Rationalist
Ein Rationalist oder Weltweiser ist jemand, der seinen Unverstand durch seine allerfinsterste Vernunft anstelle von Gott auf den Thron Gottes setzt und sich so selbst anbetet. Früher nannten sich die Rationalisten "Götter" (Lamas, Brahmanas usw.), was ihnen aber heute zu lächerlich klingt, daher nennen sie sich "Philosophen", "Gelehrte" und "Doktoren". Heute wie früher glauben sie, Gott sei tot oder habe Sich zugrunde gerichtet und Seine Anrufung würde nur sehr wenig nützen. Daher müsse man sich nun an sie - die Übermenschen - wenden, da nun sie alle Macht hätten. Diese finsterste Art will Gott sogar zwingen, erst zu ihnen in die Schule zu gehen, um ihr Gott sein zu können. Sie halten sich für Übergelehrte, tatsächlich aber sind sie dümmer als ein Regenwurm.[1]
Die sogenannten Gelehrten, Gebildeten und Theologen, die man in der Welt für besonders einsichtsvoll hält, sind keineswegs ident mit den Einsichtsvollen des Himmels, außer ihre Einsicht sei tatsächlich himmlischer Art.[2] Die meisten Gebildeten führen alles auf die Natur zurück und verschließen dadurch die mehr im Inneren befindlichen Bereiche ihres Gemüts, daß sie nichts Wahres mehr aus dem Licht des Wahren - dem Himmelslicht - sehen können.[3]
Was der Weltverstand sagt und erklärt, hat schon mit der Erklärung ein allzeit ewiges nichtiges Ende, und es liegt nichts an ihr.[4] Der Grund dafür ist: Die Menschen sind voller Lüge und es kann da auch nicht einer (aus sich) dem anderen etwas Wahres sagen. Daß sich die Gelehrten (der Welt) stets irren, zeigt schon die Erfahrung, da alle ihre Irrlehren durch andere verdrängt und gebrochen werden, die oft noch schlechter sind als die verdrängten.[5]
- Anmerkung: Trotzdem sich die Vorfahren bis in jüngste Zeit irrten, ziehen Forscher daraus nicht den Schluß, daß ihr Kenntnisstand nicht nur vorübergehend sei, sondern neigen stets dazu zu glauben, sie seien angekommen und die Fehler lägen hinter ihnen. Trotzdem heute in wissenschaftlichen Journalen jedes Manuskript von mehreren Experten aus dem Fachgebiet geprüft wird, erwiesen sich selbst Studien auf höchstem wissenschaftlichen Niveau, die am meisten in anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitiert wurden und nach denen Tausende von Ärzten weltweit ihre Behandlung von Millionen Patienten ausgerichtet hatten, durch eine zweite Studie zu 41 Prozent entweder als falsch oder weit übertrieben. Von öffentlichen Studien an Universitäten (darunter Harvard) erwiesen sich sogar 80 Prozent als wertlos. Sobald sie wiederholt wurden, kam es zu völlig anderen Resultaten. Ein weiteres Kuriosum sind Vorhersagen von Experten. Diese trafen seltener ein als das statistische Mittel, anders ausgedrückt: Affen, die Dartpfeile auf eine Zielscheibe werfen, haben eine höhere Trefferquote. Am schlechtesten schnitten ausgerechnet die Experten mit bestem Renommee ab. (Quelle: GEO 3/2012, "Fehler? Falsch!", ab Seite 138)
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Wesen
Verstandesmenschen gleichen unmündigen Kindern, die mit ihrer kurzen Hand (dem Weltverstand) nach dem Mond und anderen sehr fernen Dingen haschen. Sie ziehen dann ihr Gefühl in ihren engen Verstand und lassen es darin hochmütig herumtappen gleich einem Blinden, der sich auf einem mit Hieroglyphen übermeißelten Steinblock niedergesetzt hat und auf diesem herumgreift, ohne die leiseste Ahnung von dieser Schrift und entsprechenden Sprache aus den Strahlen des reinen Gefühls.[6]
