Schöpfung

Aus Prophetia
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Die Schöpfung ist gleich dem Angesicht Gottes, denn diese ist, was Er erschaffen hat durch Seine Weisheit und ewige Allmacht.[1]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Es gibt zwei Welten, nämlich die geistige, die Welt der Engel und Geister, und die natürliche, die Welt der Menschen.[2] Es gibt zahllose Welten, die Menschen tragen; und hinter den Welten befinden sich die endlosen geistigen Wohnstätten der Geister, von denen eine (allein) mehr faßt, als der ganze äußere, endlose, sichtbare Raum.[3]

Ursprung

Nichts kann aus sich selbst bestehen, sondern nur aus etwas, das ihm vorhergeht, folglich alles aus einem Ersten. Der Zusammenhang der Dinge mit den vorhergehenden ist derselbe wie zwischen Wirkung und Ursache. Wird die Ursache von ihrer Wirkung abgezogen, so löst sich die Wirkung auf und vergeht. Daher ist alles Bestehen ein fortwährendes Entstehen.[4] Gott ist der ewige Urgrund und Träger aller Wesen und in Ihm ist Unendliches. In der ganzen Unendlichkeit befindet sich nichts, das nicht schon von Ewigkeit zuvor in Gott in vollster Klarheit vorhanden gewesen wäre. [5]

Das Leben (Dasein), und auch alles, was zum Leben gehört, stammt von Gott. Nichts kann aus sich selbst entstehen, sondern nur aus einem ihm Vorausgehenden, daher entsteht alles aus einem Ersten, dem eigentlichen Sein alles Lebens. Auf dieselbe Weise besteht alles, weil das Bestehen ein ständiges Entstehen ist. Was nicht fortwährend durch Mittelglieder im Zusammenhang gehalten wird, fällt augenblicklich zusammen und vergeht ganz und gar.[6]

Alle äußere materielle Schöpfung ist erst nach dem gestaltet worden, was lange davor schon entsprechend in jedem vollkommenen Geist vorhanden war. Bevor alle Welt war, war schon der Geist, und jene ging aus dem Geist hervor, und nicht der Geist aus ihr.[7]

Alle Dinge der Welt entstehen aus dem Göttlichen und werden in der Natur in solche Formen gekleidet, durch die sie in der Welt sein, Nutzen schaffen und so (dem Geistigen) entsprechen können. Dies zeigt sich deutlich in einzelnen Erscheinungen sowohl im Tier- als auch im Pflanzenreich, wo es Dinge gibt, an denen jeder erkennen kann, daß sie aus dem Himmel stammen, sofern er vom Inwendigen denkt. Wer nur ein wenig vernünftig und weise denkt, kann nicht etwas anderes behaupten, als daß die vielen wunderbaren Erscheinungen der Natur aus der geistigen Welt stammen müssen, da die natürliche Welt nur dazu dient, das von daher Stammende mit einem Leib zu bekleiden, bzw. etwas in seiner Ursache Geistiges in der Wirkung darzustellen.[8]

Gut oder Böse

Außer Gott gibt es keinen Gott irgendwo, und alles, was aus Seiner Hand hervorging, kann unmöglich anders als gut und vollkommen sein. Alle Geister gingen von Ihm aus so rein und gut, wie Er es Selbst ist. Aber Er gab den Geistern die vollste Freiheit des in sie gehauchten Willens, demnach sie alles tun konnten, was sie wollten. Und um sie den Gebrauch dieser Gaben zu lehren, gab Er mit dem freien Willen auch durch Ihn Selbst geheiligte Gesetze, die sie entweder beachten konnten oder auch nicht. Alle beachteten diese Gesetze bis auf einen (den Satan). Dieser eine und erste, mit dem größten Erkenntnislicht begabt, verschmähte die Gesetze Gottes aus seinem freien Willen heraus und widerstrebte ihnen, ohne die Folgen zu beachten. So verkehrte er die göttliche Ordnung und wurde für sich selbst böse und schlecht. Gott und den rein himmlischen Geistern gegenüber kann der widerordentliche Geist unmöglich böse sein, da er ihnen ewig nie schaden kann.[9]

In all jenen Geistern, die das Göttlich-Gute und -Wahre im Glauben und Leben aufnehmen, ist der Himmel. Jene aber, die es zurückstoßen oder ersticken, verkehren es in die Hölle. Sie verwandeln Gutes in Böses und das Wahre in Falsches, somit das Leben in den Tod.[10]

Schöpfungsvorgang

Gott in Seinem Wesen ist unendlich und es kann sich streng genommen außer Ihm nichts befinden. Da Gott ewig ist, kann Er nichts Zeitliches und Vergängliches oder erst Entstehendes in sich fassen, sondern, was in Ihm ist, ist wie Er selbst ewig. Er kann Seine ewigen großen Gedanken und Ideen nur außer Sich der Erscheinlichkeit nach zur Gewinnung einer wesenhaften Selbständigkeit wie hinausstellen; und wenn Er das tut, so ist dies von Ihm ausgehend ein Schöpfungsmoment, und für das durch Seine Macht und Weisheit wie außer Ihn freigestellte Gottesgedankenwesen beginnt dann erst die Zeit, besser aber der Zustand der zugelassenen Selbsttätigkeit zur Erwerbung eines bleibenden selbständigen Seins wie außer Gott, wenn schon im Grunde des Grundes dennoch in Ihm.[11]

