Unschuld
Obwohl die Unschuld vor Augen liegt und sich aus der Rede, den Gebärden, namentlich bei Kindern, ausspricht, wissen in der Welt wenige, was Unschuld bedeutet und welcher Art sie ist und daß sich in ihr der Himmel beim Menschen auswirkt. Am wenigsten wissen es die Bösen.[2]
Der Mensch wurde geschaffen, daß er als Kind in der äußeren Unschuld lebt, später als Greis zur inneren Unschuld (Unschuld der Weisheit, siehe unten) gelangt, damit er durch jene in diese und durch diese in jene gelange. Daher nimmt der Mensch, wenn er alt wird, inbezug auf seinen Körper ab und wird von neuem wie ein Kind, aber ein weises, d.h. ein Engel.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Wesen
Die Unschuld stellt das Wesen alles Guten dar, sie ist das Innerste des Guten. Das Gute ist nur insoweit gut, soweit Unschuld darin wohnt. Dasselbe gilt für die Weisheit, die Liebe, die Nächstenliebe und den Glauben. Das Wahre mit dem Guten und das Gute mit dem Wahren kann durch nichts anders verbunden werden als durch die Unschuld.[4] Alle Unschuld stammt vom Herrn, weshalb er auch im Wort das "Lamm" genannt wird.[5]
Unschuld und Friede gehen Hand in Hand, wie das Gute und sein Angenehmes.[6]
Die Unschuld besitzt die Eigenschaft, daß ihr alles eingepflanzt werden kann, was zum Himmel gehört. Sie ist ein Aufnahmegefäß für alles Himmlische - das Wahre des Glaubens und das Gute der Liebe.[7]
Weil die Unschuld das Innerste in allem Guten des Himmels ist, darum ergreift sie auch die Gemüter so sehr. Wer sie erfährt - und dies geschieht bei der Annäherung eines Engels des innersten Himmels -, scheint seiner selbst nicht mehr mächtig und wird von einer solchen Wonne überströmt und gleichsam fortgerissen, daß im Vergleich damit alle Lust der Welt nichtig erscheint.[8] Jeder, der sich im Guten der Unschuld befindet, wird auch durch die Unschuld angerührt, und zwar so weit, wie er sich diesem Guten geöffnet hat. Die anderen aber, werden auch nicht durch sie berührt, weshalb in der Hölle alle ganz und gar gegen die Unschuld sind. Sie wissen nicht einmal, was Unschuld ist, und brennen desto stärker vor Begierde, jemandem Schaden zuzufügen, je unschuldiger dieser ist.[9]
Der Zustand der Unschuld wird vom Herrn in Mt 6.25-34 beschrieben, jedoch in lauter Entsprechungen.[10]
Die Unschuld entspricht der Nacktheit.[11]
Unschuld der Weisheit
Die Unschuld der Weisheit ist eine echte Unschuld, da sie innerer Art ist. Sie besteht hauptsächlich in dem Glauben und der damit zusammenhängenden inneren Wahrnehmung, aus sich selbst nichts Wahres zu wissen und nichts Gutes zu vermögen, wodurch sie der geistigen Wiedergeburt gleicht. Sie liegt im Gemüt und folglich im Willen und daraus dann auch im Verstand. Wer sich in der Unschuld befindet, eignet sich nicht selbst Gutes zu, sondern allein dem Herrn, dem er dafür dankt. Solche wollen vom Herrn geführt, nicht von sich selbst geführt werden. So vermögen sie alles Gute und Wahre aufzunehmen, woraus alle Weisheit stammt. Sie lieben alles Gute und freuen sich an allem Wahren, weil sie wissen und empfinden, daß das Gute lieben und daher auch wollen und tun, den Herrn lieben heißt, und daß das Wahre lieben bedeutet, den Nächsten zu lieben. Sie sind zufrieden mit dem was sie haben, es sei wenig oder viel, weil sie wissen, daß sie soviel empfangen, wie gut für sie ist. Nicht sie wissen, was ihnen gut tut, vielmehr allein der Herr, dessen Vorsehung bei allem das Ewige berücksichtigt. Daher machen sie sich auch keine Gedanken um die Zukunft, die sie als "Sorge für den morgigen Tag" bezeichnen. Gegenüber ihren Gefährten handeln sie niemals aus böser Absicht, sondern stets aus Güte, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit. Was sie vom Herrn hören, es sei mittels des Wortes oder mittels der Predigt, legen sie nicht im Gedächtnis nieder, sondern befolgen, wollen und tun alles sogleich, denn der Wille ist ihr eigenstes Gedächtnis. Der äußeren Gestalt nach erscheinen sie meist einfältig, der inneren Gestalt nach sind sie weise und klug. Sie sind es, von denen der Herr spricht, wenn er sagt: "Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben." Mt 10.16 [12] (siehe auch Höchster Himmel)
Unschuld der Kinder
siehe Unschuld der Kinder
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 280; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 341
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 276
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 278
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 281; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 285
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 282
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 288
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 330; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 341
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 282
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 283
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 281
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 179
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 278-279; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 341