Tätigkeit

Aus Prophetia
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Pflügen mit Pferden
Die Tätigkeit ist die Erhaltung und stete Stärkung des Lebens; darum sind alle Dinge tätig und daher soll der Mensch überaus tätig sein, weil er am meisten von Gott mit dem Leben beteilt ist. Da aber der Mensch vorzugsweise ein geistiges Leben hat, daher soll er auch dieses vorzugsweise üben in der Liebe zu Gott, damit er es nicht verliert. Aus diesem Grund läßt Gott Seine Geschöpfe arbeiten, obwohl Er deren Dienste nicht im geringsten nötig hat. (nach Kisehel)[1]

In aller weltlichen Arbeit liegt der Tod, wenn sie zu eifrig betrieben wird. Daher ist es besser, faul zu sein für die Welt, aber um so eifriger für den Geist bei jeder Gelegenheit! Die Weltfleißigen sollen stets den Tod ihrer Seele in ihrem Eifer ums Irdische finden. Der Herr sucht die Weltmüßiggänger auf und nimmt sie in Seinen Dienst für ewig; denen, die nur eine Stunde des Tages gearbeitet haben, wird er den gleichen Lohn geben mit denen, die den ganzen Tag über fleißigst gearbeitet haben. Der Faulenzer für die Welt wird der Freund des Herrn sein, aber jeder Fleißige in den Geschäften der Welt wird Sein Feind sein.[2] Wer sich jedoch gänzlich von der Welt und ihrer Arbeit abwendet und allein dem nachstrebt, was des Geistes ist, der wird dereinst nicht als ganz gerechtfertigt dastehen, ist jedoch um vieles besser dran als die Materialisten (die nur für die Welt arbeiten).[3]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Die ewige unermüdlichste Tätigkeit ist das Grundwesen Gottes, das Ihn durchdringt und umgibt. Wo eine große Tätigkeit zu Hause ist, da ist auch ein großes Licht vorhanden.[4] Wo an irgendeinem Ding eine größere Licht- und Glanzfähigkeit zu entdecken ist, kann man stets auf eine größere Tätigkeit schließen, denn die Tätigkeit ist das Licht und der Glanz aller Wesen und Dinge. Die Sehkraft des Auges besteht darin, diese Tätigkeit wahrzunehmen. Die unvollkommene Sehe sieht nur Licht und Glanz, die vollkommene sieht die wesenhafte Tätigkeit selbst.[5]

Die Taten, die aus der Liebe und Wahrheit Gottes hervorgegangen sind, verbleiben in der Nachwelt auf Dauer.[6] Eine Tat oder ein Werk ohne Liebe ist nicht eine Tat oder ein Werk des Lebens, sondern des Todes, also etwas, dem aufgrund der Liebe zum Bösen und dem Glauben an Falsches nur der Anschein von Lebendigkeit innewohnt. Unter diesem Anschein des Lebens wird der geistige Tod verstanden.[7]

In seinen Taten oder Werken erscheint der ganze Mensch. Sein Wollen und Denken bzw. seine Liebe und sein Glaube, die sein Inneres (Geistiges) bilden, sind nicht vollendet, ehe sie sich in den Taten oder Werken ausdrücken, die sein Äußeres darstellen. Denken und Wollen ohne Handeln, obwohl die Ausführung möglich wäre, gleichen einer Flamme, die erlischt, weil sie in ein Gefäß eingeschlossen ist, oder einem auf Sand gesäten Samen, der nicht aufgeht, sondern samt seine Fruchtbarkeit verdirbt. Wollen und nicht handeln, obwohl es möglich wäre, ist dasselbe wie nicht wollen. Die Liebe, die Absicht, ist die eigentliche Seele der Tat. Diese Seele bildet ihren Leib in den aufrichtigen und gerechten Handlungen des Menschen. Der geistige Leib, der Leib des Menschengeistes, hat nur darin seinen Ursprung, d.h. er wird lediglich aus dem gebildet, was der Mensch aus Liebe oder freiem Willen auch ausführt. Alles, was den Menschen und seinen Geist bildet, liegt in seinen Taten oder Werken.[8]

Tatgerechtigkeit

Alle Werke und Taten gehören zum zum Bereich des sittlichen und bürgerlichen Lebens und streben daher nach Aufrichtigkeit und Geradheit, sowie nach Gerechtigkeit und Billigkeit. Die Liebe, der sie entspringen, ist entweder himmlischer oder höllischer Natur. Werke und Taten des sittlichen und bürgerlichen Lebens sind himmlisch, wenn sie himmlischer Liebe entspringen, denn was aus ihr geschieht, stammt vom Herrn, und alles was vom Herrn stammt ist gut. Umgekehrt sind Taten und Werke des sittlichen und bürgerlichen Lebens höllisch, wenn sie aus höllischer Liebe, das heißt aus Selbst- und Weltliebe hervorgehen, daher samt und sonders böse.[9]