Die sinnlichen (empirisch denkenden) Menschen vermögen sehr gut zu vernünfteln, oft sogar gewandter und schärfer als andere Menschen, aber es geschieht aufgrund von Sinnestäuschungen, die sie durch ihr Wissen begründet haben. Daher halten sie sich selbst für weiser als andere Menschen. Was ihren Erörterungen die Wärme des Gefühls verleiht, ist das Feuer der Selbstliebe und der Weltliebe. Von ihnen sagt der Herr: "Mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht und sie verstehen es nicht" Mt 13.13-15 und an anderer Stelle "Ich preise Dich, Vater, ... daß Du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und den Unmündigen geoffenbart hast." Mt 11.25 [7]
Bei Weltweisen herrscht der Selbstruhm vor, weil er ihr Endzweck ist. Solche Menschen haben vor allem sich selbst im Auge und betrachten die Wahrheiten, die ihnen zu Ruhm verhelfen, nur als Mittel zum Zweck. Wer immer göttliche Wahrheiten um seines eigenen Ruhmes willen liebt, blickt dabei nur auf sich selbst und nicht auf den Herrn, daher wendet er seinen Blick - den Blick des Verstandes und des Glaubens - vom Himmel auf die Welt und vom Herrn auf sich selbst. Ihrer äußeren Gestalt nach erscheinen die Weltweisen zwar ebenso einsichtsvoll und gelehrt wie jene, die himmlisches Licht haben, weil sie ebenso weise, dem Anschein nach zuweilen sogar noch weiser reden, da sie von der Liebe zu sich selbst angefeuert werden und Übung darin haben, himmlische Gefühle vorzutäuschen. Ihrer inneren Gestalt nach, vor den Engeln, erscheinen sie jedoch ganz anders.[8]
Alle sich hochweise dünkenden Gelehrten dieser Zeit wissen nicht, was sie tun, sie kennen sich selbst nicht, daher noch weniger jemand anderen und schon am allerwenigsten die rein göttliche Natur und Wesenheit des Herrn Jesus Christus. Im Angesicht des Herrn erscheinen sie in der Gestalt von Eseln, Ochsen, gehetzten Hasen (die auf der Welt wegen ihrer manchmal zu sonderbaren Weisheit vor Gericht verlangt wurden, vor lauter Mut Fersengeld gaben und dann aus irgendeinem sicheren Schlupfwinkel laut bellten) und in der Gestalt von räudigen Schafen.[9]
Verhalten
Unbelehrbare Weltverstandesmenschen soll man sobald als möglich loswerden oder davonziehen lassen und nicht vergeblich zu bessern oder belehren versuchen, ansonsten sie sich nur noch verschlimmern oder vermehren. (nach den zehn Feuerboten)[10]
Bekehrung
Der verschlossene Weg des Himmels zum Bereich der Vernunft kann stets wieder geöffnet werden, wenn nur der Wille dem nicht widersteht, d.h. der Mensch kann die Wahrheiten einsehen und vernünftig sein, wenn er nur will.[11]
Gott und der Rationalist
Die Weisen und Verständigen der Welt finden an Gott allzeit die größte Not und stoßen sich an Ihm gewaltig. Aber die Kinder werden mit ihrem Vater spielen, und das Spielzeug wird dem Vater stets und ewig angenehmer sein, als alle auch noch so abgemessene Weisheit der sonst überaus trockenen Weltweisen.[12]
