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Jairus

Aus Prophetia

Jairus war ein Schuloberster und Pharisäer, der in der Nähe von Kapernaum einen schönen Landsitz hatte.[1] Er hatte in Nazareth eine neue Synagoge erbaut, die sich nicht weit entfernt vom Haus des Herrn befand.[2]

Charakter

Jairus glaubte an Jesus als den Sohn Gottes, machte aber, obwohl Jesus seine Tochter Sarah vom Tod erweckt hatte, dem äußeren Anschein nach aus weltlichen Rücksichten mit den argen Pharisäern gemeinsame Sache. Er ließ sogar Maria und den Söhnen von Joseph das Haus in Nazareth wegnehmen, wodurch sie obdachlos geworden wären, hätten sie nicht Freunde aufgenommen. Durch solches Mitläufertum erschöpfte Jairus dem äußeren Anschein nach sogar die Geduld des Herrn, sodass Er Sich weigerte, die Tochter zu heilen, als sie einige Zeit später schwer erkrankte und abermals starb. Der geheime Grund jedoch, weswegen Jairus den Herrn verleugnete, bestand darin, dass Er Ihn vor noch ärgerer Verfolgung beschützte. Deswegen erweckte Jesus die Tochter des Jairus dann auch erneut vom Tod.[3] Der Herr bezeichnete Jairus als einen der würdigsten Männer in ganz Nazareth. Er besaß die vollste Liebe Jesu und durch Ihn auch die vollste Gnade Gottes und kannte Jesus ganz.[4]

Geschichte

Erweckung der Tochter des Jairus

Erweckung der Tochter des Jairus (1871)

Als Jesus mit dem Schiff des Petrus auf den See Genezareth hinausfuhr, da näherte sich Jairus in einem Boot und bat den Herrn, seine sterbende Tochter wieder gesund zu machen. Daraufhin ließ Jesus Petrus zum Ufer zurücksteuern. Dort wartete eine solche Volksmenge, dass es um drei Stunden dauerte, bis das Haus Jairus erreicht war, das sonst zu Fuß in einer Stunde zu erreichen gewesen wäre.[5] Auf dem Weg kamen Jesus und den Seinen einige Diener des Jairus entgegen und brachten die Trauernachricht, dass seine Tochter bereits gestorben sei. Jairus fing laut zu weinen an, denn er hatte seine zwölfjährige Tochter, die sehr wohlgestaltet und -gebildet war, einen Wuchs gleich einem zwanzigjährigen Mädchen hatte und zugleich sein einziges Kind war, sehr gern. Der Herr bedauerte den so sehr traurig gewordenen Jairus und sagte zu ihm, seine Tochter sei nicht gestorben, sondern wäre nur eingeschlafen, und Er würde sie erwecken. Daraufhin beruhigte sich Jairus und fing leichter zu atmen an.[6]

Jesus sagte dem Volk und seinen Jüngern, die noch schwächeren Glaubens waren, sie sollten etwa tausend Schritt vom Haus des Obersten entfernt warten. Nur Petrus, Jakobus und dessen Bruder und Johannes durften mitgehen; denn auf deren Glauben konnte man schon Häuser bauen. Beim Haus des Obersten herrschte ein großes Getümmel, denn es wurde nach jüdischer Sitte geweint und geheult und Klagelieder gesungen. Als Jesus ins Zimmer trat, wo die Verstorbene lag, da sagte Er den Tumultuanten, dass die Tochter nicht verstorben sei, sondern nur schlafe. Diese lachten daraufhin den Herrn aus, denn die Tochter hatte schon seit Stunden keinen Atem und Puls, der ganze Leib war kalt und farblos geworden und das Auge erloschen. Jesus veranlasste Jairus, das Tummelvolk hinauszuschaffen, denn Er konnte ihren Unglauben nicht gebrauchen. Jairus versuchte dies vergeblich, worauf sie der Herr schließlich gewaltsam aus dem Haus jagte.[7]

Darauf trat Jesus zusammen mit Jairus, der Mutter und Seinen vier Jüngern wieder in das Gemach der Verstorbenen, ergriff diese bei der linken Hand und sagte "Talitha kumi!", d.h. er hieß sie aufzustehen. Und sogleich stand das Mädchen auf, sprang heiter und munter vom Bett, ging in ihrer früheren Lebhaftigkeit im Zimmer umher und liebkoste ihre verweinte Mutter und ihren Vater. Das Mädchen hatte Hunger und der Herr wies daher an, ihr etwas zu essen zu bringen, worauf sie beinahe eine ganze Schüssel mit Feigen und Datteln leerte. Daraufhin wollte das Mädchen wissen, wer Jesus sei, denn als sie auf dem Bett schlief, da sah sie die Himmel offen und eine große Menge lichter Engel. In der Mitte der Engel stand ein freundlicher Mann, der nach ihr sah, auf sie zuging, ihre Hand ergriff und "Talitha kumi!" sagte, worauf sie sogleich erwachte. Und dieser Mann sah gerade so aus, wie Jesus. Jairus verstand die Frage der Tochter nur zu klar, aber der Herr hatte ihm gewunken, worauf er seiner Tochter nur kurz erklärte, dass sie einen schönen und wahren Traum gehabt habe, den er ihr in Kürze ganz erklären werde.[8]

