Verdammnis
Nach der heidnisch-christlichen Lehre der ewigen Verdammnis dauert die Liebe Gottes nur solange der Mensch auf der Erde lebt. Ist er einmal dem Leib nach gestorben, dann fängt ein strenges Gericht Gottes an, wo von Liebe und Erbarmung ewig keiner Rede mehr ist. Hat der Mensch durch seine Lebensweise den Himmel verdient, so kommt er nicht zufolge der göttlichen Liebe, sondern zufolge der göttlichen Gerechtigkeit in den Himmel, durch den gottwohlgefälligen Verdienst. Hat der Mensch nicht so gelebt, wird er ewig verdammt.[1]
Diese Lehre kann aus folgenden Gründen nicht richtig sein:
- Es wäre so, als würde ein törichter Vater seinen Kindern von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr (das 7. Lebensjahr entspricht etwa dem geistigen Alter des leiblich gesehen erwachsenen Menschen, der gegen Gott und die Engel wie ein Kind ist) die vollkommene Freiheit schenken und sie danach entweder beseligen oder verdammen, wobei er die sich im Verlauf der sieben Jahre nicht völlig nach seinem Gesetz gebessert haben, auf alle Zeiten aus seinem väterlichen Haus verflucht. Selbst für einen gewöhnlichen Menschen wäre ein solches Verhalten eine schändliche Tyrannei und Dummheit. So etwas kann unmöglich je einem Gott zugeschrieben werden, der die allerhöchste Liebe und Weisheit selbst ist.[2] Nicht einmal Menschen, die ihr ganzes Leben lang nie gut gewesen sind, verdammen ihre schlimmen Kinder, sondern wenden ihnen all ihre Sorge und Liebe zu.[3]
- Wenn Gott selbst die bösartigsten Tyrannen der Welt für ewig in die Hölle verdammen sollte, dann wäre Er als Richter selbst ein tausendmal größerer Tyrann, als diese es waren.[4]
- Jesus bat den Vater selbst am Kreuz noch um Erbarmen für die Übeltäter. Nach der falschen Lehre der ewigen Verdammnis, nach der Gott alle diese Verbrecher schon lange in das tiefste höllische Feuer verdammt hat, war es dem Herrn offenbar nicht wirklich Ernst mit Seiner Bitte. Er wäre also ein Heuchler gewesen, der nur dem Schein nach am Kreuz um Vergebung bittet.[5] Auch den linken Schächer, der Jesus am Kreuz verhöhnte, hat Er nicht verdammt und den rechten Schächer, der den linken ermahnte, versprach Er noch am selben Tag zusammen mit Ihm im Paradies zu sein, trotzdem dieser ein Räuber und Mörder war.[6]
- Man weiß aus dem Wort, daß der Herr für alle Menschen das Heil und für niemandem die Verdammnis will.[7]
- siehe auch Jüngstes Gericht in den Bibelevangelien
Gott läßt selbst den Satan und die Teufel nicht zugrunde gehen. Er sorgt auf jede mögliche ordnungsmäßige Weise dafür, daß sie alle am Ende doch jenes Ziel erreichen, das ihnen von Seiner Ordnung von Ewigkeit her gestellt ist.[8]
Da Gott Selbst das ewigste Leben ist, so kann Er doch nie Wesen für den ewigen Tod erschaffen haben. Eine sogenannte Strafe, wo sie auch immer vorkommen mag, kann daher nur ein Mittel zur Erreichung des Hauptzweckes sein und ewig nie des Gegenteils. Daher denn auch von einer ewigen Strafe nie die Rede sein kann.[9]
Eine ewige Verdammnis gibt es nur in dem Sinn, als daß Weltmenschen nach dem Naturleben für ewig aufhören zu sein. Sie verfallen der Seele nach - weil ihre Seele materiell anstatt geistig geworden ist - der materiellen Wiedergeburt oder Reinkarnation.[10]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.95.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.95.10-11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 93.5-6
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.334.5
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 2.95.12-15; Lorber, Himmelsgaben 3.334.5-7
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.335.9
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 524
- ↑ Jakob Lorber, Robert Blum 2.153.6
- ↑ Jakob Lorber, Robert Blum 2.226.7
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 2.98.6-8; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.11.2-3