weitem, weil sie die göttlichen Wahrheiten unmittelbar ins Leben aufgenommen haben und aufnehmen, nicht aber wie die geistigen Engel zuerst ins Gedächtnis und Denken. Die Wahrheiten sind daher ihrem Herzen eingeschrieben, und sie fühlen und schauen diese in sich und stellen niemals Berechnungen darüber an, ob es sich so verhalte oder nicht. Sie werden bei Jeremia beschrieben in Jer 31.33 und bei Jesaja heißen sie "von Jehova gelehrt" Jes 54.13, was dasselbe heißt wie "vom Herrn gelehrt" bei Joh 6.45[44]
Weil ein solcher Unterschied zwischen den Engeln des himmlischen und geistigen Reiches besteht, sind sie nicht beieinander und haben auch keinen Umgang miteinander. Die Verbindung wird nur durch die zwischen ihnen stehenden sogenannten geistig-himmlischen Gesellschaften bewirkt, durch die das himmlische Reich in das geistige einfließt. Daher ist der Himmel dennoch ein einziger, obwohl in zwei Reiche geteilt.[45]
Das himmlische Reich wird auch als das priesterliche Reich des Herr und im Wort Gottes als seine "Wohnung" bezeichnet. Das geistige Reich dagegen als ein "königliches Reich" und im Wort als Sein "Thron". Nach Seinem Himmlisch-Göttlichen wurde auch der Herr in der Welt "Jesus", nach Seinem Geistig-Göttlichen "Christus" genannt.[46]
In der Entsprechung zum Menschen entspricht das himmlische Reich im allgemeinen dem Herzen und alles was im ganzen Leib zum Bereich des Herzen gehört. Das geistige Reich entspricht der Lunge und ihrem Bereich im ganzen Körper. Das himmlische Reich besteht im Willens-Prinzip des Himmels, in dem das Gute der Liebe herrscht, das geistige Reich im Verstandes-Prinzip, in dem das Wahre herrscht.[47]
Drei Himmel
Die Himmel im Reich des Herrn (im besonderen) sind:
- der unterste und erste, der pure Weisheitshimmel
- der mittlere oder zweite, der Weisheits- und Liebehimmel
- der innerste oder dritte, der höchste reine Liebehimmel[48]
Die drei Himmel verhalten sich wie das Oberste des Menschen, das Haupt, sein Mittleres, der Leib, und das Unterste, die Füße. In dieser Ordnung ist auch das Göttliche, das vom Herrn ausgeht und herabsteigt. Das Innere der Engel entscheidet darüber, in welchem Himmel sie sich befinden, jenachdem sie das göttliche Gute und dazu das göttliche Wahre aufnehmen. Je mehr ihr Inneres, das wie auch beim Geist und Menschen, dreiteilig ist, dem Herrn gegenüber geöffnet ist, in einem umso innerlichen Himmel sind sie.[49]
Die Vollkommenheit nimmt nach innen hin zu und nach außen hin ab. Daher übertrifft die Vollkommenheit der Engel des innersten Himmels unermeßlich die der Engel des mittleren Himmels und in gleicher Weise die Vollkommenheit der Engel des mittleren Himmels jene der Engel des letzten Himmels.[50] Kein Engel des einen Himmels kann (von sich aus) zu den Engeln des anderen gelangen. Wer aus einem niedrigeren Himmel in einen höheren hinaufsteigt, wird von Bangigkeit ergriffen, die bis zum Schmerz geht, und kann die dortigen Engel nicht sehen oder mit ihnen reden. Wer aus einem höheren Himmel herabsteigt, wird seiner Weisheit beraubt, stottert beim Reden und gerät in Verzweiflung. Etwas anderes ist hingegen, wenn der Herr Engel aus einem niederen Himmel in einen höheren erhebt, was öfters geschieht. Dann werden sie zuerst vorbereitet und mit vermittelnden Engeln umgeben, die eine Gemeinschaft bewirken. Engel, die zum selben Himmel gehören, können mit allen anderen darin verkehren, wobei sich die Freuden nach dem Grad der Verwandtschaft ihres Guten richten.[51]
Der höchste Himmel ist für die hundertfache Frucht, der untere für die sechzigfache und der unterste für die dreißigfache. Wer (in Seiner Liebe zu Gott) darunter liegt, dem wird das wenige was er hat auch noch weggenommen Mt 13.12 Mark 4.25 Luk 8.18 und dem gegeben, der 30, 60 oder 100 hat. Dieses Vorgehen ist nicht ungerecht. Auch ein Landmann läßt einen kaum ertragreichen Acker brachliegen und investiert die Saat stattdessen in fruchtbare Erde. Ebenso entzieht man einem Schwätzer, der wenig Glauben genießt, sein gesamtes Vertrauen und schenkt es stattdessen einem Weisen, der schon Glauben in Überfülle genießt. Auch die Jünger Jesu haben den Pharisäern und Schriftgelehrten ihren letzten Funken von Vertrauen völlig entzogen und ihn Jesus geschenkt, dem sie schon in größtem Ausmaß vertrauten.[52]
Die rechte Kindschaft Gottes für den innersten und reinsten Liebehimmel kann nur durch ein Leben auf der Erde erlangen werden. Der erste und zweite Himmel kann auch durch die Ausbildung der Seele im Jenseits erlangt werden (Anm.: d.h. ohne Inkarnation auf Erden).[53]
In jedem Himmel gibt es ein Inneres und ein Äußeres und entsprechend heißen die Engel innere oder äußerliche Engel. Das Äußere und Innere in jedem Himmel verhält sich zueinander wie das Willensmäßige, das Innere, zum Verstandesmäßigen, das Äußere, beim Menschen, oder wie die Flamme und das Licht. Alles Willensmäßige hat sein Verstandesmäßiges, das eine ohne das andere gibt es nicht.[54]
Es gibt eine Entsprechung der Himmel untereinander. Der mittlere Himmel entspricht dem innersten, der unterste dem mittleren, und die körperlichen Formen im Menschen, also seine Gliedmaßen, Organe und innerern Teile entsprechen dem untersten Himmel.[55]
Macht
Alle Macht des Himmels gehört dem göttlichen Wahren, dem Ursprung des Himmels, ohne dieses gibt es überhaupt keine Macht. Die Engel nehmen es auf und besitzen dadurch Macht, sie alle werden dadurch auch "Mächte" genannt, weil sie insoweit Macht haben, als sie Empfänger oder Aufnahmegefäße desselben sind. Durch das Göttlich-Wahre haben sie Macht über die Höllen und über alle, die sich ihnen widersetzen. Tausend Feinde halten nicht einen einzigen Strahl des Himmelslichtes aus, das das Göttlich-Wahre ist.[56]
Größe
Der Himmel wird durch die immer größer werdende Fülle zunehmend vollkommener und niemals geschlossen, d.h. er wird nie voll und dann geschlossen, sondern ist unermeßlich groß. Der Himmel ist allein schon von den Bewohnern unseres Erdkörpers reich bevölkert. Der unbewohnte Himmel ist derart groß, daß er in Ewigkeit nicht ausgefüllt werden kann.[57] Im Himmel gibt es keine Ausdehnung des Raumes wie in der Welt; das Räumliche ist dort nicht begrenzt und auch nicht meßbar.[58]
Himmelsrichtungen
Im Himmel gibt es, wie in der Welt, vier Hauptrichtungen: Osten, Süden, Westen und Norden, und sie werden ebenfalls durch die Sonne bestimmt, im Himmel durch die Gnadensonne, den Herrn.
Dennoch gibt es Unterschiede:
- Auf der Erde werden alle Himmelsrichtung durch den Süden bestimmt. Im Himmel ist es der Osten - die Stelle, wo der Herr als Sonne erscheint - der alle Richtungen bestimmt.
