Liebe

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"Göttliche Liebe und profane Liebe" von Baglione
Die Liebe ist der Geist Gottes im Menschen, der Urgrund und die Grundbedingung von allem und der Schlüssel zu allen Geheimnissen. Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne die Liebe ist kein Dasein denkbar. Zu ihr gehört der Wille,[1] der ihr Aufnahmegefäß ist.[2] Lieben und Wollen ist dasselbe, denn was der Mensch will, das liebt er, und was er liebt, das will er.[3] Jede Liebe ist, da sie dem Leben selbst angehört, geistiger Art.[4] Tätige Liebe betrifft alles, was zum Leben gehört und besteht im gerechten und aufrichtigen Wollen und Tun aller Arbeit,[5] sie ist das Werk und die Tat.[6] Liebe entspricht dem Feuer;[7] ist das eigentliche, wahrhaftige Feuer, aus der alles Licht entstammt[8] und sie gehört zum Guten.[9] Es ist einerlei, ob man sagt Gutes oder Liebe, weil alles, was zur Liebe gehört, etwas Gutes ist.[10] Die Liebe, oder das Gute, ist nur insoweit gut, als Unschuld darin wohnt.[11]

Gott ist die ewige, unendliche Liebe. (nach Henoch)[12] Die Liebe ist Gottes innerstes Urgrundwesen (der heilige Vater), aus dem die Gottheit oder die durch alle Unendlichkeit ewig wirkende Kraft hervorgeht. Dieses Urgrundwesen Gottes offenbart Sich Selbst als persönliches Wesen, z.B. als Abedam, aus dem die Unendlichkeit und Allgegenwart wirkt.[13] Gott Selbst ist in Sich die allerhöchste und reinste Liebe, und ebenso der jedem Menschen zukommende Geist aus Gott.[14] Auch der Mensch ist aus diesem Urgrundwesen Gottes - der Liebe - als eine zweite, sich selbst bewußte freie tätige Liebe aus Gott gestaltet.[15] Nichts ist wahr im Menschen als allein die Liebe.[16] Nur die Liebe allein kann die Gegenwart Gottes ertragen, wie ein Feuer das andere.[17]

Die himmlische und geistige Liebe bildet bei den Menschen den Himmel, weil dieser Liebe alles Himmlische eingeschrieben ist. Die Liebe ist das Aufnahmegefäß alles dessen, was zum Himmel gehört, wie Friede, Einsicht, Weisheit und Seligkeit. Ohne die himmlische und geistige Liebe stellt die fleischliche (selbstsüchtige) und weltliche Liebe die Hölle beim Menschen dar, weil diesen Arten der Liebe alles Höllische eingeschrieben ist. In den Himmel kommt, wer eine himmlische oder geistige Liebe aufweist, in die Hölle hingegen, wer statt derselben eine fleischliche und weltliche Liebe hegt.[18]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Die Liebe nimmt alles in sich auf, was mit ihr übereinstimmt, sehnt sich danach, sucht es und zieht es wie von selbst zu sich heran. Das übrige, was nicht zu ihr paßt, das verwirft sie und entfernt es. Jede Liebe gleicht einem schwammigen oder porösen Holz, das nur die Flüssigkeiten aufsaugt, die seiner pflanzlichen Entwicklung zuträglich sind und die übrigen abstößt. Sie gleicht auch den Tieren aller Art, die ihr Futter kennen und danach auswählen, ob es zu ihrer Natur paßt, anderes aber verabscheuen. Jede Liebe will sich mit dem ihr Gemäßen nähren, die böse Liebe mit Falschem, die gute mit Wahrem.[19]

Wie die Liebe, so der Geist. Ist die Liebe lebendig in Gott, so wird auch der Geist lebendig sein aus Gott.[20] Geistige Liebe, Achtung und Ehre ist nichts anderes als die Liebe, Achtung und Ehre angesichts der Nutzwirkung der betreffenden Person, bzw. die Ehrung dieser Person aufgrund ihrer Nutzwirkung, nicht umgekehrt. Ein Mensch ist wie der andere, ob in hohem oder niedrigem Amt, der Unterschied liegt nur in der Weisheit. Die Weisheit aber besteht darin, die Nutzwirkung zu lieben, also das Beste des Mitbürgers, der Gesellschaft, des Vaterlandes und der Kirche. Darin besteht auch die Liebe zum Herrn, weil von Ihm alles Gute stammt, das ein Gutes der Nutzwirkung ist. Dasselbe gilt für die Liebe zum Nächsten, da er das Gute ist, das man im Mitbürger, in der Gesellschaft, im Vaterland und in der Kirche lieben und ihnen allen erweisen soll.[21]

