Liebe Gottes

Aus Prophetia
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"Der Herr (die Liebe Gottes) ist mein Hirte" Ps 23.1
Die Liebe Gottes ist das eigentliche Grundwesen Gottes und der Sammelpunkt aller Macht, Kraft und Heiligkeit des unendlichen Geistes.[1] Sie ist das erste in Gott. Sie läßt sich in allen geschaffenen Dingen finden, denn ohne sie wäre kein Ding möglich.[2] Alles besteht, lebt und webt als Erbarmung aus der Liebe Gottes, daher ist die positive, nährende Polarität nichts anderes als die Liebe Gottes.[3] Sie hält und trägt alles, und außer ihr gibt es keine Macht mehr, die stärker wäre als sie.[4] Sie ist das alleinige Leben in Gott, ewig wie Gott, die Ewigkeit selbst, und so mächtig und stark wie Gott aus Ihr und Sie aus Ihm.[5]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Die Liebe Gottes ist ein Feuer allen Feuers, das aber nicht schmerzt, sondern nur alle Schmerzen lindert und alle Wunden heilt. (nach Borem)[6] Selbst wenn man Gott mit der Glut aller Sonnen lieben würde, ist diese Liebe nichts gegen die Liebe Gottes, der den ärgsten Menschen selbst noch in Seinem Zorn mehr liebt, als dies ein Mensch könnte.[7]

Die göttliche Wahrheit kommt stets unter großem Donner; aber die göttliche Liebe im sanften Wehen. Dennoch geht das eine wie das andere von einem und demselben liebevollsten heiligen Vater aus.[8]

Die Liebe Gottes ist nur bei denen, die sie nicht nur in der Not und Bedrängnis, sondern in ihrer Fröhlichkeit und Freiheit suchen.[9]

Bevor man die Fülle der lebendigen Kraft der Liebe Gottes in sich aufnehmen und dann ertragen kann, muß man der Welt völlig absterben.[10]

Die Liebe Gottes besteht darin, alle retten zu wollen,[11] das vollkommene Heil und die im Innersten empfundene Seligkeit für alle zu wollen, daher das Ihrige mit allen teilen zu wollen. Eine ähnliche Liebe findet sich daher auch bei in allen einzelnen Menschen, die den Herrn lieben, weil Er in ihnen ist.[12]

Vom Herrn geliebt werden, heißt auch den Herrn lieben, da die Liebe auf demselben Weg zurückkehrt, denn der Herr verleiht dem, der geliebt wird, daß er wiederlieben kann.[13]

Wirkung

Die Erbarmung aus der Liebe Gottes hat Wesen zur Aufnahme der Liebe aus Gott gebildet. Die Liebe nährt die Wesen fort und fort und bildet auf dem Weg ihrer ewigen Ordnung ein Wesen um das andere, ein Wesen für das andere und ein Wesen aus dem anderen. So bereitet sie eine Stufenfolge von Leben, immer vollkommener und vollkommener, damit sich die Liebe immerwährend in stets größerem und größerem Umfang ihrer unendlichen Erbarmungen zu offenbaren und gleichsam Sich Selbst in Ihrer Unendlichkeit mehr und mehr zu beschauen und lebendiger und lebendiger zu werden vermöge. Alles geschieht so nach der Ordnung Gottes, damit der Tod einst ganz zunichte werde, und die ganze Unendlichkeit ein ewiger vollkommener Inhalt der Fülle des Lebens aus Gott und in Gott werde. Dies ist der Plan der ewigen Liebe und Weisheit Gottes.[14]

Wie einst die Welt entstanden ist aus der Erbarmung der Liebe Gottes, so besteht sie in Seiner Liebe und so wird sie einst auch nur sanft aufgelöst werden in Seiner Liebe. Ist auch der Zorn der Gottheit das Sichtbare der Materie, so wird aber dieselbe doch nur gesänftet erhalten von der Liebe Gottes, solange es Seine Ordnung für notwendig finden wird.[15]

Die Verbindung des Guten und Wahren hat ihren Ursprung in der göttlichen Liebe zu allen Geschöpfen im Himmel wie auf Erden. Aus der göttlichen Liebe geht das göttliche Gute hervor und wird von den Engeln und Menschen in Gestalt göttlicher Wahrheiten aufgenommen. Das einzige Gefäß des Guten ist das Wahre, daher vermag niemand etwas vom Herrn und vom Himmel zu empfangen, der sich nicht deren Wahrheiten verschrieben hat.[16]

Aus der göttlichen Liebe geht das göttliche Wahre hervor. Die göttliche Liebe und das aus ihr hervorgehende göttliche Wahre ist vergleichbar dem Feuer und Licht der Sonne.[17] Die Liebe Gottes ist auch vergleichbar mit einer starken Quelle, die das Weltmeer unablässig nährt. (nach Henoch)[18]

