Willensfreiheit
Die Freiheit, oder das Vermögen, Gutes oder Böses zu wollen, bzw. Falsches oder Wahres zu denken und das eine dem anderen vorzuziehen, wird jedem Menschen vom Herrn verliehen und nie genommen. Ihrem Ursprung nach gehört sie nicht dem Menschen an, sondern dem Herrn, weil sie von Ihm stammt. Dennoch wird sie dem Menschen zugleich mit dem Leben als etwas geschenkt, das ihm gehört, weil er ohne Freiheit weder gebessert noch gerettet werden könnte. Der Geist des Menschen ist in Freiheit, nicht jedoch das Äußere des Menschen, dem sein Reden und Handeln entspringt, es sei denn, es geschähe im Rahmen der geistigen, sittlichen und bürgerlichen Gesetze.[1]
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Wesen
Das Verhältnis von Himmel und Hölle gleicht zweier Gegensätze, die von Gott im Gleichgewicht gehalten werden. Jedoch handelt es sich nicht um ein Gleichgewicht wie zwischen zwei gleich starken Kämpfern, sondern um ein geistiges Gleichgewicht des Falschen gegen das Wahre und des Bösen gegen das Gute. Die Hölle strömt aus dem Bösen fortwährend Falsche aus, umgekehrt der Himmel aus dem Guten fortwährend Wahres. Dieses geistige Gleichgewicht bewirkt, daß der Mensch in der Freiheit des Denkens und Wollens steht. Er kann entweder das Böse und das daraus resultierende Falsche aus der Hölle zulassen und in sich aufnehmen, oder aber das Gute und das daraus hervorgehende Wahre aus dem Himmel.[2] Stünde der Mensch nicht zwischen Gut und Böse, besäße er weder Denken noch Wollen und noch weniger irgendeinen Freiheit und Wahl.[3]
Bis zum Menschen sorgt ganz Gottes Liebe, Weisheit und Macht dafür, daß die Entwicklung des in der Weltmaterie gefesteten und gehaltenen Urgeistlebens von Stufe zu Stufe in eine stets größere Vollendung übergeht und sich fortbildet (Evolution). Aber beim Menschen, dem Schlußstein der Urgeistlebensentwicklung, ist nur die Einrichtung des materiellen Leibes zum allergrößten Teil von der Liebe, Weisheit und Macht Gottes abhängig, nicht jedoch die Entwicklung der Seele und ihres Geistes. Diese verfügt über die Vernunft, den Verstand, ein freies Denken, ein vollkommen freier Wille und die Kraft zu handeln, wie sie es für gut und nützlich erkennt.[4]
Wer ein freies Herz hat, der soll auch das freie Kreuz überkommen.[5]
Notwendigkeit
Erkenntnis und Entfernung des Bösen
Der Mensch kann ohne Freiheit nicht gebessert werden, weil er in Böses aller Art hineingeboren wird, das zuerst entfernt werden muß, damit er gerettet werden kann. Das wiederum ist nur möglich, wenn er es in sich sieht, es anerkennt, schließlich nicht mehr will und zuletzt sogar verabscheut. Erst dann wird es wirklich entfernt. Darum muß der Mensch sowohl im Guten wie im Bösen sein, denn nur vom Guten aus kann er das Böse erkennen, nicht aber umgekehrt aus dem Bösen das Gute.[6]
Erwerb des Guten
Dem Menschen wird nur das angeeignet, was er aus einer Neigung seiner Liebe heraus - d.h. freiwillig - tut. Er vermag sich zwar anderes anzueignen, doch nur seinem Denkvermögen, nicht seinem Willen nach. Was aber nicht in den Willen des Menschen eindringt, wird nicht sein Eigentum. Das Denken nährt sich aus dem Gedächtnis, der Wille jedoch aus dem Leben selbst. Der Mensch hat also Freiheit, damit er vom Wahren und Guten erfüllt werden, es lieben und folglich als Eigentum erwerben kann. Was er nicht in Freiheit annimmt, bleibt ihm nicht und gehört auch nicht seinem Geist an, dessen Sein in Lieben oder Wollen besteht.[7]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 597
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 536-537
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 546
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.102.3
- ↑ Jakob Lorber, Die Jugend Jesu 219.24
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 598
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 598