Die wahre, reine und lebendige Liebe (Gottesliebe) ist in sich höchst uneigennützig; sie ist voll Demut, ist tätig, ist voll Geduld und Erbarmung; sie fällt niemals jemandem unnötig zur Last und duldet alles gern; sie hat kein Wohlgefallen an der Not ihres Nächsten; ihre rastlose Mühe ist, jedem zu helfen, der einer Hilfe bedarf. Die reine Liebe ist im höchsten Grade keusch und hat keine Freude an der Geilheit des Fleisches, dafür eine desto größere Lust an der reinen Gesittung des Herzens.[22] Die reine, heilige, ewige Liebe ist das ewige Leben selbst und ewig die Siegerin; Himmel und Erde werden vergehen, aber sie wird ewig nicht vergehen.[23]

Die Liebe an und für sich ist blind und finster und dadurch einerseits frei und unabhängig, andererseits aber auch in großer Gefahr sich zu verlieren und zugrunde zu gehen. Daher gibt Gott aller Liebe zu Ihm entsprechend ihrer Größe auch den gerechten Anteil Licht (Erkenntnis) als ein Gnadengeschenk hinzu.[24] Die Liebe (zu Gott) ist daher nicht blind, wie die Weltweisheit meint, sondern sieht um vieles schärfer als der schärfste Weltverstand mit seinem ängstlichen Gewissen.[25]

Die Liebe lehrt, allen Wesen wohlzutun und sie so glücklich als möglich zu machen.[26] Ihre Natur ist es, ihre Freude darin zu setzten, anderen zu dienen, nicht nur ihrer selbst, sondern um des anderen willen.[27] Jeder bezeugt seine Liebe durch das Wollen und Tun dessen, was der andere will. Erst dadurch wird er seinerseits wieder geliebt und mit dem anderen verbunden. Wollen ist gleichbedeutend mit Lieben. Wer hingegen angeblich jemanden liebt, und dessen Willen dennoch nicht tut (oder will), dann ist das soviel wie Nichtlieben. Vgl.: Joh 14.21 Joh 15.10 [28]

Wo die Liebe nichts mehr auszurichten und zu gewinnen vermag, da soll auch keine andere Macht etwas zu bewirken imstande sein. Da alle Werke der Schöpfung aus der Liebe hervorgegangen sind, wie sollen die Werke dann mächtiger sein denn die Liebe als ihr Urgrund?[29]

Wer in seinem Herzen die Liebe versteht, der wäre so vollkommen, wie sein Vater in den Himmeln vollkommen ist Mt 5.48.[30]

Weil die Liebe eine Wärme geistigen Ursprungs ist, bringt sie eine Empfindung von Wärme mit sich; denn der Mensch gerät in Feuer und wird warm je nach ihrem Grad und ihrer Beschaffenheit; ihre Hitze zeigt sich, wenn sie bekämpft wird. Daher auch die Redewendungen wie "entzünden", "warm werden", "entbrennen", "aufwallen" usw. sowohl bei positiver (himmlischer) Liebe, als auch bei negativer (höllischer) Liebe. Da sich die Seele und dadurch auch der Körper samt seinem Blut durch die Liebe je nach ihrer Beschaffenheit erwärmen, zeigt daß das Wesen der Liebe Wärme ist; der Mensch kann davon in Hitze und Kälte gleichermaßen gepackt werden, was auf den Zusammenhang mit der Erwärmung des Blutes hinweist.[31]

Man kann nicht Liebe haben, wie man will, sondern soviel einem Gott verliehen hat. Jedem hat Gott zwar Liebe gegeben, aber nicht alle sind darin gleich, daher ist auch das Verständnis verschieden. (nach Enos)[32]

Nur wer liebt, der führt auch tatsächlich aus, was er will, nicht aber die anderen, die es weder wollen noch tun.[33] Lieben und das Gute nicht ausführen, obgleich man es könnte, bedeutet ebensoviel, wie gar nicht lieben. Bloß denken, daß man wolle und liebe, verschwindet und vergeht, weil es ein vom Dasein getrenntes Denken ist.[34]

Der Tod der Liebe ist das Gericht. (nach Nathanael)[35]

Göttliche und weltliche Liebe

Der Mensch ist zu einer zweifache Liebe fähig, 1. der göttlichen, welche aller Selbstliebe entgegen ist, und 2. der Selbstliebe, welche aller göttlichen Liebe entgegen ist.[36] Die himmlische Liebe besteht in der Liebe des Guten, Aufrichtigen und Gerechten, eben weil es gut, aufrichtig und gerecht ist, und im Tun desselben aus Liebe, worin das himmlische Leben besteht. So jemand liebt auch den Herrn über alles, weil diese Dinge von Ihm stammen, und er liebt zugleich den Nächsten, weil das Gute der Nächste ist, der geliebt werden soll. Die fleischliche Liebe (Selbstliebe) hingegen besteht darin, daß man Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit nicht um ihret-, sondern um seiner selbst willen liebt, um sich dadurch einen guten Ruf, Auszeichnungen und Vorteile zu verschaffen. Solche Menschen haben nicht den Herrn und den Nächsten im Auge, sondern sich selbst und die Welt, und diese Täuschung bereitet ihnen auch noch Vergnügen. In Wirklichkeit lieben sie in diesem auf Täuschung beruhenden Guten, Aufrichtigen und Gerechten etwas Böses, Unaufrichtiges und Ungerechtes.[37]

