Judas Ischariot

Aus Prophetia
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Kuss des Judas Ischariot
Judas Ischariot war einer der zwölf Apostel von Jesus Christus und verriet seinen Herrn und Gott, weil er die Lehre des Heils nur im äußerlichen Sinn, dem Verstand nach aufnahm und dadurch sein Inneres dem Satan zum freien Einzug öffnete. (siehe Gefahr durch nur äußerliche Einhaltung der Lehre oder Gebote)[1]

Judas ist einerseits der Mensch, der mit Jesus auf der Erde lebte, andererseits der Satan, der sich diesen Menschen zinspflichtig gemacht hatte. Dieser zweite Judas (Judas dem Geiste nach) befindet sich in der alleruntersten Hölle; jedoch nicht der Mensch Judas, denn diesem wurde vergeben.[2] Nach Nathanael wohnte in Judas der Geist Kains, der sich auf dieser Erde nicht bessert, denn er ist die Welt, von der keine Besserung zu erwarten ist.[3]

Das Geschehen um den Knaben Zenon während der Kindheit Jesu gilt als eine prophetische Hindeutung auf Judas.[4]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Dem Beruf nach war Judas ein Töpfer und Kaufmann, der sich damit auf den Märkten viel Geld erworben hat. Judas wurde von Thomas als Jünger des Herrn geworben. Als er von Jesus hörte, kam er zu Ihm, hörte Seine Worte und sah Seine Taten und bat darum, Sein Jünger zu werden, was ihm der Herr gestattete. Judas war Jude, aber kein eigentlicher Galiläer (ein Zuwanderer offensichtlich) und bis zu seinem Verrat der eifrigste aller Jünger. Er war ein guter Redner und Prediger, brachte viel Geld und viel Leben in die Gesellschaft der Jünger, denn er war sehr lebhaft und regsam und ordnete alles, fand an Jesus ein großes Gefallen und wußte viel zu erzählen von den vielfältigsten Geschehnissen, die sich im weiten Reich der Römer zugetragen hatten. Judas verwaltete das Geld, bezahlte überall alles und machte einen Vorläufer und Direktor überall dort wo Jesus nachher hinzog. Judas hielt das Geld für eine fürs irdische Leben unentbehrliche Sache. Insgeheim verschaffte er es sich durch die Handlungen und Lehren des Herrn, und diese Geldgier machte aus ihm am Ende auch einen Verräter.[5]

Erwählung zum Apostel

Da Judas eifrig und vollauf tätig war, reden und die Lehre des Herrn vortragen konnte, wurde er von Jesus zum Apostel erwählt. Er richtete durch seinen ernsten Eifer und seine Beredsamkeit allein zur selben Zeit mehr aus als die elf anderen zusammen (wahrscheinlich weil er die Lehre durch rhetorische Tricks in ein der Welt gefälliges, verfälschte Licht stellte, um sie populärer zu machen, siehe Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.47.11), weswegen er sich viel darauf einzubilden anfing. Da diesem Hochmut begegnet wurde, nagte in ihm zunehmend ein geheimer Groll; er wurde immer verschlossener und hatte stets ein scharfes Auge auf die anderen elf Jünger, um bei ihnen etwas zu finden, weswegen er sie dann vor Jesus zur Rede stellen konnte. Da solches aber nicht vorkam, wurde er insgeheim bitterer und suchte noch mehr danach, seine Brüder irgendwie in Verlegenheit zu bringen.[6]

Charakter

Nach dem Zeugnis von jüdischen Griechen war Judas noch geldsüchtiger als jeder Templer (Pharisäer) und sein Sinn stand nach Welt- und Wohlleben. Außerdem bestand seine Leidenschaft im leeren Großtun und Lügen (Rhetorik).[7] Einem Oberstadtrichter fiel Judas (im offenbar letzten der drei Lehrjahre Christi) sofort auf, weil er niemandem gerade ins Gesicht schauen konnte und bei den göttlichen Reden und Vorträgen von Jesus nur ganz teilnahmslos finster vor sich hinblickte und überhaupt kein Wort von sich gab, während die anderen Jünger sich untereinander mitteilten.[8]

Geldsucht

Judas war ein geiziger und geldsüchtiger Mensch. Er meinte zwar klar einzusehen, daß der Herr mit seiner Macht ohne Geld im irdischen Leben zurechtkommen könnte, aber Menschen ohne diese Macht, und ohne das Glück, Seine Jünger zu sein, müßten zum Lebensunterhalt Geld haben. Nathanael bewies ihm zwar stets, daß das Geld zwar in der Hand eines Gerechten auch zur Ursache von vielem Guten sein konnte, aber dennoch ein großes Übel unter den Menschen sei, indem es die Ursache von großen und kleinen Lastern und Freveln aller Art ist. Dies aber hielt Judas für ein notwendiges Übel.[9]

Rhetorik

Judas wußte durch seine Beredsamkeit überall einen Haken zu finden, daher war es schwer, mit ihm zu rechten. Er konnte den Diebstahl als eine im Notfall gerechte Sache darstellen und den Moses der Schwachsinnigkeit beschuldigen, da dieser jeden Diebstahl als Sünde darstellte, und wenn ihm solches als falsch vorgestellt wurde, entzog er sich nur durch weitere rhetorische Winkelzüge und es war ihm nichts beizubringen. Nur wenn ihn Jesus ermahnte, ließ er eine Weile von seinen Ideen ab und überließ sich geheim besseren Betrachtungen. Es blieb daher nichts übrig, als daß er sich am Ende selbst lebendig überzeugte, wie alle seine irdischen Handlungstendenzen zum abschreckenden Beispiel für alle Menschen grundböse waren, ansonsten für seine Seele auch jenseits keine Besserung möglich gewesen wäre.[10]

Jesus und Judas

Jesus wußte, wie es mit dem Judas stand, welcher der Seele nach ein Teufel war und von Gott die Weisheit erlernen wollte. Der Herr wußte auch, was Judas an Ihm tun wird, dennoch überließ Er es ihm, zu bleiben oder zu gehen.[11]

Jeder Mensch, ob gut oder böse, verhält sich gegen Jesus dem Geist nach wie gegen die Sonne dem Leib nach. Es wird niemandem verwehrt, sich von den Strahlen der Sonne beleuchten und erwärmen zu lassen: Gott läßt Seine Sonne scheinen über Gute und Böse. Mt 05.45 Christus weist selbst einen noch so großer Sünder nicht ab, denn Er ist der Verlorenen und Seelenkranken wegen in die Welt gekommen; die Gesunden bedürfen des Arztes nicht.[12]

Der Herr muß besonders auf dieser Erde die Teufel ebensogut dulden wie die Engel; denn niemand kann ohne den vollkommen freien Willen Kind Gottes werden, und sogar dem Teufel selbst ist der Weg zur Umkehr nicht völlig abgesperrt. Daher duldete Jesus auch einen Jünger, an dem Er sonst gar kein Wohlgefallen hatte, so lange er in Seiner Nähe bleiben wollte; hätte er sich entfernen wollen, wäre ihm von niemandem aus der Gesellschaft des Herrn der Weg vertreten worden.[13]

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Robert Blum 1.60.10
  2. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.7.11
  3. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.114.16
  4. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 290.27
  5. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.89.4; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.89.13; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.273.10; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.223.7
  6. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.47.1-2
  7. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.49.2
  8. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.223.6
  9. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.47.3-6
  10. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.47.7-8
  11. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.96.9
  12. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.49.4
  13. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.223.10
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