Predigen
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Wesen
Indem man Unwissende aus Liebe zu Gott und den Nächsten belehrt und sie zum wahren Glauben, zur rechten Gotteserkenntnis und zu allerlei nützlicher Tugend beredet, betet man mit den Lippen ein Gott höchst wohlgefälliges Gebet.[1]
Qualifikation
Jeder kann beliebig reden und handeln zur Ehre Gottes; aber zu predigen in Seinem Namen vermag nur der, dem es von oben gegeben wurde. (nach Henoch)[2]
Wer nicht zuvor völlig Gottes wird, ehe er wirkend (missionierend) kehrt zur Welt, den verführt die Welt und verschlingt bald und leicht sein Herz und seine Seele; wer aber zuvor ganz Gottes geworden ist, dem kann die Welt nichts mehr anhaben; denn er hat um sich einen festen Damm und für sich eine Burg erbaut, die von den Pforten der Hölle nicht überwunden werden kann.[3]
Allgemeines Predigen
Jeder Mensch, der die Wahrheit des Lebens für sich erkannt hat, kann und soll diese auch seinen Mitmenschen mitteilen, und es wird dadurch leicht und bald lebenshell unter den Menschen werden.[4]
Für den Geist gibt es kein Wort als allein nur das Wort des Vaters, wie es kein Leben gibt denn allein nur das Leben des Vaters. Wer aus Gott lebt, der redet auch aus Gott; und so mag jeder, der aus Gott lebt, auch aus Gott Worte Gottes, Worte des Lebens verkünden. Wer sich aber erhebt und sagt, er habe auf eigenem Grund gesammelt, der ist ein Lügner gleich dem alten Drachen, der die große Erbarmung des Vaters sich zu eigen macht und behauptet, er sei ein Herr des Herrn und könne ihn schlagen. Dem reinen Geist ist es leicht möglich, zu reden und zu handeln in aller Kraft und Macht des Vaters. (nach Abel)[5]
Predigen im Namen des Herrn
Ein Mensch soll sich nicht eher hinauswagen, als bis er die Taufe des Geistes, die Kraft aus der Höhe (die Bestellung oder Ermächtigung durch den Herrn), empfangen hat. Denn ohne diese gleicht der wiedergeborene Geist einem schwachen Kind, das zwar in jeder Hinsicht rein wie ein Engel ist, aber Mangel hat an der wirkenden Kraft und an der dazu erforderlichen freien Einsicht.[6]
Die Prediger (im Namen Gottes) werden vom Herrn dazu eigens auserwählt; Er weist sie persönlich an, Ihm zu folgen und alle Weisheit des Reich Gottes zu erkennen. Die nicht fürs Reden und Lehren auserwählt werden, sind von Ihm nur fürs Handeln nach Seinem Wort und Seiner Lehre bestimmt. Auch wer ein guter Redner ist, ist deswegen nicht automatisch vom Herrn dazu erwählt. Zum Reden und Lehren wird mehr erfordert als zum Handeln und dennoch ist das Handeln die Hauptsache, Rede und Lehre nur der Wegweiser dazu. Wer viel Gutes und Edles tut, der kann, wenn es nötig ist, auch gut reden, denn ein offenes und edles Herz bleibt nie ohne Licht aus den Himmeln, aber so jemandem wird es auch stets klar sein, wo, wann und wieviel er zu reden hat. (n. Raphael)[7]
Wenn jemand demütigen Herzens ist und um des Namen Gottes Willen redet, und zwar nicht aus was immer für zeitlichem Beweggrund oder eigennützigem Interesse, sondern allein aus Liebe zu Gott und daraus zum Nächsten, dann wird jeder Laut von seinen Lippen aus Gott sein. Hingegen wer im Namen Gottes redet, dabei aber sein Auge über das des Bruders erhebt und dessen Herz habsüchtig ist, der ist gleich einer Giftstaude, die das Licht und die Wärme Gottes in Verderbliches und Tödliches statt Erbauliches und Belebendes verkehrt.[8]
Verhalten
Man soll sich so verhalten, wie sich Jesus verhalten hat, d.h. zuerst durch gute Taten und dann erst mit schlichten, einfachen und wahren Worten lehren.[9] Der Herr ist von ganzem Herzen sanftmütig und demütig und richtet niemanden, sondern hilft den seelisch und körperlich Kranken. Mit scharfen Ermahnungen ist Er nur jenen begegnet, die Ihm mit mutwilliger Bosheit entgegenkamen, Ihn verfolgten und kein versöhnendes Wort annahmen.[10] Den Ernst oder Eifer soll man nur gegen sich selbst wenden, gegen die Mitmenschen (im allgemeinen) nur Liebe, Sanftmut und Geduld.[11]
Jesus gab einem Oberpriester, der sich vielen Ungläubigen gegenüber sah, folgenden Rat: Wenn die Last zu groß ist, soll man sich Gehilfen nehmen. Wenn die Anzahl der Gläubigen einmal gleich groß ist wie jene der Ungläubigen, dann ist die Arbeit leicht. Wo keine Gläubigen zuhause sind, verhält sich die Sache ganz anders. Man soll dort dennoch einen Versuch machen, damit sich dereinst niemand entschuldigen wird können, er habe nie ein Wort vernommen. Findet sich ein Gläubiger, dann bleibe man bei ihm und offenbare ihm das Reich der Gnade Gottes. Nimmt aber keiner das Wort an, dann soll man sich den Staub von den Füßen über eine solche Ortschaft schütteln und weiterziehen. Solche Ortschaft ist dann fürder keiner Gnade wert, außer derjenigen, die den Tieren des Feldes und der Wälder erteilt wird.[12]
Richtlinien
