Zeremonie
Zeremonie, Rituale, Kultus
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Beziehung von ritueller und geistiger Religion
Der Unterschied zwischen rituellem und geistigem Kultus ist vergleichbar dem Weg und dem Ziel, oder dem zeitweiligen, wiederholten Üben, um z.B. ein Musikinstrument zu erlernen (=ritueller Kultus oder Schülerleben), und dem ununterbrochen Streben des Willens (=geistiger Kultus oder Meisterleben). Durch das Praktizieren des rituellen Kultus kann man den geistigen Kultus erlangen (insofern man nicht das Mittel zum Zweck macht). Ein Meister wird nicht Feind seines früheren Schülerlebens. Selbst als Meister macht er das, was er als Schüler gemacht hat, jedoch mit dem Unterschied, daß nun das, was er früher mühsam, schwerfällig und mit bedeutendem Kraftaufwand getan hat, mit großer Leichtigkeit, Ungezwungenheit und Bestimmtheit und voll der inneren geistigen Bedeutung macht.[1]
Mißbrauch
Wer Gott liebend im stillen ehrt und preist und dabei in aller Demut seine Geringheit und Gottes Alles erkennt, der ehrt Gott wahrhaft im Geiste und in der Wahrheit vollkommen, und Gott hat ein großes Wohlgefallen an ihm. Wer Gott aber mit großem Weltgepränge, mit allerlei nichtiger Zeremonie und langen Gebeten und Gesängen ehrt und preist und dabei glaubt, daß Gott das gefällt, der irrt sich gewaltig; denn solche Preisung ist vor Gott ein Greuel, so sie von den Priestern ausgeht; und so das unwissende Volk Gott dadurch zu ehren wähnt und dadurch sich von Gott eine Gnade erbitten will, so wird es von Gott nicht erhört werden, damit es zur Einsicht kommt, daß Gott an solchen großen und prunkvollen Gebeten und Verehrungen gar kein Wohlgefallen hat.[2]
Wenn die Menschen anfangen, auf äußerliche Gebärden einen größeren Wert zu legen, als sie der inneren Lebenswahrheit nach sollten, und das allein wahre Innere in Ermangelung des Äußern für nicht genügend und am Ende sogar für wertlos halten, dann verleiten gewisse, wie eingeweihte und von Gott erwählte und berufene Priester das Volk dahin, daß es dem gewöhnlichen Menschen genüge, nur das von ihnen vorgeschriebene Äußere zu beachten und es höchst zu verehren. Gott habe nicht das geringste Wohlgefallen, sondern nur gerechtes Mißfallen an einem eigenmächtigen inneren Beten, Bitten und Danken, das von Gott als eine Frechheit und Gotteslästerung angesehen werde. So entfernen sich die Menschen zunehmend von Gott. Die wahre und reine Liebe wird in eine gespenstische Furcht verkehrt und der lebendige Wahrheitsglaube in einen finsteren heidnischen Aberglauben, bei dem sich dann eine träge und zu jedem Betrug fähige Priesterkaste irdisch mästet, während die gewöhnlichen Menschen dabei in aller geistigen Not schmachten und sich von den Priestern auch noch die grellsten Androhungen von ewigen Höllenstrafen gefallen lassen müssen, solange bis Gott endlich wieder durch den Mund eines neu erweckten Propheten zu den Menschen ruft: "Siehe, dieses Volk ehrt Mich mit den Lippen und eitler und toter Weltzeremonie, aber sein Herz ist ferne von Mir!" Jes 29.13 [3]
Um ein Volk so dumm als möglich zu machen und unempfindlich gegen jeden Druck (Steuern usw.), ist nichts besser als tausenderlei Spektakel und Zeremonien. Dadurch wird die allerauswendigste Schaulust erweckt (Anm.: das Sehen wird nach außen gekehrt), wodurch der Mensch in den rein tierischen Zustand zurücksinkt und völlig verblödet.[4]
Christentum
Jesus warnte Seine Jünger davor, Seine Lehre mit den alten Zeremonien zu verbinden, wodurch ein Augiasstall (Riesensaustall) entsteht, der am Ende wieder durch ein allgemeines Gericht gereinigt werden muß.[5]
An der Zeremonie liegt weder etwas Beseligendes, noch etwas direkt Tötendes. Da in der Welt alles unter einer gewissen Zeremonie (Prozeß oder Prozedur) geschieht, so kann auch die Kirche in ihrer Äußerlichkeit Zeremonien haben. Nur soll niemand darin einen Verdienst für das ewige Leben suchen, denn da hilft nur ein zerknirschtes demütiges Herz, voller Gottes Liebe und Gnade. Man kann entweder durch den Gehorsam in der Zeremonie in die Demut, dadurch zur Gnade und durch diese zur Wiedergeburt gelangen, oder sich wie die Heiden in der toten Zeremonie begraben und so zugrunde gehen. Wie ein Baum wächst, Äste und Zweige treibt, dann Knospen, Blätter, Blüten, was mit der Zeit alles als wert- und nutzlos wegfällt, damit die Frucht frei und wirksam gedeihen kann, so ist das der Fall bei der zeremoniellen Kirche. Wer alles zusammen essen würde, der könnte das nicht überleben. Nur die reife Frucht ist segnend genießbar, obwohl es nicht selten auch schon in der Blüte heilsame Kräfte gibt, um Krankheiten zu beseitigen. Diese vegetativen Vorgänge sind gleich der toten Zeremonie; aber sie sind der Ordnung wegen doch notwendig, denn wie sonst sollte die Frucht zum Vorschein kommen?[6]
Die jüdische Kirche war eine vorbildende, rein zeremonielle, als Blätter und Blüte zur lebendigen Frucht des Wortes der ewigen Liebe (=Jesus). Sie war rechtens, denn sie war, was sie hat sein müssen. Auch Kinder kann man Gott und Seinen Willen schwerlich besser als mithilfe der zeremoniellen Anschauung erkennen lehren. Jeder Mensch ist anfangs wie die Juden und Kinder und bedarf der kirchlichen Zeremonie, solange er noch Kind ist - nur hat er dabei nicht zu verbleiben. Wer die Elementarklasse durchgemacht hat, der trete in eine höhere Klasse und lerne da lesen und schreiben und rechnen in der Liebe Gottes und zu handeln in der Gnade der göttlichen Weisheit. Und dessen Herz liebend rein geworden ist, der komme dann in die Schule Gottes, in der er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die Wiedergeburt. Wer aber an der an sich toten Zeremonie hängenbleibt, der geht selbst in den Tod über, da er so dumm und finster war, in äußeren sinnlichen Mitten den Zweck zu suchen, was der größte Unsinn ist, da er nicht nur das Kind mit dem Bad ausschüttet, sondern das Kind wegwirft und das Bad behält. Der Weise behält das Kind und die Wanne, um das Kind noch öfter baden zu können, und schüttet nur das Bad weg. Wer zur Frucht gediehen ist, der fehlt nicht, wenn er sich öfter umsieht und da die Wendung seines geistigen Lebens wohl achtend durchgeht; Wer jedoch seine Kinderschule verachtend, sich gleich einem Geier stolz erhebt und von schwindelnden Höhen mörderisch die bescheidenen Taubenhäuser anblickt und gierig auf deren Fall hinsieht, um dadurch etwas zu gewinnen, ist dem Herrn nicht angenehm.[7]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Der Saturn 45.3-10
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 8.95.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 9.209.1-4
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.196.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Großes Evangelium Johannes 5.131.9
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.51.8-9
- ↑ Lorber, Himmelsgaben 3.52.10-12