Prophezeiung

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Dieser Artikel behandelt Prophezeiung im Sinne von Zukunftsvorhersagen. Für Prophezeiung im Sinn von Prophetie siehe Offenbarung.

Niemand soll, durch was immer für ein außerordentliches Mittel, die Zukunft enthüllen wollen, solange der Mensch für dieselbe noch nicht reif ist. Solche Enthüllungen sind nicht nur der Seele im höchsten Grad schädlich, sondern auch höchst unsinnig und dumm, da es ewig nirgends eine bestimmte Zukunft gibt. Diese richtet sich stets nur nach dem freien Willen der Menschen. Durch die geistige Wiedergeburt wird für den Menschen die Zukunft ohnehin enthüllt sein; solange das aber nicht der Fall ist, da gibt es für den Menschen im Grunde gar keine Zukunft.[1]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Was der Herr vorhersagt, das erfüllt Er auch getreu, aber nur für den Geist (geistig) und nicht für den notwendig sterblichen Leib (materiell). (nach Johannes)[2]

Der Herr ist unendlich treu in allen Seinen Verheißungen, fordert aber auch mit göttlichem und schöpferischem Recht eine solche Treue von den Menschen nach ihrer Kraft. Daher ist Sein Wille unbedingt zu erfüllen. Der Herr wird alles pünktlich halten, was Er verheißen hat, wenn man Seinen Willen völlig werktätig beachten wird. Im Gegenteil aber läßt Er jedermann sitzen bis in den Tod; wer sich nicht um Ihn kümmert, um den kümmert Sich auch der Herr nicht und läßt ihn seine Wege gehen, die allzeit sicher ins Verderben führen. (nach Henoch)[3]

Gott wurde schon oft aus zu übergroßer Liebe wortbrüchig und hielt nicht Seine gerechte Härte. Sein Zorn ist der Zorn einer Taube für die Reumütigen; aber Seine Liebe ist gleich einer starken Quelle, die das Weltmeer unablässig nährt. (nach Henoch)[4]

Willensfreiheit und Prophezeiungen

Es stellt sich die Frage, wie es um die Willensfreiheit bestellt ist, wenn die Propheten stets durch ihr Handeln und Reden das zukünftige Geschehen bestimmen. Richtig ist, daß die Propheten nur die notwendigen Folgen anzeigen, welche aus einer Handlung des Menschen zur bestimmten Zeit so bestimmt hervorgehen. Gott zeigt durch die Propheten den Menschen die notwendigen Folgen ihrer Handlungen an.[5] Ändert der Mensch seine Handlungen, dann werden auch andere Früchte zum Vorschein kommen, was ohnehin von jedem (echten) Propheten beigesetzt wird, denn dieser spricht und handelt stets nur bedingungsweise. Die Propheten beeinträchtigen daher die Freiheit des Menschen keineswegs, sondern begünstigen sie außerordentlich, indem der Mensch dadurch seine Handlungen kennenlernt und sie dann erst ganz frei ausüben kann.[6]

Jede Prophezeiung oder Weissagung ist unter gewissen Bedingungen aufgestellt, die sich auf die Besserung oder Verschlechterung der Menschen beziehen. Allein die Fleischwerdung Gottes ist den Menschen zu ihrem Heil als ganz bestimmt vorhergesagt worden, da sie pur das Werk Gottes ist.[7]

Kritik der Weltweisheit

Die Weltweisheit kritisiert die Prophezeiungen des Herrn folgendermaßen:

Es läßt sich beobachten, daß der Herr Reichtum verheißt, aber Armut gibt, daß Er jemandem ein langes Leben zusagt, dieser sich aber bald auf Leiden und ein baldiges Ende gefaßt machen muß, dem Er des Lebens Freiheit geben will, der wird in Kürze ein irdisch Gefangener, die Er lieb hat, die läßt Er versuchen und gewaltig züchtigen, die getreu an Ihm und Seinem Wort hängen, läßt Er Not und Verfolgung erleiden und die Ihn über alles lieben, läßt Er kreuzigen usw. (nach Uhron)[8] Der Herr verhieß Seinen Königen eine ewige Herrschaft, und sie starben wie ein jeder andere Mensch. Er verhieß einem Volk (den Juden) ein ewiges Land und Reich, und dieses Volk hat es dennoch verloren. Er hat Weise erwählt, die dem Volk Seinen Willen offenbaren mußten, als dann aber solche Offenbarung hätte erfüllt werden sollen, da standen die Weisen (z.B. Jona) wie Maulhelden da, denn der Herr ließ nicht geschehen, was Er durch sie verkünden ließ. Man kann sich auf die Verheißungen des Herrn also nicht ganz buchstäblich verlassen. (nach Uhron)[9]

Richtig ist:

Irdisch genommen sind diese Vorwürfe wohl richtig. Die Worte und Prophezeiungen des Herrn sind jedoch von höchster geistiger Natur und ihre wahre Geltung betrifft den Geist und nicht das vergängliche Fleisch. Daher gehört ein rechtes geistiges Verständnis dazu, um sagen zu können, ob der Herr in Seinen Vorhersagen getreu ist oder nicht. Was der Herr verheißt, das erfüllt Er auch getreu, aber nur für den Geist und nicht für den notwendig sterblichen Leib. (nach Johannes)[10]

Rein-Geistiges kann nicht ganz natürlich dargestellt werden, sondern nur mithilfe natürlicher Bilder (Entsprechungen), in denen sich Geistiges und Himmlisches ebenso befindet, wie innerhalb eines natürlichen Leibs. Ein rein materielles Wort hätte keinen Nutzen für den Geist. (nach Johannes)[11]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die Erde 69.19-20
  2. Jakob Lorber, Bischof Martin 181.2
  3. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.272.10-12
  4. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.46.6
  5. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.36.8-10
  6. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.36.13-14
  7. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.99.10
  8. Jakob Lorber, Bischof Martin 180.3
  9. Jakob Lorber, Bischof Martin 180.5-6
  10. Jakob Lorber, Bischof Martin 181.1-2
  11. Jakob Lorber, Bischof Martin 181.21-22
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