Jenseits
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Wesen
Das Jenseits hat Ähnlichkeit mit einem Traum, nur mit dem Unterschied, daß alles wirkliche Sache (real) ist, was sich im Traum meist nur als leere Seelenspiegelfechtereien (unreal) darstellt.[1] Jedem Menschen werden gewisse Winke und sogar Gesichte aus dem Jenseits zugelassen. Wenn aber der Mensch das alles für nichts als Sinnentrug betrachtet, so kann man ihm da nicht helfen.[2]
Alle Macht in der geistigen Welt gehört dem aus dem Guten hervorgehenden Wahren an; das aus dem Bösen entspringende Falsche hat keine Macht. Die Ursache dafür liegt im Göttlichen selbst, das im Himmel das Göttlich-Gute und -Wahre ist, und das allein alle Macht besitzt. Daher liegt alle Macht beim Himmel und keine bei der Hölle.[3]
Es gibt keinen Einfluß von der natürlichen in die geistige Welt, sondern nur von der geistigen Welt in die natürliche (mittels Entsprechung).[4] Alle Geisterwelt hat mit Raum und Zeit der materiellen, gerichteten und somit unfreien Welt nichts zu tun; aber der Raum, als eine äußerste Hülle, ist am Ende dennoch der Träger aller Himmel und aller Geisterwelten, weil diese sich nicht außerhalb des unendlichen Schöpfungsraumes befinden können. Daher gibt es gewisse Räumlichkeiten, in denen sich die Geisterwelten wie örtlich befinden, obwohl es besonders für einen vollendeten Geist weder einen bestimmten Raum noch irgendeine gemessene Zeit gibt. Das sogenannte individuelle Wesen eines Geistes kann sich dennoch nicht völlig außer Raum und Zeit befinden.[5]
Der Unterschied zwischen der Geisterwelt und der äußeren Welt besteht nur darin, daß die Geister in ihrer völlig eigenen Welt leben, die Menschen jedoch (äußerlich) in der Gotteswelt. Die Welt der Geister ist das Werk ihrer Gedanken, Ideen, Begierden und ihres Willens; die äußere Welt aber ist das Werk der Liebe, der Gedanken, der Ideen und des Willen Gottes. Der Mensch als das Ebenmaß Gottes birgt in sich die schöpferische Eigenschaft und kann sich im reingeistigen Zustand seine Welt selbst erschaffen und dann in seinem vollkommenen Eigentum wohnen.[6]
In der eigentlichen wahren Welt der Geister ist alles völlig umgekehrt von dem, wie es in der (natürlichen) Welt ist. Was in der Welt groß ist, das ist dort klein; was in der Welt klein ist, das ist dort groß. Wer auf der Welt der Erste ist, der ist dort der Letzte; wer auf der Welt der Letzte ist, ist dort der Erste.[7]
Himmel und Hölle sind voneinander vollkommen getrennt und geschieden, denn alle in den Höllen kannten in ihrem weltlichen Leben nur die aus der Selbst- und Weltliebe stammenden körperlichen Freuden, während alle in den Himmeln zur Zeit ihres irdischen Lebens um die Freuden der Seele und des Geistes wußten, die aus der Liebe zum Herrn und zum Nächsten hervorgehen. Diese Liebesarten sind einander entgegengesetzt.[8]
Licht
Im Reich der reinen Geister gibt es eine Geistige Sonne, in der der Herr mit den Seinen persönlich wohnt. Diese Sonne ist räumlich all jenen Engeln und Geistern sichtbar, die Gott durch die Liebe in ihrem Herzen besitzen. Für die anderen ist sie aber nirgends ersichtlich und auffindbar, denn bei denen das Herz blind ist, ist auch ihre geistige Sehe blind.[9]
Das Herz eines Menschen ist die Sonne im Jenseits.[10] Dunkelheit bedeutet, daß Erkenntnis und Glaube so gut wie gar nichts sind, und das nur scheinbar, oder gering- und gar nicht geachtete und noch weniger beachtete (gelebte) Wort Gottes.[11] Falsches und Böses zeigt sich als dichteste Finsternis.[12] Zunehmende Helligkeit bedeutet das Auftauchen der Liebe (zu Gott) im Inneren.[13]
Raum und Zeit
Zeit und Raum in der geistigen Welt entsprechen nicht den irdischen Begriffen, sondern beruhen auf Zustandsveränderungen. Statt Jahren, Tagen und Zeiten gibt es Zustandsveränderungen und Zustände. Alle Fortbewegungen in der geistigen Welt geschehen durch Zustandsveränderungen des Inneren. Annäherung bedeuten Ähnlichkeiten des inneren Zustandes, Entfernungen Unähnlichkeiten. Die Ähnlichkeit bewirkt Beisammensein oder Nähe; je verschiedenartiger, desto weiter entfernt. Die Räume sind nichts anderes als äußere Zustände, die den inneren entsprechen. [14]
