Kirche

Aus Prophetia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Kirche des Symeon Stylites (Qalʿat Simʿan) in Syrien wird als eines der ältesten erhaltenen Kirchengebäude betrachtet.
Die Kirche ist der Himmel des Herrn auf Erden - bzw. sollte es sein. Es gibt ihrer viele, dennoch heißt jede einzelne eine Kirche und ist es auch, sofern in ihr das Gute der Liebe und des Glaubens herrscht. Der Herr macht wie im Himmel aus Mannigfaltigem eine Einheit, somit aus vielen Kirchen eine einzige. Die universelle Kirche auf Erden erscheint vor dem Auge des Herrn wie ein Mensch, so wie der Himmel. Die Kirche ist innerhalb und nicht außerhalb eines Menschen, so wie der Himmel innerhalb und nicht außerhalb eines Engels ist. Jeder Mensch stellt eine Kirche dar, bei dem der Herr im Guten der Liebe und des Glaubens gegenwärtig ist. Die Kirche des Herrn ist allumfassend, über den ganzen Erdkreis verbreitet, folglich universell, und bei allen, die das Göttliche anerkennen und je nach ihrer Religion in tätiger Liebe bzw. im Guten der Nächstenliebe leben. Die Kirche aber, in der das Wort und der Herr (Jesus) bekannt ist, verhält sich zu den Kirchen außerhalb von ihr wie das Herz und die Lunge im Menschen zu den Eingeweiden und Gliedern des Körpers, die aus Herz und Lunge in vielfältiger Weise ihr Leben beziehen.[1]

Es gibt die äußerliche Kirche, vergleichbar der toten Borke eines Baumes, und die innere Kirche, vergleichbar dem lebendigen Inneren eines Baumes. Zwar ist die Borke eines Baumes leblos, aber sie ist dennoch für das Überleben des Baumes notwendig. Genauso verhält sich das mit der Kirche. Aus der äußeren Kirche wird ewig nie das Reich Gottes (das innere, lebendige Geistesleben) entstehen. Sie ist aber nach Gottes Fürsorge ein Schutz für die innere Kirche, die jeder finden kann, wenn er sich nur darum bemüht.[2]

Eine Kirche ist nur Kirche, wenn sie den Willen Gottes lehrt und das Leben predigt aus der Liebe, die am Kreuz für die ganze Erde, ja für die ganze Schöpfung blutete (Christus). Eine Kirche, die sich nur segnet und alles andere verflucht, ist wie ein Geizhals, der allen den Tod wünscht, damit er alles bekommt. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein solcher Geizhals in den Himmel. (d.h. eine solche Kirche ist keine wirkliche).[3]

Die Kirche wird als die Neigung zum Guten und Wahren "Weib" oder "Jungfrau" genannt.[4]

Inhaltsverzeichnis

Die äußerliche Kirche

Jede äußerliche Kirche oder Sekte hält sich selbst für die beste und reinste. Gott jedoch erkennt die Seinen an der Liebe (die wahre, innere Kirche) und nicht an der äußerlichen Kirchenzugehörigkeit. Daher heißt es, verflucht sei jener, der aus weltlichen Rücksichten eine äußerliche Kirche einer anderen bevorzugt. In keiner äußerlichen Kirche ist Wahrheit und Leben. Alles wird auf den Zwangsglauben und Überredungsglaube angelegt, d.h. man wird zum Glauben genötigt, um Mitglied sein zu können. Der wahre Glaube ist frei. Die Lehre des Herrn ist zudem nicht für den Glauben, sondern für die Tat gegeben.[5] Ein gezwungen gläubiger Mensch ist zehnmal schlechter als ein offen Ungläubiger und Abtrünniger.[6]

Unter den vielen äußeren, sichtbaren Kirchen, die den Namen des Herrn führen, ist keine die rechte (oder wahre). Nur die Kirche im Herzen ist die alleinig rechte und vor der Hölle für ewig gesicherte. Alles andere hat die Welt ausgeheckt, gehört ihr an und gilt vor Gott ewig nichts.[7]

Die Kirche Gottes auf Erden ist ein Reinigungsbad; wer sich gewaschen hat, der komme zu Gott, damit Er ihn abtrockne mit der Wärme Seiner Liebe und ihn behalte. Wer aber nur Freude an dem Planschen und Waschen hat, dem geht es wie den Mühlrädern, die nie aus dem Wasser kommen (d.h. er kommt nicht voran im geistigen Leben).[8]

Ein Mensch, der nicht nur einer Kirche, sondern mehreren anhängt, dessen Glaube wird derart zerissen, daß er zuletzt zu nichts wird.[9]

