Selbstsucht

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Die Selbstsucht, d.h. die ungerechte oder übermäßige Selbstliebe (Egoismus), besteht darin, nur sich selbst wohlzuwollen und niemand sonst, nicht der Kirche, nicht dem Vaterland, nicht irgendeiner menschlichen Gesellschaft, es sei denn um seiner selbst willen. Jenen dient der Eigensüchtige nur um des eigenen Rufes, der eigenen Ehre und des eigenen Vorteils willen. Die Selbstsucht ist eine Abwendung von der Gottheit und daher in sich der Tod des Geistes und der Seele.[1] Die Eigenliebe (Selbstsucht) ist der größte Frevel[2] und ident mit der Herrschsucht.[3] Selbstliebe und Weltliebe (Materialismus) herrschen in den Höllen, sie sind die Höllen.[4]

Die Selbstsucht ist ein Hausfreund des Menschen von der Welt. Wenn der Herr einen Menschen seinem Geist nach zu Sich aufnimmt, muß Er auch diesen zur Umkehr und wahren geistigen Veredelung mit aufnehmen. (Anm.: d.h. die Selbstsucht wird in eine notwendige und gerechte Eigenliebe verwandelt, und die Eigenliebe nicht etwa völlig zerstört, wie manche meinen)[5]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Die Selbstliebe entzieht und entreißt den anderen alle Freude, um sie auf sich selbst überzuleiten, worin ihre Lust besteht. Sie wirkt daher zerstörerisch auf die Freude der anderen. Ist sie je mitteilsam, dann um ihrer selbst, nicht um der anderen willen, daher in Wirklichkeit nicht kommunikativ, sondern zerstörerisch, außer die Freuden der anderen sind für sie selbst nützlich.[6] Ein typisches Beispiel für ungerechte oder übermäßige Eigenliebe ist ein Reicher, der sein Geld an Staat und Volk gegen Zinsen und Hypotheken verleiht und dadurch bald die Herrschaft über den verschuldeten Staat an sich reißt und das verschuldete Volk völlig ruiniert.[7]

Die fleischliche Liebe (Selbstsucht) besteht darin, daß man Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit nicht um ihret-, sondern um seiner selbst willen liebt, um sich dadurch einen guten Ruf, Auszeichnungen und Vorteile zu verschaffen. So jemand hat bei seiner Güte, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit nicht den Herrn und den Nächsten im Auge, sondern sich selbst und die Welt, und diese Täuschung bereitet ihm auch noch Vergnügen. In Wirklichkeit liebt er in diesem auf Täuschung beruhenden Guten, Aufrichtigen und Gerechten etwas Böses, Unaufrichtiges und Ungerechtes.[8]

Die Liebe zu sich selbst ist das Gegenteil der Liebe zum Nächsten.[9]

Im Wesen der Selbstsucht liegt ferner, daß sie im selben Maß voranstürmt, wie man ihr die äußeren Fesseln lockert - nämlich die Furcht vor dem Gesetz mit seinen Strafen, vor dem Verlust des guten Rufs, der Ehre, des Gewinns, der Stellung und des Lebens. Sie kennt keine Grenze und kein Ende, möchte schließlich nicht nur über die ganze Welt, sondern sogar über den ganzen Himmel, ja selbst über das Göttliche herrschen.[10]

Die Liebe der Selbstsüchtigen unterscheidet sich nicht von der von Verbrechern. Bei gemeinschaftlichem Handel umarmen sie sich und nennen sich Freunde, treibt aber jeder für sich allein sein Geschäft und entzieht sich der Aufsicht der Gemeinschaft, dann geht jeder auf jeden los, und sie metzeln sich gegenseitig nieder. Bei der Untersuchung ihres Inneren oder ihrer Gesinnung zeigt sich, daß sie einen feindlichen Haß aufeinander hegen und im Herzen über alles lachen, was gerecht und aufrichtig heißt, selbst über das Göttliche, das sie zurückweisen, als sei es ein Nichts.[11]

In der Welt macht man sich wenig Gedanken über die Selbstliebe. Man meint, sie sei ein notwendiger Antrieb, damit sich Menschen um Ämter bewerben und Nutzen schaffen, weil sie ohne die Lockung von Ruhm und Ehre nichts unternehmen würden. Daher weiß man in der Welt nicht, daß die Selbstliebe jene Liebe ist, welche die Hölle beherrscht und die Hölle beim Menschen ausmacht.[12]

Die Selbstsucht ist eine geraubte Liebe, die sich ein Dieb zu eigen gemacht hat und aus ihr lebt. Das Leben einer solchen Liebe dauert aber nicht ewig, sondern nur sehr kurze Zeit, in der sie sich bald verzehren wird, da sie von der Vaterliebe Gottes abgetrennt wurde und somit keinen Zufluß mehr hat.[13]

Der Gegensatz zur Selbstliebe ist die Gottesliebe.[14] Die Selbstsucht steht auch im Gegensatz zur Unschuld.[15]

Folgen

Aus Selbstsucht und Weltliebe entspringt alles Böse.[16]

Die zu mächtige Eigenliebe ist Ursache für Trägheit, der Hang zum Wohlleben und zur Tatlosigkeit. Sie wird dadurch auch der Grund für Diebstahl.[17]

Das Kind der Eigenliebe ist die Genußsucht.[18]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Robert Blum 1.37.6; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 556
  2. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.63.2
  3. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.81.8
  4. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 554
  5. Lorber, Himmelsgaben 3.247.9
  6. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 399-400
  7. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.103.14-15
  8. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 481
  9. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 558a
  10. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 559
  11. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 560
  12. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 555
  13. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.71.11-12
  14. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 596
  15. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 282
  16. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 359
  17. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.81.3
  18. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.81.8
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