Verstand

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Natürlicher Verstand = Gehirnverstand = Licht der Seele = "Verstand" gemäß Lorber (Swedenborg verwendet hierfür eher "Gedächtnis" oder "natürliches Denken" usw.)
Geistiger Verstand = geistiger Mensch = geistiges Licht = "Verstand" gemäß Swedenborg
Der schlafende Verstand produziert Monster
Die sich im geistigen Licht befinden, sehen in Klarheit unzählig vieles, was jene, die sich im natürlichen Licht (Gehirnverstand) befinden, gar nicht oder nur als einen einzigen Gegenstand undeutlich erblicken.[1] Die natürlich Denkenden heften ihren Blick nur auf die Welt und schreiben alles der Natur zu. Die geistig Denkenden richten ihr Auge auf den Himmel und schreiben alles dem Göttlichen zu. Das geistige Licht ist völlig verschieden vom natürlichen Licht. Im geistigen Licht können Dinge erreicht werden, die dem natürlichen unerreichbar bleiben.[2]

Vernunft und Verstand haben ihren Grundsitz im Gehirn und im Blut, das das Gehirn in einer gewissen tätigen Spannung erhält, wodurch dieses die Fähigkeit beibehält, die Eindrücke und Bilder der materiellen Außenwelt aufzunehmen, sie zu vergleichen in ihren Formen und Wirkungen und sich endlich daraus einen Kreis von allerlei Schlüssen zu bilden.[3]

Inhaltsverzeichnis

Natürlicher Verstand

Der Verstand des Gehirns ist ein totes Weltlicht des Menschen, das naturmäßige Licht der Seele, das nicht in die innersten Lebensregionen des Geistes und seiner Kraft dringen kann.[4] Er ist nur sich selbst bildend aus lauter materiellen Begriffen zusammengestellt, ein Aufnahmeorgan der Seele, durch das diese zur Anschauung der Außenwelt gelangt. Er kann daher nichts Geistiges erfassen.[5]

Jeder Mensch soll den Verstand ausbilden und vernünftig denken lernen, aber nicht nach der Weise der Welt, sondern nach der Weise der wahren Kinder Gottes, wodurch auch der Gehirnverstand bald zu einer Lichtstärke gelangt, gegen die alle Weltweisheit eine große Finsternis ist.[6] Der rechte Verstand ist ein Wegbereiter für den Herrn, der mit Johannes dem Täufer verglichen wird (siehe Jakob Lorber, Robert Blum 1.39), er bereitet durch den Glauben die Wege zum Verständnis des Herrn und tauft die Seele mit dem Wasser der Demut und des willigen Gehorsams.[7]

Das Wissen, Glauben und Handeln des Verstandes (für sich genommen) ist eine eitle Träumerei und birgt keinen Lebensnutzen, denn im Herz (Gemüt) weilt das Leben.[8] Das Leben ist nur im Herzen und geht davon in alle Teile des Menschen aus, und damit auch in den Kopf (Verstand), welcher in sich kein Leben hat, sondern tot ist.[9] Gott sieht nie auf die Werke des Verstandes, wenn dieser das Herz verabschiedet hat. Über das Herz gießt Er Sein heilendes Liebelicht aus, damit es heil werde zum ewigen Leben und zu Ihm zurückkehrt.[10]

Der Verstand kann unmöglich je etwas rein Geistiges erfassen, weil er dem Menschen nur zur Versorgung seines Leibes gegeben ist.[11] Mit dem Verstand allein läßt sich Gott auch deswegen nie erfassen und begreifen, weil dieser der Seele gegeben war, um den Geist in ihr von der Gottheit zu trennen. So der Mensch nur mit dem Verstand Gott suchen und finden will, dann entfernt er sich nur umso mehr.[12]

Wer durch pures Beobachten und Beurteilen seines Verstandes zur inneren, wahren Weisheit des Geistes aus Gott gelangen will, der gerät auf Abwege und findet nicht einmal sich selbst und noch weniger Gott.[13] Wer es nicht von Gott lernt, dem werden ewig die Dinge verborgen bleiben, die als Ankerpunkte zu einem höheren Denken und Fühlen des Geistes als fundamentale Grundlage da sein sollen.[14]

Höhere Erkenntnisse auf dem Weg der Verstandesforschungen scheinen zwar am Anfang den Geist überraschend zu sättigen, aber kurze Zeit bemerkt sein begehrender Magen, daß ihn die paar Süßträublein nur schläfrig gemacht, aber nicht gesättigt haben, er also immer noch leer ist.[15]

Vergeistigung des Verstandes

Indem man den Verstand unter den Gehorsam des reinen Gefühls im lebendigen Glauben aus der Liebe zu Gott vollständig gefangen nimmt, wird man alle Dinge schauen, wie sie sind, und dann erst wird man klar und deutlich einzusehen anfangen, wo die ewige Sonne der Wahrheit und Wirklichkeit leuchtet.[16]

Vernunft und Verstand sind ein weltbeherrschendes Ehepaar und stehen neben der Hölle (im Sinne des natürlichen Lebens und dessen Leidenschaften) in der größten Gunst jedes Menschen, gegen die er fast nie oder nur selten auch nur etwas Kleinlichstes einzuwenden hat. Wenn der Herr den Menschen zu Sich erheben will, bleibt Ihm nichts anderes übrig, als auch diesen seinen intimsten Hausfreunden vollste Amnestie zu geben (d.h. Vernunft und Verstand werden vom Herrn in veredelter Form angenommen, und nicht etwa vernichtet, wie vorzüglich die Rationalisten unterstellen).[17]