Beurteilung

Jene Kirche, die irgend eine Norm hat, worin deren Gläubige irgendeinen Bestand finden, d.h. tatkräftig wirken, ist besser als eine Kirche, in der nichts als nur fortwährend gefegt und geputzt wird, also dauernd nur geredet und kritisiert wird. Viele Konfessionen tun aus lauter Vorbereitung und Kritisieren nichts, begeifern fortwährend diejenigen, die nicht ihrer Konfession sind, machen sich über ihre Blindheit lustig und wollen fortwährend den Splitter aus den Augen anderer entfernen, ohne den Balken in ihrem eigenen zu sehen.[10]

Dem Herrn ist eine Kirche lieber, wo doch noch etwas geschieht, als eine, wo nichts geschieht; denn es ist besser, jemandem ein Stück Brot zu geben, als tausend Pläne für Armenversorgung zu machen und dem Armen aber dennoch nichts zu geben.[11]

Verhalten

Jakob Lorber und seine Freunde wurden angewiesen, ihre irdische Glaubensmutter (röm.-kath. Kirche) nicht zu verlassen. (Dies kann nur bedingt im allgemeinen Sinn gesagt werden, siehe nächster Absatz.) Da die Menschen einen Leib haben, durch den die ersten Eindrücke zur Seele gelangen und sie nähren, so muß es auch eine äußere Speisekammer geben, welches die äußere Kirche ist, damit durch diese der böse Leib durchgebrochen und bearbeitet wird gleich einem Kind im Mutterleib. Was soll aus jemandem werden, der den Mutterleib zu früh verläßt? Schwerlich wird jemand zu Gottes lebendigem Wort gelangen in einer Sekte, als nur in der römischen Kirche, wo Gehorsam und die äußerste Demut über Hals und Kopf nach dem Willen Gottes gepredigt wird, da Gehorsam und Demut die Nahrung der Seele zur Wiedergeburt des Geistes ist. An den Zeremonien soll man sich nicht stoßen, denn für den Lebendigen ist alles lebendig, für den Reinen alles rein, dem Gehorsamen alles recht und dem Demütigen alles geheiligt.[12]

Wer recht leben will, der kann es in jeder Kirche, so sie nur irgend den Namen Gottes und Sein Wort verkündigt, insofern er nicht der jeweiligen Kirchenlehre wider das Gute und Wahre handelt. Eine Hauptregel ist daher, prüfet alles und das Gute behaltet. Man soll nicht das Kind mit dem Bad ausschütten. Der Herr sagt zu niemanden, werde Katholik oder Protestant usw. Was einer ist, das bleibe er, wenn er will. Wichtig ist es, ein werktätiger Christ im Geist und in der Wahrheit zu sein, denn jeder kann, wenn er will, das reine Wort Gottes haben. Gott hat nur Freude daran, wenn Seine Kinder tätig sind und wetteifern in der Liebe, aber nicht daran, daß sie einander Narren schelten und ein jeder aus ihnen der Weiseste und Unfehlbarste sein will. Es ist besser, in irgendeiner Ordnung tätig zu sein, als bloß allein des reinsten Glaubens zu sein. Nach der Lehre Jesu tätig sein ist unendlich besser, als die ganze Bibel auswendig zu wissen und zu glauben.[13]

Es ist erlaubt, alles zu tun, was der äußere Kultus verlangt, um niemandem ein Ärgernis zu geben. Selbst wenn es wie Gift ist, wird es einem geistig Wiedergeborenen nicht schaden.[14]

Die Lehre der Priester soll befolgt werden, so sie das Wort Gottes, die Demut und die Liebe verkünden. Wenn die Priester weltlicher Vorteile wegen wider das Wort Gottes lehren, dann soll man sich nicht beirren und breitschlagen lassen.[15]

Kirchenvolk

Der Mensch der Kirche weiß gegenwärtig kaum etwas über Himmel und Hölle, sowie über das Leben nach dem Tod, obwohl sich alles im Wort Gottes beschrieben findet. Viele leugnen diese Dinge sogar, besonders die Gebildeten.[16]

Endzeit

Die Kirche war schon zu Zeiten Emanuel Swedenborgs (18. Jhdt.) an ihr Ende gelangt.[17]

Anmerkung: Damit ist offensichtlich gemeint, daß die äußere Kirche schon längst die Verbindung (Entsprechung) zur inneren Kirche verloren hat. Sie gleicht einem abgestorbenen Baum, in dem kein Leben mehr ist, sondern nur noch ein Scheinleben, der aber immer noch besteht, bis ihn eines Tages ein Sturm fällt. Danach kann der Herr dann eine neue äußere Kirche gründen, die wieder in Verbindung zur inneren Kirche steht.

