Materie
Mit "materiellem" (im geistigen Sinn) ist Leibliches und Irdisches (Äußerliches, die Schale) gemeint.[3]
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Wesen
Die Materie ist nichts als der Ausdruck zweier sich widerstrebender Kräfte, nämlich der Zentripetal- und Zentrifugal-Kraft. Sie ist in ihrer Erscheinlichkeit nichts anderes als die Polarisation der sich entgegenstrebenden Kräfte. Sie besteht, weil die Zentrifugal-Kraft in selben Grad der Zentripetal-Kraft entgegenwirkt im beständigen Bestreben, sich nach allen erdenklichen Richtungen endlos weit ausdehnen zu wollen, in welchem Verhältnis die Zentripetal-Kraft wieder das ganz entgegengesetzte Bestreben äußert und sich beständig in einem Punkte zusammenziehen will. Würde die Zentripetal-Kraft nicht durch das beständige Annehmen der sie umgebenden gleichartigen Hilfskräfte genährt oder unterstützt, dann würde sie bald von der Zentrifugal-Kraft überwunden werden, wodurch sie dann auch zunichte würde und die Materie dadurch aus der Sphäre des Daseins träte. Die Polarisation ist gewisserart das Leben der Materie, welches solange fortwährt, als die Polarisation sich als "Beharrlichkeit der gegenstrebenden Kräfte" in der Materie ausspricht. Wird durch was immer für einen bestimmten Umstand eine oder die andere Polarität in ihrer Beharrlichkeit gestört, dann verwittert die Materie und zerfällt endlich in Staub, der selbst nur so lange als solcher existiert, solange in seinen Partikeln noch irgend "Polarität" vorhanden ist, geht aber endlich aus diesem letzten Dasein in ein anderes über, sobald er durch irgendeinen Umstand eine gänzliche andere Richtung zu nehmen genötigt wird.[4]
Der Grundstoff der Materie ist das Sonnenlicht, ohne mit ihm ein und dasselbe zu sein und obwohl es ihm gegenüber wie gar nichts zu sein scheint.[5]
Die Materie ist tot aus dem Tod des Zorn Gottes.[6] Die Materie ist nicht tot, nur weil sie (den äußeren Sinnen) kein Bewußtsein äußert. In ihr walten mächtige Kräfte und sie selbst ist an und für sich nichts anderes als ein Ausdruck der sich äußernden göttlichen Willenskraft und Macht, der fixierte Wille Gottes.[7] Alle Materie machen gerichtete Seelen aus[8], sie ist Sondergeist, der als Seele in jedem einzelnen Menschen in ihrem Geist zum ewigen Leben wiedergeboren werden kann.[9] Die Materie ist nichts als eine große Demütigungsschule der hoffärtigen Geister.[10] Sichtbare Materie wie Steine, Erde, Pflanzen usw. sind nicht die Geister selbst, sondern nur ihr Kerker, der ihnen den Faden des Lebens aus Gott abschneidet. An und für sich ist die Materie nichts als der durch Gottes Barmliebe gesänftete Zorngrimm.[11]
Das Feste der Erden (oder Planeten, d.h. die Materie) ist der durch die Barmherzigkeit Gottes gesänftete Zornteil der Gottheit und umschließt mit festen Banden die verirrten (gefallenen) Geister bis zur bestimmten Zeit ihrer unbewußten Entbindung, wo sie dann in eine zartere, aber doch immer für sie genug feste Materie (z.B. Wasser und Luft) einzeln gebunden gegeben werden, woraus sie dann durch die ewige Liebe wieder erweckt hervorgehen können.[12] (siehe Fesselung des Geistes)
Der Materie kann und darf man kein weiteres Gesetz geben, als nur das härteste Muß bis zur Zeit ihrer einstigen Auflösung.[13]
Ursprung
Die Materie ist weder tatsächlich Materie (etwas anderes als Gott), noch ein geformtes Chaos, noch Gott in der Materie, sondern festgehaltene Gedanken Gottes (siehe Schöpfung). Die Gedanken Gottes sind in dem Augenblick als Werk fertig, so Er will, daß sie bleiben. Sie sind zugleich in und neben Gott, sind aber nicht dasselbe wie Gott, so wie auch die Gedanken eines Menschen zwar in ihm sind, er aber nicht ein und dasselbe ist wie seine Gedanken; d.h. sie sind aus dem Ich und nicht dasselbe wie das Ich.[14]
