Allgegenwart
Gott ist vom Ersten bis zum Letzten Seiner Ordnung allgegenwärtig vermittels der Wärme und des Lichts aus der Sonne der geistigen Welt, in deren Mitte Er Sich befindet. Gott Selbst ist nicht ausgedehnt, erfüllt aber gleichwohl alles Ausgedehnte des Weltalls. So ist Er allgegenwärtig und nimmt durch Seine Allgegenwart alles wahr.[1]
Wesen
Gott ist stets derselbe, im Raum ohne Raum und in der Zeit ohne Zeit. Daraus folgt, dass die Natur von Ihm getrennt ist, Er aber gleichwohl in ihr allgegenwärtig ist, etwa so wie das Leben in allem Substantiellen und Materiellen des Menschen, obgleich es sich nicht mit diesem vermischt. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Licht im Auge, dem Schall in den Ohren, dem Geschmack auf der Zunge oder mit dem Äther, der, alles durchdringend, den Erd- und Wasserball zusammenhält und herumtreibt, usw. Würden diese wirkenden Kräfte hinweg genommen, jene Substanzen und Materien müssten im Augenblick zusammen- oder auseinanderfallen. Der menschliche Geist würde wie eine aus dem Wasser aufsteigende Blase in der Luft zerfließen, wäre Gott nicht überall und zu jeder Zeit in ihm gegenwärtig. Folglich stellt das Weltall seinem Wesen und seiner Ordnung nach die Fülle Gottes dar.[2]
Gott ist Seinem Wesen und Willen nach unendlich und somit auch allgegenwärtig. (nach Johannes)[3] Gott durchdringt mit Seinem allmächtigen Willen wirksamst die ganze Unendlichkeit vom Größten bis zum Kleinsten. Wenn dem nicht so wäre, müssten alle Dinge augenblicklich ihr objektives Dasein verlieren. Dennoch ist Er Sich gleich aller Seiner zahllos vielen Geschöpfe vom Größten bis zum Kleinsten als klarst gegenwärtig bewusst. (nach Micha)[4]
Gott ist in der ganzen Unendlichkeit überall zu Hause, da Er in allem und jedem das Urbelebungs- und Erhaltungsprinzip ist und ohne Ihn nirgends etwas ist und besteht. Daher ist der Himmel allenthalben, wo Seine Liebe und Weisheit waltet, und in der starren Materie besteht allenthalben das von der Macht Seines Willens ausgehende Gericht und der scheinbar ewige Tod. Daher heißt es, der Himmel ist Sein Thron und die Erde – durch die sämtliche Materie dargestellt ist – der Schemel Seiner Füße. Jes 66.1, Apg 7.49 [5]
Der ewige Schöpfungsraum ist angefüllt mit dem Geist Gottes, das ist pure Liebe, Leben, Licht und Weisheit.[6] Das göttliche Sein oder Selbst ist nicht an einem bestimmten Ort; es ist vielmehr bei denen, die an einem Ort sind, und zwar je nachdem sie es aufnehmen. Liebe und Weisheit, oder das Gute und Wahre, das Leben, die das Selbständige in Gott, ja Gott Selbst sind, kann keinerlei Ort noch Fortbewegung von Ort zu Ort zugeschrieben werden. Daher die Allgegenwart.[7] Die göttliche Allgegenwart kann beleuchtet werden durch die wunderbare Fähigkeit der Engel und Geister in der geistigen Welt, sich einander gegenwärtig darzustellen. Siehe dazu Zeit und Raum im Jenseits[8]
Im Ordnungswidrigen - und ordnungswidrig ist nur, was außerhalb des Innersten ist - ist Gott dadurch allgegenwärtig, dass er unablässig damit kämpft und fortwährend danach strebt, es in die Ordnung zurückzubringen.[9]
Einwände
Ist Gott auch in gottlosen Menschen gegenwärtig?
Gott wohnt in allen Menschen, sowohl den himmlischen, irdischen als auch in denen, die sich in der Hölle befinden; denn daher stammt all ihr Können, Wollen und Verstehen. Das wechselseitige Wohnen in Gott ist aber nur jenen Menschen möglich, die nach den Ordnungsgesetzen leben, die im Wort Gottes gegeben sind.[10]
Der Mensch ist auf Grund der göttlichen Allgegenwart in Gott, soweit er nach der göttlichen Ordnung lebt. Joh 15.4 Er ist als Form der göttlichen Ordnung erschaffen und daher ist Gott in ihm - jedoch nur in dem Maß, als er vollkommen nach der göttlichen Ordnung lebt. Durch ein Leben nach der Ordnung gelangt der Mensch in Gott, weil Gott im Innersten des Universums und all seiner einzelnen Teile gegenwärtig ist, denn diese sind in der Ordnung. Er wird zu einem Bild Gottes, ihm wird das Paradies zum Eigentum und die Frucht vom Baum des Lebens zur Speise gegeben. Lebt der Mensch nicht danach, so ist zwar Gott dennoch in ihm, aber nur in der obersten Region seines Gemüts. So bewirkt Gott, dass der Mensch gleichwohl das Wahre einsehen und das Gute wollen kann, d.h. die Fähigkeit zu verstehen und die Neigung zu lieben hat. Doch verschließt der Mensch soweit er wider die göttliche Ordnung lebt, die unterer Regionen seines Gemüts oder Geistes und verhindert so, dass Gott herabsteigen und diese Regionen mit Seiner Gegenwart erfüllen kann. Gott ist daher zwar in ihm, aber er ist nicht in Gott. So jemand begibt sich zum Baum der Erkenntnis, verhandelt dort mit der Schlange und isst, wird dann aber aus dem Paradies vertrieben. Gott verlässt den Menschen nicht, sondern dieser verlässt Gott. Eine wirkliche Abwesenheit Gottes vom Menschen kann es nicht geben, ebenso wenig wie eine Abwesenheit der Sonne mit ihrer Wärme und ihrem Licht von der Erde, doch empfinden die irdischen Gegenstände die Kraft der Sonne nur soweit, als sie ihre beiden ausströmenden Kräfte in sich aufnehmen.[11]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 49; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 63; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 78c
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 30b; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 63
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 198.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.128.6
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.17
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 4.257.10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 25c
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 64
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 70b
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 74c
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 49; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 70; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 70b; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 74c