Nun wies Jesus Jairus an, mit seiner Tochter, der Mutter und Ihm ins Freie zu gehen, damit die draußen Wartenden ihres Unglaubens willen beschämt würden. Als diese die Tochter sahen, standen sie verblüfft und erschrocken da, entsetzen sich und wollten das Geschehen sogleich in der ganzen Gegend bekannt machen. Jesus aber bedrohte sie alle und gebot ihnen, bei ihrem leiblichen und geistigen Heil die Sache ja für sich zu behalten. Daraufhin schwiegen sie und entfernten sich.[9]

Jairus wollte wissen, wie er Jesus danken und entlohnen sollte, aber Jesus verlangte lediglich, er solle sich künftig nicht mehr an Ihm ärgern, wenn er dies oder jenes über Ihn hören werde. Denn bisher war Jairus wider Jesus gewesen, von nun an aber solle er für Ihn sein.[10]

Die Pharisäer sandten einen abscheulichen Bericht nach Jerusalem, in dem behauptet wurde, Jesus sei ein Volksbetrüger, Verführer und Aufwiegler. Die Tochter des Jairus sei gar nicht tot gewesen, als man Jesus berief, sie zu heilen oder vom Tod zu erwecken, sondern habe sich nur verstellt. In der Folge wurden überall bezahlte Spione und Meuchelmörder vom Tempel wie auch vom Herodes und dem römischen Landpfleger aus für Jesus bestellt, um Ihn aus der Welt zu schaffen.[11]

Abermaliger Tod und erneute Erweckung der Tochter

Einige Zeit später wurde die Tochter Jairus abermals so schwer krank, dass ihr kein Arzt mehr zu helfen vermochte. Jairus schickte daher Schiffer aus, die nach Jesus suchen sollten und Ihn auf dem See Genezareth antrafen, als Er mit Seinen Jüngern im Boot von Baram von Kis aus Richtung Kapernaum fuhr.[12] Da Jesus jedoch in der von Ihm verwünschten Stadt Kapernaum übel verleumdet worden war, ließ Er den Schiffern durch Baram ausrichten, dass Er die Tochter Jairus nicht anrühren werde, ehe sie drei Tage im Grab gelegen war. Daraufhin kehrte Jesus nach Kis zurück.[13]

Nachdem die Boten Jairus die Nachricht von Jesus brachten, berief dieser alle Ärzte der Gegend, auch Borus, der als ein Jünger von Jesus im Ruf stand, ein Wunderarzt zu sein, da er durch bloße Handauflegung sehr schwer Kranke augenblicklich geheilt hatte. Die Tochter von Jairus hatte jedoch eine derart beschädigte Lunge, dass auch Borus ihr nicht zu helfen vermochte.[14] Borus rügte die Pharisäer und Jairus wegen ihres groben Undankes gegen Jesus, worauf sich diese über ihn empörten und ihn bedrohten. Borus hatte jedoch vorgesorgt und trug ein Fläschchen tödliches Gift bei sich, womit er die Pharisäer in Schach zu halten vermochte.[15] Jairus begründete sein Mitläufertum mit struktureller Gewalt: Obwohl er an Jesus als Sohn des allerhöchsten Gottes keine Zweifel hege, bliebe ihm nichts anderes übrig, als mit dem reißenden Strom zu schwimmen, um nicht als ein verachteter Bettler zu enden oder getötet zu werden. Darauf erwiderte ihm Borus, dass es nicht recht sei, das Wohlleben und den Ruf in der Welt höher als die göttliche Wahrheit zu stellen und so anstatt zu einem Menschen ein Teufel zu werden. Seine Rede drang Jairus gleich glühenden Pfeilen ins Herz und er wollte schon seine Stelle als Oberster niederlegen, befürchtete aber das verderbliche Aufsehen, welches durch diesen Schritt bewirkt würde. Daraufhin verließ Borus das Haus des Obersten und eilte aufgeregt davon.[16] Die Tochter von Jairus starb abermals, als Jesus in Kis weilte.[17] Sie wurde in der Gruft von Jairus in der Synagoge in Nazareth bestattet.[18]