Die Materie ist nicht ihr eigener Entstehungsgrund, sondern nur ein Mittel, aus dem ein geistiger Zweck in der Absicht des geistigen Erzeugers (Gott) erstehen soll.[15]
Falsche Vorstellungen der Weltgelehrten
- Materie sei ewig und ohne Ursprung: Weltgelehrte behaupten, die Materie sei so alt wie Gott und damit ewig (hätte also keinen Ursprung). Der Haken an der Sache ist jedoch, da dann nicht zu klären ist, wann Gott angefangen hätte, die zahllosen Dinge aus der Materie zu gestalten, um bis auf die gegenwärtige Zeit mit der Unendlichkeit fertig geworden zu sein, denn jedes Ding hat einen Anfang (d.h. "kein Anfang" ist Spekulation und kann nicht bewiesen werden). Nur die Unendlichkeit hat keinen Anfang, aber das würde dann gemäß dieser Hypothese bedeuten, Gott hätte nie etwas zu erschaffen angefangen und es gäbe gar kein Universum, d.h. dieser Grundgedanke ist schon ein Widerspruch und alle darauf beruhenden Folgerungen sind damit hinfällig.[16]
- Geordnetes Chaos: Andere Weltgelehrter behauptet, Gott habe mit einem Wort das ewige Chaos zurechtgebracht und aus ihm alle Dinge geformt und geordnet. Dies ist eine Variante der obigen Hypothese, nach der die Materie ewig sei und Gott kein Schöpfer, sondern nur ein Handwerker. Denn was wäre das Chaos anderes als eine schon ewig vorhanden gewesene Materie? Außerdem widerspricht ein ewiges Chaos der ewigen Ordnung Gottes, könnte also nicht daneben existieren.[17]
- Gott sei Materie: Andere Weltgelehrte behaupten, Gott sei Materie. Diese Behauptung gründet zumindest nicht in einem Widerspruch, so wie die vorherigen. Allerdings leuchtet dann nicht ein, wieso Gott als ein Geist voll Kraft, Macht und Leben erkannt wird, der in Sich in der größten Freiheit ist und wie sich ein solch höchst freier Geist voll Kraft und Leben in der leb- und kraftlosen Materie befindet. Solchen Widersinn könnte nicht einmal die Weisheit Gottes erleuchten.[18]
Hülsenstoff
Es gibt einiges in der Materie, das sich nie völlig in einer Seele finden wird. Dies ist der Hülsenstoff, in dem stets irgendeine seelische Sonderpotenz eingeschlossen wird bis zu einer gewissen Reife zur Selbständigkeit. Dann zerreißt sie die Hülse und vereinigt sich augenblicklich mit anderen schon frei gewordenen ähnlichen oder zumindest entsprechenden freien Sonderpotenzen und schafft sich dann aus den entsprechenden Elementen der Luft, des Wassers und des Erdreichs sofort wieder irgendeine Umhülsung. Dies wird bei den Körnern der Pflanzen und den Eiern der Insekten, Vögel, Wassertiere usw. ersichtlich.[19]
Der Hülsenstoff ist eine von der Gottesordnung ausgehende Willensfixierung und hat nichts seelisch Intelligentes, sondern ist bloß nur ein notwendiges Mittel, durch das eine Seelenintelligenz sich wie aus sich selbst heraus mit der Zeit zu einem wirklich völlig selbständigen und freien Wesen ausbilden kann.[20]
Die Materiewelt besteht zu zwei Dritteln Seele, und ein Drittel seelenlose Hülse als Träger des zuerst sonderlichen und für weiterhin stets gesammelteren und endlich schon ganz konkreten und reifen Seelenlebens. Die Hülsenmaterie ist darum auch eine Erlösungsanstalt, durch welche die durch den Fall Satans mitgefallenen Sondergeister nach der bestehenden Ordnung wieder die vollkommen selbständige Freiheit erreichen können.[21]
Bestimmung