- Die Engel haben bei jeder Wendung ihres Gesichtes und Körpers den Osten vor Augen, den Westen im Rücken, zur Rechten den Süden und zur Linken den Norden. Dennoch haben sie einen Ausblick auf die drei übrigen Hauptrichtungen, als Folge ihres inneren Sehens, das bei ihnen Angelegenheit des Denkens ist, und bewegen Gesicht und Körper nach den verschiedensten Richtungen. Der ganze Himmel wendet sich dem Herrn als seinem gemeinsamen Mittelpunkt zu. Das gehört zu den Wunderdingen im Himmel und ist dem Menschen schwer fassbar. Es ist vergleichbar mit der Schwerkraft, durch die sich auf der Erde die unteren Teile dem gemeinsamen Mittelpunkt zukehren. Auch auf Erden sagt man, daß jene Gott schauen, die an Ihn glauben und Ihn lieben. Diese Redeweise stammt aus der geistigen Welt.[59]
- Ferner ist es im Himmel niemandem erlaubt, hinter dem Rücken eines anderen zu stehen und auf sein Hinterhaupt zu blicken; denn dies würde den Einfluß des Guten und Wahren, der vom Herrn kommt, zerstören.[60]
Die Hauptgegenden des himmlischen und geistigen Reiches unterscheiden sich, da der Herr im himmlischen Reich als Sonne, im geistigen Reich als Mond erscheint. Weil Osten dort ist, wo der Herr erscheint, gibt es eine Abweichung von 30 Grad.[61]
Alle im Himmel wohnen geschieden nach den Hauptrichtungen. Im Osten und Wesen wohnen alle, die im Guten der Gottesliebe und Nächstenliebe leben; im Osten jene, die ein klares Innewerden, im Westen die anderen, die ein dunkleres Innewerden desselben haben. Im Süden und Norden wohnen Engel, die der Weisheit aus dem Guten der Liebe ergeben sind - im Süden jene, bei denen das Licht der Weisheit hell, im Norden die anderen, bei denen es nur dunkel scheint. Dieselbe Bedeutung haben die Hauptgegenden auch im inneren oder geistigen Sinn des Wortes. Dieselbe Ordnung herrscht bei den Gesellschaften und Versammlungen; die Form des Himmels bringt die Himmelsbürger in diese Ordnung, derzufolge ein jeder seinen Platz kennt. Der Herr sorgt dafür, daß sich in jeder Gesellschaft einige von jeder Gattung befinden, damit sich der Himmel, was seine Form betrifft, überall gleicht. Dennoch unterscheidet sich die Anordnung des gesamten Himmels von der einer einzelnen Gesellschaft, ebenso wie sich das Allgemeine vom Besonderen unterscheidet. Denn die Gesellschaften im Osten ragen über die im Westen hervor, ebenso wie die Gesellschaften im Süden über die im Norden.[62]
Zeit und Raum
Obwohl sich auch im Himmel alles wechselt und entwickelt, es Entfernungen und Räume gibt, haben die Engel weder Begriff noch Vorstellung von Zeit und Raum wie in der Welt. Statt Jahren, Tagen und Zeiten gibt es im Himmel Zustandsveränderungen und Zustände. Da diese Zustandsveränderungen nicht regelmäßig wechseln wie die Jahres- und Tageszeiten, haben die Engel keine Vorstellung von Zeit, wie die Menschen in der Welt, sondern stattdessen von Zuständen.[63]
Alle Fortbewegungen in der geistigen Welt geschehen durch Zustandsveränderungen des Inneren. Annäherung bedeuten Ähnlichkeiten des inneren Zustandes, Entfernungen Unähnlichkeiten. Die Räume im Himmel sind nichts anderes als äußere Zustände, die den inneren entsprechen. Nur aus dieser Ursache sind die Himmel voneinander geschieden, wie auch die Gesellschaften in jedem Himmel und alle Einzelnen innerhalb einer Gesellschaft. Daher sind auch die Himmel von den Höllen völlig abgesondert, befinden sich doch ihre Bewohner im entgegengesetzten Zustand.[64]
In der geistigen Welt wird einer dem andern gegenwärtig, sobald er nur ein sehnliches Verlangen nach dessen Gegenwart hat. Er sieht ihn in Gedanken und versetzt sich in seinen Zustand. Umgekehrt wird einer vom anderen entfernt, so weit wie er ihm unsympathisch ist.[65] Wenn jemand von einem Ort zum anderen geht, dann gelangt er schneller dahin, wenn er sich danach sehnt, langsamer, wenn er sich nicht danach sehnt, der Weg bleibt dabei derselbe.[66]
Im Himmel versteht man unter der Länge den Zustand des Guten, unter der Breite den des Wahren und unter der Höhe den Unterschied zwischen denselben je nach den Graden (siehe Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 38). Die Länge bezieht sich im Himmel auf die Richtung von Ost nach West, wo sich jene befinden, die dem Guten der Liebe ergeben sind. Die Breite bezieht sich im Himmel auf die Richtung von Süd nach Nord, wo sich jene aufhalten, die im Wahren aus dem Guten sind. Die Höhe stellt beides hinsichtlich seiner Grade dar.[67]
Die erste und entscheidende Ursache ist, daß der Herr bei jedem gegenwärtig ist dem Maß seiner Liebe und seines Glaubens entsprechend, und daß alles je nach Seiner Gegenwart als nah oder fern erscheint, da die Gegenwart des Herrn alles in den Himmeln bestimmt. Durch die Gegenwart des Herrn haben die Engel die Fähigkeit, geistig zu denken und nicht natürlich wie die Menschen.[68]
Form
Der Himmel in seinem Gesamtumfang stellt einen einzigen Menschen dar, siehe Göttlicher Mensch. Ebenso stellt jede Gesellschaft in kleinerer Gestalt einen Menschen dar und jeder Engel in der kleinsten Gestalt.[69] Keine Gesellschaft ist ein gleicher Mensch ist wie eine andere; sie unterscheiden sich wie die Gesichter verschiedener Familienmitglieder, je nach den Verschiedenheiten des Guten, das sie erfüllt und gestaltet. In vollkommenster und schönster menschlicher Gestalt erscheinen die Gesellschaften, die sich im innersten oder obersten Himmel und dort in der Mitte befinden. Je mehr einer himmlischen Gesellschaft angehören und harmonisch zusammenwirken, desto vollkommener ihre menschliche Gestalt. Die Engel sind in der Form des Himmels miteinander verbunden, und ihre Gedanken und Gefühle breiten sich in Übereinstimmung damit aus.[70]
Der gesamte Himmel ist das Ebenbild des Herrn im allgemeinen, jede Gesellschaft im weniger allgemeinen, und jeder Engel im besonderen Sinn.[71] Was die Form des Himmels im besonderen betrifft, ist auch den Engeln unbegreiflich. Einiges davon kann der Vorstellungskraft nahe gebracht werden durch die Form aller Teile im menschlichen Körper, der in seiner Komplexität auch ein ähnlich unbegreifliches Wunder darstellt.[72] Das Göttlich-Menschliche des Herrn ist der Grund, daß der Himmel im Ganzen wie in seinen einzelnen Teilen einen Menschen darstellt.[73] Jede Entsprechung mit dem Himmel ist eines solche mit dem Göttlich-Menschlichen des Herrn, denn von Ihm stammt der Himmel, und Er ist der Himmel.[74]
In der Form des Himmels sein bedeutet, nach dem zu leben, was im Wort steht. Inwiefern jemand in der Form des Himmels ist, insofern befindet er sich im Himmel, ist ein Himmel in kleinster Gestalt, folglich auch in Einsicht und Weisheit.[75]
Licht und Wärme
Im Himmel erscheint nicht die Sonne der Welt, noch irgend etwas, das aus ihr stammt. Dennoch gibt es auch dort eine Sonne, ein Licht und eine Wärme und alles, was in der Welt vorkommt, sogar noch Unzähliges mehr, freilich nicht aus gleichem Ursprung. (siehe Gnadensonne) Die Dinge im Himmel sind geistig, die in der Welt natürlich. Die Sonne des Himmels ist der Herr - genauer gesagt: der Herr ist in ihr. Das Licht im Himmel ist das göttlich Wahre und zugleich auch die göttliche Weisheit und Einsicht. Im Licht des Himmels wird alles offenbar, weil es das göttliche Wahre ist. Die Wärme ist das göttlich Gute, ihrem Wesen nach Liebe. Licht und Wärme stammen vom Herrn als der Sonne, der göttlichen Liebe. Das göttlich Wahre und das göttlich Gute sind so vereinigt, daß sie nicht zwei, sondern eines bilden, gleichwohl sie bei den Engeln getrennt sind, indem manche mehr das göttlich Gute und manche mehr das göttlich Wahre aufnehmen (d.h. wie auch das Natürliche ist auch das Himmlische eins und verschieden zugleich).[76]
Das weiß schimmernde und glänzende Licht in den Himmeln ist so stark, daß es das Mittagslicht der Welt weit übertrifft. Daher sieht man im Himmel die Dinge klarer und deutlicher. Im Himmelslicht zeigt sich alles so, wie es an und für sich ist. Das Himmelslicht bringt solche Dinge zur Erscheinung, die Göttliches in sich bergen. Indem es in die durch himmlische Liebe aufgeschlossenen Gemüter der Engel einfließt, bringt es im Äußeren Formen zur Erscheinung, die den Freuden ihrer Liebe entsprechen.[77] Das himmlische Licht ist je nach der Aufnahme des Göttlich-Wahren, d.h. je nach der Einsicht und Weisheit der Engel, verschieden. Das Licht im himmlischen Reich erscheint flammend (Sonne), das Licht im geistigen Reich glänzend weiß (Mond).[78]
Die himmlische Wärme ist die Liebe zum Herrn und zum Nächsten. Wie das Licht, ist auch die Wärme des Himmels überall verschieden, nicht nur nach ihrem Grad, sondern auch nach ihrer Qualität. Im himmlischen Reich ist sie stärker und reiner; im geistigen Reich weniger stark und rein.[79] Wärme und Liebe entsprechen einander im Himmel so sehr, daß dort jeder in dem Grad Wärme fühlt, wie er liebt.[80]
Himmelspforte
Der Himmel ist auf allen Seiten eingezäunt, und der Zugang zu irgendeiner himmlischen Gesellschaft ist nur auf einem schmalen Pfad möglich, dessen Eingang bewacht ist. Diese "Ausgänge" und "Eingänge" heißen im Wort "Tore" und "Pforten".[81] Die Tore und Pforten zu den himmlischen Gesellschaften werden nur denen sichtbar, die für den Himmel gerüstet sind, die anderen finden sie nicht. Zu jeder Gesellschaft führt aus der Geisterwelt (Mittelreich) nur ein einziger Eingang, dahinter zeigt sich ein Weg, der sich jedoch beim Hinansteigen in mehrere teilt. Die guten Geister wählen nur die Wege, die zum Himmel führen, und zwar zu derjenigen Gesellschaft, in der das Gute ihrer Liebe herrscht. Die anderen Wege beachten sie nicht.[82]
Es gibt acht Wege zum Himmel. Vier führen zum himmlischen Reich des Herrn und erscheinen im Schmuck von Ölbäumen und vielerlei Fruchtbäumen, die anderen zum geistigen Reich des Herrn, geschmückt von Weinstöcken und Lorbeerbäumen.[83]
