Essäer

Die Essäer oder Essener waren eine (jüdische) Sekte. Einige von ihnen hatten beachtliche Kenntnisse in der geheimen Apothekerkunst, wodurch sie so manche Übel zu heilen imstande waren und gewisse Erscheinungen bewerkstelligen konnten, die für Laien wie Wunder erscheinen mussten.[1]
Wesen
Die Essäer waren ein Überbleibsel der alten ägyptischen Priesterkaste. Sie verfügten über große Schätze - Gold, Silber, Edelsteine, Perlen - und hatten sich zur Zeit Jesu an der Grenze zwischen dem gelobten Land und Ägypten eine wahre Wundermühle errichtet; eine zweite besaßen sie auch in der Nähe von Jerusalem, mit der sie auch die besten Geschäfte machten. (nach Johannes)[2]
Die Essäer lebten nach der Schule des Pythagoras und waren wegen ihrer reinen Philanthropie von niemandem wohl gelitten, außer von einigen wenigen Römern.[3] Einige der Essäer waren dem Weltverstand nach bestens gebildet; sie hatten alle Schulen Persiens und Ägyptens durchgemacht, ebenso die der Weisen Griechenlands und auch die der alten Juden.[4]
Lehre
Die Essäer predigten ihren Bekennern einen Gott und eine Auferstehung und bewerkstelligten mit vielen Kosten Wunderdinge, um dadurch für ihre Blindlehre Anhänger zu gewinnen. Dabei waren ihre Worte aber nur pur Lug und Trug, weil sie selbst nicht glaubten, was sie dem Volk lehrten. Sie hatten eine Lehre fürs Volk und eine ganz andere für sich selbst, von der sie dachten, diese sei wahr. Das Volk sollte von dieser vermeinten wahren Lehre aber nichts vernehmen, um in der vermeinten Lüge ruhig und glücklich zu sein. Der Grundsatz der Essäer war: "Man muss mit gutem Willen die Menschen betrügen und anlügen, wenn man sie glücklich machen will; denn die Wahrheit tötet die Wohlfahrt der Menschen dieser Erde!"[5] Weltlich genommen konnte man die Essäer für ihre Lehre nicht zu sehr tadeln. Geistig aber waren sie über alle Maßen verwerflich. Die Essäer waren die Allerletzten, obschon sie die Allerersten sein sollten. Der gute Wille, die Menschen durch Betrug und Lüge irdisch glücklich zu machen, nützte ihnen nichts, weil sie dadurch die Seelen der Blinden töteten. Sie wurden von Gott aus geduldet, weil sie dem Volk mit ihrer vermeintlichen Lüge mehr Wahrheit gaben als sich selbst, denn was sie für Wahrheit hielten, war ganz Lüge, was sie aber das Volk lehrten, nur zur Hälfte Lüge.[6]
Vor den Menschen müsse die Wahrheit verborgen werden, damit sie glücklich sein können
Nach der Lehre der Essäer müsse es eine Gesellschaft von tiefgebildeten Menschen geben, die für die Beglückung ihrer Mitmenschen alles aufbot. So eine gebildete Gesellschaft hatte durch jahrelanges Lernen, Denken und Forschen gefunden, dass der Tod die letzte Linie aller Dinge sei, und dass es nach dem Tod kein Bewusstsein und kein Leben unter irgendeiner Form mehr gäbe. Die Glieder der Gesellschaft hatten Philosophie genug, um das Leben zu verachten und lange nicht als höchstes Gut zu betrachten; aber um die Außenmenschen glücklich zu machen, müsse ihnen ein vollkommeneres Leben der Seele nach dem Tod gepredigt werden. Dafür müsse man Scheinwunder zu Hilfe nehmen. Dazu aber gehörte vonseiten der eingeweihten Mitglieder die tiefste Verschwiegenheit, und die strengste Pflicht, vor den Außenmenschen die Wahrheit zu fliehen, denn jede Wahrheit machte den Menschen zum Sklaven des Todes. Darum auch schon bei Moses, der in alle Weisheit und Wahrheit der ägyptischen Priesterkaste eingeweiht war, der Spruch mit dem Baum der Erkenntnis - was soviel heiße als der Baum der Wahrheit: Wer von ihm esse, der sterbe. (nach Bartholomäus)[7]
Hauptgrundsatz sei die ewige Liebe
Der Hauptgrundsatz müsse die Liebe sein, von Gott aus verpflichtend, weswegen die Menschen durch Gesetze, die Gott geoffenbart habe, streng zur Ausübung dieser Tugend angehalten werden müssten. Dafür müsse ihnen Gott Selbst einerseits als ein guter Vater voll der höchsten Liebe, andererseits den Widerspenstigen gegenüber auch als allergerechtester Richter dargestellt werden, der alles Gute der gepredigten Liebe gemäß ewig belohnt, alles Böse aber auch als der gepredigten Liebe zuwider zeitlich und ewig bestraft. So würde die Menschheit am leichtesten im Zaum gehalten und zu allerlei guten und nützlichen Dingen zu verwenden sein. (nach Bartholomäus)[8]
Unterdrückung von Wahrheit und Aufklärung
Wenn ein Mensch anfing, seinen Mitmenschen die Wahrheit zu predigen und die der Essäer zu verdächtigen, dann solle dieser so schnell wie möglich entweder aus dem Weg geräumt werden, oder noch besser, womöglich für die Anstalt gewonnen werden. Denn nichts sei gefährlicher als was immer für eine Aufklärung im Bereich des Glaubens an einen Gott und an ein ewiges Leben. (nach Bartholomäus)[9]