Keiner dränge dem anderen eine Lehre auf, als wäre er dazu berufen, wie der Hund zum Bellen. Wenn aber jemanden der Vater berufen hat, der tue es, aber in der größten Liebe und Demut, denn erst dadurch wird er zeugen, daß seine Lehre wahrhaft aus Gott ist. Wer predigt, sei geringer als alle seine Brüder, damit wird er zeugen, daß er wahrhaft ein Diener der Liebe ist. Wer das Wort des Herrn aus dem Mund eines Bruders vernimmt, der danke dem Herrn für die große Gnade; der Prediger aber bedenke bei sich, daß er der Allerunwürdigste ist, und halte jeden seiner Brüder für besser als sich, so wird er sein Herz vor dem Hochmut bewahren. (nach Henoch)[13]
Aus der Liebe predigen
Gott ist jener angenehmer, der sein Herz zu Ihm erhebt, als einer, der durch seine Feuerreden Ihm Tausende zugewendet hat, bei dem aber kein Feuer der Liebe lodert, sondern allein kalte Weisheit.[14] Wer die Liebe predigt, der redet als Bruder aus dem Herzen der ewigen Liebe und sein Wort ist gleich einer aufgehenden Sonne, deren Licht die Nebel verscheucht aus den dunklen Furchen der Erde. Wer aber aus seiner ihm verliehenen Weisheit predigt, dessen Lehre ist gleich dem Licht der Mittagssonne, das nicht mehr erwärmt, sondern gewaltig und unerträglich brennt und vor dem man sich in den dichtesten Schatten flüchtet (nach Seth und Enos).[15]
Nicht als Richter auftreten
Man soll nicht als erzürnter Richter oder wütender Schreihals auftreten, sondern liebevoll und freundschaftlich als wahrhaft weiser Lehrer und Freund der Unwissenden;[16] wenn man den Menschen ihre Fehler vorhält, sie also richtet, dann bringt man sie nur gegen sich auf, anstatt sie zu bessern.[17]
Zwangsmittel sind tabu
Wort und Lehre des Herrn dürfen nicht mit Gewalt oder Zwang oder welcher Macht auch immer aufgedrängt werden; wer das dennoch macht, der richtet unter den Menschen großen Schaden an, erhält für seinen Eifer keinen Segen von Gott und wird in die größte Finsternis hinausgestoßen werden.[18] Wo die Liebe, vereint mit aller Sanftmut und Geduld, nichts vermag, da vermag auch kein Schwert und keine sonstige Macht etwas.[19]
Unterschiede berücksichtigen
Die Menschen sind dem Wesen und Charakter nach verschieden und können daher nicht alle auf ein und dieselbe Art belehrt und fürs Licht und Leben geweckt werden. Dies gilt auch gegenüber ganzer Gemeinden und Völker.[20][21]
Besser viel und gut handeln als reden
Besser viel und gut handeln, als viel und gut reden, da den meisten Menschen zur wahrhaft guten Rede die rechte Weisheit mangelt, sie hochmütig werden und durch unnötige Redelust allerlei falsche Lehren verbreiten und so sich und anderen schaden statt zu nützen.[22]
Sich nicht selbst eine Ordnung oder Kirche schaffen
Man soll sich nicht in tiefste Geheimnisse einkleiden, oder behaupten von Gott berufen zu sein, die Menschen zu richten, zu segnen oder zu verfluchen, d.h. anstatt den geoffenbarten Willen Gottes zu tun, der den Menschen eine vollkommen freie Kirche verschafft, die keine andere Regulierung benötigt als bei jedem Menschen für sich das eigene Herz, in dem der Geist und die Wahrheit wohnt, wo Gott von den wahren Verehrern allein erkannt und angebetet sein will, sich selbst eine Ordnung und Kirche schaffen, die dann logischerweise schlechte und verkehrte Früchte bringt.[23]
Man soll sich nicht auch nur im geringsten besser vorkommen als andere, weil einem Gott Seinen Geist zuerst mitteilte, und sich auch kein festes Amt machen, denn nur Einer ist aller Herr, alle anderen aber sind ganz gleich Geschwister. Mt 23.8[24]
Man soll keine Regel aufstellen und auch nicht gewisse Tage und Zeiten für besser oder schlechter halten, oder daß Gott nur gewisse Tage gesetzt hätte, an denen Er Gebete erhört und Opfer annimmt; bei Gott sind alle Tage gleich und der beste unter vielen ist der, an dem dem Nächsten Gutes erwiesen wurde, dies allein ist der Gott wohlgefällige Sabbat (oder Sonntag).[25]
Wenn ein Gotteshaus erbauen, dann Krankenhäuser und Versorgungshäuser für die Armen und dort wahrhaftigen Gottesdienst (=Dienst für den Nächsten) verrichten.[26]
Alte Satzungen nicht einbringen
Die Lehre des Herrn soll nicht mit alten Satzungen (Sabbatgebote, Zeremonien, Sühnopfer, kultische Kleider, Gedächtnistage usw.) und Reinheitsgeboten (reines und unreines Essen usw.) verbrämt werden, ansonsten alles ins Heidentum ausartet.[27]
Keine Perlen vor die Säue
Man soll den Herrn vor allen Menschen bekennen, da Er uns vor dem Vater bekennt, jedoch den Weltmensch soll man Ihn nicht aufdrängen und ihnen nicht Seine Perlen vorwerfen, da die Weltfinsterlinge ärger als die Schweine sind und für sie die Lehre des Herrn nicht taugt. Sein Wort ist nur ein rechter Lebensdünger für den Weizen und Seine Lehre ein Dünger für die edlen Reben des Weinberges (gutherzige und aufrichtige Menschen); für das Unkraut der Erde hat Er keinen Lebensdünger, dieses ist nur zum verbrannt werden und mit seiner Asche den Erdboden zu düngen da. Wer zum Leben da ist auf der Erde, der soll durch das Wort des Herrn zum Leben erweckt werden, wer jedoch durch seinen eigenen Willen und Starrsinn für den Tod da ist, der soll auch in den Tod übergehen. Den Teufeln das Evangelium predigen ist wie Öl ins Feuer gießen. Die Weltmenschen müssen erst mit ihrem Saustall aufräumen, bevor ihnen Wort und Namen des Herrn verkündet wird. Man soll aber nicht etwa auf Kleid oder äußerliche Würde sehen, sondern allein auf das Benehmen eines Menschen seinem Herzen und Gemüt nach. Ist das edel, sanft und geduldig, dann soll ihm das Evangelium verkündet werden und es wird die schönsten Himmelsfrüchte zu tragen beginnen.[28][29]
Verfolgung und Ablehnung
Jesus hat Seinen zur Mission berufenen Aposteln und Jüngern folgende Anweisung gegeben, wenn sie um Seines Namen willen von den von Hohepriestern und deren Angestellten verfolgt werden: Sie sollen diese um irdischen Gewinn Angestellten mindestens dreimal ernstlich ermahnen, und wenn das nichts nützt, ernstlich bedrohen. Setzten sie ihre Verfolgung dennoch fort, dann soll man die Drohung wahr machen, d.h. man soll ihnen gegenüber den Ernst anwenden (siehe Jesus Verhalten gegenüber Seinen Verfolgern als Beispiel). Dasselbe gilt für jene, die durch Lügen und schmeichlerisches Schönreden zu verlocken versuchen.[30]
Man soll keine Furcht vor den Weltmenschen haben, da sie nur den Leib töten, aber der Seele sonst nichts anhaben können. Wo mit Liebe und Weisheit mit den zu verfinsterten Menschen nichts auszurichten ist, dann soll man weiterziehen.[31]
So wie einst die Brut zu Jersualem erst an Jesus glauben wollte, nachdem sie Ihn getötet hatte und Er wieder auferstanden war, so töten auch die halsstarrigen Menschen die Überbringer des Evangeliums dem Leibe nach. Aber eben solch ein Tod macht sie dann erst gläubig, weil sie daraus ersehen, daß all jene, die aus dem Wort des Herrn ein geistiges Leben leben, (geistig) nicht zu töten sind. Denn die Getöteten werden zu ihren Schülern unterschiedlich wiederkommen und werden sie die Wege des Herrn lehren.[32]
Falsche Prediger
Falsche Prediger sind z.B. jene, die von ihrer Kirche in die Welt hinaus geschickt werden, um die Macht ihrer Kirche zu vergrößern, Geschäfte zu machen und wohlhabend zu werden. Sie glauben für sich das was sie anderen Menschen mit glühendsten Zungen lehren nicht im geringsten. Auch durch ein Märtyrium und obwohl sich aufgrund ihrer Predigten viele Heiden zum Christentum bekehren können, erwartet sie im Jenseits keine Belohnung, sondern eine harte Bestrafung.[33]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.11.3; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.111.7
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.41.17
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.125.12
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.172.3
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.9.17-20
- ↑ Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 30.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.30.10-12; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.31.5
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.118.15
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.202.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.161.4-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.148.9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.48.3-5
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.83.15-19
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.143.13
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.41.15
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.202.2; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.39.5-10
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.161.2
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.39.2-4; Jakob Lorber, Robert Blum 1.83.11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 36.10
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.152.11-12
- ↑ Jakob Lorber, Robert Blum 2.153.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.30.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.202.6-8
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.202.9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.202.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.202.12
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.131.7-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 4.86.11-12
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.148.12-14
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.161.7-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.148.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.48.7
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 58.2-4