Das Geschöpf kann des Schöpfers Kraft wohl bildlich, aber nie reell fassen.[12]

Komprimierte Beschreibung

Im freien Zustand erfüllt alles, was da Seele heißt, die ganze unendliche Räumlichkeit und ist im Geisterreich eine zu bewohnende Unterlage für alle zahllosen Heere von Engeln und Geistern aller Arten. Es handelt sich dabei um die freien, noch ungefesteten Gedanken Gottes. Diese Gedanken erfüllen nicht nur die Unendlichkeit, sondern sind auch die lebendigen Gefäße oder Träger des Lebens aus Gott. Wenn Gott einen Seiner Gedanken fangen und dann festhalten will, dann umfaßt Er ihn mit Liebe, d.h. Er hat auch uns schon geliebt, bevor wir noch waren; denn wäre es nicht so, dann wäre nie etwas erschaffen worden. Wenn das geschehen ist, kann sich der von der Liebe Gottes ergriffene Gedanke nicht mehr gleich den zahllosen nicht ergriffenen aufschwingen in die unendlichen Kreise von Gottes eigentlichem göttlichen Sein und Wirken, sondern er bleibt dann schon als eine beständige Form lebendig wie vor Gott. Soll dann diese Form sich selbst vor Gott bewußt werden, dann wird sie nicht nur von der Liebe Gottes umfangen, sondern auch allenthalben durchdrungen. Dadurch geschieht dann ein Drängen und Reiben zwischen der Form und der Liebe und die Folge davon ist, daß die durch die Liebe von allen und in allen Teilen bedrängte Form anfängt, Widerstand zu leisten, wenn sie von der Liebe zu sehr in Beschlag genommen wird, wobei der am meisten bedrängte Mittelpunkt (Schwerpunkt) auch den größten Widerstand leistet. Wo aber der größte Widerstand ist, da ist auch die Tätigkeit am größten, und wo starke Bedrängungen, da werden Entzündungen bewirkt. Ein solches Erbrennen ist immer mit einer leuchtenden Flamme verbunden, welche dem Leben der Liebe Gottes gleich ist und die von der Liebe gefangene und gedrängte Form notwendig durchleuchtet, worauf die Form endlich selbst in allen ihren Teilen in die Bewegung der vom Mittelpunkt aus lodernden Flammen übergeht und dadurch lebendig und im eigenen Licht sich selbst frei bewußt wird. Will Gott dann auch, daß ein solcher auf diese Art gehaltender Gedanke fortbesteht, dann wird er bald gefestet und bleibt immerdar dann so wie Gott. Will es Gott aber nicht, dann zieht Er Seine Liebe wieder ab aus und von der Form; diese wird dann wieder frei und flott und steigt wieder, allein nur Gott sichtbar bewußt, in die unendlichen Kreise Seiner Göttlichkeit. Das ist die Ordnung Gottes, aus der alle Dinge hervorgegangen sind.[13][14]

Mehr detaillierte Beschreibung

Gott braucht zu einer einmal gefaßten Idee nur aus Seinem Willen zu sagen: "Es werde!", und es ist schon alles da, was Er will.[15] Durch den vernehmbaren Ton eines alleinigen Wortes sind alle Dinge, welche die ganze Unendlichkeit erfüllen, hervorgegangen.[16] Allerdings die Menschen so zu gestalten, daß sie ebenso frei und vollkommen würden, wie Gott Selbst es ist, dazu gehört schon etwas mehr als die bloße Allmacht, aber wenn das auch schwerer ist, so ist dennoch Gott alles möglich.[17]

Das erste ist die Liebe Gottes, ohne die kein Ding möglich wäre; das zweite ist die Weisheit Gottes, als das aus der Liebe Gottes hervorgehende Licht. Durch dieses entstehen die Formen der Wesen. Das dritte ist der Wille Gottes, der aus der göttlichen Liebe und Weisheit hervorgeht; durch ihn bekommen die gedachten Wesen erst eine Realität, ansonsten sie nur bloße Gedanken blieben. Die Ordnung Gottes geht aus den vorherigen drei hervor, ohne sie könnte kein Wesen irgendeine bleibende und stetige Form und auch keinen bestimmten Sinn haben. Der Ernst Gottes bewirkt den wahren Bestand, die Fortpflanzung, das Gedeihen und die endliche Vollendung der Dinge; ohne ihn wären sie gleich einer Fata-Morgana. Die Geduld Gottes verhindert eine Überstürzung, wodurch es zur Vernichtung käme und die Barmherzigkeit Gottes bringt schließlich alles zurecht, indem sie alles ordnet und die rechtzeitige Reife einer Welt und aller Geschöpfe auf ihr bewirkt.[18]