Trugwunder der Essäer
Was die Wunder der Essäer betraf, so waren dies nichts als lumpige Betrügereien. Sie waren darauf ausgelegt, jeden Nichteingeweihten, wenn auch sonst noch so vernünftigen und erfahrenen Menschen, breitzuschlagen. (nach Johannes und Bartholomäus)[10]
Es gab einen mit sehr hohen Mauern eingefriedeten Garten mit einem Wald, in dem man Bäume, Felsen, das Gras und sogar eine Quelle reden hörte. Es gab auch zahme Schlangen, die täglich mit Milch gefüttert wurden und auch diese redeten hin und wieder. Täglich wurden da 30 bis 40 Fremde um viel Gold und Silber breitgeschlagen. (nach Bartholomäus)[11]
Mondwunder
Beim Mondwunder schrieb ein Essäer dem Anschein nach in den Mond hinein.[12]
Realisierung: Der vermeintliche Mond war ein künstlicher Mond, der von fünfzig starken Männern auf einer sehr langen Stange vom Erker des Schlosses der Essäer in einem bestimmten Winkel hochgehalten werden musste. Er bestand aus einem Reif, der zu beiden Seiten mit weißem Pergament überzogen war. Innerhalb dieser Pergamentdeckel befanden sich helle Öllampen. Die dem Schloss zugekehrte Seite war mit großen, schwarzen Buchstaben beschrieben. Wenn nun ein Fremder schnell an ein bestimmtes Fenster geführt wurde, dann sah er am Firmament den beschriebenen Vollmond, wobei die Stange aus dem bestimmten Fenster aber nicht bemerkt werden konnte. (nach Bartholomäus)[13]
Sonnenwunder
Beim Sonnenwunder behauptete ein Essäer, er werde die Sonne auf mehrere Augenblicke lang vollkommen finster machen. Als es dann auf der ganzen Erde finster war, entzündete sie der Essäer wieder, bewogen von den glühenden Bitten der Zuseher.[14]
Realisierung: Es handelte sich dabei lediglich um eine natürliche Sonnenfinsternis, welche die Essäer zu berechnen verstanden, was sie von Ägyptern erlernt hatten. (nach Bartholomäus)[15]
Wunderpalast
Dem Rezipienten wurde ein bedeutender Berg gezeigt, der gut die zweifache Höhe eines Schlosses hatte. Dieser wurde dann über Nacht zu einem prachtvollsten Palast umgestaltet.[16]
Realisierung: Der Palast war schon lange erbaut. Über ihm befand sich auf einem starken und hohen Pfeiler eine große Kuppel. Dort war eine Leinwand, mit der die Essäer den Palast in einer halben Stunde in einen scheinbaren Berg oder in der gleichen Zeit den Scheinberg wieder in den wirklichen Palast verwandeln konnten. (nach Bartholomäus)[17]
Totenerweckung
Bei der Totenerweckung wurde der Fremde in eine große, dunkle Kammer mit einem starken Leichengeruch geführt, worin viele Leichen auf eigenen Leichenbetten umherlagen. Ein Essäer erhob dann die Hände und erweckte sie mit mächtiger Stimme. Daraufhin erhoben sich die Toten und bedankten sich mit großer Inbrunst für ihre Erweckung. Der Essäer begrüßte sie ebenfalls sehr freundlich und entließ sie danach. Dies geschah regelmäßig. Der Oberste der Essäer belebte sogar Gerippe. Dafür wurde der Rezipient in eine noch dunklere Kammer geführt. Dort wurden ihm eine große Menge von Gerippen gezeigt, die ebenfalls auf reihenweise gestellten Bänken lagen. Diese Gerippe wurden dann unter Flammen zu vollkommenen Menschen erweckt, die sich beim Obersten für die erwiesene Gnade bedankten.[18]
Realisierung: Bei den sogenannten Toten handelte es sich natürlich gar nicht um wirklich Tote. Der Apostel Bartholomäus war selbst zwei Jahre lang bei den Essäern als Toter im Dienst. Er war alle Wochen hindurch viermal tot, sowohl in der Kammer der jüngst Verstorbenen, als auch in der Kammer der Totengerippe. Diese Gerippe waren zumeist nur gemalt, lediglich die ersten, wegen des Anfühlens seitens der eingeführten Fremden, aus Holz geschnitzt. Diese Gestelle waren Bänke mit halbrunden Überdeckeln, die mit der Unterbank mit Bändern zum Auf- und Zumachen versehen waren. Die lebendigen Menschen mussten sich nun auf die Unterbank legen, dann wurden über ihnen die zumeist nur bemalten beiden Seitenflügel zugemacht. Sobald die Fremden in das sehr dunkel gehaltene Zimmer kamen, wurde die Erweckung bewerkstelligt. Der Erweckungsruf dabei war nichts anderes als ein Zeichen für die außerhalb der Gruft harrenden Knechte, mittels fein gepulvertem Harz in einer Vorrichtung die Flammen zu bewerkstelligen, wodurch die Fremden erschreckt wurden und die auf den Bänken Liegenden schnell die Deckel auseinander reißen mussten, um dann ihrem Erwecker Dank und Preis darzubringen. (nach Johannes und Bartholomäus)[19]
Erweckung verstorbener Kinder
Die Essäer erweckten hin und wieder wirklich verstorbene Kinder reicher Eltern nach vielen Bitten um viel Gold und Silber, was aber ein bis zwei Jahre dauerte.
