Leben
Das Leben in jedem Menschen ist Gottes Odem oder Sein vollkommenes Ebenbild. Jedes Geschöpf hat einen unbegreiflich kleinsten Teil des Leben Gottes in sich und ist daraus für seinen Bedarf völlig lebendig.[1] Alles Leben ist eine Gnade aus Gott und erfüllt die lebentragende Form durch und durch.[2] Das Leben ist nur im Herzen und geht von dort in alle Teile des Menschen aus.[3]
Leben ist gleich Dasein, weil es ein immerwährender Kampf zweier Gewalten ist, wovon die eine der Vernichtung, die anderen dem Bestehen (Leben) entgegen strebt. Den erwünschten Stand des Friedens finden beide Gewalten allein im göttlichen Vater. Daher lebt selbst ein Stein, auch wenn für uns ein unvorstellbar großer Unterschied zwischen einem Steinleben und dem organischen und erst recht dem geistigen besteht. Das allein wahre, sich selbst vollkommen frei bewußte Leben ist nur im Vater, dem gegenüber alles andere Leben ein barer Tod ist.[4]
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Wesen
Das Leben ist nichts anderes als nur eine Tätigkeit um die andere. Je geistiger ein Mensch in seinem Innern wird, desto tätiger wird er auch.[5]
Betrachten wir das Leben des Menschen unter dem Gesichtspunkt der Vernunft, dann finden wird, daß es von dreifacher Art ist:
- ein geistiges Leben
- ein sittliches Leben
- ein bürgerliches Leben
Es gibt Menschen, die zwar ein bürgerliches Leben führen, aber doch kein sittliches und geistiges Leben, andere leben zwar sittlich, aber doch nicht geistig, und schließlich gibt es jene, die sowohl ein bürgerliches, als auch ein sittliches und dazu geistiges Leben führen. Nur sie leben ein Leben des Himmels, die anderen aber führen ein weltliches, vom Leben des Himmels getrenntes Leben. Das geistige Leben ist nicht vom natürlichen oder weltlichen Leben getrennt, sondern damit verbunden, wie die Seele mit ihrem Leib. Das sittliche und bürgerliche Leben ist der tätige Teil des geistigen Lebens, besteht doch das geistige Leben im guten Wollen und das sittliche und bürgerliche im guten Handeln. Trennt man das eine vom anderen, so beschränkt sich das geistige Leben nur noch auf Denken und Reden, während der Wille zurücktritt, weil ihm der Boden entzogen ist, und doch ist er das eigentlich Geistige des Menschen.[6]
Ursprung
Alles, was zum Leben gehört, stammt von Gott, dem Sein alles Lebens. Dies wird von den Engeln auf zweierlei Weise begründet:
- Nichts kann aus sich selbst entstehen und bestehen, sondern nur aus einem ihm Vorhergehenden, einem Ersten und Einzigen, dem eigentlichen Sein alles Lebens.
- Alles im Weltall (Schöpfung) bezieht sich auf das Gute und Wahre. Dieses aber kommt von oben, weswegen auch alles dem Leben angehörende von daher kommt.[7]
Leben geht aus Wärme (Liebe) hervor, denn mit deren Entfernung schwindet es auch.[8]
Liebe und Leben
Die Liebe ist unser Leben und das Leben Gottes in uns. Das Leben eines jeden Menschen ist so beschaffen, wie seine Liebe.[9] Der Wille (die Liebe) nährt sich aus dem Leben und ist das eigentliche Leben des Menschen.[10]
Die Liebe ist das Ziel allen Lebens.[11] Liebe und Leben sind eins und zugleich zwei: Liebe ist der Grund und Leben die Wirkung. Aus Liebe und Leben geht als ein Drittes die Tatkraft (Wille) hervor, welche der mächtige Geist ist.[12] Liebe und Leben kann getrennt werden, wodurch dann die Liebe einem Eisklumpen gleicht, da keine Wärme innen ist; das Leben für sich wird ein ledig Feuer, welches zerstört und sich darin eine erträgliche Sänftung sucht.[13]
Wahres Leben und Scheinleben
Das (wahre) Leben ist allein nur in der freien Liebe zu Gott; sonst aber ist überall der ewige Tod. Ist das Leben nicht aus Gott, dann ist es kein Leben mehr, sondern ein Tod, der sich seiner wohl auch bewußt ist, aber dieses Bewußtsein ist nur ein Eigentrug, weil alles das, dessen sich ein Toter bewußt ist, sich wie ein arger, nichtiger Traum gestaltet, da seine Welt keinen Grund hat und all sein Besitz völlig nichtig ist. Hingegen dort, wo man ob der Ruhe der wahren Liebe den Tod wähnt, da ist unzerstörbares Leben zuhause.[14] Die Wonne des Lebens ist groß, wenn Gott in uns ein freies Leben lebt; wer jedoch ein eigenes Leben leben möchte, das in allen Fasern finster ist, dem ist es eine große, unerträgliche Bürde. (nach Henoch)[15]
Es gibt nichts das da größer, wunderbarer und göttlich erhabener wäre als allein das (wahre) Leben. (nach Henoch)[16] Es zieht frei einher, und wo es zieht, übt es in allen seinen Teilen die vollkommenste Herrschaft über den Tod aus. Es kann den Tod erregen zum Mitleben (wie der Wind den Staub, das Scheinleben); will es ihn aber fallen lassen, so kann es solches ebenfalls frei tun.[17]
