Murel
Murel gehörte zu den fünfzig Erzjuden von Cäsarea Philippi, die von Stahar angeführt wurden.[1]
Wesen
Murels Geist hatte eine große Festigkeit und in seiner Seele lagen sehr viele gut brauchbare Erfahrungen zu Grunde, mit deren Hilfe er ganz gut alles Wahre vom Falschen und alles Gute vom Bösen unterscheiden konnte.[2]
Cyrenius kannte Murel als einen erstklassigen Redner und betrachtete ihn als sehr erfahren. Er kam stets als ein Abgeordneter zu ihm, wenn die jüdische Priesterschaft irgendein besonderes Anliegen hatte.[3]
Geschichte
Vergebliche Wahrheitssuche
Murel bereiste ganz Ägypten, um eine klare Überzeugung fürs jenseitige Leben zu finden. Dort besuchte er die Weisheitsschule in Korak und unterzog sich den qualvollen Einweihungen. Aber er fand nichts als Illusion, Dummheit und Betrug und zog wieder ab mit der Überzeugung, eine Menge Geld umsonst bezahlt zu haben. Daraufhin reist Murel mit einem Freund nach Persien, nach Indien und in Länder, die weit hinter dem Ganges liegen, bis zu den Bergen, die noch kein Sterblicher betreten hatte. Die beschwerliche und gefährliche Reise dauerte fünf Wochen. Schließlich kam er zu den Birmanen. Aber auch bei den Birmanen, bei denen er ein qualvolles Jahr lang blieb, fand er keinen Aufschluss über ein besseres, künftiges Leben. Darauf zog er mit einer persischen Karawane nach Hause, nach Jerusalem. Er wurde im Tempel bald Levite und darauf Pharisäer und kam dann nach Cäsarea Philippi, wo er elf Jahre Land als jüdischer Priester diente. (nach Murel und Philopold)[4]
Obwohl Murel durch eine Menge von allerlei Wissenschaften und Erfahrungen vorbereitet und bereichert war, wie geläutert schon sein Verstand war, begriff er dennoch den Moses und den Jesajas nicht. (nach Mathael)[5]
Der Fehler Murels lag darin, dass er das Verlorene an einem fremden Ort suchte, wo er nichts verloren hatte. Er fand gleich am Anfang seines Erkennens Moses und alle Propheten leer, geist- und wahrheitslos, hielt sie so wie alles für ein eitles Menschenmachwerk, nahm sich aber nie irgendeine Mühe, in den Geist der Schrift einzubringen. Stattdessen verschwendete er lieber Zeit und Gold, um die Wahrheit dort zu suchen, wo sie nie zu finden sein konnte. So fand er sich überall notwendig betrogen und hintergangen, fand nichts als Lüge, Heuchelei und den größten Betrug. Seine vielen bitteren Erfahrungen nützten ihm in der Folge nichts, außer dass sie ihm das Leben verhasst machten und ihm alle Liebe und Achtung und Ehrfurcht zu Gott nahmen. Hätte Murel die Wahrheit nur auf dem rechten Platz gesucht, nämlich in seinem Geist, so er wach wird durch die Liebe zu Gott und zu den Nächsten, er hätte sie sicher gefunden, wie viele andere vor ihm. In der Heidenschule in Korak und bei den alten Narren in Indien war die Wahrheit nicht zu finden. Von Dornen und Disteln erntet man nie Trauben und Feigen, und in den Pfützen und Morästen kommt der Weizen nicht fort.[6]
Die fünfzig Erzjuden
siehe Die fünfzig Erzjuden
Als Murel auf Jesus traf, bezeichnete er sich aufgrund seiner Erfahrungen und den argen Zuständen in der Welt als einen Feind des elenden Lebens. Er wollte weder Glaube, noch Hoffnung, sondern die Wahrheit von Jesus erfahren, weil er aus Seinen Reden und Lehren entnommen hatte, dass in Ihm auch die Wahrheit zu Hause ist und Er auch einer ist, der es mit der armen Menschheit ehrlich meint.[7]
Da Murel gesagt hatte, dass er Gott weder Liebe noch Furcht, oder einen Dank schulde, indem er Ihn nie gebeten habe, ihm ein Dasein zu geben, was den einstigen Vorwürfen des Philopold glich, schickte ihn Jesus vorerst zu Philopold, um sich mit diesem zu besprechen.[8] Philopold beschrieb Murel sein außerirdisches Vorleben und wie er darüber aufgeklärt wurde. Zudem erklärte er ihm das Sonnensystem und die Sterne. Daraus erkannte Murel, der in kurzer Zeit viel begriffen hatte, alle Menschen als Geschwistern und Gott als heiligen und guten Vater. In ihm erwachte die Liebe zu Gott. Er erkannte Jesus als den ins Fleisch gehüllten heiligen Gott und Vater, den er zu loben und preisen anfing. Der Herr gab ihm aus dem Becher, aus dem Er Selbst getrunken hatte, einen reinsten Wein. Murel solle seine Brust mit dem Wein der Wahrheit und der Liebe befeuchten, damit er kräftig und dem Herrn ein tüchtiges Rüstzeug werde, um die Nacht und ihre Folgen zu bekämpfen. Murel nahm den vollgefüllten Becher mit dem freudigsten Herzen und leerte ihn bis auf den letzten Tropfen.[9]
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.156.9-22; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.216.22; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.218.1-2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.217.4; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.218.13-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.217.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.218.14-23; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.220.1-2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.229.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.219.1-7; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.220.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.218.6-31
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.219.8-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.220; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.221; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.222; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.223;Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.224; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.225; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.226.1-2