Realisierung: Eine Art Heiland von einem Essäer ging zu den traurigen Eltern und erkundigte sich ganz genau um alles, was das verstorbene Kind betraf, wobei nicht die geringste Kleinigkeit verschwiegen werden durfte, denn sonst könne die Wiedererweckung nicht bewerkstelligt werden. Die Eltern erzählten dann auch alles und meinten ungezweifelt, der forschende Essäerheiland benötige solches wirklich zur Erweckung. Dieser aber brauchte es zu etwas ganz anderem. An der Grenze von Ägypten nämlich hatten die Essäer eine große Menschenzuchtanstalt. Sie nahmen sich geschickt ein Abbild von dem Verstorbenen, den sie bald darauf begruben. Mit diesem Abbild suchten sie dann unter den Tausenden von Kindern jeden Alters das ähnlichste heraus und erzogen es sorgfältig in allem dem, was sie vom Verstorbenen wussten. Sie führten es oftmals geheim an die Orte hin, an denen der Verstorbene oft war, luden dessen Freunde ins Kloster und machten den Neuerweckten mit ihnen vorteilhaft bekannt. Auch fanden sie die Einrichtung des zukünftigen Elternhauses möglichst genau heraus. Kurz: Die Sache wurde so klug bestellt, dass die Eltern darüber auch nicht den allergeringsten Zweifel hatten, dass das von der Erweckungsanstalt ihnen als wieder lebendig zurückgegebene Kind echt sei. Natürlich wird diese Rückgabe dann ungeheuer bezahlt. Armen Eltern kam so ein Wunder freilich fast nie zugute. Sie wurden nur getröstet und durch billige Wunder im Glauben bestärkte, ihr verstorbenes Kind sei direkt ins Elysium aufgefahren, was die Eltern auch wieder froh stimmte. (nach Bartholomäus)[20] Man kam dann aber hinter das Geheimnis und wusste was für eine "Totenerweckung" das in Wirklichkeit war. (nach Pharisäern)[21]
Nahrungswunder
Der Fremde wurde zum Speisen eingeladen und setzte sich an einen langen, leeren Tisch. Der Oberste der Essäer verrichtete ein Gebet in fremder Sprache, sah gen Himmel, alle folgten seinem Beispiel, da krachte es auf einmal und plötzlich war der Tisch mit den besten Speisen und Getränken vollbesetzt.[22]
Realisierung: Es handelte sich bei dem Tisch lediglich um eine höchst einfache Maschine, die in etwa wie die Gerippebänke in der dunklen Kammer (siehe oben) funktionierte. (nach Bartholomäus)[23]
Jesus und die Essäer
Jesus achtete der Essäer nicht, da sie die Unsterblichkeit der Seele nicht anerkannten.[24] Die Lehre von Jesus besteht darin, um alle Kosten des Leibes und alles dessen Glückes die Seele zu retten und ihr ein wahres, ewiges Leben zu bereiten - und nicht umgekehrt. Seine Worte waren nicht wie die eines Menschen dieser Welt; sie bewirkten das ewige Leben. Hingegen die Worte der Essäer, die sie dem Volk predigten, waren pur Lug und Trug, weil sie selbst nicht daran glaubten.[25]
siehe auch Falsche Vorstellung: Jesus sei ein Essäer
Jenseits
Jenen Essäern, die das Volk belogen, denen wurden jenseits die von ihnen Betrogenen zu Richtern.[26]
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.223.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.125.16
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.128.9; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.129.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.104.10; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.104.19
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.99.9; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.104.10-12; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.104.20
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.99.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.99.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.99.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.17
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.18
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.97.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.97.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.16
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.97.6-8; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.97.19-20
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.10-12
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.97.9-17; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.50.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.6-8
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.99.1-4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.144.13
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.97.9-19
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.98.16
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.125.17
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.104.10-20
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.104.14