Obwohl die Geister in ihrer eigenen Welt leben, bedeutet dies nicht, sie könnten sich nicht einander nahen. Sobald man jemandem gedenkt, ist dieser schon im Geiste bei einem.[15] In der geistigen Welt wird einer dem andern gegenwärtig, sobald er nur ein sehnliches Verlangen nach dessen Gegenwart hat. Er sieht ihn in Gedanken und versetzt sich in seinen Zustand. Umgekehrt wird einer vom anderen entfernt, so weit wie er ihm unsympathisch ist.[16] Wenn jemand von einem Ort zum anderen geht, dann gelangt er schneller dahin, wenn er sich danach sehnt, langsamer, wenn er sich nicht danach sehnt. Der Weg wird je nach seinem Verlangen verlängert oder verkürzt, bleibt aber dabei dennoch derselbe.[17]
Es gibt zwar einen geordneten Ablauf der Dinge, aber wenn z.B. nach irdischer Zeit nur wenige Stunden vergangen sind, können diese einem Jenseitigen dem Gefühl nach wie Jahrzehnte, Jahrtausende und Jahrmillionen erscheinen.[18]
In der geistigen Erzählweise werden Taten öfters wie an einem Tag geschehend kundgegeben, während irdisch zeitlich nicht selten mehrere Jahre verfließen.[19] Auch in der Bibel heißt es öfter "am selben Tage", während aber nicht selten Jahre verflossen der äußeren Wirklichkeit nach.[20]
Welt
In der geistigen Welt erscheinen ganz ähnliche Dinge wie in der natürlichen. Sie sind so ähnlich, daß äußerlich kein Unterschied besteht. Man sieht dort Ebenen und Berge, Hügel und Felsen, dazwischen Täler, auch Gewässer und viele andere Dinge, die es auch auf Erden gibt. Alles entspringt dort dem Geistigen und erscheint daher nur den Augen der Geister und Engel. Die Menschen können es nicht sehen, weil sie in der natürlichen Welt leben - außer wenn es ihnen gegeben ist, im Geist zu sein, oder dann nach dem Tod, wenn sie Geister werden. Die Geistigen sehen die Dinge aus geistigem Ursprung, die Natürlichen die Dinge aus natürlichem Ursprung. Der natürlich Mensch kann nicht verstehen, daß die geistige Welt so beschaffen sein soll, der sinnliche Mensch versteht es am wenigsten, also der Mensch, der nur glaubt, was er mit seinen körperlichen Augen sieht und mit den Händen greift.[21]
Auf den Anhöhen der geistigen Welt befinden sich die Himmel, in den Niederungen die Geisterwelt (Mittelreich), die Höllen unterhalb beider. Den Geistern in der Geisterwelt (Mittelreich) werden die Himmel nicht sichtbar, es sei denn, ihr inneres Sehen wird aufgeschlossen. Von Zeit zu Zeit erscheinen ihnen die Engel wie Nebelflecken oder glänzende weiße Wolken. Gegenseitig erblicken sie sich solange sie noch nicht voneinander abgesondert sind (siehe dazu: Trennung zwischen den Guten und Bösen). Die guten Geister können zwar die bösen sehen, wenden sich aber von ihnen ab, und Geister, die sich abwenden, werden unsichtbar. Die Höllen sind nicht sichtbar, weil sie verschlossen sind. Man erblickt nur die Eingänge, wenn sie für Ankömmlinge aufgetan werden.[22]
Die ganze geistige Welt stellt sich nirgends örtlich zur Erscheinlichkeit dar, sondern sie ist in den Geistern selbst. Die Lebenssphäre eines Geistes ist seine Welt, die er bewohnt.[23] Im Jenseits verhält sich alles anders, als wie es in den Bildern der Schrift beschrieben ist, da es sich dabei um Entsprechungen handelt.[24]
Landschaft
In der geistigen Welt gibt es keine feststehenden Weltgegenden, wie in der natürlichen Welt, ihre Lage wird vielmehr durch das Angesicht bestimmt, d.h. wohin sich jemand wendet (wie seine Liebe ist).[25]
Durch die Liebe zu Gott und dem Nächsten gestaltet sich die Landschaft als fruchtbares Land mit herrlichen Fluren und Gärten von großer Pracht. Je stärker die Liebe, desto segensreicher die Gegend.[26]
Ein lediglich mit spärlichen Moosen bewachsener Boden bedeutet die Trockenheit und die magere Geringheit des Wort Gottes im Gemüt eines Geistes.[27] Zunehmend sumpfiger Boden bedeutet, daß alle falsch begründeten Erkenntnisse bald in ein unergründliches Geheimnismeer münden. Bei noch auf Erden lebenden Menschen bezeugt sich dieser Geisteszustand, daß wenn ein Weiser mit ihnen vom Geistes- und Seelenleben nach dem Tod zu reden beginnt, sie sogleich damit ablenken, so etwas mache sie verwirrt, verstimmt und traurig, und wer über so etwas viel nachdenken würde, mache sich am ersten zu einem Narren. Kurz: Sie haben nicht den Mut, ihren sumpfigen Boden zu betreten, aus der Furcht, darin zu versinken.[28] Ein Sumpf, wo sich nur mehr kleine und schmale, scheinbare Erdzungen durchschlängeln entspricht den Hirngespinsten eines erkenntnislosen Gottbekenners, der zwar dem Mund nach an Gott glaubt, dem Herz nach aber der purste Atheist ist.[29]