Alle menschliche Weisheit ist vor Gott die finsterste und abgeschmackteste Torheit. Daher ist jeder, der nur nach seinem (Welt-)Verstand erkennt und handelt, ein Tor, da er nicht zu Gott kam und es von Ihm gelernt hat, und er wird bald seine Torheit einsehen.[13] Wer mit seinem Weltverstand einen Weisheitskampf mit Gott anfängt, der ist noch viel dümmer als einer der mit einer Angel die Sterne vom Himmel zu fischen versucht.[14]
Die menschliche Weisheit, die Gott sucht, ist Ihm eine greulich anekelnde Torheit, die den Suchenden unvermeidlich tötet. Denn mit dieser Weisheit rührt er Gott an, den aber kein geschaffenes Wesen mit was immer für einem Sinn anrühren und das Leben behalten kann. Gott ist ein ewiges, reinstes, aber auch unendlich heftiges Feuer, das nie erlischt - wo es der Vater nicht mildern möchte, da würde es bald alles auf ewig zerstören.[15]
Viele verstehen und erkennen Gott - ein (Welt-)Verstandesheld vermag das aber nicht, weil er sich nicht auf die allein mögliche und lebendige Art von seiner Blindheit und Taubheit heilen lassen will. ER SELBST will dafür die besten Mittel wissen und sträubt sich daher in seinem Gefühl und mag sich nicht heilen lassen. Aber er kann tun, verlangen und treiben lassen was er will, es wird ihm zeitlich und ewig nicht gelingen, sich auf einem anderen Weg dem Licht des Geistes zu nahen als allein nur auf dem der Liebe.[16] Mit seinem Verstand wird er Gott ewig nie begreifen - denn für diesen ist Gott unendlich (d.h. unbegreiflich).[17]
Vorwürfe der Rationalisten gegen Gott
Der Rationalist will mit Gott hadern und durch seine trügerischen Vernunftgründe den Allerhöchsten und Allerheiligsten menschlicher Schwäche beschuldigen und sich mit seinem schwachen Weltverstand an der Weisheit Gottes rächen. Er schändet die Heiligkeit Gottes, indem er Ihn zu einem Narren erklärt, dessen Weisheit von einem ganz einfachen Menschen übertroffen wird. Dies ist eine unverzeihliche Sünde, wodurch er das Gericht Gottes umso eher und sicherer über sich und seinesgleichen bringt. (nach Mahal)[18]
Gott sei schwach und dumm
Der Rationalist wirft Gott vor, Sich dumm und schwach zu verhalten. Wenn die Menschen Gott nicht recht sind, wie Er sie erschaffen hat, dann soll Er sie anders machen, anstatt ihnen mit Gerichten zu drohen. Wenn Er die Menschen schon als freie Wesen erschaffen hat, weswegen umgarnt Er sie dann mit gewissen Gesetzen? Anstatt zu kommen und zu zeigen, was Er haben will, redet Er nichts und verhält Sich, als wäre Er nicht, oder als schlafe Er, oder als wäre Er mit allem völlig zufrieden. Wer als Er Selbst ist dann daran schuld, wenn Sein geoffenbarter Wille und dessen Erfüllung verloren geht? Wenn Er Sich den einen als weiser Lehrer zeigt, warum den anderen nicht? Entweder gestalte Er die Menschen um, oder aber Er vernichte sie. (nach Fungar-Hellan)[19]
- Anmerkung: Wer solche Vorwürfe gegen Gott vorbringt, und nicht davon abläßt, dem gibt Gott keine Antwort mehr, vor dem zieht Sich Gott zurück und er verfällt dem Tod oder Gericht Gottes, d.h. Gott gibt auch dem Rationalisten letztlich das, wonach er in seiner übergöttlichen "Weisheit" so dringend verlangt.
Die Propheten Gottes seien schwach und dumm
Der Rationalist wirft Gott vor, dumme und schwache Propheten zu senden. Ein von dem allmächtigen, und höchst weisen Gott gesandter Prophet sollte ein Lehrer in der Kraft Gottes sein und kein dummer Schwächling. (nach Fungar-Hellan)[20]
- Anmerkung: Siehe Anmerkung oben.