Das Weltlicht muß abnehmen, gleich dem Licht des Mondes, damit man fähig wird, nach der vollständigen Hingabe des Weltlichts ein neues Licht aus den hohen Himmeln aufzunehmen, welches die wahre Liebe ohne Eigennutz und daraus die Gnade des großen, heiligen Gottes ist.[18]

Kein Mensch kann durch Ausbildung seines Verstandes mithilfe von Bibliotheken und hochtrabenden Universitätsprofessoren zur Wiedergeburt und zur Taufe des Heiligen Geistes gelangen, sondern lediglich nur durch die Demut und große Liebe seines Herzens. Er muß der Welt alles bis auf den letzten Heller zurückgeben, auch die hochmütig machenden Wissenschaften seines Kopfes.[19]

Solange der Verstand einen Beweis verlangt, um eine Lehre oder Offenbarung anzunehmen, so lange ist auch der Geist wie ein Gefangener im finsteren Gefängnis. Da dem verhungernden und verdurstenden Geist durch Beweise aber nur eine magerste Kost erteilt wird, kann er nie zu jener Kraft gelangen, vermöge welcher er sich von seinen Fesseln befreien könnte. Nimmt aber der Verstand des Herzens frei, ohne Beweise etwas an (siehe Glaube), da zeigt das Herz sogleich seine frei Kraft, die in den Geist übergeht und ihn frei macht. Ist der Geist frei, dann ist alles frei im Menschen: die Liebe, das Licht und das Schauen. Da braucht es keines Beweises für die Wahrheit mehr, denn da ist der freie Geist selbst die klarste und vollste Wahrheit aller Wahrheit (nach Petrus).[20]

Geistiger Verstand

Verstand und Wille machen den eigentlichen inneren oder geistigen Menschen aus und haben auch die gleiche Gestalt wie der Mensch, weil sie bis in die kleinsten Teile seines Körpers einwirken, indem sie den ganzen Körper in Bewegung setzten. Was immer ein Mensch tut, das tut er aus dem Verstand und aus dem Willen - aus dem Willen durch das Gute und aus dem Verstand durch das Wahre. Der Verstand ist eine Sache des Wahren, weil er ganz und gar aus Wahrheiten besteht und sich daraus bildet, d.h. alles was jemand versteht, nennt man wahr. Alles, was zum Verstand gehört, bezieht sich auf das Wahre.[21] Das Wahre und der Glaube sind dem Verstand zugehörig,[22] der Verstand ist das Aufnahmegefäß für den Glauben.[23]

Außer dem Gesichts- und Gehörsinn verdunkeln und schwächen die Sinne den Verstand soweit, wie sie überwiegen. Die Menschen sind im Hinblick auf das geistige Wahre umso stumpfsinniger und dümmer, je mehr sie sich dem Geschmack und den Reizen des körperlichen Kitzels hingeben.[24]

Aufgrund seines Verstandes kann der Mensch denken und begreifen, was wahr und was gut ist. Er denkt es jedoch nicht aus dem Willen, außer er will und tut es auch, erst dann ist es ein Teil von ihm geworden. Was hingegen nur dem Verstand angehört, ist zwar beim Menschen, aber nicht in ihm, bleibt eine Angelegenheit seines Gedächtnisses und der Kenntnisse, an die er denken kann, wenn er nicht innerlich in sich selbst, sondern außer sich bei anderen ist. Er kann dann darüber rede und Betrachtungen anstellen und auch Gefühle und Gebärden heucheln.[25]

Der Verstand entspricht den Augen.[26] So wie das Sehen des Auges durch natürliche Eindrücke, die Gegenstände der natürlichen Welt, angeregt wird, wird das Sehen des Verstandes durch geistige Eindrücke, die Dinge der geistigen Welt, angeregt.[27] Weil der Verstand dem Licht zuzuschreiben ist, sagt man von ihm dasselbe wie vom Auge, nämlich daß er sehe und erleuchtet sei, wenn er erkennt, verdunkelt und umschattet, wenn er nicht erkennt usw. Das geistige Licht des Menschen besteht im Licht seines Verstandes, und dessen Objekte sind Wahrheiten, die er in diesem Licht zergliedert und ordnet, in das Verhältnis von Grund und Folge zueinander setzt und aus denen er der Reihe nach Schlüsse zieht.[28]

Der Verstand kann immerfort vervollkommnet werden, und zwar durch die Wahrheit, die der Einsicht zugeordnet ist.[29]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 308
  2. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 130
  3. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 2.185.2; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.62.1; Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.122.15
  4. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.83.3; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.57.14
  5. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.76.6-7
  6. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.100.14
  7. Jakob Lorber, Robert Blum 1.39.7-9
  8. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.243.6
  9. Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 103.9
  10. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.76.23-24
  11. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 3.182.22
  12. Jakob Lorber, Robert Blum 1.35.2
  13. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.100.11-14
  14. Jakob Lorber, Naturzeugnisse 401014.4
  15. Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 31.15
  16. Jakob Lorber, Naturzeugnisse 401016.4
  17. Lorber, Himmelsgaben 3.346.7
  18. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.35.5
  19. Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen 30.12-13
  20. Jakob Lorber, Bischof Martin 162.10-11
  21. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 60; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 137; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 231; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 370; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 423
  22. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 368
  23. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 173
  24. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 462
  25. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 423
  26. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 145
  27. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 203
  28. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 130
  29. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 221
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