Jeder Mensch wird von Kindheit an in ein bürgerlich und sittlich gutes Leben eingeführt. Der Böse wie der Gute führt auch (im allgemeinen) zumindest äußerlich ein solches Leben, denn wer möchte nicht aufrichtig und gerecht heißen? Der geistige Mensch muß notwendigerweise ebenso leben, und er kann es ebenso leicht wie der natürliche. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der geistige Mensch an das Göttliche glaubt und nicht nur deshalb aufrichtig und gerecht handelt, weil es den bürgerlichen und moralischen, sondern auch den göttlichen Gesetzen gemäß ist. Da er beim Handeln an das Göttliche denkt, stellt er die Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels her, und soweit er dies tut, wird er mit ihnen verbunden. Auf diese Weise wird sein innerer Mensch, der an sich betrachtet der geistige Mensch ist, aufgeschlossen. In diesem Zustand wird dann der Mensch vom Herrn adoptiert und ohne sein Wissen eingeführt. Was er dann in seinem sittlichen und bürgerlichen Leben an Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit verwirklicht, geschieht aus geistigem Ursprung, auch wenn sich seine Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit äußerlich nicht von deren der natürlichen Menschen, ja selbst der bösen unterscheidet.[10]

Wenn es im Wort heißt, der Mensch werde nach seinen Taten gerichtet, und es solle ihm nach seinen Werken vergolten werden, siehe z.B. Mt 16.27, Off 14.13, Off 2.23, Off 20.12, Off 22.12, Mt 7.24-26, Mt 7.21-23, Luk 13.26-27, Jer 25.14, Jer 32.19, Hos 4.9, Sach 1.6, so ist darunter zu verstehen, daß nach seinem Denken und seiner Gesinnung gefragt wird. Aus denen gehen die Taten hervor, denn sie sind ganz so wie das Denken und die Neigung, und ohne sie überhaupt nichts. Das Äußere des Menschen tut nichts zur Sache, sondern nur sein Inneres, der Ursprung des Äußeren. Waren Gedanken und Wille gut, so sind es auch die Taten, waren sie böse, gilt dasselbe für die Taten, wenn sie auch in ihrer äußeren Form vollkommen gleich erschienen mögen. Es kommt immer auf die Motivation an, ob sie aus Liebe zur Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit oder aus Selbst- und Weltsucht getan wurden. Ein Beispiel: Wer nur darum redlich handelt und nicht betrügt, weil er die Gesetze und Strafe, den Verlust der Freundschaft, seines Amtes, des guten Namens und damit der Ehre oder des Gewinnes fürchtet, den anderen aber soweit als möglich betrügen würde, wenn ihn diese Furcht nicht zurückhielte, dessen Denken und Wollen ist Betrug, obwohl seine Taten äußerlich redlich erscheinen mögen. Ein solcher Mensch hat die Hölle in sich, weil er innerlich unredlich ist, was sich besonders im anderen Leben zeigt. Wer dagegen redlich handelt und den anderen nicht betrügt, weil das wider Gott und den Nächsten wäre, der würde den anderen auch dann nicht betrügen wollen, wenn er dies durchaus könnte. Sein Denken und Wollen ist gewissenhaft und er hat den Himmel in sich. Beide Taten gleichen einander in der äußeren Gestalt, in der inneren aber sind sie ganz verschieden.[11]

Jene Menschen, die Liebe zu Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit hegen, anstatt zur Selbst- und Weltliebe, unterschieden sich äußerlich scheinbar nicht in ihren Taten. Einige von ihnen handeln aus dem Wahren des Glaubens oder aus Gehorsam gegenüber den Geboten im Wort Gottes, machen aus dem Guten des Glaubens oder aus ihrem Gewissen, weil das zur Religion gehört, andere aus dem Guten der Nächstenliebe und einige handeln aus der Liebe zum Herrn. Diese Menschen handeln folglich auch ehrlich und gerecht um der Ehrlichkeit und Gerechtigkeit willen, die sie lieben, weil sie vom Herrn stammen, in ihnen das vom Herrn ausgehende Göttliche liegt und sie daher an sich eigentlich göttlich sind. Die Taten dieser Menschen sind innerlich gut und deshalb auch äußerlich so beschaffen wie das Denken und Wollen, aus denen sie hervorgehen.[12]

