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Jesus in Gethsemane

Aus Prophetia

Wesen

Die ganze Schöpfung wurde einzig und allein durch die Liebe Gottes erschaffen, wobei die böse Welt aber schnurgerade entgegen der Heiligkeit Gottes war, wodurch das Bestehen der Liebe, die solches hervorgerufen hatte, ein selbstverdammliches war. All der namenlosen Taten der Menschen wegen musste die Liebe Gottes verdammt sein von der Heiligkeit Gottes, weil die Taten selbst verdammt waren als Erscheinungen in der Welt, die aus der Liebe Gottes hervorgegangen ist. So standen der Liebe nur zwei Wege offen: Entweder sie kehrt zu Gott zurück, wird Eins mit Ihm und vernichtet durch die Kraft Seiner Heiligkeit alles das, was aus Ihr hervorgegangen ist, oder aber Sie trennt Sich mit allem Vorwurf beladen, mit der höchsten Verdammlichkeit, von Gott, belebt und heilige Ihre Werke und tut in Ihrer unendlichen Demütigung Genüge der ebenso unendlichen Heiligkeit Gottes. Wäre die Liebe Gottes nicht die ebenso unendliche Liebe selbst, wie Gott die unendliche Heiligkeit Selbst ist, so hätte Sie freilich das erste getan. Allein die Liebe Gottes vermochte das Unaussprechliche aussprechlich zu machen, verleugnete ihre Heiligkeit und machte Sich unheilig, da sie sich belastete mit aller Schuld, und somit auch mit des Todes schwerster Bürde. Als nun Jesus im Garten Gethsemani, dem sogenannten Ölberg, zu Gott, von dem Er Sich der Welt wegen getrennt hatte, betete, da erst erwachte vollends die große Blindheit Seiner Liebe und sah mit dem entsetzlichsten Grauen zwischen Sich und Gott die unendliche Kluft. Da bereute Er im Ernste, dass Er Gott verließ und Sich zum toten Werk Seiner eitlen Lust gewendet hatte, und damals stand die ganze Schöpfung in der großen Schwebe zwischen Sein und dem ewigen Nichtmehrsein. Hätte er den Kelch zur Seite gesetzt, wäre die Welt und alles unter ihr augenblicklich zunichte gemacht worden. Aber eben da, wo die Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung von Gott schwach geworden ist, da erbarmte Sich Gott Seiner Liebe selbst, stärkte Sie und gebot Ihr, den vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach insgeheim zu Ihr: "Noch sind zwischen Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit nicht berührt; daher senke Dich hinab in die äußerste Tiefe des Todes, welcher ist die äußerste Grenze im Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da wieder erfassen kann, da der ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt." – So ging Jesus geduldig diesem Ziel entgegen, allwo Er in dieser unendlichen Entfernung von Gott am Kreuze ausrief: "Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?" – und ferner: "Es ist vollbracht!" und "In Deine Hände empfehle Ich Meine Seele" – oder die Seele alles Lebens, oder die Seele, aus der alles, was da ist, hervorgegangen ist.[1]

Siehe auch

Quellenverweise