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Blindglaube

Aus Prophetia
(Weitergeleitet von Blinder Glaube)

Negativer Blindglaube

Zwischen dem rechten Glauben und dem stumpfsinnigen Blindglauben, der eine Trägheit des Verstandes ist, besteht ein endlos großer Unterschied. Der wahre Glaube nimmt alle Leibes-, Seelen- und Geisteskräfte in den vollsten Tätigkeitsanspruch; der Blindglaube aber ist ein Froschglaube, der sich wie ein Frosch mit jeder noch so schlechten Pfütze begnügt. Ein Stumpfgläubiger begnügt sich mit allem Unflat und weiß am Ende nicht zu unterschieden, was Himmlischen und Höllisches ist in der Lehre, der er stumpfgläubig blind Folge leistet.[1]

Einen Glauben sollte man nur annehmen, wenn einem etwas einleuchtend ist und man es im Geist bestimmt erfasst hat. Für den freien Menschen ist der Zustand des Blindglaubens der schlimmste, denn ein blinder Glaube verursacht den Tod des Geistes. Daher ist ein eigenes Urteil um vieles besser, auch wenn es noch so kümmerlich ist, als ein bloß durch die Autorität und Bürgschaft eines Predigers angenommener Blindglaube. Gott hat den Menschen zu einem freien Leben erschaffen, und nicht um ein träger Sklave eines ruhmsüchtigen Predigers zu sein. Die Kinder Gottes sollen freitätig sein, und nicht gerichtet, wie die Geschöpfe, wie die Tiere, die allzeit dem Willen des Schöpfers entsprechen müssen. Den Menschen wird der Wille Gottes geoffenbart, damit sie diesen durch den eigenen freien Geist als allein gerechten und wahren beurteilen, erkennen und sich wie zu ihrem Eigentum machen und danach handeln.[2]

Mit dem blinden Glauben ist niemandem gedient; denn heute glaubt er es, morgen aber kommt ein Stärkerer über ihn, und er glaubt dann dem Stärkeren aufs Wort, freilich mit nicht mehr Nutzen für sein Leben, als er zuvor geglaubt hat. (nach Philopold)[3]

Positiver Blindglaube

Die Apostel sind durch die nötigende, sichtbare Gegenwart des Herrn gebildet worden und konnten aus dieser Notreife vieles nicht ertragen, was Jesus ihnen hätte sagen können. Wer an Jesus glaubt und Ihn liebt, ohne den Herrn zu sehen, der ist fähig, Größeres als die Apostel zu ertragen. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Joh 20.29 [4]

Wer nichts hört und nichts sieht und doch fest und ungezweifelt glaubt, dass Jesus Christus wahrhaftig der Sohn Gottes und Gott Selbst von Ewigkeit ist, dessen Verdienst in Seinem Namen steht höher denn das eines Apostels, der seine Finger in Seine Wundmale legte und dann erst glaubte, da er hat gesehen, gefühlt und gehört. Das Lob der gerechten Blinden ist dem Herrn lieber denn die Danklieder der Sehenden und Hörenden. Es ist leichter, zu sehen und zu folgen dem Führer, denn als Blinder zu folgen aus Liebe Dem, den er nicht sieht und nicht hört, sondern Ihm allein folgt durch den Glauben, durch das Vertrauen und durch die Liebe. Für die Schwachen ist der Herr ein kämpfender und schützender Held, für den Sehenden ein freundlicher Führer und Lehrer. Seliger zwar ist das Schauen, darum aber nicht verdienstlicher als der umschleierte feste Glaube.[5]

Es sind zwei Wege, die zum Vater führen: der eine heißt die wahre, eifrige Erkenntnis Gottes, der andere aber heißt die Liebe. Wer Gott schon vor der Erkenntnis - d.h. solange man nur vor Ihm gehört hat und Ihn nicht kennengelernt hat - liebt, der wird das (ewige) Leben in Fülle überkommen; wer aber Gott nach der Erkenntnis liebt - d.h. obwohl er von Ihm gehört hat, Ihn aber erst liebt, nachdem er Ihn kennengelernt hat - der wird auch leben, aber nicht im Herzen, sondern im Reich der Gnade als ein wohlbelohnter Diener. Das ist fürs Leben von größter Wichtigkeit. (nach Kisehel)[6]

Siehe auch

Quellenverweise