Seligkeit

Selbst im klarsten Schauen und Erkennen besteht nicht die wahre Lebensseligkeit, sondern nur in der stets zu steigernden Liebtätigkeit.[13] Seligkeit wird nicht von Müßigkeit bewirkt, sondern von Tätigkeit.[14] Die Seligkeit und Klarheit steigert sich nach den Graden der Liebtätigkeit und nicht nach den Graden der Klarheit, zu der man ohne die Liebtätigkeit ohnehin nie gelangen kann. Es ist schon von Ewigkeit her von Gott verordnet, daß kein Geist und keine Menschenseele ohne eine entsprechende Tätigkeit je zum Licht gelangen kann.[15]

Daher pflügen, säen und ernten auch die seligen Geister, natürlich aber auf eine andere Art als in der materiellen Welt. Ohne die große Tätigkeit der Geister würde auf keiner Erde etwas entstehen. Es würde nichts wachsen und kein lebendes Wesen geben, keine Sonne und keine Erde je entstanden sein und noch weniger fortbestehen. Die Menschen pflügen und säen wohl, aber das Keimen, Wachsen und Reifwerden der Frucht obliegt den Geistern, weswegen es vor allem für die vollkommenen Geister viel zu tun gibt. Und noch mehr zu Tun ist für die rechte Seelenbildung und Vervollkommnung der Menschen diesseits und um noch viel mehr jenseits. Wie die vollkommenen Geister das alles bewirken, läßt sich mit Worten nicht darstellen; erst wer im Geist wiedergeboren ist, dem wird klar und verständlich, wie die Geister arbeiten und wirken.[16]

Richtig tätig sein

Wer arbeiten kann, der soll nicht müßig sein und seinen Brüdern zur Last fallen, sondern soll ihnen dienen und behilflich sein, damit die Liebe unter den Menschen wachse.[17]

Das Größte, was jemand tun kann, besteht in der Versorgung der armen Geschwister, der Unterstützung des Alters und der liebevollen Annahme der Kleinen. Wer das aus Liebe zu Gott und daraus aus Liebe zu den Geschwistern macht, dem sollen alle Sünden erlassen werden, auch wenn es noch so viele sind. Wer solcherart handelt und sein Herz seinen Geschwistern öffnet, bei dem wird Gott sein und ihm das ewige Leben geben, und alles, was Gottes ist, wird auch ihm zu Diensten stehen, wie es Gott zu Diensten steht.[18]

Nur das, was ein Mensch aus freiem Willen nach seiner freien Einsicht tut, ist wahrhaft getan und bringt Nutzen auf eine oder die andere Art. Bei jeder erzwungenen Arbeit und Tat arbeitet stets Zorn und Rache gegen den Zwinger mit, und das kann ewig kein Segen für welches Werk auch immer sein.[19]

Man soll nicht für den Lohn der Welt tätig sein, sondern in allem Guten (d.h. im Dienst Gottes).[20] Wer für den Himmel arbeitet, der wird vom Himmel belohnt werden zeitlich und dereinst ewig. Wer für die Welt arbeitet, der erhält einen schnöden und vergänglichen Lohn und keinen himmlischen. Wer auf der Welt einer guten, den armen Brüdern erwiesenen Tat irgendeinen wie immer gearteten Lohn nimmt oder verlangt z.B. auch Dank und Lob, dessen Lohn ist im Himmel dahin.[21]

Lebensunterhalt

siehe Lebensunterhalt

Freiheit von seinen Taten

Es ist ewig unmöglich, das Geschehene ungeschehen zu machen und sich von seinen Taten zu befreien, solange man die Erinnerung seines Gefühls an dieselben flieht. Nur die Wahrheit kann das Herz und sodann auch den Geist freimachen. Die Wahrheit muß in allem gesucht werden, dann erst wird man im freien Geist erst völlig erkennen, was eigentlich die Sünde ist, und wie es dem Herrn ein leichtes ist, einen aller seiner Sünden zu entheben, selbst wenn ihre Zahl größer ist als der Sand im Meer. (nach Kisehel)[22]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.209.19-23
  2. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 297.12-16
  3. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.245.9
  4. Jakob Lorber, Bischof Martin 47.8
  5. Jakob Lorber, Bischof Martin 47.11
  6. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400815.33
  7. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 474
  8. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 475
  9. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 484
  10. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 530
  11. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 358; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 471-472; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 530
  12. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 472
  13. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.142.2
  14. Jakob Lorber, Bischof Martin 34.20
  15. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.142.3
  16. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.143.2-6
  17. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.130.6
  18. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.93.6-8
  19. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.27.8
  20. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.50.1-2
  21. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.222.9-10
  22. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.196.16-18
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