Grundgedanken

Eine Kreation beginnt mit einer Menge flüchtiger Gedanken, die das Gemüt durchstürmen. Der Denker beginnt die Gedanken entsprechen seinem Gefallen zunehmend festzuhalten und formt aus den besseren eine schon lichtere Idee, die dann zur Grundidee wird, die weitere passende Gedanken anzieht und sich mit ihnen vereint. Neben der Grundidee bilden sich noch mehrere mit ihr harmonierende Seitenideen und es entsteht ein ausgeprägter und klarer Begriff.[19]

Zur Grundidee - dem ersten Grundgedanken - gesellt sich ein zweiter Grundgedanke, nämlich ob sich die Grundidee nicht ins Werk setzen ließe. Zur Realisierung des Zweckes ist dann noch ein dritter Gedanke nötig - die Frage nach dem "Wie". Damit ist die Sache aber noch nicht einmal angefangen. Als nächstes stellt sich die Frage nach dem "Warum", worauf der erste Grundgedanke antwortet: "Weil es etwas ist, das mir vollkommen ähnlich ist!", der zweite "Weil es aus dem Grund ausführbar ist, weil der erste Gedanke dadurch mit sich selbst in keinem Widerspruch steht, so er sich, wie er ist, seiner selbst wegen manifestieren will!" und der dritte "Weil in dem Grund, der sich selbst manifestieren will, das Hauptmittel zur Realisierung liegt, und zwar aus dem Grund, weil der Gedanke in seinem Fundament sowohl mit sich selbst als auch mit allen seinen Teilen sich nirgends widerspricht!"[20]

Verwirklichung

Nachdem die Kreation in der Phantasie realisiert wurde, durchdringt der Denker diesen Begriff mit dem Lebensfeuer seiner Liebe. Die Liebe erweckt den Willen und die Tatkraft des Denkers, worauf sich der innere Begriff zur materiellen Verwirklichung erhebt. So steht dann der frühere, pur geistige Begriff nicht mehr allein nur als ein geistiges Bild in seiner vollen Klarheit im Sensorium der Seele (positiver Pol), sondern auch als ein gleichsam gerichtetes festes Ebenmaß des innern, geistigen Bildes in der materiellen Natur (negativer Pol) und ist bereit zur Benutzung durch seinen Schöpfer.[21][22]

Die Mittel der Verwirklichung sind (1.) die Möglichkeit selbst, (2.) der mit der möglichen Realisierung des Ganzen verbundene Zweck, denn niemand kann mit einer zu realisierenden Sache einen Zweck verbinden, bevor er nicht darüber im reinen ist, daß die Sache selbst möglich ausführbar ist und (3.) das Material und die zur Gestaltung desselben genügende Kraft.[23]

Woher Gott das Material für Seine Schöpfung nimmt siehe Ursprung der Materie

Schöpfung ist kein Zufall

Wäre die Schöpfung das Werk eines blinden Zufalls, wie es die Weltweisheit behauptet, dann würden die Dinge der Natur keine Beständigkeit (Ordnung) beibehalten. Der Wind ist teilweise eine mehr blinde Macht, aber er bringt nirgends bestimmte beständige Formen hervor, sondern wühlt den Staub auf und trägt ihn in sich stets verändernden, losen Wolkenformen durch die Luft. Ähnlich verhält es sich mit den Wellen des Meeres. Ihre Formen bleiben nicht erhalten. Eine blinde Kraft bringt nie auch nur ein Moospflänzchen hervor, das in ein und derselben Form viele Jahrtausende hindurch wiederkehrt. Daher leuchtet es einem besseren Menschenverstand von selbst ein, daß alles Werden, Sein und Bestehen, worin eine bestimmte, unwandelbare Form, Beschaffenheit, Eigenschaft, Nutzwirkung und ein Endzweck zu erkennen sind, von einer Kraft hervorgebracht werden muß, die eine unbegrenzte und unwandelbare, allumfassende Einsicht und Weisheit besitzt, ohne die man nie einen bestimmt geformten Gegenstand zu sehen bekäme. Diese Kraft muß eine einheitliche und ihrer selbst bewußte sein, weil ohne sie nichts eine bestimmte und in sich einheitliche Form annehmen könnte.[24]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 174.15-16
  2. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 75b
  3. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.8.10
  4. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 303
  5. Jakob Lorber, Bischof Martin 45.5-6
  6. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 9
  7. Jakob Lorber, Bischof Martin 45.4
  8. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 108-109
  9. Jakob Lorber, Bischof Martin 198.7-11; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 9
  10. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 9
  11. Jakob Lorber, Die drei Tage im Tempel 21.17
  12. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.71.18
  13. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.135.4-15
  14. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.220.17
  15. Jakob Lorber, Bischof Martin 98.1
  16. Jakob Lorber, Der Saturn 29.14
  17. Jakob Lorber, Bischof Martin 98.4
  18. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 7.18.4-15
  19. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.228.6-8
  20. Jakob Lorber, Der Mond 6.11
  21. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.228.9-10
  22. Jakob Lorber, Der Mond 6.12
  23. Jakob Lorber, Der Mond 6.13
  24. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.87.6-8
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