Wahrheit

Aus Prophetia
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Wahr wird genannt, was dem Verstand oder Gedächtnis angehört und aus diesem zum Denken wird.[1] Das Wahre ist die Form des Guten, aus dem es alle Macht hat.[2] Alle Wahrheit ist ein Licht, das von der sanften Flamme der ewigen Liebe ausgeht. Die höchste, ewige Wahrheit ist Gott.[3] Es läuft auf dasselbe hinaus, ob man sagt Wahres oder Glaube, ist doch der Inhalt des Glaubens etwas Wahres.[4]

Menschen können, wie die bösen Geister, auch ohne Neigung zum Guten Wahrheiten sehen und anerkennen. Dies verhält sich so, damit die sie durch die Wahrheiten gebessert werden können. Aufnehmen können sie diese jedoch nur, soweit sie sich im Guten befinden, denn es ist das Gute, das die Wahrheiten aufnimmt, und durchaus nicht das Böse. Wer aber seinem Leben nach im Bösen ist, der wendet er sich bald wieder von den Wahrheiten ab und bestärkt sich im Falschen seines eigenen Bösen.[5]

Inhaltsverzeichnis

Wesen

Das Wahre entspricht dem Licht.[6] Die Wahrheit ist das göttliche Licht, welches in der Lüge nicht zu Hause ist. (nach Henoch)[7]

Es gibt dreifache Wahrheiten: bürgerliche, sittliche und geistige.

  1. Die bürgerlichen Wahrheiten beziehen sich auf alles, was mit Rechtswesen und Staatsregierung zu tun hat oder, allgemein gesagt, mit der entsprechenden Gerechtigkeit und Billigkeit zusammenhängt.
  2. Die sittlichen Wahrheiten betreffen das persönliche Leben des Einzelnen in seiner Beziehung zur Gesellschaft und Gemeinschaft und hängen, allgemein gesprochen, mit Redlichkeit und Aufrichtigkeit und besonders mit jeder Art von Tugend zusammen.
  3. Die geistigen Wahrheiten beziehen sich auf den Himmel und die Kirche, also allgemein auf das Gute, das zur Liebe, und das Wahre, das zum Glauben gehört.[8]

Gott fließt unmittelbar in das Gute ein und mittelbar durch das Gute in das Wahre. Anders ausgedrückt: Der Herr fließt unmittelbar in das Wollen und mittelbar durch das Wollen in das Denken des Menschen ein. Alles Wahre wird in Gutes verwandelt und der Liebe eingepflanzt, sobald es in den Willen eingeht. Leben geht aus Wärme (Liebe) hervor, denn mit deren Entfernung schwindet es auch. Dasselbe gilt auch für das Wahre ohne Gutes. Solange das Wahre nur im Gedächtnis und von da aus im Denken ist, wird es weder zum Guten, noch lebt es, oder wird dem Menschen angeeignet, denn der Mensch ist Mensch aufgrund seines Willens und des daraus entspringenden Verstandes, nicht aber aufgrund des vom Willen getrennten Verstandes.[9]

Weil das göttliche Wahre das Licht der Himmel ist, darum leuchten auch alle Wahrheiten, wo immer sie sein mögen, wenn auch außerhalb der Himmel nicht in derselben Weise wie innerhalb. Die Wahrheiten außerhalb der Himmel haben ein frostiges Licht ohne Wärme, da es seinem Wesen nach nicht vom Guten herrührt. Dieses Schneelicht verschwindet, und wird in Finsternis verkehrt, wenn ihm Böses zugrunde liegt.[10]

Das Wahre lieben bedeutet, den Nächsten zu lieben.[11] Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten umfassen alle göttlichen Wahrheiten, vgl. Mt 22.37-40[12]

Die größte und heiligste aller Wahrheit besteht darin, daß die Menschen Kinder Gottes sind und Gott ihr Vater ist.[13]

Die reine und lebendige Wahrheit ist eine allzeitige und höchste Verehrung und wahrste Anbetung Gottes.[14]

Die helle und reine Wahrheit bleibt ewig und ist selbst das höchste Zeichen, das aus den Himmeln zu jeder Zeit den Menschen, die es suchen, gegeben wird.[15]

Im gesamten Weltall und der Natur bezieht sich alles, was in der göttlichen Ordnung ist, auf das Gute und Wahre, sowie auf deren Verbindungen.[16]

Wirkung

Einsicht und Freiheit

Wo Wahrheit ist, da ist Licht und Freiheit, denn das Licht der Wahrheit macht jedes Herz frei. Ist aber das Herz frei, so ist auch der ganze (innere oder eigentliche) Mensch frei.[17]

Aus dem Wahren entspringt Einsicht.[18] Jeder vermag aufgrund des Wahren aus dem Guten das Böse und dessen Falsches zu erkennen, denn das dem Guten entspringende Wahre ist Licht. So jemand ist ein Sehender mit offen Augen und weiß die Dinge des Lichts von denen zu unterschieden, die im Schatten liegen.[19]

Sieg über die Lüge

Wer der Wahrheit ist, für den ist alle Lüge ins ewige Nichts gesunken. (nach Henoch)[20]

Charakterbildung

Die reine Wahrheit befriedigt das Herz und macht es sanft und demütig und dadurch gegen jedermann freundlich und liebdienstlich beflissen, weich und barmherzig.[21]