Die Liebe, deren Grund die Welt ist, die ist verflucht.[38] Wer seine Liebe an die materielle Welt heftet, dessen Liebe wird durch die Macht des Todes erdrückt, und die Folge ist dann das Los der Materie oder der Tod. Wer seine Liebe zu Gott richtet, der verbindet seine Liebe mit der Liebe oder mit dem Leben alles Lebens; er wird dann durch und durch lebendig.[39] Alles auf der Welt kann einen töten, weil alles selbst in sich den Tod trägt, nur die alleinige, uneigennützige Liebe nicht, so sie in ihrer Reinheit bewahrt wird. Mischt man sie jedoch mit weltlichen Dingen, dann wird sie schwer und kann einen auch töten, wie leiblich also auch geistig.[40]

Liebe und Weisheit

Die Liebe ist die Wurzel aller Weisheit und es ist nirgends Weisheit denn nur in der Liebe zur Liebe in Gott. Wer liebt, der soll der Liebe und nie der Weisheit wegen lieben, und so wird man wahrhaft weise werden.[41]

Liebe und Leben

Die Liebe - ob guter oder böser Art - ist das eigenste Leben der Seele eines jeden Menschen, Engels und des Teufels.[42] Die Liebe ist unser Leben und das Leben Gottes in uns; das Leben eines jeden Menschen ist so beschaffen, wie seine Liebe. Wem die Liebe entzogen wird, der stirbt.[43] Sie ist auch das Ziel allen Lebens.[44]

Liebe und Leben sind eins und zugleich zwei: Liebe ist der Grund und Leben die Wirkung. Aus Liebe und Leben geht als ein Drittes die Tatkraft (Wille) hervor, welche der mächtige Geist ist.[45] Liebe und Leben kann getrennt werden, wodurch dann die Liebe einem Eisklumpen gleicht, da keine Wärme innen ist; das Leben für sich wird ein ledig Feuer, welches zerstört und sich darin eine erträgliche Sänftung sucht.[46]

Liebe und Gesetz

Die Liebe faßt alle Gebote in sich und ist ein Meister alles Gesetzes, daher braucht ein Liebender kein Gebot, dem er gehorchen soll, denn es ist nicht nötig, jemanden zu einer Tat zu nötigen, die er aus sich heraus von ganzem Herzen überaus gerne tut. Die Liebe ist erhaben über alles Gebot und Gesetz und als das Leben selbst auch ein vollkommener Herr des eigenen Lebens.[47]

Beurteilung

Der lebendige Glaube voll hingebenden Vertrauens ist ein wahres Thermometer der Liebe und zeigt genau die Grade an, wie hoch über dem Gefrierpunkt die Liebe steht.[48]

Verbreitung

Da man seinem Nächsten nichts geben kann, was man nicht zuvor selbst besitzt, muß man zum Nächsten mit der Liebe kommen, um in ihm Liebe zu erzeugen.[49]

Die wahre, uneigennützige Liebe ruft sich selbst bei den anderen Menschen hervor. Wer alles aus Liebe tut, sät den Samen der Liebe in die Herzen der anderen Menschen.[50]

Die Nahrung der Liebe ist die Gegenliebe,[51] d.h. Liebe ist nicht ums Geld, sondern nur wieder um Liebe zu haben.[52]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.80.11-12; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.170.9; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 368
  2. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 173
  3. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 454; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 473; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 479
  4. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 567
  5. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 364
  6. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 483
  7. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 571
  8. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.86.4; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 118
  9. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 186
  10. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 232
  11. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 281
  12. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.220.18
  13. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.94.17-19; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 37
  14. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.223.11
  15. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.94.21
  16. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.22.9
  17. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 247.19
  18. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 18; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 481
  19. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 18; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 479
  20. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.356.7
  21. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 390
  22. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.223.13-14
  23. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.139.35; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.139.38; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.207.24
  24. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.7
  25. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.129.12
  26. Jakob Lorber, Bischof Martin 50.13
  27. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 406
  28. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 16
  29. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.224.25-26
  30. Lorber, Himmelsgaben 1.327.6
  31. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 134
  32. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.41.12
  33. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 350
  34. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 475
  35. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.43.6
  36. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.80.14
  37. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 481
  38. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 102.23
  39. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.4-5
  40. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 111.16-18
  41. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.41.9; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.90.13; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.175.6
  42. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.17.6
  43. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.219.26; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 14
  44. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.70.23
  45. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.252.8-9
  46. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.252.13
  47. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.137.15-17
  48. Jakob Lorber, Heilung und Gesundheitspflege 410429.6
  49. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.90.3
  50. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.84.13
  51. Jakob Lorber, Die Erde 61.3
  52. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.2.11
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