Ein Meer bedeutet grenzenloser Unverstand und bezeichnet den Zustand eines Menschen, in dem er zu fast gar keiner Vorstellung von was immer gelangen kann und förmlich begrifflos wird gleich einem kompletten Narren, bei dem alle seine Begriffe chaotisch in ein Meer von Unsinn zusammenfließen.[30] Es bezeichnet auch die Flut der Sünden eines Menschen; Fische und Meeresungeheuer bedeuten die einzelnen Sünden der Tat nach.[31]
Wege
Im anderen Leben werden die Gedanken des Menschen, die seiner Absicht oder seinem Willen entspringen, durch Wege vorgebildet. Die Wege erschienen jenseits in völliger Übereinstimmung mit dem Gedankenziel. Zudem läuft jeder gemäß seinen gedanklichen Absichten umher; darum können die Geister und ihre Gedanken an ihren Wegen erkannt werden. Darauf bezieht sich z.B. Mt 7.13-14 [32]
Wohnung
Das Äußere eines Hauses gleicht dem äußeren Wesen eines Menschen, z.B. klein bei einem völlig demütigen äußeren Wesen. Das Innere einer Wohnung entspricht dem Inneren des Herzens, der inneren Weisheit, der Weisheit aus der Liebe Gottes.[33] [34]
Bewohner
siehe Geister
Der Mensch im Jenseits
Wer in ein anderes Land reist, für den ist es wichtig zu wissen, wer der Herr dieses Reiches ist, in welcher Art und Form die Regierung vor sich geht und wie viele Angelegenheiten dort funktionieren. Dies gilt noch viel mehr für das Jenseits, wo man in Ewigkeit leben soll.[35]
siehe Leben nach dem Tod
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 42.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.225.20
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 539
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 319
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.44.2-3; Jakob Lorber, Bischof Martin 77.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.219.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 38.12
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 400
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.379.18
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 22.5
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.2-3
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.5
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 17.2
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 42; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 162-165; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 191-195
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.73.28
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 194
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 195
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 72.1; Jakob Lorber, Bischof Martin 3.7-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.146.2
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.146.3
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 582
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 583
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.123.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.272.11
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 123
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 22.2-3; Jakob Lorber, Bischof Martin 22.6; Jakob Lorber, Bischof Martin 110.11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.3
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.6-7
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.8
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 11.1; Jakob Lorber, Bischof Martin 81.27
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 20.6-9
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 534
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 38.15
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 22.12
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 406