Umgebung
Die jeweilige Form der geistigen Welt richtet sich nach der Art der Liebe, die man in sich trägt. Niemand kommt in einen Himmel, der so aussieht, wie er ihn so oder so beschrieben in seinem Gedächtnis hat.[84] Trotz der Verschiedenheit der Geister sind die jeweils geschauten Dinge dennoch gut und wahr, auch wenn an ihrer äußerlichen Erscheinung wenig liegt.[85]
Die Gegenstände in den Himmeln gleichen großteils den Dingen auf Erden, sind ihrem Wesen nach jedoch nicht ähnlich, da sie der himmlischen Sonne entspringen und nicht der irdischen. Ihre Form ist vollkommener und ihre Menge größer. Diese Gegenstände werden in der Bibel z.B. von Ezechiel (Kapitel 40-48), Daniel (Kapitel 7-12) und Johannes (in der ganzen Apokalypse) beschrieben.[86] Die
In den Himmeln entstehen die Dinge nicht in gleicher Weise wie auf Erden, sondern samt und sonders aus dem Herrn, gemäß den Entsprechungen mit dem Inneren der Engel. Die Gegenstände verändern sich je nach dem Zustand des Inneren der Engel und werden noch viel deutlicher und bestimmter als die irdischen Gegenstände wahrgenommen. Erscheinungen dieser Art heißen in den Himmeln "reale Erscheinungen", weil sie wirklich existieren. Es gibt aber auch "nichtreale Erscheinungen", die zwar erscheinen, aber keinem Inneren entsprechen.[87]
Den Einsichtigen erscheinen Gärten und Paradiese voller Bäume und Blumen aller Art, mit Bogengängen und Spazierwegen - alles in unbeschreiblicher Pracht. Es gibt auch Bäume und Blumen, die man in der Welt nirgends sieht vgl. 1Kor 2.9, und die Bäume tragen Früchte, je nach dem Guten der Liebe, dem die Einsichtigen ergeben sind.[88]
Wohnungen
Weil es im Himmel Gesellschaften gibt und die Engel wie Menschen leben, habe sie auch verschiedene Wohnungen, je nach dem Lebenszustand eines jeden. Prächtige Wohnungen haben jene, die sich in einem würdigeren, minder prächtige jene, die sich in einem niedrigeren Zustand befinden. Ihre Wohnungen sind wie die irdischen Häuser, nur schöner. Es gibt Säle, Zimmer, Schlafgemächer, Höfe, Gärten, Gebüsch und Felder. Wo sie beisammen leben, stoßen ihre Wohnungen aneinander und bilden zusammen eine Stadt mit Straßen, Gassen und Plätzen.[89]
Es gibt herrliche Paläste, die sich jeder Beschreibung entziehen. Die himmlische Architektur ist von einer Art, daß man sagen möchte, hier sei die Kunst in ihrer Kunst. Diese Dinge werden den Engeln vom Herrn vor Augen gestellt, jedoch erfreuen sie mehr noch ihre Gemüter als ihre Augen, weil sie in allen Einzelheiten die Entsprechungen und mit Hilfe der Entsprechungen das Göttliche sehen.[90] Das Haus selbst entspricht ihrem Guten, die Einzelheiten innerhalb der Häuser den mannigfaltigen Einzelheiten, aus denen das Gute besteht. Die Dinge außerhalb der Häuser entsprechen den Wahrheiten, die aus dem Guten abgeleitet sind, wie auch den Wahrnehmungen und Erkenntnissen. Weil all diese Dinge dem Guten wund Wahren entsprechen, das die Engel vom Herrn aufgenommen haben, daher entsprechen sie auch ihrer Liebe, Weisheit und Einsicht.[91]
Die Engel, aus denen das himmlische Reich des Herrn besteht, wohnen zumeist an erhöhten Orten, die wie von de Erde aufsteigende Berge erscheinen. Die Engel des geistigen Reiches des Herrn wohnen an weniger erhöhten Orten, die wie Hügel erscheinen. Die Engel in den untersten Zonen des Himmels bewohnen Orte, die wie Felsmassen aussehen. Auch diese Dinge beruhen auf Entsprechungen.[92]
Es gibt auch Engel, die nicht in Gesellschaft, sondern abgesondert leben, Haus für Haus. Weil sie die besten unter den Engeln sind, wohnen sie im Zentrum des Himmels.[93]
Die Häuser der Engel werden nicht gebaut, wie die Häuser der Welt, sondern ihnen vom Herrn aus Gnaden, entsprechend ihrer Aufnahme des Guten und Wahren, geschenkt. Sie ändern sich auch ein wenig, je nach den Zustandsveränderungen (siehe Zustandsveränderungen der Engel) des Inneren ihrer Bewohner. Alles, was die Engel besitzen, verdanken sie dem Herrn, und alles, was sie irgend benötigen, wird ihnen geschenkt.[94]
Gegenstände
Schriften
Es gibt im Himmel Schriften, ganz so wie beschriebene oder bedruckte Blätter der Welt. Diese erschienen auch den Propheten, z.B. in Ez 2.9 und Off 5.1 [95]
Es ist vom Herrn um des Wortes willen vorgesehen, daß es im Himmel Schriften gibt. Die Engel lesen das Wort, wie die Menschen auf Erden. Aus ihm stammen auch ihre Lehrbestimmungen, aus ihm wird dort gepredigt. Es handelt sich um dasselbe Wort, aber im Himmel findet sich nicht sein natürlicher Sinn - für uns der Buchstabensinn -, sondern sein geistiger, innerer Sinn.[96]
Durch die Buchstaben der himmlischen Schrift der Engel im innersten Himmel werden Gefühle ausgedrückt, aus denen Gedanken hervorgehen und der Ordnung nach aufeinander folgen, je nach dem Gegenstand, von dem die Rede ist. So schließen diese Schriften Geheimnisse in sich, die durch das Denken nicht erschöpft werden können. In den unteren Himmeln finden sich derartige Schriften nicht. Dort sind die Schriften denen in der Welt ähnlich, mit ähnlichen Buchstaben, den Menschen aber doch unverständlich, weil sie in der Sprache der Engel geschrieben sind. Diese Schrift enthält auch in wenigen Worte mehr, als der Mensch auf etlichen Blättern ausdrücken kann. Das Wort Gottes in den unteren Himmeln ist in dieser Weise geschrieben, im innersten Himmel aber in himmlischen Formen.[97]
Die Schriften in den Himmeln entströmen ganz von selbst den Gedanken der Engel, und zwar mit solcher Leichtigkeit, daß man meinen könnte, der Gedanke bilde sich von selbst heraus. Jedes Wort entspricht den Vorstellungen ihres Denkens. Und da sich alle Entsprechung natürlicherweise von selbst einstellt, zögert die schreibende Hand nie. Es gibt in den Himmeln sogar Schriften ohne die Hilfe der Hand, allein durch die Entsprechung der Gedanken, diese sind jedoch nichts Bleibendes.[98]
Es gibt auch himmlische Schriften, die aus lauter Zahlen in einer bestimmten Ordnung und Reihenfolge bestehen. Sie stammen aus dem innersten Himmel, weil sich die dortige himmlische Schrift bei den Engeln des unteren Himmels in Zahlen darstellt, sobald ein Gedanke zu ihnen herabdringt. Diese Zahlenschriften enthalten Geheimnisse, von denen einige nicht mit den Gedanken erfaßt oder mit Worten ausgedrückt werden können. Die Zahlenschrift enthält mehr Geheimnisse als die Buchstabenschrift. In ihr wird immer eine Zahl vorangestellt, von der die folgenden wie von ihrem Träger der Reihe nach abhängen. Diese Zahl ist gleichsam der Anzeiger der Sache, um die es sich jeweils handelt, und durch sie erhalten die nachfolgenden Zahlen ihre Beziehung zu der im Besonderen vorliegenden Sache.[99]
Nahrung
Die Nahrung im Himmel ist geistiger Natur, nämlich das Wort Gottes, das sich entsprechend als göttliches Brot und göttlicher Wein darstellt, und aus dem alle Himmel und alle Schöpfung bestehen.[100]
Kommunikation
Im den Himmeln besteht eine Kommunikation von allen mit jedem einzelnen und von jedem einzelnen mit allen. Sie beruht auf den beiden himmlischen Liebesarten, der Liebe zum Herrn und der Liebe zum Nächsten, die ihrer Freude mitteilen möchten. Im Himmel macht es allen Freude, einander ihre Freuden und Seligkeiten mitzuteilen. Alle Gesellschaften des Himmels stehen in Verbindung miteinander, jedoch nicht durch offenen Verkehr, denn wenige verlassen eine Gesellschaft und begeben sich in eine andere, weil das soviel bedeutet wie aus seinem Leben] heraus in ein anderes, nicht so zusagendes wechseln. Sie stehen durch die aus dem Leben eines jeden hervorgehenden, sich ringsum verbreitenden Sphären in Verbindung miteinander. Diese Lebens-Sphäre ist die Sphäre der Neigungen, die der Liebe und dem Glauben angehören. Diese verbreitet sich umso weiter, je innerlicher und vollkommener die Neigungen sind. Je nach dem Maß dieser Ausdehnung haben die Engel Einsicht und Weisheit. Jeder Gedanke der Engel breitet sich in die Himmel aus, und soweit diese Ausbreitung reicht, besitzen sie Einsicht und Weisheit. Die sich im innersten Himmel befinden, verbreiten ihre Sphäre im ganzen Himmel. [101]
Die Kommunikation eines Himmels mit den anderen beiden unterschiedet sich von der Kommunikation der Engel untereinander. Die Gemeinschaft zwischen den Himmeln ist streng genommen weniger eine Gemeinschaft, sondern vielmehr ein Einfluß. Gesellschaften eines höheren Himmels haben keinen Verkehr mit solchen eines niederen Himmels, außer durch Entsprechungen.[102] Durch den Einfluß verbindet der Herr allein den einen Himmel mit dem anderen oder eine Gesellschaft des einen Himmels mit einer solchen des anderen in unmittelbarer und mittelbarer Weise: Unmittelbar von Ihm Selbst und mittelbar durch die oberen Himmel der Ordnung nach in die unteren.[103] Einen Einfluß der unteren Himmel in die oberen gibt es nicht, weil dies gegen die Ordnung wäre, sondern nur einen aus den obereren in die unteren Himmel. Auch übertrifft die Weisheit der Engel eines oberen Himmels jene der Engel eines unteren Himmels wie ein Myriade zu eins. Daher können die Engel des unteren Himmels nicht mit denen des oberen Himmels reden, sie nicht einmal sehen. Ihnen erscheint deren Himmel wie eine Nebelwolke über dem Haupt. Die Engel des oberen Himmels dagegen können die des unteren Himmels sehen, dürfen sich aber nicht mit ihnen in ein Gespräch einlassen, es sei denn unter Einbuße ihrer Weisheit.[104]