Die Bestimmung der Materie ist, durch die Kraft eines jenseitigen, reinen Geistes zur Auferstehung aus den langen Gerichten erweckt zu werden. Jedoch muß die (nun als "Seele" bezeichnete) Materie nach der ihr eingeprägten freien Intelligenz übergehen in die rechte Form und Wesenheit ihres jenseitigen Geistes, der ein Licht ist aus Gott. Geschieht dies von der Materie nicht, dann kehrt der jenseitige Geist in seinen Urquell zurück, und die für immer belebt werden sollende Materie fällt wieder in ihr altes Gericht. Dort wird sie lange bleiben, bis irgendwann einmal wieder ein jenseitiger Geist sie erwecken wird zu einer neuen Lebensprobe. (siehe: Seelenwanderung und Reinkarnation.)[22]
Die innere Kraft des Lebens (Anm.: das Geistige) kann erst dann wirksam und fühlbar in die gereinigte Materie übergehen, wenn diese selbsttätig, freilich auch nur durch starke Mithilfe Gottes, die Schmarotzer des Todes (Anm.: jene Teile, die sich nicht vergeistigen lassen wollen) hinausgeschafft hat. Dann wird die Materie selbst verklärt und rein (Anm.: geistig).[23]
Segnung durch Jesu Fleischwerdung
Jesus hat alle Materie gesegnet, indem Er Sich Selbst in diesen alten Fluch hineingeschoben hat (=einen Fleischkörper angenommen hat). Dadurch hat alle alte Ordnung der alten Himmel mitsamt den Himmeln selbst aufgehört und es wurde auf der Grundlage der durch Jesus gesegneten Materie eine neue Ordnung und ein neuer Himmel gemacht, wobei die ganze Schöpfung, inklusive der Erde, eine neue Einrichtung bekam. 2Pet 3.13 Nach der alten Ordnung konnte niemand in die Himmel kommen, der einmal in der Materie gesteckt ist; nun aber wird niemand wahrhaft zu Christus in den höchsten und reinsten Himmel kommen können, der nicht gleich Ihm den Weg der Materie und des Fleisches durchgemacht hat. Wer immer in Seinem Namen getauft wird mit dem lebendigen Wasser Seiner Liebe und mit dem Geist Seiner Lehre und in Seinem Namen der Kraft und Tat nach, von dem ist die Erbsünde für ewig abgewaschen, und sein Leib wird dadurch nicht mehr eine alte Mördergrube der Sünde, sondern ein Tempel des Heiligen Geistes sein. Jedoch muß jeder darauf achten, nicht von neuem durch die Eigenliebe verunreinigt zu werden, wodurch Fleisch und Blut gereinigt, der reine Geist in einem selbst zur Alleinherrschaft gelangt und durch ihn die Seele und sogar der Leib zum ewigen Leben auferstehen. Diese Einrichtung wird in Ewigkeit so bestehen bleiben.[24]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.35.16
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.111.2-3
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 24
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401122a.7-9; Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401122a.16-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.209.20
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400514.4
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.10.3; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.88.10
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.2.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.231.9
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400829a.6
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400829a.15
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.5.32
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.191.24
- ↑ Jakob Lorber, Der Mond 6.22-23
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.401108.22-24
- ↑ Jakob Lorber, Der Mond 6.16-18
- ↑ Jakob Lorber, Der Mond 6.19
- ↑ Jakob Lorber, Der Mond 6.20
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.232.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.232.2
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.232.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.171.8
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400809.31
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.109.3-8