Leben muß frei sein. Ein gerichtetes Leben (Scheinleben) ist kein Leben, sondern ein Tod.[18]
Wachstum
Leben kann sich durch Gottes ständiges Einfließen vermehren und wachsen; je ausgewachsener ein Leben wird, desto vollkommener stellt es sich dann auch immer dar.[19] Sich selbst bewußt wird das Leben erst dann, wenn es mit dem Fünkchen der Liebe auch ein Fünkchen des Gnadenlichts aus Gott hinzu bekommt; mit diesem Licht erkennt das gegebene Leben sein Selbstiges und wird frei sich selbst bewußt.[20] So dieses sich selbst bewußte Leben nicht nur sich selbst, sondern in sich seines ewigen, heiligen Ursprungs bewußt wird und Ihm Dank und Ehre, Liebe und Anbetung gibt und Dessen Willen erkennt, dann erst wird es vollkommen frei und wird durch diese Erkenntnis durch die Liebe ein Kind der ewigen Liebe und des ewigen Lebens. Durch das ewige Leben erst gelangt es dann zum klarsten Bewußtsein seiner selbst und zum lebendigen Bewußtsein Gottes.[21]
Irdisches Leben
Das irdische Leben ist ein vorübergehender Tod oder ein teilweises fortwährendes Sterben,[22] es ist nur ein Probeleben und in allem eine Gabe des göttlichen Vaters. Wer es sich törichterweise aneignen will, der wird es auf ewig verlieren. Wer es dem großen, heiligen Geber aber wieder in allem, sich selbst opfernd, zurückgibt, der wird es behalten im reinsten Vollbestand (vergeistigt und vollkommen) auf ewig in Gott. Mt 10.39 Luk 9.24 Luk 17.33 Lk 17.33 [23]Der Zweck des irdischen Lebens besteht darin, die Gottesliebe im Herzen, das eigentliche Leben, zu erwecken.[24]
Wenn das (irdische) Leben keine Not hat, dann zerstreut es sich und löst sich auf. Die kein Kreuz - die Not des Lebens - tragende Seele ermattet und stirbt und verliert sich in die Nacht des Todes. Die Not des Lebens ist ein Gefäß des Lebens, in dem dieses gefestet wird gleich einem Diamanten. Daher soll jeder das Kreuz auf seine Schultern nehmen und Jesus in aller Liebe nachfolgen, um so sein ewiges Leben zu erhalten. Wer mit seinem (materiellen) Leben zärtelt, der wird es verlieren, wer es aber kreuzigt und vom Herrn kreuzigen läßt, der wird es für alle Ewigkeit erhalten. Joh 12.25 Mt 16.25 Mark 8.35 [25] Kein anderer Weg als nur allein der Weg des Kreuzes führt zum (ewigen) Leben.[26]
Der Unterschied zwischen dem (inkarnierten) Leben und dem wahren (geistigen) Leben liegt im Fleisch, das keiner geistigen Bewegung fähig ist und nicht so schnell einen Ortswechsel machen kann. (nach Zuriel)[27]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.19; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.125.16
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.3.4
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 103.9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.46.10-12; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.251.16
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.226.15-16
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 529
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 9
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 136
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.219.26, Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 14
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 598; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.22.11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.71.23
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.252.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.252.13
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.144.16; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.10.2; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 111.8-10
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.125.9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.125.11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.130.22-23
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 80.19
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.20
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.21
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.22
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.150.13; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.130.9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.25.73-74
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.118.5
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 1.335.1-4
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 2.16.17
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.10.16-17