Es wird größte Vorsicht angewandt, daß kein Engel eines oberen Himmels in eine Gesellschaft eines unteren Himmels herabblicke und dort mit jemandem spreche. Sobald dies geschieht, wird der betreffende Engel seiner Einsicht und Weisheit beraubt, weil jeder Engel auch drei Stufen des Lebens hat, wie es auch drei Stufen des Himmels gibt. Denen im dritten Himmel ist die dritte Stufe geöffnet, die zweite und erste aber verschlossen. Denen im mittleren Himmel ist die zweite Stufe geöffnet, aber die erste und dritte verschlossen. Denen im unteren Himmel ist die erste Stufe geöffnet, aber die zweite und dritte verschlossen. Sobald daher z.B. ein Engel des dritten Himmels in eine Gesellschaft des zweiten herabblickt und dort mit jemand redet, wird seine dritte Stufe verschlossen, wonach er seiner Weisheit beraubt ist, da diese in der dritten Stufe ihren Sitz hat und nicht in der zweiten oder ersten.[105]
Gedanken, Gefühle und Reden der Engel des innersten Himmels werden im mittleren Himmel niemals wahrgenommen, weil sie ihn so weit übersteigen. Wenn es dem Herrn jedoch gefällt, so erscheint von dort etwas Ähnliches wie Flammen in den unteren Himmeln, während Gedanken, Gefühle und Reden des mittleren Himmels im letzten Himmel als eine Art Licht und zuweilen auch als eine glänzend weiße und bunte Wolke erscheinen, aus der einigermaßen erkannt wird, was dort gesprochen wird.[106]
Regierung
Da sich alle Mitglieder einer himmlischen Gesellschaft zwar in gleichartigem Guten befinden, jedoch nicht in gleichartiger Weisheit, ergibt sich die Notwendigkeit von Regierungen, denn Ordnung muß sein und darüber gewacht werden. Es gibt im Himmel keine andere Regierungsform als die der wechselseitigen Liebe. Die Regierungen sind jedoch von verschiedener Art je nach Himmel und je nach dem Dienst einer jeden Gesellschaft, entsprechend den Organen eines Menschen. Weil der Himmel menschliche Form hat, wird er auch wie ein Mensch regiert, also als Einheit, die aus einer unzähligen Mannigfaltigkeit besteht, und in Glieder und Teile unterschieden und entsprechend benannt. Alle Regierungsformen stimmen jedoch darin überein, daß ihre Endzweck das öffentliche Wohl ist, auf dem das Wohl jedes einzelnen beruht.[107]
Ebenso wie auf Erden gibt es verschiedene Verwaltungen, bestehen doch kirchliche, bürgerliche und häusliche Angelegenheiten.[108] Alles im Himmel ist nach der göttlichen Ordnung eingerichtet, die durch die Verwaltung seitens der Engel gehütet wird. Die Weiseren verwalten den Bereich des allgemeinen Besten und des allgemeinen Nutzen, die weniger Weisen die Angelegenheiten, die das Wohl eines engeren Kreises berühren, und so immer weiter herab. Mit jeder Tätigkeit ist eine bestimmte Würde verbunden. Ein Engel schreibt diese Würde jedoch nicht sich selbst zu, sondern nur der Nutzwirkung der Tätigkeit. Weil die Nutzwirkung das Gute ist, das er leistet, alles Gute aber vom Herrn stammt, so gibt er Ihm allein die Ehre. Wer in erster Linie an die eigene Ehre denkt, nicht aber an die Ehre der Nutzwirkung und erst von da aus an die Ehre für sich selbst, der kann im Himmel gar kein Amt verwalten.[109]
Die Rangordnung im Himmel ist folgendermaßen: Je mehr jemand die Nutzwirkung liebt, achtet und ehrt, desto mehr liebt, achtet und ehrt er auch die Person, die sich damit verbindet. Daraus folgt auch, daß die Person ebenso sehr geliebt, geachtet und geehrt wird, wie sie die Nutzwirkung nicht sich selbst, sondern dem Herrn zuschreibt, denn in dem Maße ist sie weise und leistet die von ihr hervorgebrachten Nutzwirkungen aus dem Guten.[110]
Kirchliche Ämter werden im Himmel von jenen bekleidet, die auf Erden das Wort Gottes geliebt und im Verlangen nach der Wahrheit darin geforscht hatten, nicht um der Ehre oder um des Gewinnes willen, sondern um des eigenen wie der anderen Menschen Nutzen willen. Entsprechend der Größe ihrer Liebe und ihres Verlangens, Nutzen zu stiften, stehen sie dort in der Erleuchtung und im Licht der Weisheit. Sie gelangen dahin durch das in den Himmeln befindliche Wort, das nicht natürlich wie in der Welt, sondern geistig ist.[111]
Bürgerliche Ämter verwalten jene, die in der Welt das Vaterland und dessen allgemeines Wohl mehr als das eigene geliebt und Gerechtigkeit und Recht um dieser selbst willen geübt hatten. In dem Maß, wie jemand vom Verlangen der Liebe getrieben, die Gesetze der Gerechtigkeit erforscht und dadurch Einsicht erlangt hat, ist er auch befähigt, Ämter im Himmel zu versehen.[112]
Himmlisches Reich
Im himmlischen Reich wird die Regierung, die dort allein beim Herrn liegt, als Gerechtigkeit bezeichnet, weil alle in diesem Reich im Guten der Liebe zum Herrn sind, und weil alles, was aus diesem Guten heraus geschieht, gerecht heißt. Der Herr führt die Engel und belehrt sie über alles, was zum Leben gehört. Die Wahrheiten, welche man die Wahrheiten des Gerichts nennt, sind ihren Herzen eingeschrieben, weswegen dort Rechtsfragen niemals erörtert werden, sondern lediglich Fragen der Gerechtigkeit, die zum Leben gehören. Weniger weise Engel befragen darüber die weiseren, und diese wiederum den Herrn. Ihr Himmel, ihre innigste Freude, besteht darin, gerecht zu leben aus dem Herrn.[113] So wie man Lämmer und Tauben nicht in Zwingern halten muß, bedarf der Himmel keiner Gesetze und Strafen, wie die Hölle.[114]
Geistiges Reich
Die Regierungsform des geistige Reiches des Herrn heißt Gericht (Recht), weil sie dort im geistigen Guten leben, dem Guten der Nächstenliebe, das dem Wesen nach das Wahre ist und dieses Sache des Gerichts. Die Angehörigen dieses Reichs werden vom Herrn nur mittelbar geführt, d.h. sie haben weise und vom Herrn erleuchtete Vorgesetzte, mehr oder weniger zahlreiche, je nach dem Bedürfnis der jeweiligen Gesellschaft. Bei ihnen regeln Gesetze das Leben untereinander.[115]
Die Vorgesetzten zeichnen sich vor allen anderen in Liebe und Weisheit aus, sie herrschen und befehlen nicht, sondern verwalten und dienen. Sie machen sich auch nicht größer als andere, sondern kleiner, weil sie die erste Stelle dem Wohl der Gesellschaft und dem Nächsten einräumen, ihrem eigenen aber die zweite. Gleichwohl genießen sie Ehre und Herrlichkeit, wohnen in der Mitte der Gesellschaft, an einem höheren Platz als die übrigen und in prächtigen Palästen. Diese Herrlichkeit und Ehre nehmen sie auch an, aber nicht um ihret-, sondern des Gehorsams willen, da dort alle wissen, daß ihnen diese Ehre und Herrlichkeit vom Herrn zuteil wird und man ihnen darum gehorchen soll. Vgl. Mt 20.27-28, Luk 22.26 [116]
Auch in jedem Haus besteht eine ähnliche Regierung in kleinster Form: Dort gibt es einen Hausherrn und die Diener, die sich einander aus Liebe dienen. Der Hausherr lehrt, wie man leben und sagt, was man tun soll, die Diener gehorchen und verrichten ihren Dienst. Nutzen zu schaffen ist ihrer aller Lebenslust.[117]
Gottesdienst
Der Gottesdienst in den Himmeln ähnelt äußerlich dem auf Erden, aber innerlich ist er ganz verschieden. Man kennt dort ebenso Lehren, Predigten und Tempel. Die Lehren stimmen im wesentlichen überein, enthalten jedoch in den oberen Himmeln tiefere Weisheit als in den unteren, entsprechend der Fassungskraft der Engel. Alle Lehren, nach denen gepredigt wird, betonen, daß das Leben den Endzweck bilde, nicht eine einzige lehrt den Glauben ohne das Leben. Das Wesentliche aller Lehren besteht darin, das Göttlich-Menschliche des Herrn anzuerkennen. Die Engel werden fortwährend an Liebe und Weisheit vervollkommnet, da sie Verstand und Wille wie die Menschen haben.[118] Der Gottesdienst selbst besteht jedoch nicht in Äußerlichkeiten, oder etwas künstlich Angenommenen, oder etwas Heuchlerischem, d.h. im bloßen Kirchenbesuch und im Anhören von Predigten usw., sondern im Leben der Liebe, der Nächstenliebe und des Glaubens gemäß den Lehren. Jeder der Zuhörer der Predigten hat dort Frömmigkeit, Andacht und Heiligkeit nach der Beschaffenheit seines Inneren, also dessen, was der Liebe und dem Glauben angehört. Die Predigten sind lediglich Mittel, um in den Belangen des Lebens unterwiesen zu werden.[119] Wie so eine Predigt, die an Weisheit mit nichts in der Welt gleichgesetzt werden kann, dem Äußeren nach aussieht, wird in Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 223 beschrieben.
Im geistigen Reich erscheinen die Tempel wie von Stein; im himmlischen wie von Holz und dort heißen die Kirchen auch nicht "Tempel", sondern "Gotteshäuser". Im himmlischen Reich sind die Kirchen ohne Prunk, im geistigen Reich aber mehr oder weniger prächtig gebildet.[120]
Alle Prediger sind vom Herrn eingesetzt und haben von Ihm die Gabe zu predigen. Niemand anderem ist es erlaubt, in den Tempeln zu lehren. Sie heißen Prediger, nicht aber Priester, weil das Priestertum des Himmels das himmlische Reich ist, da es das Gute der Liebe zum Herrn bedeutet, in dem die Angehörigen dieses Reiches sich befinden. Demgegenüber ist das Königtum des Himmels das geistige Reich, da es das Wahre aus dem Guten bedeutet, in dem die Angehörigen dieses Reiches sind.[121] Alle Prediger stammen aus dem geistigen Reich des Herrn, keiner aus dem himmlischen. Das ist so, weil dort die Wahrheiten aus dem Guten herrschen und jede Predigt aus den Wahrheiten hervorgeht. Aus dem himmlischen Reich kommt keiner von ihnen, weil dort das Gute der Liebe ist und man daraus die Wahrheiten schaut und innewird, nicht aber davon spricht. Doch obwohl die Engel des himmlischen Reiches die Wahrheiten innewerden und schauen, so werden doch auch dort Predigten gehalten. Dadurch werden die Engel in den ihnen schon bekannten Wahrheiten erleuchtet und durch viele ihnen noch unbekannte vervollkommnet. Sobald sie solche Wahrheiten hören, erkennen sie diese auch an und werden sie inne. Diese innegewordenen Wahrheiten lieben sie auch und einverleiben sie in ihr Leben, indem sie sich danach richten, denn sie sagen, nach den Wahrheiten leben, heiße den Herrn lieben.[122]
Der Weisheitshimmel
siehe Weisheitshimmel
Der mittlere Himmel
siehe Mittlerer Himmel
Der höchste Liebehimmel
siehe Höchster Himmel
Gott
Im ganzen Himmel wird außer Jesus Christus niemand als Gott des Himmels anerkannt. Ihm gehört alles und Er ist das Ein und Alles des Himmels. Man sagt dort, wie Er Selbst gelehrt hat, daß Er eins sei mit dem Vater in Ihm und Er im Vater sei; daß alles Heilige aus ihm hervorgehe Joh 10.30, Joh 10.38, Joh 14.10, Joh 14.16, Joh 14.13-14[123] Das Göttliche des Herrn im Himmel ist die Liebe zu Ihm und die tätige Liebe zum Nächsten von Ihm.[124] Der Herr ist in den Himmeln überall und über einem jeden zugegen im Guten und Wahren, die von Ihm ausgehen.[125] Alle im Himmel stehen unter der Obhut des Herrn, der sie samt und sonders liebt und es aus göttlicher Liebe so einrichtet, daß die einzelnen ihr Gutes aus dem allgemeinen Besten (Allgemeinwohl) empfangen. Auch erhält ein jeder Gutes in dem Maß, wie er das gemeinsame Gute liebt, denn insoweit liebt er alle anderen. Weil aber dies die Liebe des Herrn ist, so wird er auch insoweit vom Herrn geliebt und geschieht ihm Gutes.[126]
Wirkung
Das vom Herrn ausgehende Göttliche ist das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens, die Unschuld selbst.[127] Alle Erfahrung im Himmel bezeugt, daß das vom Herrn ausgehende Göttliche, das die Engel anregt und den Himmel ausmacht, Liebe ist. Denn alle im Himmel sind Formen der Liebe und Nächstenliebe.[128] Der Himmel ist nicht durch das Eigene der Engel zum Himmel geworden, sondern durch das Göttliche des Herrn.[129]
Das vom Herrn ausgehende wird im Himmel das Göttlich-Wahre genannt, das sich aus Seiner göttlichen Liebe im Himmel verbreitet. Die göttliche Liebe und das aus ihr hervorgehende göttliche Wahre ist vergleichbar dem Feuer und Licht der Sonne. Das göttliche Gute ist in seinem Wesen das aus der Liebe Gottes hervorgehende göttliche Wahre und belebt, weil es verbunden ist mit dem göttlich Wahren, alles zum Himmel Gehörige, vergleichbar wie die mit dem Licht verbundene Sonnenwärme die Erde befruchtet. Das göttliche Gute ist das Gute der Liebe bei den Engeln, das göttliche Wahre ist das, wodurch und woraus sie das Gute der Liebe haben.[130] Das Gute im Himmel stammt samt und sonders vom Herrn, denn die Engel im Himmel werden alle von ihrem Eigenen abgehalten und im Eigenen des Herrn gehalten, der das Gute Selbst ist.[131]
Das Göttliche im Himmel, das den Himmel bildet, ist die Liebe, weil die Liebe eine geistige Verbindung ist. Die Liebe verbindet die Engel mit dem Herrn und zugleich untereinander. Sie verbindet die Engel derart, daß sie vor dem Auge des Herrn wie eins sind und der Herr führt im Himmel alle so, als wären sie ein einziger Engel.[132] Obwohl die Himmel so geschieden sind, daß die Engel des einen Himmels keinen Verkehr mit denen eines anderen haben können, verbindet der Herr alle Himmel durch einen unmittelbaren und einen mittelbaren Einfluß. Ein unmittelbarer Einfluß geht aus von Ihm in alle Himmel, ein mittelbarer von einem Himmel in den anderen. So bewirkt Er, daß die drei Himmel eins sind und miteinander verbunden.[133]
Die Höllen greifen fortwährend den Himmel an und trachten danach, ihn zu zerstören. Der Herr dagegen beschützt ihn fortwährend, indem er seine Bewohner von dem Bösen ihres Eigenen abhält und in dem Guten erhält, das von Ihm ausgeht. Umgekehrt aber richtet der Himmel niemals einen Angriff gegen die Höllen, wohnt doch der göttlichen Sphäre das unausgesetzte Streben inne, alle zu retten. Weil aber sämtliche Bewohner der Hölle dem Bösen verfallen und dem Göttlichen feind sind, können sie nicht gerettet werden. Daher werden die Aufstände in den Höllen nur soweit als möglich gebändigt und die Grausamkeiten in Schranken gehalten, damit sie nicht über das zulässige Maß hinaus gegeneinander losschlagen. Dies wird durch unzählige Mitte der göttlichen Macht bewirkt.[134] Der Herr sorgt auch stets dafür, daß aus den Höllen nichts einfließen kann zu den Engeln, die zum geistigen Reich gehören, weil dies würde das geistige Reich zugrunde richten.[135]
Erscheinung
Das Innewerden der Gegenwart des Herrn erfolgt bei den Engeln in ihrem Inneren, aus dem heraus die Augen sehen. Daher erblicken sie Ihn unausgesetzt (als die Gnadensonne) außerhalb von sich selbst. Den Engeln des geistigen Reiches erscheint Er vor dem linken Auge, als Mond, denen des himmlischen Reiches vor dem rechten, als Sonne. Der Herr ist in ihnen und sie im Herrn, siehe Joh 15.4 und Joh 6.56[136] Dennoch missen die im Reich des ewigen Licht Gottes im Geiste Lebenden meist die sichtbare Gegenwart des Herrn (als Mensch). Sie sehen Sein Licht, in dem Er wohnt, aber Ihn sehen sie nicht. Dies zeugt von den endlosen Güte und Liebe des Herrn, der mit all Seiner endlosen Weisheit und Allmacht bemüht ist, Seine Kinder so zu gestalten und frei zu festen, daß sie dereinst Seine sichtbare Gegenwart für ewig ertragen sollen ohne die geringste Beeinträchtigung ihrer Freiheit. (nach Waltar)[137]
Wenn der Herr im Himmel erscheint, - was häufig geschieht - so zeigt Er Sich nicht umgeben von der Sonne, sondern in engelhafter Gestalt - von den Engeln unterschieden durch das Göttliche, das aus seinem Angesicht hervorstrahlt. Er ist dort nicht gegenwärtig in Person - als Person ist der Herr stets von der Sonne umgeben -, sondern durch den Anblick. Im Himmel ist es nämlich üblich, daß man an dem Ort wie gegenwärtig erscheint, auf den man den Blick heftet oder durch den der Blick begrenzt wird, so weit dieser Ort auch von dem Standpunkt entfernt sein mag, auf dem man sich tatsächlich befindet.[138]
Weil alle Engel den sie umgebenden Himmel je nach der Art ihres inwendigen Himmels aufnehmen, nehmen sie in gleicher Weise auch den Herrn auf, weil ja das Göttliche des Herrn den Himmel ausmacht. Daher erscheint der Herrn, wenn Er Sich in einer Gemeinschaft gegenwärtig darstellt, selbst in der Art des Guten, in dem sich die Gesellschaft befindet - d.h. nicht jeder Gesellschaft in der gleichen Weise. Diese Ungleichheit besteht nicht im Herrn, sondern beruht vielmehr in denen, die ihn aus ihrem Guten, diesem entsprechend, sehen. Wenn der Herr in einer Gesellschaft erscheint, so als Engel. Er unterschiedet sich jedoch von anderen Engeln durch das Göttliche, das durch die angenommene Gestalt hindurchscheint.[139]
Himmelsbürger
siehe Engel
Erlangung
Man muß von neuem geboren werden, sonst kann man das Reich Gottes weder sehen und noch weniger in dasselbe kommen. Joh 3.3 [140] Man muß geboren werden aus dem Wasser und aus dem Geiste, sonst kann man nicht in das Reich Gottes kommen. Joh 3.5 Dies bedeutet: Die Seele muß mit dem Wasser der Demut und Selbstverleugnung gereinigt werden und dann erst aus dem Geist der Wahrheit, die eine unreine Seele nie fassen kann. Diese Wahrheit macht dann im Geiste frei, und diese Freiheit des Geistes oder das Eingehen des Geistes in solche Freiheit ist dann auch das eigentliche Eingehen in das Reich Gottes.[141]
Es ist nicht so schwer, den Weg des Himmels zu betreten, wie man glaubt: "Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Mt 11.29 Sanft ist das Joch des Herrn und leicht ist Seine Last Mt 11.30, denn der Mensch wird im gleichen Maße wie er dem seiner Selbst- und Weltliebe entspringenden Bösen widersteht, vom Herrn und nicht von sich selbst geführt. Daraufhin widersteht dann der Herr dem Bösen des Menschen und entfernt es.[142]
Jeder Mensch wird von Kindheit an in ein bürgerlich und sittlich gutes Leben eingeführt. Der Böse wie der Gute führt auch (im allgemeinen) zumindest äußerlich ein solches Leben, denn wer möchte nicht aufrichtig und gerecht heißen? Der geistige Mensch muß notwendigerweise ebenso leben, und er kann es ebenso leicht wie der natürliche. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der geistige Mensch an das Göttliche glaubt und nicht nur deshalb aufrichtig und gerecht handelt, weil es den bürgerlichen und moralischen, sondern auch den göttlichen Gesetzen gemäß ist. Da er beim Handeln an das Göttliche denkt, stellt er die Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels her, und soweit er dies tut, wird er mit ihnen verbunden. Wenn dem Mensch etwas begegnet, von dem er weiß, daß es unredlich und ungerecht ist, sich aber seine Sinnesart dahin neigt, braucht er nur daran zu denken, daß er es nicht tun dürfe, weil es den göttlichen Geboten zuwiderliefe. Gewöhnt er sich an diese Denkweise und erwirbt sich durch Übung einige Fertigkeit oder Gewohnheit, so wird er allmählich mit dem Himmel verbunden. Soweit er sieht, was unredlich und ungerecht ist, kann es auch ausgetrieben werden. Auf diese Weise wird sein innerer Mensch, der an sich betrachtet der geistige Mensch ist, aufgeschlossen. In diesem Zustand wird dann der Mensch vom Herrn adoptiert und ohne sein Wissen eingeführt. Ist einmal ein Anfang gemacht, wirkt der Herr alles Gute beim dem Menschen und sorgt dafür, daß der Mensch nicht allein das Böse sieht, sondern es auch nicht mehr will und schließlich sogar verabscheut. Was er dann in seinem sittlichen und bürgerlichen Leben an Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit verwirklicht, geschieht aus geistigem Ursprung, auch wenn sich seine Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit äußerlich nicht von deren der natürlichen Menschen, ja selbst der bösen unterscheidet.[143]
Steht der Mensch mit seinen inneren Bereichen, d.h. Geist und Seele in Gemeinschaft mit den Himmeln, gelangt er nach seinem Tod unter die innersten, mittleren oder letzten Engel, je nachdem er das Göttlich-Gute und -Wahre vom Herrn in seinem irdischen Leben aufgenommen hat.[144] Das Gute oder die Liebe ist nur insoweit gut, wie Unschuld darin wohnt. Daher kann niemand in den Himmel gelangen, wenn er nicht unschuldig ist. Das meint der Herr, wenn er sagt, "das Reich der Himmel sei der Kinder (der Unschuldigen)". Mt 19.14 Mk 10.14 Luk 18.16 [145]
Jeder muß von der ewigen Liebe in Gott - dem Vater - gelehrt sein, um zu Gott zu kommen. Alle müssen so vollkommen sein, wie der Vater im Himmel vollkommen ist Mt 5.48. Weder viel Wissen oder Kenntnisse, das heißt durch äußerlich Wahres, noch viel Erfahrung führt zur Vollkommenheit, sondern allein die lebendige Liebe zu Gott und zum Nächsten, allein durch sein Leben, ein Leben der Nutzwirkungen, eingeübt durch Kenntnisse. Davor aber muß jeder durch die enge Pforte der vollständigen Selbstverleugnung ziehen, d.h. jeder muß aufhören, für sich etwas zu sein, um in Gott alles werden zu können.[146] Der Himmel ist weder durch vermeintliche gottwohlgefällige Verdienste, noch durch ein vermitteltes oder unvermitteltes Erbarmen des Herrn zu erlangen, sondern allein durch die eigene Liebe zu Gott und durch die daraus hervorgehende Gnade von Jesu Christus.[147] In den Himmel wird nur eingelassen, wer in den Wahrheiten aus dem Guten lebt.[148]
Die Schlüssel zum Reich Gottes befinden sich allein nur in der lebendigen, allein wahren Kirche - der des Herzens, die Gott gemacht hat - und in keiner äußeren, sichtbaren Kirche, oder deren Vorständen.[149]
Von Gott gelehrt
Gerecht und aufrichtig zu handeln vermag niemand, ohne zuvor unterrichtet worden zu sein, zum Beispiel über die Existenz Gottes, über Himmel und Hölle, das Leben nach dem Tod, sowie darüber, daß man Gott über alles, den Nächsten aber wie sich selbst lieben und glauben soll, was im Wort geschrieben steht, weil das Wort göttlich ist. Will der Mensch die genannten Dinge, so fließt der Himmel, das heißt der Herr durch den Himmel in das Leben des betreffenden Menschen ein. Er fließt zunächst in den Willen, dann durch den Willen ins Denken und schließlich durch beide ins Leben ein. Daher lernt man das geistig Gute und Wahre nicht aus der Welt, sondern aus dem Himmel und daher kann jeder nur durch entsprechenden Unterricht auf den Himmel vorbereitet werden. Der Herr lehrt den Menschen, soweit Er in sein Leben einfließt, denn dann entzündet Er im Willen die Liebe zu wissen, was wahr ist, und erleuchtet das Denken, daß es das Wahre erkennt. Im selben Maße werden auch die innerlichen Bereiche des Menschen aufgeschlossen und ihm der Himmel eingepflanzt, ebenso vermag das Göttliche und Himmlische in all das einzuströmen, was in seinem sittlichen Leben aufrichtig und in seinem bürgerlichen Leben gerecht war und so werden diese Bereiche geistig, da der Mensch dann aus dem Göttlichen, das heißt um des Göttlichen willen handelt.[150]
Niemand wird über Nacht ein Meister und die noch so umfassenden Kenntnisse der Mittel und Wege zur Erlangung der größten Lebenskunst (der geistigen Wiedergeburt oder dem Reich Gottes) allein nützen nichts, wenn sie nicht praktisch ins Leben aufgenommen werden. Nur zum Meister zu gehen, um sich von ihm die Regeln und Wege beibringen zu lassen, nützt gar nichts, wenn man nicht fleißig nach den bekannten Regeln übt, und sich so mühsam die Fähigkeit zur Lebenskünstlerschaft erwirbt und durch sie selbst ein Meister wird. Der erlangte Grad der Meisterschaft hängt von der Übung der erkannten Regeln ab.[151]
Lebendiger Glaube
Der Same zum Himmelreich ist das Wort Gottes. Wer es in sich aufnimmt und danach tätig wird, der hat dieses himmlische Samenkorn in sein Erdreich gelegt und der Himmel wächst aus ihm gleich einem Baum.[152] Um "in den Himmel zu kommen" soll man sich bemühen, jegliches Wort von Gott in sich lebendig zu machen durch Werke der Liebe. Dann erlangt man den Himmel lebendig in sich und alles, was der Geisterwelt ist.[153]
Wer von Christus weiß und an Ihn glaubt, der muß auch das tun, was Er lehrt, sonst ist er Seiner nicht wert, und Er wird ihm bei der Ausbildung seines inneren Lebens nicht sonderlich behilflich sein.[154] Auch die Heiden können wie die Christen gerettet werden, denn der Himmel ist im Menschen, und in den Himmel kommt, wer den Himmel in sich hat. Dieser Himmel im Menschen besteht darin, daß er das Göttliche anerkennt und sich von ihm führen läßt, also gerecht und aufrichtig handelt, weil es so im Wort geboten ist. Auf diese Weise lebt er gerecht und aufrichtig um des Göttlichen willen, nicht aber um seiner selbst und der Welt willen.[155]
Nächstenliebe
Ein Leben tätiger Nächstenliebe führt zum Himmel - das heißt, daß man bei jeder Arbeit und Verrichtung gerecht und redlich handelt - keineswegs aber ein (sogenanntes) frommes Leben ohne tätige Nächstenliebe.[156]
Es genügt nicht, sein ganzes Vermögen den Armen zu geben, indem man meint, Christus Bedingungen vorschreiben zu können, denn weil man so barmherzig war, müsse auch Christus mit einem nun barmherzig sein. Der Ärmste unter den Menschen ist immer Christus, die eigentliche Lebenskraft des Herzens. Diese muß zuerst gehörig dotiert werden, wenn eine andere Dotation nach außen einen Wert haben soll, d.h. das Herz muß zuerst vollends lebendig werden aus der Liebe zu Christus. Erst aus dieser Liebe kann man wahrhaft Verdienstliches zum ewigen Leben wirken, weil das Verdienstliche allein Christus zukommt, der Mensch aber bloß Empfänger Seiner Liebe und Gnade ist. Nur wer in sich lebendig bekennt, daß er wie auch alle Menschen vor Gott in allem ein nichts sind und Gott allein alles, der ist dem Reich Gottes nahe gekommen.[157]
So manche Helden der Welt und ihre Taten sucht man im Himmel vergeblich. Dort gilt die Barmherzigkeit gegenüber einem hilflosen Kind mehr als alle Großtaten aller Welthelden.[158]
Selbstverleugnung
Das Reich Gottes kann nur mit moralischer Gewalt (Selbstverleugnung) und großen Opfern (Demut) gewonnen werden.[159]
Bekenntnis
Wer zwar Gott liebt, jedoch ohne sich offen zum Namen des Herrn zu bekennen, weil das weltliche Nachteile bringen könnte, erlangt das Reich Gottes auf dieser Welt nicht völlig. Jenseits wird er noch manche Kämpfe bis zu seiner Vollendung zu bestehen haben. Die höchste Liebe zu Gott hat keine Furcht vor der Welt. Wer Christus vor der Welt bekennt, so es notwendig ist, den wird auch Er vor dem Vater im Himmel bekennen; wer das nicht macht, den wird auch Christus nicht vor dem Vater im Himmel bekennen. Mt 10.32 Luk 12.08 [160]
Zusammenfassung
Der Weg zum Himmelreich besteht kurz zusammengefaßt aus:
- Tätigkeit nach dem Wort und Wille Gottes
- Liebe zu Gott und der daraus hervorgehenden Gnade von Jesus Christus
- Nächstenliebe
Voraussetzung sind:
Bei der Erlangung der inneren Lebensvollendung werden drei Grade unterschieden:
- Grad: Die Bekämpfung aller argen Leidenschaften des Fleisches durch den festen, lebendigen Glauben und die Liebe zu Gott und dem Nächsten, sowie die ungezweifelte Hoffnung, bis der Mensch völlig ein Herr über sich selbst und damit auch bald Herr der ganzen äußeren Natur wird. Auf dieser Stufe gibt es noch öfters allerlei Versuchungen, die den Menschen zur Begehung der einen oder anderen leichten Sünde reizen.
- Grad: Alle Sinne wenden sich von allen irdischen Reizen ab und kehren sich pur dem rein geistigen Wesen zu. Dies ist ein Zeichen dafür, daß der innere Geist aus Gott die Seele ganz durchdrungen hat. Der Mensch ist in seiner Seele ganz erfüllt mit dem Willen Gottes und kann nach demselben handeln und keine Sünde mehr begehen, denn er ist selbst rein geworden, und damit ist ihm auch alles rein. Der Mensch ist da schon ein vollkommener Herr der gesamten Naur und hat die hellste Überzeugung in sich, unmöglich mehr fehlen zu können, da all sein Tun von der wahren Weisheit aus Gott geleitet wird.
- Grad: Der allerhöchste Grad der Lebensvollendung besteht darin, daß der vollendete Mensch, der als ein mächtiger Herr der ganzen Natur ohne Sünde tun kann, was er nur immer will, dennoch seine Willenskraft und Macht demütig zurückhält und bei allem Handeln aus der reinsten Liebe zu Gott nicht eher etwas vollbringt, als bis er unmittelbar von Gott dazu beordert wird. Als ein tiefer gehender Geist erkennt er, daß zwischen dem sonderheitlichen Willen Gottes in ihm und dem freiesten und endlos allgemeinsten Willen in Gott ein großer Unterschied besteht, weswegen er nur dann etwas tut, wenn er dazu unmittelbar von dem alleinigen und eigensten Willen in Gott beordert wird. So jemand ist völlig eins mit Gott und besitzt gleich Gott die höchste Macht und Gewalt über alles im Himmel und auf Erden, und niemand kann sie ihm ewig mehr nehmen. In dieser höchsten Lebensvollendung befinden sich die Erzengel; sie kann von niemandem erlangt werden, der davor nicht den ersten und zweiten Grad erlangt hat.[161]
Die Weltmenschen stemmen sich sehr gegen den Willen Gottes und verfolgen die wahren Bewerber ums Reich Gottes. Daher darf jemand, der sich das Reich Gottes völlig aneignen will, keine Menschenfurcht haben. Der den erkannten Willen Gottes tut, reißt das Reich Gottes mit Gewalt an sich und wird es auch erlangen. Dazu muß er große Opfer bringen, d.h. sich in allen Dingen der Welt möglichst tief selbst verleugnen, allen seinen Beleidigern von Herzen verzeihen, auf niemanden einen Groll oder Zorn haben, für die beten, die ihm fluchen, denen Gutes erweisen, die ihm Übles antun, sich über niemanden erheben, die manchmal über ihn kommenden Versuchungen geduldig ertragen und sich von Völlerei, Hurerei und Ehebruch enthalten.[162]
Hinführung im Jenseits
Den Verstorbenen (im Mittelreich) wird der Himmel vorgestellt und die ihn annehmen und nicht als "Dienstbotenwirtschaft" ablehnen und verhöhnen, werden von den Lehrern (Schutzgeistern) weggeführt und über das Wesen des Himmels unterrichtet. Es wird ihnen gezeigt, daß der wahre Himmel aus ihnen selbst hervorgehen muß, und daß sie nicht "in" den Himmel kommen können, sondern nur der Himmel in sie durch den lebendig ernstlichen Willen, stets mehr Gutes zu tun und darum auch stets geringer zu werden, um desto mehr in die Gelegenheit zu kommen, jedermann dienen zu können. Hat solche Lehre in ihnen Wurzel gefaßt, dann folgen weitere Enthüllungen, damit sie sich ganz durchschauen und ihren himmlischen Entschluß prüfen können. Ist der Wunsch nach dem Himmel wahrhaftig, dann führt er als wunderherrlicher Weg zum Himmel. Dieser Himmel vereinigt sich dann mit dem gleichen Himmel der schon seligen Geister.[163]
Alle Kinder, aus denen ein Drittel des Himmels besteht, werden zuerst in die Anerkennung und in den Glauben eingeführt, daß Jesus Christus ihr Vater ist, und nachher, daß er der Herr über alle, folglich der Gott des Himmels und der Erde ist. Daraufhin werden sie durch Erkenntnisse bis zur Einsicht und Weisheit der Engel vervollkommnet.[164]
Hindernisse und Ausschließungsgründe
Bestehendes Unrecht
Solange jemand nicht auch nur das kleinste an seinem Mitmenschen begangene Unrecht berichtigt hat, kann er ins Reich Gottes nicht eingehen. Daher soll man darauf sehen, alles Unrecht soweit als möglich gut zu machen, damit die Sünden an den Mitmenschen vergeben werden.[165]
Gott vergibt die Sünden dem der sie als solche erkannt, bereut und verabscheut. Zur vollen Vergebung der Sünden ist allerdings notwendig, soweit als möglich Wiedergutmachung zu leisten und in Zukunft nicht mehr zu sündigen. Wer nicht bis auf den letzten Heller alles bezahlt hat, was er seinen Brüdern und Schwestern schuldete, der wird ins Reich Gottes nicht eingehen.[166]
Idee von drei göttlichen Personen
Mitglieder der Kirche, die von der Welt herkommen, können nicht in den Himmel aufgenommen werden, wenn sich bei ihnen die Idee von drei göttlichen Personen findet, weil ihr Denken von einem zum anderen hin und her irrt und es im Himmel nicht erlaubt (bzw. möglich) ist, an drei zu denken und dabei doch nur einen zu nennen. Würde jemand in den Himmel kommen, der drei denkt und einen ausspricht (also gewisserart lügt), würde man ihn sogleich erkennen und ausstoßen.[167]
Leugnung der Göttlichkeit von Jesus Christus
Wer irrtümlich glaubt, nur der göttliche Vater sei Gott, oder Jesus sei nur ein Mensch gewesen, oder Gott sei das Unschaubar-Göttliche usw., also die Göttlichkeit von Jesus Christus leugnet, befindet sich außerhalb des Himmels. (siehe Leugnung von Jesus Christus)[168]
Sich selbst für gut und wahr halten
Jene Geister, die sich während ihres irdischen Lebens im Glauben bestärkt hatten, daß das Gute ihres Tuns und das Wahre ihres Glaubens aus ihnen selbst stamme oder ihnen als das Ihrige zugeordnet worden sei, werden nicht in den Himmel aufgenommen. In solchem Glauben befinden sich alle, die ein Verdienst in gute Taten setzen und sich selbst Gerechtigkeit zuschreiben. Sie werden von den Engeln gemieden und als Stumpfsinnige und Diebe betrachtet. Stumpfsinnig, weil sie stets auf sich und nicht auf das Göttliche blicken, als Dieb, weil sie dem Herrn entziehen, was Ihm gehört.[169]
Keine Vorstellung vom Himmel
Wer keine Vorstellung vom Himmel, das heißt vom Göttlichen hat, aus dem der Himmel besteht, kann nicht einmal bis zur ersten Stelle des Himmels erhoben werden, weil die inneren Bereiche in ihm, die den Himmel aufnehmen sollen, nicht in der Form des Himmels und folglich verschlossen sind, und sich sogar desto fester verschließen, je näher er dem Himmel kommt. Das ist das Los all jener, die den Herrn und Sein Göttliches leugnen.[170]
Selbst- und Weltliebe
Alle, die sich und die Welt mehr als ihre Nutzwirkung geliebt hatten, finden im Himmel keinen Platz. Denn jedem Menschen verbleibt nach dem Erdenleben seine Liebe oder Neigung, und sie wird in Ewigkeit nicht ausgerottet.[171]
Falsches Verständnis vom Himmel
Himmel durch Ortswechsel
Man täuscht sich sehr, wenn man meint, in den Himmel kommen heiße bloß, unter die Engel erhoben zu werden, wie immer man auch seinem inneren Leben nach beschaffen sein mag, oder der Himmel werde einem jeden unmittelbar aus Barmherzigkeit geschenkt. Tatsache ist vielmehr, daß nichts vom Himmel, der den Menschen umgibt, in ihn einfließt und aufgenommen wird, wenn er nicht selbst den Himmel in sich hat.[172]
Belohnungsort für gute Taten
Man soll sich den Himmel nicht als einen Belohnungsort für auf der Erde vollbrachte gute Werke vorstellen, denn er besteht aus nichts anderem als in der eigenen Liebe zu Gott. Je mehr Gott mit Liebe erfaßt wird, und je demütiger man vor Ihm und den Geschwistern ist, desto mehr des wahren Himmels trägt man in sich.[173]
Weder die Hölle, noch der Himmel sollen als Beweggründe dienen, die Menschen vom Bösen abzuhalten noch zum Guten hinzuleiten. Eine solche Vorstellung macht den Menschen so schlecht wie nur möglich, denn er vollbringt dann das Gute nur des Lohnes wegen, er hat keine Nächstenliebe und noch weniger eine Liebe zu Gott. Es war schon im Anfang der Menschen schlecht gehandelt, daß die Alten ihren Kindern die Hölle so heiß als möglich machten und den Himmel mit allen Annehmlichkeiten ausmalten. Dadurch bewirkten sie zwar eine Art Gottesfurcht, die aber wegen der gar zu leicht erreichbaren Hölle und wegen des zu schwer zu gewinnenden Himmels nie in eine wahre Liebe zu Gott und dem Nächsten überging, sondern bei den einfachen Gemütern in eine zunehmende Furcht ausartete und bei den Klügeren in eine volle Gleichgültigkeit gegen Gott und gegen die Nebenmenschen überging. Die Folge davon ist die gegenwärtige beinahe gänzliche Gottlosigkeit unter den Menschen.[174]
Ein Großer sein oder der Kleinste sein wollen
Manche meinen, der Himmel und die himmlische Freude bestünden darin, zu den Großen zu gehören. Tatsächlich aber ist der Größte im Himmel der Kleinste, und der Kleinste ist, wer nichts vermag und weiß und auch nichts vermögen und wissen will aus sich selbst, sondern aus dem Herrn. Ein solcher genießt die größte Glückseligkeit und ist deshalb in Wirklichkeit der Größte, da er aus dem Herrn alles vermag und weiser ist als alle. Ebenso besteht der Himmel nicht im Streben danach, der Kleinste zu sein, um dadurch der Größte zu sein, denn dann trachtet man ja in Wirklichkeit doch danach, der Größte zu sein. Der Himmel liegt vielmehr darin, anderen von Herzen mehr wohl zu wollen als sich selbst und ihnen zu ihrer Glückseligkeit zu dienen, ohne dabei in selbstischer Absicht auf eine Belohnung zu hoffen, sondern einfach aus Liebe.[175]
Ort der Untätigkeit
Der Himmel ist kein Ort der ewig untätigen, süßen Ruhe, dem bedient werden von anderen, denn das wäre der Tod des Geistes oder der Seele. Nirgends besteht das Glück im Ausruhen und Genießen, denn dann würde jeder das Glück des anderen für sich beanspruchen, es also niemand besitzen. Je geistiger ein Mensch in seinem Innern wird, desto tätiger wird er auch.[176]
Halleluja Himmel
Manche glauben, die himmlische Freude bestünde allein im Loben und Preisen Gottes und darunter sei das tätige Leben zu verstehen. Gott zu loben und zu preisen ist jedoch keineswegs ein tätiges Leben, und Gott hat auch kein Bedürfnis nach solchem Lob und Preis. Er will vielmehr, daß man Nutzen schafft, mithin jenes Gute, das man das Gute der Nächstenliebe nennt.[177]
Bloße Lichtregion
Wer vom Himmel nichts weiß und auch keine andere Vorstellung als der einer reinen Lichtregion haben will, in der die Engel als Vernunftwesen ohne Gehör und Gesichtssinn umherschweben, sieht das Dasein jedes Dinges nur im Materiellen, während doch die Dinge im Himmel ebenso wirklich bestehen wie in der Welt und die Engel im Himmel alles besitzen, was von Nutzen für das Leben und für die Weisheit ist.[178]
Himmel mit Platzkarte
Manche Leute behaupten, der Himmel sei nicht unermeßlich groß, sondern klein. Sie schließen dies aus einigen Stellen im Wort, die sie rein buchstäblich verstehen, z.B. nur Arme, Auserwählte, Kirchenmitglieder, nur für die der Herr Fürsprecher mache kämen in den Himmel. Sobald er gefüllt sei, und der Zeitpunkt sei vorherbestimmt, werde er geschlossen. Sie verstehen nicht, daß der Himmel niemals geschlossen wird und auch keine Zeit und Menge festgesetzt ist. Als "Auserwählte" werden jene bezeichnet, die ein dem Guten und Wahren verpflichtetes Leben führen. Mit den "Armen" sind jene gemeint, die der Erkenntnisse des Guten und Wahren ermangeln, aber doch danach verlangen, weswegen sie auch "Hungrige" genannt werden.
Richtig ist: Der Himmel besteht aus unzähligen Gesellschaften und jeder Mensch wird für den Himmel geboren und darin aufgenommen, wenn er in der Welt den Himmel in sich aufnimmt, und ausgeschlossen, wenn er dies nicht tut.[179]
Himmel aus unmittelbarer Barmherzigkeit
Viele Menschen glauben, der Himmel werde aus unmittelbarer Barmherzigkeit und bloßem Glauben zuteil, also bloß als Folge einer Einlassung und Aufnahme des göttlichen Wohlgefallens, ohne Rücksicht auf das Leben, das man geführt habe. Es genüge, wenn der Herr Fürbitte (beim Vater) einlege, folglich könnten ausnahmslos alle Menschen aufgrund göttlichen Wohlgefallens gerettet werden. Die meisten Menschen, die ein böses Leben führen, glauben solches, besonders auch Menschen, die den Glauben zum einzigen Mittel des Heils erklären. Manche meinen sogar, dies gelte auch für die Bewohner der Hölle. Sehr viele von denen, die aus der Christenheit ins andere Leben kommen, bringen diesen Glauben mit, und flehen um unmittelbare Barmherzigkeit.
Wer so glaubt, ist nicht im Bild über den Himmel und den Weg dahin und wie das Leben des Himmels beim Menschen aussieht. Er versteht auch nichts vom Menschen, der ganz und gar so beschaffen ist wie sein Leben, sein Leben aber wie die Liebe. Solange diese Dinge unbekannt sind, kann der Mensch zu dem Glauben verleitet werden, das ewige Heil sei nichts als das Ergebnis göttlicher Willkür, Barmherzigkeit und Gnade genannt, d.h. die Barmherzigkeit bestünde darin, alle Menschen aus Willkür zu retten, wie immer sie auch gelebt haben mögen. Der Herr verwehrt niemandem den Himmel, aber sobald sich solche Menschen dort aufhalten, empfinden sie schon auf der Schwelle eine derartige Herzensangst, daß sie statt himmlischer Freude höllische Pein empfangen und hinabstürzen.