Am Ende der Kirche, wenn keine Liebe und darum auch kein Glaube mehr vorhanden ist, wird der Herr das Wort nach seinem inneren Sinn aufschließen und die Geheimnisse des Himmels offenbaren. (Anm.: Dies geschah durch Emanuel Swedenborg und Jakob Lorber.) Dies ist die geistige Bedeutung das Kommen des Menschensohns in Mt 24.29-31, siehe Matthäus Evangelium (Geistiger Sinn)[18]

Wenn das Ende der Kirche bevorsteht, sorgt Gott für eine neue Kirche, weil die Welt nicht ohne Kirche, in der das Wort ist und der Herr bekannt wird, bestehen kann. Ohne das Wort und das Bekenntnis kann der Himmel nicht mit dem Menschengeschlecht verbunden werden, wodurch der Mensch nicht Mensch, sondern ein Tier wäre.[19]

Die wahre Kirche

Auf der Erde gibt es nur eine wahre Kirche: Die Liebe zu Gott in Seinem Sohn, welche der Heilige Geist ist in den Menschen. Sie gibt sich kund durch das lebendige Wort Gottes, und dieses Wort ist der Sohn, und der Sohn ist die Liebe Gottes in Gott und Gott durchdringt Ihn ganz. Die Seele, deren Herz die Wohnung Gottes ist, ist die alleinige wahre Kirche auf Erden. In ihr allein ist ewiges Leben, und sie ist die alleinseligmachende. Dies soll man allen sagen, ob Katholik, Protestant, Jude, Türke (Moslem), Brahmi oder Heide.[20]

Die wahre lebendige Kirche des Herrn besteht im lebendigen Glauben, der die Liebe ist, durch die Gott im Herzen des Menschen Wohnung genommen hat (nach Martin).[21] Gott wohnt nicht in Mauern, Zeremonie, Gebet, oder in der Verehrung. Er ist nur da, wo die Liebe ist, denn er ist die Liebe oder das Leben Selbst. Er gibt Liebe und Leben und verbindet Sich nur mit Liebe und Leben, aber niemals mit der Materie oder mit dem Tod.[22] Man soll nicht meinen, Gott würde einen im Tod erwarten. Vielmehr soll man zuvor in die wahre Kirche gehen, und dann erst in die tote, damit sie lebendig wird durch einen.[23]

Ein zerknirschtes demütiges Herz, voll von Gottes Liebe und Gnade, ist die lebendige Kirche im Menschen. Erst in und durch sie wird die tote (äußerliche) Kirche lebend und voll tiefen Sinn.[24]

Die Kirche, in der das Wort und durch das Wort der Herr bekannt ist, gleicht dem Herz und der Lunge eines Menschen. Der Teil des Menschengeschlechts, der außerhalb der Kirche des Wortes lebt, bildet die Glieder, die von Herz und Lunge ihr Leben beziehen.[25]

Es kann wiedergeboren werden, wer im Schoß der Kirche geboren ist, weil sie das Wort hat, das die göttlichen Wahrheiten enthält, durch die die Wiedergeburt geschieht, und weil in ihr der Herr bekannt ist, von dem die Wiedergeburt kommt.[26]

Kirchenbauten

siehe auch Tempel- und Kirchenbauten

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 57; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 308; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 328; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 374
  2. Lorber, Himmelsgaben 2.375.7-8; Lorber, Himmelsgaben 3.242.12
  3. Lorber, Himmelsgaben 1.335.1-2
  4. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 368; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 371
  5. Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 33.12-15
  6. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.21
  7. Lorber, Himmelsgaben 3.242.11
  8. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.2.5
  9. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 379
  10. Jakob Lorber, Die Erde 73.2-4
  11. Jakob Lorber, Die Erde 73.12
  12. Lorber, Himmelsgaben 3.50.5-6
  13. Jakob Lorber, Die Erde 73.13-18; Lorber, Himmelsgaben 2.375.9
  14. Lorber, Himmelsgaben 2.322.9
  15. Lorber, Himmelsgaben 2.375.6
  16. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 1
  17. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 311
  18. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 1
  19. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 665
  20. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.9
  21. Jakob Lorber, Bischof Martin 79.12
  22. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.12
  23. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.14
  24. Lorber, Himmelsgaben 3.51.8
  25. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 308
  26. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 329
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge