Prophet

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Der Prophet Samuel als Kind (Joshua Reynolds)
Ein Prophet ist ein einfacher, natürlicher Mensch mit allerlei Schwächen behaftet, der aber ein verständiges Herz hat, in dem weder Zorn noch Rache, noch Mißgunst, noch Stolz, noch Ehebruch und Lust feste Wurzeln schlagen können. Der göttliche Geist reinigt dessen Herz von den Schlacken der Welt und wenn das Herz gereinigt ist, denn gießt der göttliche Geist ein Licht aus den Himmeln hinein. Dieses Licht, das der Prophet leicht erkennt, spricht sich in klar vernehmbaren Worten aus, die der Prophet mit dem Mund laut nachspricht. Das Prophetenwort ist ebensogut reines Gotteswort, als hätte Gott Selbst unmittelbar aus Seinem Mund zu den Menschen geredet.[1] Die meisten kleinen Propheten befanden sich im Zustand der anbrechenden dritten Stufe der Hellsicht, die großen Propheten im vollkommenen Zustand dieser Stufe.[2]

Der erste Prophet der Erde und Urgründer der Prophetenschulen war Henoch.[3]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Unter einem Propheten wird nie dessen Person und Wesenheit, sondern allein Gott im Wort verstanden.[4] Zum Beispiel gab es große und kleine Propheten bei den Juden, und wenn sie redeten, so redeten sie aus Gott und Gott rechtete und redete aus ihnen stets in der ersten Person, siehe z.B. Jes 51.15-16. Auch wenn der Prophet so redet, als wäre er selbst der Herr, so ist er es dennoch nicht, sondern der Geist des Herrn redet nur durch den Mund des Propheten. (nach Joseph)[5]

Vor Gott gilt ein Prophet gleich jedem anderen Menschen. Auch der Prophet hat das zu tun, was der Geist Gottes durch ihn zu den Menschen geredet hat, sonst kommt über ihn ein Gericht wie über jeden, der den Willen Gottes vernimmt, aber nicht danach tut. Einem ungehorsamen Prophet ergeht es schlimmer, da es für ihn keine Entschuldigung gibt, ebensowenig wie für einen der glaubte und dennoch aus Liebe zur Welt und deren Schätzen nicht tat, was ihm vom Propheten zu tun geboten war.[6]

Der Lohn eines Propheten wird dereinst größer sein als der eines anderen Menschen, denn ein Prophet muß siebenfach soviel tragen als jeder andere. Alle, zu denen ein Prophet geredet hat, werden jenseits, die Guten wie die Schlechten, ihm übergeben. Er wird sie im Namen Gottes richten über jegliches Wort, das er vergeblich zu ihnen geredet hat. Wer aber einen rechten Propheten aufnimmt, ihn verpflegt und dessen Freund ist, wird auch eines Propheten Lohn erhalten, ebenso wer ihn unterstützt in seiner schweren Arbeit. Jenseits wird der Knecht des Propheten neben ihm auf gleicher Stufe stehen und die dem Propheten untergebenen Geister richten und über sie herrschen auf ewig.[7]

Die Verfolger eines Propheten werden schwerlich ewig je zur Anschauung Gottes gelangen. Wer an einen Propheten die Hand legt, soll mit dem ewigen Feuer in der untersten Hölle bestraft werden. Eines Propheten Herz ist Gottes, und sein Mund ist Gottes, und so seine Hände, Füße, Augen und Ohren. Wo ein Prophet ist, da ist auch Gott. Deswegen soll seine Wohnung mit tiefer Ehrfurcht betreten werden, denn der Ort, da er steht, ist heilig. Dies nicht um des Propheten als Mensch willen, sondern um Gottes willen, der im Herzen des Propheten redet und zeugt.[8]

Alle Propheten sind der Seele nach nicht von dieser Erde, sondern sie sind von oben her bestellte Arbeiter und haben zuvor mit Gott einen festen Vertrag abgeschlossen wegen der Erreichung der Kindschaft Gottes.[9]

Es gibt große Propheten, die eine große Offenbarung erhalten und kleine Propheten, die nur den halben Dienst zu verrichten haben, nämlich die Aufrechterhaltung der einmal gegebenen großen Offenbarung. Auch die kleinen Propheten erhalten kleine Offenbarungen, sind deswegen aber nicht weniger als die großen Propheten, weil ihr Glaube ein kräftigerer sein muß, da sie nicht alles das sehen, was die großen Propheten gesehen haben.[10]

