Tod
Kein Ding, das irgend von Gott einmal ins wie immer geartete Dasein gerufen worden ist, kann je vergehen und zunichte werden, da der Wille Gottes in Ewigkeit unwandelbar ist. Es kann jedoch die Form verändern und aus einer minder edlen in eine stets edlere übergehen, auch umgekehrt, wie beim Fall der erstgeschaffenen Geister.[4]
Die Ordnung Gottes will nichts zerstören, sondern nur alles erhalten; sie muß sogar alles erhalten, weil selbst die Gottheit würde leiden, wenn auch nur das Kleinste, das auch aus Ihr hervorging, zerstört werden könnte. Nach Zerstörung dürstet allein die Hölle.[5]
Hätte Gott alle Dinge fürs Verderben und für die endliche Vernichtung erschaffen, da wäre Er nicht weise, wenn Er überhaupt etwas geschaffen hätte. Einer solchen Tat wäre kaum selbst die größte und bösartigste Torheit fähig, geschweige denn Gott, der ein heiliger, ewiger, unendlich weiser und liebevoller Gott und Vater aller Seiner Kinder ist. Er hat alles nur für die ewige Dauer erschaffen und nicht einmal der leiseste Gedanke, den der geringste Mensch gedacht hat, soll zugrunde gehen.[6]
Alles irdisch Geschaffene nimmt einmal ein Ende, so es durch die Vollwerdung der göttlichen Liebe in sich nach und nach ganz ins rein Geistige übergegangen ist. Auch die Erde wird nicht ewig bestehen, sondern nach und nach ins Geistige übergehen. Es wird jedoch noch unvorstellbar lange Zeit dauern, bis das Feuer der göttlichen Liebe alle Materie in ihr ursprünglich Geistiges aufgelöst haben wird. Nachdem das Alte aufgelöst wurde, tritt Neues an dessen Stelle und nimmt die übrig gelassenen Lebensgeister des Alten zur weiteren Pflege und Ausbildung auf. So hat das eigentliche Erschaffen ewig kein Ende, weil Gott ewig nie aufhören kann, in Seiner ewig unbegrenzten Liebe und Weisheit zu denken, zu wollen und zu lieben.[7]
Alles auf der Welt kann einen töten, weil alles selbst in sich den Tod trägt - nur die alleinige Liebe nicht, so man sie in ihrer Reinheit bewahrt.[8] Jedoch selbst die rechte Liebe muß sich zu Tode lieben, entweder im Geiste oder in der Tat des Fleisches und dieser Tod ist erst die wahre Auferstehung zum wahren ewigen Leben, in dem dann diese Liebe ganz allein leben wird in der allerhöchsten, sich stets und ewig steigernden Glückseligkeit. Wer jedoch die Welt liebt, der wird sterben in der stets wachsenden Weltliebe; da die Welt kein Leben hat, sondern nur den Tod, so wird der in der Weltliebe Gestorbene nicht erstehen zu einem neuen Leben, sondern zum neuen Tod nur. Dasselbe geschieht denen, die das Fleisch oder sich selbst lieben oder gar nichts lieben oder alles hassen, ebenso den Zornigen, Neidischen (Gewalttätigen), Geizigen und Habgierigen. Wer sein irdisches Leben liebt, das ein vorübergehender Tod oder ein teilweise fortwährendes Sterben ist, der wird nicht mehr zu sterben aufhören. Es tötet jede Liebe, auch die Gottesliebe; aber in keiner getöteten Liebe wird sich das Leben je wiederfinden denn allein in der Liebe zu Gott, weil Er allein das ewige Leben Selbst ist. Zwar wird sich jede Liebe ihrer selbst bewußt wiederfinden, jedoch ist es ein großer Unterschied ob im Leben oder ob im Tod.[9]
Über die Toten
Ein "Toter" handelt so, als wäre ihm der Tod lieber als das Leben, d.h. er wünscht sich die ewige Vernichtung (geistiger Tod, Nirwana) anstatt des ewigen Lebens, da er das ewige Leben nicht verstehen kann und für das irdische Leben hält, das aber nur ein fortwährendes Sterben ist. Der Gemütszustand eines solchen Menschen wird von Enos in Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.127.5-21 beschrieben.[10]
Sieht ein solcher Toter aber den Leibestod nahen, da erschrickt er und fängt an zu zagen und zu zweifeln, d.h. er fürchtet die Vernichtung, für die er doch durchs ganze Leben so entschieden gearbeitet hat. Dies liegt daran, daß solange der Tote noch die Kraft des Lebens in sich gewahrte, er ein Herr über den Tod war und keine so grobe Furcht vor ihm hatte, da er als der also Lebende nicht wissen kann in der freien Anschauung der Dinge um sich, wie er im Tod für diese keine Sinne mehr haben wird. Wenn er also merkt, wie die Kraft seines Scheinlebens schwindet, seine Sinne schwächer werden und somit auch die Dinge um ihn zu verschwinden anfangen, und er die Macht des Todes und das Schreckliche des Nichtseins zu empfinden beginnt, da erst gewahrt er den großen Unterschied zwischen Leben und Tod und wird alles versuchen und aufbieten, was ihm das Leben wiederbringen möchte.[11]
Leider aber wird es dann für viele zu spät sein, da das ewige Leben einer vollreifen Frucht gleicht, das Natur- oder Fleischleben einer unreifen. Der Kern einer reifen Frucht ist frei und fest geworden und kann ohne den geringsten Nachteil von der äußerne Fleischhülle getrennt werden, da er schon alles Leben in sich aufgenommen hat und keinen Tod mehr empfindet. Jedoch bei einer unreifen Frucht, wo die äußere Masse mit dem Kern noch ein mattes Leben lebt, da stirbt der Kern, wenn die äußere Masse zu sehr verletzt wird! Daher soll jeder (zur Zeit und nicht erst im Angesicht des Todes) für die Vollreife seines Geistes sorgen, die dann erfolgen wird, wenn sich der Geist von allen Begierden des Fleisches losgemacht haben wird. Hat jemand das erreicht, ist er auch ein Herr des Lebens geworden.[12]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.124.26-33; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.132.14-17
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 126.12
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.10.3-4
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.232.6-7
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 126.8; Jakob Lorber, Bischof Martin 158.7
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.108.16-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.226.12-14
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 111.16
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.150.10-15; Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 111.13-15
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.150.13; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.131.1; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.131.11
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.131.12-18
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.131.19-24