Jairus suchte den römischen Oberrichter Faustus auf, als dieser unter großem Aufsehen von Kis nach Kapernaum zurückgekehrt war. Faustus empfing ihn mit aller Achtung und Jairus berichtet ihm weinend, dass seine Tochter wieder gestorben sei und ihr kein Arzt hatte helfen können und Jesus nicht auf seine Boten hatte hören wollen. Sie lag nun schon seit Tagen modernd im Grab. Faustus schlug Jairus vor - so wie ihm der Herr davor geraten hatte - den Herrn mit ihm ohne Begleitung im nahen Nazareth aufzusuchen, da Jesus nichts unmöglich sei. So ritten beide mit gut laufenden Maultieren schnell nach Nazareth, wo Jesus im Haus Seiner Mutter weilte und wo auch Borus anwesend war. Als Faustus mit Jairus vor den Herrn trat, fiel Jairus weinend vor Ihm nieder und bat Ihn laut, ihm die große Sünde des Undankes zu vergeben. Jesus verzieh ihm sein Vergehen und ermahnte ihn, nicht noch einmal zu sündigen. Jairus führte Jesus und Faustus zur nicht weit entfernten Gruft und es durfte ihnen niemand folgen, nicht einmal die Apostel und Borus.[19]

In der Gruft enthüllte Jairus den tieferen Grund, weswegen er das falsche Zeugnis wider Jesus unterzeichnet hatte: Er wusste, dass die Priesterschaft nichts so sehr fürchtete, als die Ankunft des Messias, denn dieser würde sie überflüssig machen und ihnen alle ihre Reichtümer nehmen. Deswegen verschoben sie seine Ankunft so weit als möglich in die fernste Zukunft und hatten auch beinahe alle Propheten gesteinigt. Hätte Jairus den Herrn offen als den Messias bekannt, woran er selbst fest glaubte, dann wäre der Herr noch viel ärger verfolgt worden. Indem Jairus den Herrn aber als einen arbeitsscheuen Landstreicher erklärte, der da und dort Leute gesund mache und sich einen Namen in Israel als irgendein von Gott erweckter Prophet machen wolle, beschützte er Ihn. Diesen Umstand, den Jesus insgeheim kannte, war der Grund, weswegen Jesus sonst niemanden mitnahm und weswegen Er auch wieder zu Jairus kam, um ihm in seiner großen Not zu helfen.[20]

Jesus erweckte Sarah in der Gruft abermals vom Tod und gab ihr nun ein festes und langes Leben, in dem sie keine Krankheit mehr plagen würde und nach dem Er sie Selbst abholen und in Sein ewiges Reich führen werde. Sarah enthüllte Jesus, dass sie aus Liebe zu Ihm krank geworden und schließlich abermals gestorben sei, weil sie nach ihrer ersten Erweckung nichts mehr über Ihn erfahren konnte und man ihr sagte, Er sei gefangengenommen und den scharfen Gerichten überantwortet worden, weswegen ihr Herz brach. Von nun an wollte sie Jesus als die geringste Seiner Mägde überall hin folgen. Dies akzeptierten Jesus und Jairus. In der ersten Erweckung hatte Jesus die kaum sechzehn Jahre alte Sarah für Jairus erweckt, in der zweiten für Sich Selbst. Nach ihrer zweiten Erweckung, die soweit als möglich geheim gehalten wurde, sah Sarah durch die unbegreifliche Gotteskraft des Herrn besser aus als früher. Sie blieb nicht bei ihren Eltern, sondern bis auf weiteres bei Jesus und Maria und wurde bald darauf zur Frau von Borus.[21]

Zurücklegung des Amtes

Jesus schlug Jairus vor, sein hohes Amt niederzulegen und zu Borus zu ziehen. Dieser hatte seine Tochter Sarah geheiratet und war sein Schwiegersohn geworden. Da sich Jairus in der Schrift gut auskannte, konnte er Borus darin belehren, was diesem von großem Nutzen wäre. Borus seinerseits könnte ihn so manches in der Heilkunde lehren. Damit kam der Herr dem eigenen Wunsch von Jairus zuvor, der sein Amt dann auch aufgab, was der hohen Priesterschaft in Jerusualem sehr willkommen war, da schon zehn Aspiranten auf eine Oberstenstelle warteten, für die sie große Summen boten.[22]

Familie

Tochter: Sarah

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.111.6
  2. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.68.17-19
  3. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.228.15-16; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.229.1-5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.230.3; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.8.2; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.12.2-28
  4. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.85.8-9
  5. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.111.6-7
  6. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.112.1-5
  7. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.112.6-10
  8. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.112.11-18
  9. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.112.19-20
  10. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.114.1-2
  11. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.189.9-11; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.227.8
  12. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.227.3-5
  13. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.227.8-15
  14. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.228.3-4
  15. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.228.7-24
  16. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.229
  17. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.8.2
  18. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.69.1
  19. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.11.5-23
  20. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.12.2-5
  21. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.12.9-28; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.13.1-4; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.13.7-8; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.13.13-17; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.87.1-14
  22. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.47.5-6; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.48.5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.49.3-5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.54.6