Die Propheten der Neuzeit (ab Swedenborg) haben die mühevolle Aufgabe, die sehr unrein gewordene Lehre zu reinigen, damit sie von der aufgeklärten Menschheit behalten und nicht als ein alter Priesterbetrug verworfen wird. Diese Propheten wirken nicht durch große Wundertaten, sondern allein durch das reine Wort und die Schrift. Sie gehören zu den letzten Weinbergarbeitern im Gleichnis des Herrn Mt 20.1-15 und sind nicht weniger als die alten Propheten.[11] Mit der Wundertätigkeit der späteren Propheten sieht es dürftig aus, weil der Geist Gottes die Seinen lehrt, damit vorsichtig zu sein, um nicht ein ganzes Heer von falschen Propheten gegen sich zu hetzen und dann mit dem Schwert mit der Hölle kämpfen zu müssen.[12]

Berufung

Christus hat in jedem Jahrhundert überall auf der Welt, wo sich die Menschen einigermaßen zu Seiner Lehre bekennen, Propheten erwählt, damit diese die Evangelien erklären und an den historischen Urkunden das ergänzen, was durch Fahrlässigkeit und bösen Willen von Gemeindeaufsehern und Priestern verloren gegangen ist. Diese Lehren wurden von den Kirchen jedoch verworfen und als Ketzerei und Teufelsspuks abgetan, da sie nicht für die Vermehrung von kirchlicher Macht und kirchlichem Reichtum taugten. Die Gelehrten und Künstler erklärten sie für Hirngespinste und Träumereien, da die Propheten ihr Wissen nicht durch Studium erlangt hatten. Da die Propheten auch nur Menschen und keine überirdischen Wundergestalten sind, wurden sie als Narren und Heuchler hingestellt, insbesondere an den Orten, wo sie lebten. Aus diesem Grund befindet sich die Menschheit in so großer Unwissenheit und Finsternis.[13]

Niemand soll eine zu große begierliche Freude daran haben, ein Werkzeug des Herrn zu werden, sondern jeder soll in aller heiligen Stille und großen Demut und heimlicher Liebe verharren. Es liegt keine Dankbarkeit und kein Verdienst darin, wenn jemand vom Herrn berufen wird, als ein Werkzeug zu dienen, denn der Herr vermag auch ohne Werkzeuge Seine großen Werke zu verrichten. Wen der Herr aber berufen hat, vor den Brüdern von Seiner unendlichen Liebe zu zeugen, der soll das tun, aber stets in der allerhöchsten Demut seines Herzens, stets eingedenk, daß man nur ein allernutzlosester Diener ist, den der Herr nur zu leicht entbehren kann. Wehe dem, der deswegen glaubt, mehr zu sein als seine Brüder oder der Herr habe ihn nötig; ein solcher Frevler wird seinem eigenen Gericht nicht entrinnen. Keiner dränge dem anderen eine Lehre auf, als wäre er dazu berufen, wie der Hund zum Bellen. Wenn aber jemanden der Vater berufen hat, der tue es, aber in der größten Liebe und Demut, denn erst dadurch wird er zeugen, daß seine Lehre wahrhaft aus Gott ist. (nach Henoch)[14]

Freiheit

David zwischen der Weisheit und der Prophetie
Keiner der Propheten hatte eine rechte Freude an seinem Beruf, und Gott mußte stets mit allerlei Mitteln als Korrektor hinter ihnen stehen und sie zur Tat förmlich zwingen. Gott läßt selbst dem weisesten Propheten den freien Willen, seine Liebe, seine Vernunft und seinen Verstand, damit dieser nicht zu einem toten Werkzeug wird. Gott zwingt den Propheten in jenen Momenten, die Gott von ihm fordert, streng nach dem Willen der göttlichen Weisheit zu reden, zu schreiben und zu handeln, aber darauf wird er wieder ganz frei, und er kann dann tun und handeln, wie er will. Und bei dieser Gelegenheit kann dann der Prophet auch Fehler begehen gleich wie ein jeder andere Mensch.[15]

Merkmale

Prophetische Inspiration
Das sicherste Zeichen für einen wahren Propheten ist sein allein auf Gott gerichteter Eifer. Er eifert nicht nach weltlichen Rechten, Macht, Gewalt und Einkommen, weder für sich selbst, noch für eine Kirche, noch für ein reiches Oberhaupt.[16]