Charakter

Es ist die Art der Liebe Gottes, ihre Lieblinge fortwährend zu necken, um dadurch das Leben zu bilden und für die Ewigkeit dauerhaft zu machen, vergleichbar mit dem Herzen, das auch fortwährend im Leib pocht. Deswegen braucht man sich aber nicht vom Herrn zu fürchten, denn es wird einem kein Leid getan.[19]

Die der Herr lieb hat, denen schickt Er so manche kreuzigende Not und oft ein außerordentlich groß scheinendes Kreuz; derart, daß der es ansieht, gewaltig davor erschrickt. Aber das Kreuz sieht nur so groß aus; es ist gar nicht so schwer. Es ist sozusagen nur aus Papier und von innen ganz hohl. Daher ist es auch leicht und nur ein "sanftes Joch" und eine "leichte Bürde". Mt 11.30 [20] Die der Herr lieb hat, sucht er allzeit schmerzlich heim. Daher soll man Ihn auch allzeit bitten, daß Er allzeit gnädig und barmherzig sei. Man soll nicht betrübt sein oder sich vor den Heimsuchungen des Herrn fürchten, denn sie sind eben auch Seine köstlichen Segnungen, denn der Herr will immer nur das Beste. Er ist ein Vater voll Güte und Erbarmung auch in Seinem Eifer, und macht Seine Bürde nicht zu schwer und Sein Joch nicht zu hart. (nach Joseph und Maria)[21]

Die wahre Liebe muß ein wenig gezankt sein, daher ermahnt der Herr z.B. die von Seiner Liebe Ergriffenen.[22]

Der Herr ist sehr eifersüchtig und sieht daher ungern, wenn von anderen Dingen als von Ihm geplaudert wird. Er gleicht einem leidenschaftlichen Liebhaber, der hinter der Türe seiner Geliebten horcht und lauscht und aus übergroßen Freuden in die wonnigste Entzückung gerät, so er seine so innigst Geliebte von nichts als von ihm schwärmen hört; aber auch alsbald traurig wird, sobald seine Geliebte ihr Gespräch auf andere, nicht auf ihren Geliebten Bezug habende Dinge lenkt, wobei dann der traurige Liebhaber zu sich zu sagen anfängt: "O du meine zu innigst Geliebte, wenn du mich liebst, wie ich dich liebe, wie können da noch andere Gedanken dir in den Sinn kommen, während ich doch beständig an dich denke und vor deiner Türe gar ängstlich, um den baldigsten Einlaß flehend, harre!?"[23]

Scheitern der Liebe Gottes

Je mehr Liebe und Geduld Gott den Menschen erweist, desto mehr kehren diese sich sinnlich nach außen, werden dann eigenliebig, selbstgefällig und wollen am Ende außer sich selbst niemanden mehr achten, und darum auch Gott nicht. Bekennen sie Gott auch dem Mund nach, so verleugnen sie Ihn aber doch mit allen ihren Taten. Gott verleugnet Sich ganz und kehrt alle Seine Schätze dem Menschen zu; der Mensch aber gibt nur den geringsten Teil den Brüdern und behält den größten stets für sich. Damit die Menschen in ihrer Selbstsucht nicht völlig rasend werden, muß Sich Gott in Seiner Liebe zurückziehen. So scheitert die göttliche Liebe an den Menschen. (nach Mahal)[24]

Dennoch ist vor der ewigen und unendlichen Liebe Gottes niemand so weit von Gott gefallen, daß Gott ihn nicht annehmen würde, wenn er zu Ihm in der reuigen Erkenntnis seiner Sünde kommt. Wer jedoch nicht kommt, der hat sich sein Urteil selbst geschrieben, denn Gott hält niemanden wider seinen freien Willen und zieht niemanden wider solchen Willen. Als ein allein ewiger, wahrer Vater ruft Er lediglich Seine Kinder, zu Ihm zu kommen.[25]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.139.21; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.71.12
  2. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.18.4
  3. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401024b.7-10
  4. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.231.33
  5. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.18; Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401129.16
  6. Jakob Lorber, Bischof Martin 84.19
  7. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 204.6
  8. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410118.1
  9. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.21.10
  10. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.6.3
  11. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 318
  12. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 397; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 399
  13. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 350
  14. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401024b.11-13
  15. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400927.28
  16. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 371
  17. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 13
  18. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.46.6
  19. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 81.2-6; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 114.6-7
  20. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410118.3-4
  21. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 7.2; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 7.7; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 7.12-13
  22. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401028.5
  23. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401028.6-8
  24. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.319.12-16
  25. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.355.3-5
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