Richtig ist: Niemandem kann der Himmel durch unmittelbare Barmherzigkeit geschenkt werden. Die göttliche Barmherzigkeit ist reines Erbarmen für das ganze menschliche Geschlecht, mit dem Ziel, es zu erretten, und wirkt unausgesetzt bei jedem einzelnen Menschen und wendet sich von keinem je ab. Sie ist eine mittelbare Barmherzigkeit und besteht darin, daß der Herr aus Barmherzigkeit jeden führt, der nicht in das Böse verstrickt ist bzw. der Ihn aufnimmt, und daß Ihn aufnimmt, wer nach den Gesetzen der göttlichen Ordnung lebt, welche die Gebote der Liebe und des Glaubens sind. Unter der Führung des Herrn zu stehen, von der Kindheit an bis zum Lebensende in der Welt und danach in Ewigkeit, das ist die Barmherzigkeit, die gemeint ist. Deshalb wird auch jeder gerettet, der gerettet werden kann. Es gibt jedoch für niemanden eine andere Rettung, als durch die entsprechenden göttlichen Mittel, wie sie der Herr im Wort geoffenbart hat und sie sind identisch mit dem, was man die göttlichen Wahrheiten nennt. Der Herr kann das Leben des Himmels nur einflößen, wenn der Mensch vom Bösen Abstand nimmt; denn das Böse ist das Hindernis. In dem Maße, wie er vom Bösen absteht, führt ihn der Herr aus reiner Barmherzigkeit durch seine göttlichen Mittel, von Kindheit an bis ans Lebensende, danach in Ewigkeit.[180] Einen Menschen aus unmittelbarer Barmherzigkeit retten wäre wider die Ordnung Gottes und damit wider das Göttliche. Auch die Behauptung, Gott könne unmittelbar alle selig machen, tue es aber nicht, kehrt sich wider das Göttliche. Hätten die Menschen aus unmittelbarer Barmherzigkeit gerettet werden können, so wären alle gerettet worden, auch jene, die in der Hölle sind, die es dann ja gar nicht gäbe.[181]
Nur Arme kommen in den Himmel
Einige nehmen an, nur Arme kommen in den Himmel, andere meinen, Arme und Reiche würden eingelassen, wieder andere meinen, die Reichen könnten nicht aufgenommen werden, sofern sie ihren Gütern nicht entsagen. Dabei begründet jeder seine Meinung durch das Wort, z.B. Mt 5.3. Doch wer zwischen Armen und Reichen bezüglich ihrer Aufnahme in den Himmel unterschiedet, versteht das Wort nicht. Wer hingegen vom geistigen Sinn des Wortes weiß, denkt anders darüber. Er weiß, daß der Himmel allen offen steht, die ein Leben des Glaubens und der Liebe leben, seien sie nun reich oder arm. Im Himmel finden sich sowohl Reiche als Arme, und manche von den Reichen besitzen größere Herrlichkeit und Glückseligkeit als die Armen.[182]
Fromme und Sittsame kommen in den Himmel
Die meisten Menschen glauben, in den Himmel zu kommen, weil sie in der Welt sittlich und bürgerlich einwandfrei gelebt haben. Sie bedenken nicht, daß Böse wie Gute äußerlich ein ganz ähnliches Leben führen, in ähnlicher Weise anderen Gutes tun, die Kirche besuchen, die Predigt hören und beten. Sie sind sich nicht darüber klar, daß es nicht auf die äußeren Handlungen und den äußeren Gottesdienst ankommt, sondern auf das Innere (das Geistige), das das Äußere beseelt. Unter Tausenden weiß kaum einer, was das Innere ist, und daß in ihm der Himmel und die Kirche für den Menschen enthalten ist. Wenn man sie entsprechend belehrt, begreifen sie nicht, daß es auf Denken und Wollen mehr ankommt, als auf das Reden und Handeln. Die meisten Menschen, die aus der Christenheit ins andere Leben eintreten, sind von dieser Art.[183]
In den Himmel kommen sei sehr schwer
Einige Menschen glauben, es sei sehr schwer, so zu leben, daß man in den Himmel kommt, also ein geistiges Leben zu führen. Sie glauben das, weil sie gehört haben, der Mensch müsse der Welt entsagen und sich dem Verlangen des Körpers und des Fleisches widersetzen, um ein geistiges Wesen zu entwickeln. Darunter stellen sie sich vor, man müsse weltliche Dinge ablehnen, besonders Reichtum und Ansehen, und sich ständig frommen Betrachtungen hingeben, sein Leben im Gebet, der Lektüre des Wortes und frommer Bücher verbringen.
Richtig ist: Wer auf diese Weise, ein "geistiges Leben" führt, der verschafft sich ein trauriges Los, das ganz und gar nicht für die himmlische Freude empfänglich ist, da ja einen jeden sein Leben erwartet. Um das Leben des Himmels in sich aufzunehmen, muß der Mensch im Gegenteil in der Welt leben, um dort seinen Pflichten und Geschäften zu obliegen. Nur wenn er so ein sittlich und bürgerlich gutes Leben führt, nimmt er das Geistige in sich auf. Ein inneres Leben ohne das äußere zu führen wäre etwas ähnliches, wie wenn man in einem Haus ohne Fundament wohnt, das sich allmählich senkt oder Risse bekommt und schließlich zusammenfällt.[184] Das Leben des Menschen, unter dem Gesichtspunkt der Vernunft betrachtet, ist von dreifacher Art: geistig, sittlich, bürgerlich. Das geistige Leben ist nicht vom natürlichen oder weltlichen Leben getrennt, sondern damit verbunden, wie die Seele mit ihrem Leib. Das sittliche und bürgerliche Leben ist der tätige Teil des geistigen Lebens, besteht doch das geistige Leben im guten Wollen und das sittliche und bürgerliche im guten Handeln. Trennt man das eine vom anderen, so beschränkt sich das geistige Leben nur noch auf Denken und Reden, während der Wille zurücktritt, weil ihm der Boden entzogen ist, und doch ist er das eigentlich Geistige des Menschen.[185]
Der Mensch kann Reichtümer erwerben und Vermögen ansammeln, soviel er Gelegenheit dazu findet, vorausgesetzt freilich, daß es nicht mit List und Betrug geschieht. Er darf gut essen und trinken, wenn er nur nicht sein Leben darein setzt, darf seinem Stand gemäß prächtig wohnen und sich kleiden und geselligen Umgang pflegen, wie andere auch, Unterhaltungslokale besuchen, Lust und Freude genießen, sich über weltliche Dinge besprechen, kann sich seiner beruflichen Pflichten und Geschäfte wegen mit weltlichen Dingen befassen, und hat es nicht nötig, andächtig, mit niedergeschlagenen Augen, mit Seufzen und hängendem Kopf einherzugehen, sondern darf fröhlich und wohlgemut sei. Er muß auch nicht sein Eigentum den Armen schenken, wenn ihn nicht Neigung dazu treibt. Er kann äußerlich ganz wie ein Weltmensch leben, da diese Dinge den Menschen nicht im geringsten daran hindern, in den Himmel zu kommen, vorausgesetzt, daß er innerlich geziemend an Gott denkt und gegen den Nächsten aufrichtig und gerecht handelt. Das Äußere des Menschen tut nichts zur Sache, sondern nur sein Inneres, der Ursprung des Äußeren. Es ist nicht so schwer, den Weg in den Himmel zu betreten, wie viele meinen. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, der Selbstsucht und Weltliebe zu widerstehen und sie so zu zügeln, daß sie nicht vorherrschen, weil aus ihnen entspringt alles Böse.[186]
Alle kommen in den Himmel
Wer dem Bösen verhaftet ist, der will nicht glauben, daß sich sein Zustand nach dem Tod nach seinem Leben in der Welt richtet. Er denkt vielmehr - vor allem wenn er krank wird - jeder komme in den Himmel aus purer Barmherzigkeit, es hänge nur vom Glauben ab, den er aber vom Leben trennt.[187]
Richtig ist: Es ist unmöglich, Menschen, die auf Erden ein dem Himmel widersprechendes Leben geführt haben, das Leben des Himmels einzuflößen. Jeder Geist ist von Kopf bis Fuß so wie seine Liebe, folglich wie sein Leben. Sobald einem Geist das Leben seiner Liebe genommen wird, dann ist er wie tot und seiner selbst nicht mehr mächtig. Nach dem Tod ist keine Buße mehr möglich. Nach dem Tod kann bei keinem Menschen das Leben in grundlegender Weise mehr verändert werden und ein böses Leben unmöglich in ein gutes, oder ein höllisches in ein engelhaftes umgewandelt werden.[188] Jedem Christ ist aus dem Wort Gottes bekannt, daß der Mensch nach seinen Taten und Werken gerichtet und belohnt werde. Siehe Mt 16.27, Off 14.13, Off 2.23, Off 20.12, Off 22.12, Mt 7.24-26, Mt 7.21-23, Luk 13.26-27, Jer 25.14, Jer 32.19, Hos 4.9, Sach 1.6 Das kann auch sonst jedem klar sein, der als Grundlage seines Denkens jenes Gute betrachtet, das wirklich gut und wahr ist, daß in den Himmel kommt, wer ein gutes Leben führt, in die Hölle aber, wer böse lebt. Es ist offenkundig, daß Werke und Taten das äußere Leben des Menschen bezeichnen, daß sich aber in ihnen die Beschaffenheit seines inneren (geistigen) Lebens ausdrückt. Unter den Taten und Werken wird nicht nur deren äußere Erscheinungsform verstanden, sondern auch, wie sie innerlich sind. Waren Gedanken und Wille gut, so sind es auch die Taten, waren sie böse, gilt dasselbe für die Taten, wenn sie auch in ihrer äußeren Form vollkommen gleich erscheinen mögen. Es kommt immer auf die Motivation an, ob sie aus Liebe zur Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit oder aus Selbst- und Weltsucht getan wurden.[189]
Siehe auch
Quellenverweise
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- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 30
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- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.1.4-5; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 517
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- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 539
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- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 319; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 512
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.86.3-4
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.57.9
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.124.15-16
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.127.7
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 319; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 512; {{L|GEJ|4.121.9}
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 360
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 30.14-16
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 367.5-7
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.16.3, Jakob Lorber, Bischof Martin 15.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.127.3-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.155.6-15
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.127.3-5; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.16.3
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 1.365.15-19
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.66.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.206.10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 2
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 2-3
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 83
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 393
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 54
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.32.9-10
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.243.3-7
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 408
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.226.16; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.95.6; Jakob Lorber, Bischof Martin 34.6; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 403
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 404
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 264
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 420
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 420; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 480; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 521-522; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 525-526
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 523-524
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 357
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 495
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 528
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 529
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 358-359
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 471
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 527
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 471-472