Jenseits
Im Jenseits werden die Gebildeten und Weisen der Welt, die im Herzen das Göttliche leugneten, so dumm, daß sie kaum imstande sind, auch nur eine Wahrheit des bürgerlichen Lebens, geschweige denn etwas Geistiges zu begreifen.[21] Sie werden im anderen Leben der Fähigkeit zu vernünftigem Denken beraubt, um sie daran zu hindern, durch diese Fähigkeit unter den einfältig Guten Falsches zu verbreiten und sie zu verführen. Sie selbst werden in Einöden verbannt.[22]
Wer sich nur zum Zweck des Ruhmes seiner Gelehrsamkeit auf die Wissenschaften geworfen, seine Vernunft aber nicht dadurch ausgebildet und Freude am Gedächtniswissen nur deshalb gehegt hatte, weil es ihn in seinem Dünkel bestärkte, der liebt jenseits sandige Plätze, die er Feld und Garten vorzieht, weil das Sandige solchen Studien entspricht. Wer gut bewandert in den Lehrbestimmungen der eigenen und anderer Kirchen war, aber nichts davon aufs Leben angewandt hatte, wählt jenseits felsige Gegenden, wo er sich zwischen Steinhaufen aufhält. Bebaute Gegenden flieht er und hat einen Abscheu davor. Dies sind die geistigen Entsprechungen seiner Freuden.[23]
Menschen, die alles der Natur oder auch der eigenen Klugheit zugeschrieben und sich durch allerlei Ränke zu Ehren aufgeschwungen und Reichtum erlangt hatten, verlegen sich im anderen Leben auf magische Künste, die ein Mißbrauch der göttlichen Ordnung sind, und empfinden darin ihre höchste Lebensfreude.[24] Menschen, die die Schöpfung nur auf die Natur zurückgeführt haben und daher, wenn auch nicht mit dem Mund, so doch im Herzen das Göttliche und damit auch die Belange der Kirche und des Himmels geleugnet hatten, gesellen sich zu den ihnen ähnlichen in die Hölle der Zähneknirscher und bezeichnen jeden als Gott, der sich durch besondere Schlauheit hervortut und erweisen ihm auch göttliche Ehren, wobei sie sich so albern benehmen, als seien sie unvernünftige Tiere in Menschengestalt. Diejenigen, die sich darin bestärkt hatten, alles der Natur zuzuschreiben und das Göttliche zu leugnen, leben in den tieferen Regionen dieser Hölle. Da diese Geister gar kein Licht aus dem Himmel in sich aufnehmen können, gehören die meisten von ihnen zu den Fleischlich-Sinnlichen, das heißt zu denen, die nur glauben, was sie mit eigenen Augen sehen und mit Händen greifen können. Für sie bedeuten daher alle Sinnestäuschungen Wahrheiten, und ihr ganzer Streit beruht auf diesen.[25]
Das Innere des Gemüts der Weltweisen, die im Herzen das Göttliche leugneten, ist so völlig verschlossen (unerleuchtet), daß es ganz schwarz erscheint (solche Dinge stellen sich in der geistigen Welt sichtbar dar). Sie können nicht das geringste Himmelslicht ertragen, folglich auch keinen Einfluß aus dem Himmel aufnehmen. Die innere Schwärze erscheint intensiver und ausgedehnter bei denen, die sich auf Grund ihrer wissenschaftlichen Bildung gegen das Göttliche bestärkt hatten. Sie nehmen im anderen Leben mit Lust alles Falsche an und stoßen das Wahre zurück. Man sagt auch, daß ihr Inneres verknöchert sei, weil sie sich gegen das Göttliche und für die Natur bestärkt haben und tatsächlich erscheint das Haupt solcher Menschen bis herab zur Nase wie von Ebenholz (Anm.: daher auch der Begriff "Holzkopf"). Sie werden in Schlünde versenkt, die wie Sümpfe erscheinen, und dort von Wahnbildern umgetrieben. Ihr Höllenfeuer besteht in der Gier nach Ruhm und einem großen Namen, und aus diese Gier wirft sich der eine auf den andern und quält mit infernalischer Glut alle, die ihn nicht wie einen Gott verehren wollen. Alle weltliche Bildung verwandelt sich in dieser Weise, wenn sie nicht als Grundlage die Anerkennung des Göttlichen himmlisches Licht in sich aufgenommen hat. (siehe Leben nach dem Tod)[26]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.27.6-8
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 346
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 464
- ↑ Jakob Lorber, Naturzeugnisse 401011.33
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.35.2
- ↑ Jakob Lorber, Naturzeugnisse 401016.2
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 353
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 347
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 36.7
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.176.6-7
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 455
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.140.9
- ↑ Jakob Lorber, Naturzeugnisse 401011.34
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 1.387.2
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.167.12-13
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.261.14-16
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.261.19
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.297.3-6
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.296.3-7
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.296.8-10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 354-355
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 464
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 488
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 488
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 508; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 575
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 354