Ein echter Prophet

Wie Gott mit Propheten spricht

Gott sprach mit den Propheten nicht wie bei den Alten durch einen Einfluß in ihr Inneres (siehe Urkirche), sondern durch Geister, die zu ihnen gesandt wurden und die der Herr mit seinem Anblick erfüllte und dadurch mit den Worten inspirierte, die sie den Propheten diktierten. Es handelt sich nicht um einen direkten Einfluß, sondern um ein Diktat. Da die Worte unmittelbar aus dem Herrn hervorgingen, sind sie im einzelnen mit dem Göttlichen erfüllt und enthalten in sich einen inneren Sinn, derart, daß die Engel die Worte dem himmlischen und geistigen Sinn nach auffassen. Auf diese Weise hat der Herr den Himmel und die Welt durch das Wort miteinander verbunden. Der vom Herrn mit dem Göttlichen erfüllte Geist weiß nur, daß er der Herr und daß das von ihm Gesprochene göttlich sei, er nennen sich daher Jehova usw. Dieses Bewußtsein hat er jedoch nur solange, bis er ausgesprochen hat. Nachher wird er sich dessen bewußt und erkennt an, daß er nur ein Geist ist und nicht aus sich, sondern aus dem Herrn geredet hat.[33]

Falsche Propheten

Auf einen wahren Propheten kommt eine Menge falscher, welche Diener der Welt [34] und Feinde des wahren Propheten sind.[35]

Die (geistige) Verantwortung dafür, daß sich die Menschen gegen das Wort Gottes der vom Geist Gottes erfüllten Lehrer (Propheten) auflehnen, und jenen huldigen, die den Geist der Welt predigen, liegt bei Adam. (siehe Verantwortung von Adam)[36]

Einen falschen von einem echten Propheten erkennt man an den Früchten.[37] Wo anstatt der Liebe Gottes die Habsucht, der Geiz, Neid, Betrug und Verfolgung aller Art im Namen der Lehre des Herrn unter den Menschen zu Hause sind, so sind das die Früchte der falschen Lehren der auf Thronen herrschenden falschen Propheten (Patriarchen, Päpste, Gurus...).[38]

Falsche Propheten

Verhalten bei falschen Propheten

Man soll sich vor falschen Propheten hüten und ihren Worten und Zeichen nicht glauben.[63] Wenn die verführten Menschen nicht hören wollen und einen verfolgen, dann soll man sich von ihnen abwenden und weiterziehen.[64]

Falsche Lehrer und Propheten soll man ermahnen und ihnen mit Liebe und Ernst aufzeigen, wie sie wider den Herrn handeln. Hören sie darauf, kann man sie als Freunde ansehen und behandeln, bekehren sie sich aber nicht, dann sollen sie aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden.[65]

Los der falschen Propheten

Die von ihnen finster gemachten Seelen werden ihre bittersten Verfolger sein.[66]

Die Menschen werden nicht mehr Christus (oder Gott) und Seiner Lehre die Schuld an dem vielen Unheil auf der Erde geben, sondern den höchst selbst- und herrschsüchtigen falschen Lehrern und Propheten; sie erkennen schon im Licht der Wissenschaften und Künste nur zu genau, wessen Geistes Kinder diese waren. Die Lügner und Betrüger werden im hellsten Licht des neuen Jerusalems völlig enthüllt werden und den Lohn für ihre Arbeit erhalten; je höher sich einer von ihnen gestellt hat, desto tiefer wird sein Fall sein. Deswegen soll man sich vor ihnen hüten.[67]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.108.1-3
  2. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.136.7; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.136.13-14
  3. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.80.4
  4. Lorber, Himmelsgaben 3.159.2
  5. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 153.10-13
  6. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.108.4
  7. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.108.6
  8. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.108.7
  9. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.176.7
  10. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.176.8-9
  11. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.176.10
  12. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.83.11
  13. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.91.11-15; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.196.1
  14. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.83.15-19
  15. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.240.5-6
  16. Lorber, Himmelsgaben 2.112.3-5
  17. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.12
  18. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.12; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.23.15-16
  19. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.13
  20. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.13
  21. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.14
  22. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.14
  23. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.83.12
  24. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.83.13
  25. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.1
  26. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.1
  27. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.1
  28. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  29. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  30. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.179.3; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.4
  31. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.4
  32. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.199.11; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.91.3
  33. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 254
  34. Lorber, Himmelsgaben 2.113.11
  35. Lorber, Himmelsgaben 2.113.9
  36. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.111.4
  37. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.10; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.139.7
  38. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.8
  39. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.13; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.179.3; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.4
  40. Lorber, Himmelsgaben 2.112.5
  41. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.13; Lorber, Himmelsgaben 2.113.7
  42. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.14
  43. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.15
  44. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.204.16
  45. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.83.12; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.22.5; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.179.4; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.2
  46. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.22.6
  47. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.22.6
  48. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.22.6
  49. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  50. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  51. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  52. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  53. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.150.2
  54. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.179.3
  55. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.179.3
  56. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.5
  57. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.14.7
  58. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.199.11
  59. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.199.13-15; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.91.3
  60. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.188.5
  61. Jakob Lorber, Die Erde 72.11-16
  62. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.73.8-10
  63. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.188.4
  64. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.219.10
  65. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.139.6
  66. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 10.219.10
  67. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.90.3-4
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