Erlangung des Himmels

Im Himmel werden alle aufgenommen, die das Wahre und Gute um des Wahren und Guten willen geliebt hatten. Die viel geliebt hatten, werden Weise genannt, während die anderen, die wenig geliebt hatten, als Einfältige bezeichnet werden. Im Himmel leben die Weisen in einem starken, die Einfältigen in einem schwächeren Licht, jeder nach dem Grad seiner Liebe zum Guten und Wahren. Das Wahre und Gute um seiner selbst willen zu lieben heißt, es zu wollen und zu tun, denn nur wer liebt, der führt auch tatsächlich aus, was er will, nicht aber die anderen, die es weder wollen noch tun. Die ersteren sind es auch, die den Herrn lieben und vom Herrn geliebt werden, weil Gutes und Wahres vorm Herrn stammen und darum auch der Herr darin ist, folglich der Herr auch bei denen ist, die das Gute und Wahre durch die Ausführung ihrem Leben einverleiben.[22]

Das göttliche Wahre

Die göttliche Liebe und das aus ihr hervorgehende göttliche Wahre ist vergleichbar dem Feuer und Licht der Sonne. Außer diesem Licht, gibt es kein Licht und selbst das Licht der Sonne ist nur ein matter Widerschein dieses herrlichen, einzigen Lichts.[23] Weil der Herr als Sonne (Gnadensonne) die göttliche Liebe und diese das göttliche Gute selbst ist, wird auch das von Ihm ausgehende Göttliche - sein Göttliches im Himmel - der Unterscheidung halber das göttliche Wahre genannt, obgleich es in Wirklichkeit das göttliche Gute, vereint mit dem göttlichen Wahren ist. Dieses göttliche Wahre wird als das von Ihm ausgehende Heilige bezeichnet.[24]

Wirkung

Durch das göttliche Wahre (das Licht, oder Wort Gottes) wurde alles gemacht und erschaffen. Wer von der Wahrheit nur die Vorstellung hegt, sie sei ein bloßer Gedanke oder eine Angelegenheit von Worten und könne höchstens andere Menschen aus Gehorsam zum Handeln bewegen, der kann die große Macht des göttlichen Wahren nicht glauben.[25]

Verbindung von Gut und Wahr

Das Gute und das Wahre lieben sich gegenseitig und wollen miteinander verbunden werden.[26] Der Verstand bildet sich durch die Aufnahme des Wahren, der Wille durch die Aufnahme des Guten. Es macht keinen Unterschied, ob man von der Verbindung des Verstandes und Willens spricht oder von der Verbindung des Wahren und Guten.[27] .

Nichts liebt sich gegenseitig mehr als das Wahre und Gute; von dieser Liebe stammt daher die wahrhaft eheliche Liebe.[28] Die Verbindung des Guten und Wahren hat ihren Ursprung in der göttlichen Liebe zu allen Geschöpfen im Himmel wie auf Erden. Aus der göttlichen Liebe geht das göttliche Gute hervor und wird von den Engeln und Menschen in Gestalt göttlicher Wahrheiten aufgenommen. Das einzige Gefäß des Guten ist das Wahre, daher vermag niemand etwas vom Herrn und vom Himmel zu empfangen, der sich nicht deren Wahrheiten verschrieben hat. In dem Umfang, in dem die Wahrheiten beim Menschen mit dem Guten verbunden sind, ist er daher mit dem Herrn und dem Himmel verbunden. Die Verbindung des Guten und Wahren in den Himmeln heißt eine himmlische Ehe.[29]

Das Gute und Wahre bilden, wenn sie beim Engel und Menschen verbunden sind, nicht mehr zwei, sondern eins. Mit dieser Verbindung verhält es sich ebenso, wie wenn der Mensch denkt, was er will und will, was er denkt, denn dann bilden Denken und Wollen eine Einheit, folglich ein Gemüt.[30]

Erlangung

Wer von der Wahrheit um der Wahrheit willen angeregt wird und sich darin bestärkt, erkennt das Wahre.[31]

Eine unreine Seele, die nicht mit dem Wasser der Demut und Selbstverleugnung gereinigt wurde, kann die Wahrheit nicht fassen, weil sie gleich der Nacht ist, während die Wahrheit eine Sonne voll Licht ist, die überall Tag um sich verbreitet.[32]

Wer die Wahrheit sucht, ohne zuvor die Liebe (zu Gott), der wird nichts als Trug finden und ein Doppelgänger sein und am Ende nicht wissen, welcher eigentlich der echte ist.[33]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 26, Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 368
  2. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 107; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 232
  3. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.86.5; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.220.18
  4. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 232
  5. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 153
  6. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 589
  7. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.101.17
  8. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 468
  9. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 26; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 136
  10. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 132
  11. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 278
  12. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 19
  13. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.80.26-27
  14. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.86.6
  15. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 6.178.18
  16. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 107; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 137
  17. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.24.14
  18. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 241
  19. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 487
  20. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.171.7
  21. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.146.4
  22. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 350
  23. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.41.18; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 13
  24. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 140
  25. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 137
  26. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 319
  27. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 422-423
  28. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 375
  29. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 371
  30. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 372
  31. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 352
  32. Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 1.18.8
  33. Lorber, Himmelsgaben 1.17.13
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